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„Stadtkewitz sicherte sich Wiederwahl durch Beleidigung und Diskreditierung“

Eigentlich gibt es zur Partei DIE FREIHEIT nichts mehr zu sagen, der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß sie sich gerade mit einer Kampagne „Wulff muß weg“ beweisen will. Weil sich jedoch viele junge Menschen, die sich in der FREIHEIT einmal engagiert haben, an uns wenden, muß zu dokumentarischen Zwecken ihr Werdegang weiter verfolgt werden. Diese Ausführlichkeit hat nur einen Grund: Wenn es so wenigstens ein paar junge Menschen begreifen, die Finger von diesen Parteineugründungen zu lassen, ist das viel wert. Ich kann verstehen, daß sich Bürger in Parteien organisieren, um gemeinsame Interessen durchzusetzen, z.B. um vor Ort für eine bessere Schule für ihre Kinder zu kämpfen. Trotzdem müssen wir endlich von dem Irrglauben wegkommen, eine neue Partei könne das Ruder für Deutschland rumreißen. So einfach wird´s nicht gehen.

Heute hat die Jugendorganisation der FREIHEIT ihre Mutterpartei verlassen und sich für unabhängig erklärt. Wir sprachen mit einem der Köpfe dieser Jugendorganisation, mit Christopher von Mengersen.

Felix Menzel: Warum will die Jugendorganisation der Partei DIE FREIHEIT, die GENERATION FREIHEIT, eigene Wege unabhängig von der Mutterpartei gehen?

Christopher von Mengersen: Auslöser für diesen drastischen Entschluss war der erste Bundesparteitag der Partei DIE FREIHEIT im Dezember letzten Jahres in Frankfurt am Main. Die dort gefällten Personalentscheidungen, sowie die Diskussionskultur haben uns, die Koordinatoren der GENERATION FREIHEIT, sehr bestürzt. Bundesvorsitzender René Stadtkewitz sicherte sich seine Wiederwahl einzig und allein durch die Beleidigung und Diskreditierung verdienter Parteimitglieder, die für Posten im neuen Vorstand kandidieren wollten, sowie durch eine unerträgliche Polemik.

Dies, und die konsequente Missachtung der beschlossenen Geschäftsordnung ließen das Gefühl aufkommen, man sei auf einem Parteitag der CDU oder einer anderen Altpartei. Zusätzlich gingen wir nicht konform mit der Wahl von Michael Stürzenberger in den Bundesvorstand. Stürzenberger hatte ein zumindest fragwürdiges, wenn nicht volksverhetzendes Pamphlet ins Netz gestellt, und wurde als Reaktion darauf vom ehemaligen Bundesvorstand für eine Spitzenfunktion vorgeschlagen. Mit der „Islamkritik“ eines Michael Stürzenberger wollten wir nichts mehr zu tun haben!

Die Hoffnungen in DIE FREIHEIT waren groß. Viele ihrer Anhänger glaubten fest an den Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus. Was ist schief gegangen?

Ich möchte mir keine allumfassende Analyse des Berliner Wahlkampfes anmaßen, da ich aber mehrmals als Unterstützer anwesend war, kann ich berichten, was mir persönlich aufgefallen ist. Problematisch erscheint mir, dass trotz einer Mitgliederzahl von über dreihundert, davon nur sehr wenige aktiv Straßenwahlkampf betrieben haben. Diese haben sich zwar enorm ins Zeug gelegt, konnten aber wohl die fehlende Masse nicht kompensieren. Zweiter Kritikpunkt meinerseits sind die Wahlplakate. Es muss klar gesagt werden, dass der Designer schlechte Arbeit geleistet hat. Die Plakate waren farblos, nichtssagend und vor Allem waren es viel zu wenige. Dies sind aus meiner Sicht einige Faktoren für das schlechte Abschneiden bei der Wahl.

Nachdem die Partei nun beim Wähler Schiffbruch erlitten hat, macht es dann überhaupt noch Sinn, sie weiterzuführen?

Wenn Sie mich dies direkt nach der Wahl gefragt hätten, ich wäre davon überzeugt gewesen, weiterzumachen. Wir hatten gute Strukturen etabliert, waren bundesweit vernetzt und langsam begannen die Mechanismen zu greifen. Für die vielen Mitglieder, die vorher noch nie politisch aktiv gewesen waren, benötigte es eine gewisse Eingewöhnungszeit in die Parteiarbeit. Nach dem Bundesparteitag jedoch haben viele der Leistungsträger der Partei diese aufgrund der Vorkommnisse, die ich bereits vorhin geschildert habe, verlassen. Viele Bundesländer sind nun ohne Vorstand, oder existieren gar nur noch auf dem Papier. Ich bezweifle, dass DIE FREIHEIT noch Erfolg haben wird. Mir tut es leid um die vielen Parteifreunde an der Basis, von denen eine große Anzahl auch zu meinen privaten Freunden zählt, die sich weiterhin engagieren, da ich glaube, dass dieses Engagement keine Früchte tragen wird.

Warum braucht es die GENERATION FREIHEIT? Was will eine Parteijugendorganisation ohne Partei erreichen?

Eines ist klar, Deutschland braucht eine freiheitliche Jugendorganisation. Wo andere liberal-konservative Parteien ein Vakuum hinterlassen, wollen wir anknüpfen. Bereits in den Schulen werden die Jugendlichen von links-grünen Pädagogen indoktriniert, und wir wollen uns dem entgegenstellen, wir wollen der deutschen Jugend Alternativen zum bestehenden politischen Einheitsbrei anbieten. Eines ist jedoch klar, als bloße Jugendorganisation werden wir keinen Erfolg haben. Daher wird sich die GENERATION FREIHEIT, zumindest längerfristig gesehen, erneut parteipolitisch binden. Vorerst werden wir unsere bestehende Webseite zu einem Blog ausbauen, und uns auf der Straße zusammen mit anderen Organisationen für freiheitliche Politik stark machen. Wir haben das Personal und das Material, um etwas zu verändern!

Vielen Dank für das Gespräch!

(Bild: Christopher von Mengersen)

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

6 Kommentare zu “„Stadtkewitz sicherte sich Wiederwahl durch Beleidigung und Diskreditierung“

  1. Meister Herrmann

    http://www.freiheitlich.me/?p=6708

    Lazar: “Wie halten Sie es mit der Abgrenzung zur Pro-Bewegung und anderen freiheitlichen Gruppierungen rechts der Union mit klarer Distanzierung vom neo-nazistischen Narrensaum?”
    CvM: Ich möchte ehrlich zu Ihnen sein. Ich nehme den Hauptfunktionären der PRO-Bewegung, die früher bei der NPD oder anderen rechtsextremistischen Vereinigungen aktiv waren, ihr nun zur Schau gestelltes Demokratiebewusstsein nicht ab. Ich bin der Auffassung, dass jemand, der bei der NPD einen Funktionärsposten bekleidet hat, das Weltbild dieser Partei auch zur Gänze teilt. Eine Weltanschauung lässt sich nicht so einfach ablegen, das zeigt sich auch bei den Erben der SED. Da ich jedwede Form des politischen Extremismus gleichermaßen ablehne, halte ich Abstand zur PRO-Bewegung. An der Basis mag es viele aufrechte und ehrliche Demokraten geben, doch bei den Spitzenfunktionären wie Molau, Rouhs oder Beisicht bin ich mir dessen nicht sicher, mehr noch, ich zweifle stark an ihrer demokratischen Gesinnung. Moralisch kann ich daher eine Kooperation mit PRO nicht verantworten.
    Lazar: Wir sind geneigt, Ihnen in diesem Punkt deutlich zu widersprechen. Pro-Funktionären wie Manfred Rouhs oder Markus Beisicht haben sich zeitlebens für freiheitliche, rechtsdemokratische Politik stark gemacht. Ihre inhaltliche Positionierung, die bisherige Arbeit in kommunalpolitischen Gremien und das Programm der Pro-Bewegung unterstreichen diesen Eindruck. Andreas Molau nimmt einwanderungspolitisch mittlerweile eine so liberale Position ein, dass diese selbst innerparteilich zum liberalen Spektrum zu zählen ist. Selbst zu NPD-Zeiten war er ein Freigeist und Reformkandidat – gerade deshalb kam er bei den Rechtsextremen auch nicht gut an und brach seine Kandidatur ab. Im Übrigen ist es in meinen Augen weniger verwerflich, mit dem richtigen Ziel vor Augen auch mal den falschen Weg einzuschlagen, als Jahrzehnte lang die heutigen Zustände mitzuverantworten wie Rene Stadtkewitz und andere ehemalige Funktionäre der Altparteien. Trotzdem bedanke ich mich recht herzlich bei Ihnen für dieses offene Gespräch. Möge – wenn auch vorerst keine Zusammenarbeit – so doch ein seriöserer und respektvollerer Umgang miteinander gepflegt werden.

  2. Meister Herrmann

    Über die Schlußworte von Lazar auf Freiheitlich.me sollte Herr von Mengersen noch mehrmals gründlich nachdenken.

  3. @Meister Herrmann

    Die Schlußworte von Lazar sind eine Frechheit. Wenn ein Blog ein Interview führen möchte, dann s oll er sich doch bitte an die einfachsten Interviewregeln halten. Lazar hat es noch nicht einmal geschafft sich für das Interview bedanken. Das einzige was er schafft ist, seine persönliche Meinung groß und breit auszuführen. Das spricht nicht eben für die Qualität von freiheitlich. Deshalb sollte man sich überlegen, mit freiheitlich.me überhaupt zu sprechen, wenn die noch nicht einmal so etwas einfachem in der Lage sind.

  4. Nachtrag: Freiheitlich zeigt sehr gut das Hauptproblem der »Rechten« jeder muss immer das letzte Wort haben. Einen Menschen der so agiert wie Lazar in dem Fall, braucht keine Partei.

  5. Adolf Breitmeier

    Ich war dabei, als Herr von Mengersen in den Vorstand der Freiheit in Hessen geählt wurde.
    Er war sehr stolz.Er wurde gewählt, weil er Ideen wie Stürzenberge vertrat, weil er bei zahlreichen Demonstationen gegen die Islamisierung dabei war, weil er patriotisch denkt und die Werte der (allgemeinen) Freiheit verteidigen will. Das waren seine ,,Pfunde«. Und jetzt staune ich mehr als nur ein bisschen, das ihm das plötzlich radikal vorkommt. Seine Kritik am Wahlkampf in Berrlin mag stimmen. Etwa 20% der Bevölkerung steht für einen normalen Patriotismus. Davon gehen drei Viertel nicht zur Wahl. Um die restlichen 5% balgen sich mehrere Parteien mit gleicher Zielsetzung (aber ohne gemeinsame Harmonie). Wer da zwischen ein oder zwei Prozent erhält, der war fleißig. Herr von Mengersen beklagt die Bereitschaft mitzumachen, aber das ist in jeder Organisation, in jedem Verein so.
    Bei Parteitagen gibt es das ,,Fußvolk«, Delegierte genannt. Und es gibt Leute, die bereit sind, für die Partei Ämter zu übernehmen – und das ist insbesondere in einer kleinen Partei ein Knochenjob.
    Wer gewählt werden will, der muss seine Ziele und Vorstellungen gut darstellen (wie es zum Beispiel Herr von Mnegersen bei seiner Wahl in den Landesvorstend Hessen gemacht hat). Wer aber von vorneherein bei seiner Kandidatur sagt, er werde untrer keinen Umständen mit bestimmeten Personen im Vorstand zusammenarbeiten, wenn er gewählt würde – der wird einfach von den Delegierten nicht gewählt. Der Vorstsand muss untereinasnder tolerant, wenn auch hart in der Sache sein.
    Jede Partei hat ,,Flügel« und mit Herrn Pino wurde ein ,,moderater« Islamkritiker in den Vorstand gewählt. Und wer seine neuen Beiträge im Netz verfolgt fragt sich verwundert, warum er die Freiheit verlassen hat. Genau wegen seiner – nicht nur – islamkritischen Einstellung wurde er gewählt. Und keiner weiss besser als er (er schreibt ja dauernd darüber), dass man mit dem Islam nicht verhandeln kann nach dem Motto: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.
    Die Freiheit ist keine Einthemenpartei und es ist falsch, sie auf Islamkritik (die, wenn sich OIC durchsetzen sollte bald unter Strafe steht), zu reduzieren. Das Programm wird überarbeitet und im Bereich Bildung ist schon (noch nicht öffentlich) ein gutes Stück geschafft.

  6. Schaut aus wie ein Jungliberaler, redet wie ein Jungliberaler, warum ist der Herr von Mengersen nicht bei den Jungliberalen?

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