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»Sieg des Kultur-Bolschewismus« in Großbritannien

nichts_gegen_auslaender1Gerade besonders niveauvolle, intellektuelle und nicht dem Massengeschmack entsprechende Filme sind oftmals ohne staatliche Subventionen kaum zu stemmen. In Großbritannien gibt es deshalb das British Film Institute (BFI), das jährlich ca. 30 Filme mit 27 Millionen Pfund bezuschußt.

Ein Klick zu Wikipedia verrät, daß das BFI gegründet wurde, um

die Fortentwicklung der filmischen Kunst einschließlich TV im Vereinigten Königreich zu betreiben und zu fördern, ihren Gebrauch als Dokumentationsmedium der Alltagskultur und der Festtagssitten zu ermöglichen, die Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit Kino, Fernsehen und Videokameras zu unterstützen, die Medienwirkungen auf die Gesellschaft zu untersuchen, den Zugang zum größtmöglichen Umfang an Produktionen des britischen und des weltweiten Filmschaffens zu ermöglichen und per Archivierung und Bearbeitung der Wertschätzung des Publikums zu dienen, sammelnd die gesamte Filmerzeugung des Landes [= analog der Nationalbibliothek] als nationales britisches Erbe zu erfassen und zu erhalten.

Das BFI untersteht direkt dem britischen Kulturministerium. Nun kann man schon einmal aus grundsätzlichen Erwägungen heraus ein Gegner einer solchen Konstruktion sein. Der Kultursektor kann nur unabhängige und wertvolle Kunst hervorbringen, wenn er staatsfern ist und es keine Beeinflussung der Künstler gibt. Das schließt meines Erachtens nicht aus, daß der Staat die Entstehung von besonderen Kulturgütern trotzdem durch Subventionen unterstützen kann – aber bitte ohne inhaltliche Vorgaben für die Künstler.

In Großbritannien hat man sich jetzt leider für einen anderen Weg entschieden. Das BFI koppelt die Vergabe von Fördergeldern künftig an die Einhaltung von drei »Diversity«-Richtlinien, von denen dann zwei auch wirklich umgesetzt werden müssen, will man in den Genuß von Staatsknete kommen:

  1. Eine Hauptfigur des Films soll einer benachteiligten Gruppe angehören und diese positiv darstellen.
  2. 30 Prozent der Nebenfiguren sollen auch irgendwie benachteiligt (Ausländer, »andere« sexuelle Ausrichtung, Behinderung, …) sein, am Ende aber die Guten repräsentieren.
  3. Nicht nur vor der Kamera sollen die »Diversity«-Richtlinien erfüllt werden. Nein, es gibt auch welche für hinter der Kamera (»Off-screen diversity«).

Die Chefin des BFI, Amanda Nevill, betont: »Diversity ist gut für die Kreativität.« Alexander Kissler vom Cicero befürchtet das Gegenteil:

Neue Stufen der Filmkultur wird Britannien erklimmen. James Bond war gestern, nun heißt es: »Jennifer – eine Alleinerziehende schlägt sich durch.« Oder »Im Namen der Väter. Patchwork on the rocks.« Vielleicht auch: »Ibrahim und seine vier Frauen. Geschichte einer Leidenschaft.«

Kissler spricht von der »Abschaffung der künstlerischen Freiheit« und dem »Sieg des Kulturbolschewismus«. Ed Vaizey, der »konservative« Kulturminister im Kabinett von David Cameron, findet die neuen Richtlinien übrigens so prima, daß er sich wünscht, daß auch die Filmunternehmen, die keine Subventionen erhalten, die Vorgaben freiwillig einhalten.

Mal sehen, was passiert, wenn sie sich weigern und in einem Film auch mal der Ausländer der Böse ist und filmisch dargestellt wird, daß auch mal der liebe Schwule von nebenan ein Mörder sein kann …

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

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