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Sprung in die Kampfzone

houellebecq_preisLange haben wir in den letzten Monaten darüber nachgedacht, wer der nächste Namenspatron unseres Jugendkulturpreises werden soll. Diskutiert haben wir Namen wie Novalis (hätte gut zu zehn Jahre Blaue Narzisse gepaßt), Georg Trakl (100 Jahre Erster Weltkrieg) und Werner Bergengruen (Innere Emigration). Geworden ist es Michel Houellebecq. Wir nehmen damit erstmals einen noch lebenden Autor.

Das hat seine Gründe: Unserer Ansicht nach ist gute Literatur etwas, das mehr bietet als nur gute Unterhaltung an einem Rotwein reichen Abend. Gute Literatur muß uns erschüttern, sie muß sich sowohl mit dem Immergültigen als auch der Zeit, in der sie entstanden ist, beschäftigen.

Mit der Auswahl eines noch lebenden Autors haben wir diesmal den Akzent auf die Beschäftigung mit den Herausforderungen unserer Zeit gelegt. Das Thema des Jugendkulturpreises 2014/15 lautet: »Sprung in die Kampfzone«.

Zum einen sind junge Autoren und Künstler bis 30 Jahre wieder aufgerufen, uns zu diesem Thema ihre Gedichte, Kurzprosa und künstlerischen Arbeiten einzureichen. Der erste Platz wird mit 300, der zweite mit 200 und der dritte mit 100 Euro belohnt.

Zum anderen werden wir uns selbst intensiv mit den »Kampfzonen des Lebens«, um die es in den Werken Houellebecqs geht, beschäftigen. In seinen Gedichten und Romanen kreist der französische Skandalautor vor allem um vier existenzielle Schwerpunkte unserer Zeit:

  • Die Veränderung des Lebens durch Biotechnologie
  • Liebe und Sexualität
  • Auswege aus der Gewöhnlichkeit
  • Verfall und Degeneration der europäischen Kultur

Wir haben vor, diese Auseinandersetzung mit den Kampfzonen genauso wie die besten Einsendungen zum Houellebecq-Preis im Frühjahr 2015 zu veröffentlichen.

Im Sommer startet der Jugendkulturpreis offiziell. Bis Ende November haben dann die jungen Autoren und Künstler Zeit, uns ihre Werke einzureichen. Der Sieger des Preises wird schließlich Anfang 2015 bekanntgegeben.

Unseren Jugendkulturpreis gibt es seit 2010. Er wird vom gemeinnützigen Verein Journalismus und Jugendkultur vergeben. Zuerst war Rainer Maria Rilke Namenspatron, 2012 folgte Franz Kafka. 2011 entstand das Buch Erste Worte nach dem Gedankenstrich, in dem die Siegerbeiträge des Rilke-Preises enthalten sind. 2013 veröffentlichten wir die Siegerbeiträge des Kafka-Preises in der vierten Ausgabe der Thesen-durch-Fakten-Anschläge.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

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