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SPIEGEL über unerträgliche NPD und rechten Türsteher Christian Kracht

Das Titelthema des aktuellen SPIEGEL von heute lautet »Eine unerträgliche Partei«. Gemeint ist die NPD, die »verboten gefährlich« sein soll.  Die sieben Autoren, die an dieser Titelgeschichte mitgeschrieben haben, finden dafür ausschließlich Beweise und die Fakten, die noch nicht so recht passen wollen, werden eben passend gemacht. Der »Karrierist« und »Biedermann« Holger Apfel (NPD-Chef) kann es so den Herren vom SPIEGEL gar nicht recht machen. Würde er sagen, daß Hitler gut war, wäre das ein Beweis für seine Verfassungsfeindlichkeit. Und wenn er eben sagt, daß der Holocaust ein Verbrechen war, dann ist er für den SPIEGEL immer noch ein NS-Fetischist, der sich nur tarnt.

Wenn sich die NPD-Parteispitze in einem Thesenpapier von den eigenen »Gedenkfanatikern« distanziert, ist das Strategie und die »bürgerliche Maske« einer ansonsten gewaltbereiten Partei. Wenn sie sich Umweltthemen widmet, Nachhilfeunterricht und HartzIV-Beratungen anbietet, dann soll auch das »Mimikry« sein.

Der SPIEGEL hätte sich eigentlich die Beschäftigung der sieben Autoren sparen können, denn zum Thema »Die Mimikry der NPD« liegen bereits etliche Artikel vor. Hier sind nur mal zwei: einer aus der FAZ von 2004 und einer aus der Welt, ebenfalls 2004.

Wirklich neu ist dagegen die Enttarnung der Mimikry des Schriftstellers Christian Kracht. SPIEGEL-Mann Georg Diez hat sich der »Methode Kracht« in der aktuellen Ausgabe auf vier Seiten gewidmet. Sein neuer Roman Imperium sei eine »krude Geschichte«, die einen Hitler ohne Hakenkreuz und Holocaust erfindet. Das mutmaßt zumindest Diez und findet Anhaltspunkte, daß Kracht vor dem Verfassen seiner Romane das Grundgesetz nicht gründlich studiert hat.

Mehr und mehr aber sind Krachts Helden von Auslöschungssehnsucht Getriebene, die sich totalitären politischen Systemen unterwerfen oder selbst menschenvernichtende Utopien schaffen. Krachts Koordinaten waren immer Vernichtung und Erlösung. Er platzierte sich damit sehr bewusst außerhalb des demokratischen Diskurses.

Imperium sei von Anfang an »durchdrungen von einer rassistischen Weltsicht«. Kracht könne zudem in Antisemitismus wie bei Ezra Pound oder Céline abrutschen und sich trotzdem »in seinen Literaturgewittern verstecken«, »ohne sich von dem dumpfen deutschtümelnden Aberwitz (…) je zu distanzieren«.

Was also will Christian Kracht? Er ist, ganz einfach, der Türsteher der rechten Gedanken. An seinem Beispiel kann man sehen, wie antimodernes, demokratiefeindliches, totalitäres Denken seinen Weg findet hinein in den Mainstream.

»Ganz einfach«, diese »Methode Kracht«. Der Jurist und Schriftsteller Bernhard Schlink hat für diese Art der vereinfachenden Beurteilung von Geschichte, Politik, Literatur und Kunst den treffenden Ausdruck »Kultur des Denunziatorischen« geprägt. Diez versucht erst gar nicht, das Werk von Kracht zu verstehen; nein, er will es ausschließlich skandalisieren. Er wünscht sich einen großen Literaturskandal herbei. Immer nur Wulff wird doch langweilig. Das Feuilleton braucht ein neues Thema und will es sich selbst generieren. Daß es Kracht wird, ist jedoch unwahrscheinlich. Diez war zu langsam. Die Kollegen der anderen Blätter sehen den Roman viel gelassener und waren schneller beim Tippen.

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4 Kommentare zu “SPIEGEL über unerträgliche NPD und rechten Türsteher Christian Kracht

  1. Eso-Vergelter

    In gewissem Sinne ist der 2. Weltkrieg noch nicht beendet. Z. B. kämpfte der Großmufti von Jerusalem, der mit Hitler verbündet war, nach 1945 weiter gegen den Zionismus. Seine Mitstreiter und Nachfolger besiegten 1989 den Kommunismus, und bald werden sie auch den Kapitalismus besiegen.
    Und allgemein nehmen glücklicherweise die Zerstörungen explosionsartig zu. Z. B. sind die Winter 20 % kürzer, als früher.
    Aber nicht Nazis oder Islamisten setzen sich durch; sondern nicht-grüne Ökos. Es werden u. a. die herkömmlichen Autos durch 1 l-Autos ersetzt. Und die Technokratie wird niedergebrochen.
    Ein NPD-Verbot wird nichts daran ändern, dass die Kapitalisten, Sozialisten und Völkervermischer bald entmachtet werden.

  2. Der Patriot

    Üble Hetze. Was hat ein autonomer Nationalist mit den Nationaldemokraten zu tun?

    Autonomia ist Griechisch und bedeutet »sich selbst Gesetze gebend«, »selbständig«, aus autos, »selbst« und nomos, »Gesetz«.

    »Autonome Nationalisten’ sind also eigenständige, (partei)freie Nationalisten.

  3. nätte danten

    Wirklich interessant, wie sich die Blaue Narzisse für die NPD einsetzt. Das ist wohl jetzt auch eine konservative Partei? Als Nazis darf man die nicht mehr bezeichnen? Werden da nicht viele ihrer Mitglieder und Wähler schrecklich enttäuscht sein? Ist das gar eine linke Partei nach Steinbachscher Definitionskunst? Kann nicht sein, dann würde ja die Blaúe Narzisse pausenlso über Apfel & Co schimpfen. Nazis bleiben Nazis.

  4. @ nätte danten
    Da du um Aufmerksamkeit nur so buhlst, sollst du sie einmal – ganz kurz – erhalten. Ich empfehle zur Lektüre:

    http://www.eurozine.com/articles/2008-01-07-paris-de.html

    Bescheuertheit ist das Stichwort und meint eine Form von Selbstimmunisierung, die die Dinge immer so einrichtet, dass das gewünschte Ergebnis herauskommt und man das eigene Werturteil zu keiner Zeit mehr verändern muss. Es geht eben gerade gar nicht mehr darum, was die NPD oder Holger Apfel geäußert hat oder nicht, sondern dass es eben egal ist, was sie machen, das Ergebnis bleibt immer das gleiche, nämlich dass die Partei verboten werden muss.

    Das Beispiel aus Rainer Paris Artikel, das diesen Zinnober treffend beschreibt, ist das der Schwiegermutter, die ihrer Schwiegertochter zwei Pullover schenkt und sich beim nächsten Besuch darüber beschwert, dass diese den anderen angezogen hat.

    Vielleicht hast du es nicht bemerkt, aber du reagierst in Bezug auf die Blaue Narzisse genauso, indem du jede sachliche Auseinandersetzung über eine vergleichbare Selbstkonditionierung vermeidest.

    Deine Bekenntnisphrasen kannst du dir schenken, sie sind nämlich längst bekannt: Nazis bleiben Nazis, gehören aus unserem Leben ausgerottet, unterwandern die Mitte der Gesellschaft, tarnen sich, ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen, Alete, Alete. No Parmesan! Bla bla bla … Im Übrigen ist es nicht mehr interessant, wie der Verdächtigungsmechanismus funktioniert.

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