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Selbstmord der liberalen Gesellschaft?

Kleine-Hartlage Einband.inddDie Universalismus-Debatte, die wir gerade in unserem Magazin führen, gehört ganz sicher zu den wichtigsten und grundsätzlichsten Auseinandersetzungen, die unsere Zeit bewältigen muß. Manfred Kleine-Hartlage beschäftigt sich ebenfalls seit Jahren mit Fragen rund um Islamkritik und Liberalismus. Im Verlag Antaios erscheint nun ein neues Buch von ihm über Die liberale Gesellschaft und ihr Ende. Über den Selbstmord eines Systems. Das Blog Politically Incorrect hat mit dem Autor über das Buch gesprochen:

Kleine-Hartlage: Es steht schlimm um die westliche Zivilisation und damit auch um deren freiheitliche Errungenschaften. Ich vergleiche in meinem Buch unsere Zivilisation mit einem kühn konstruierten Wolkenkratzer, der immer weiter ausgebaut wird: immer höher, immer schöner, immer luxuriöser. Das Problem ist: Er wird ausgebaut mit Material, das den Fundamenten entnommen ist und wird deshalb einstürzen, wenn das nicht aufhört.

Kleine-Hartlage widmet sich bezüglich der Fundamente insbesondere der Rolle der Aufklärung:

Was meinst du mit »aufklärerisches Paradigma«?

 

Ich meine damit die Idee der schrankenlosen Selbsterschaffung, Selbstbestimmung und letztlich Selbsterlösung des Menschen. Wenn man sie zu Ende denkt (und sie wird ja nicht nur zu Ende gedacht, sondern mit allen Konsequenzen auch politisch propagiert und praktiziert), bedeutet sie, dass der Mensch alles, was er bloß vorfindet und nicht selbst nach bewusstem Plan geschaffen hat, als Einschränkung seiner Freiheit verwerfen soll, und zwar einschließlich seiner selbst bis hin zu seiner geschlechtlichen Identität. Wenn man sich die Konsequenzen dieser Ideologie bewusst macht, sieht man sofort, dass sie destruktiver Wahnsinn ist.

 

Selbstbestimmung ist Wahnsinn?

 

Nein, der Versuch, die Gesellschaft auf der Idee schrankenloser Selbstbestimmung aufzubauen, ist Wahnsinn, zumal ich auch zeige, dass ein solcher Versuch zwangsläufig das Gegenteil von dem bewirken wird, was er bewirken soll. Ich habe ja vorhin gesagt, dass es auf ein vernünftiges Gleichgewicht von Freiheit und Bindung ankommt, und dass darauf die europäische Zivilisation beruht. Wenn man aber die eine oder andere Seite verabsolutiert, zerstört man dieses Gleichgewicht.
Der Westen und der Islam machen genau entgegengesetzte Fehler: Während die islamische Kultur nur Pflichten, Bindungen und Stabilität gelten lässt, setzt der Westen immer mehr nur noch auf Rechte, Freiheit und Dynamik. Führt das eine zur Erstarrung, so das andere zur Anarchie oder – zu deren Bändigung – in den Totalitarismus.

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4 Kommentare zu “Selbstmord der liberalen Gesellschaft?

  1. Stürzenberger hat vermutlich noch nicht einmal begriffen, dass er sich und seine gesamte pseudo-patriotische Neocon-Sekte mit der Veröffentlichung dieser Artikel selbst schlachten wird.

  2. teamleiter

    oh nein.
    ihr verlinkt PI.

    das gibt instinktiv minuspunkte.

  3. Herborner

    Wo wird Selbstbestimmung denn grenzenlos von der Politik propagiert? Höchstens unterhalb der Gürtellinie in der Spaßzone. Bei allen anderen Aspekten des Lebens zügelt mich der Nanny State und verkauft mir Sklaverei als Freiheit. Wer das dem Liberalismus ankreidet, der macht auch die Marktwirtschaft für Butterberge und Milchseen der Subventionswirtschaft verantwortlich. Es ist ja gerade der Liberalismus, der die Macht des kältestens aller kalten Ungeheuer beschränkt, gewachsene Bindungen zu zerstören.

  4. Urwinkel

    Bindungen werden auch hedonistisch zerstört. Das heißt, die Zerstörer haben eine perfide Freude daran, ihren Lebenslauf den noch-Unsicheren aufzustempeln; sie zu pathologisieren und vorzeitig als krank zu stigmatisieren. Nur damit man mitmacht.

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