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Südtirol: Casa Pound mit »Marsch auf Bozen«

Die Faschisten von der Casa Pound haben am Sonnabend eine heiß diskutierte Demonstration durchgeführt. Durch Bozen zogen – angeführt von Gianluca Iannone (siehe Bild) – etwa 1000 Anhänger der Bewegung, über die kürzlich sogar ein Roman geschrieben wurde. Auf Südtirolnews geben viele Bilder einen Eindruck vom »Marsch auf Bozen«. Allein das Iannone-Bild beweist, daß die Inszenierung von Casa Pound mal wieder gepaßt hat. Da läuft der Anführer also locker, lässig voran – bürgerlich gekleidet und trotzdem dank schwarzer Sonnenbrille anschlußfähig für revolutionäre Aktionisten.

Die Südtiroler sind empört über diese Provokation. Sven Knoll, ein Landtagsabgeordneter der Süd-Tiroler Freiheit, betonte am Sonntag:

Der gestrige schwarze Samstag hat aber auch sehr deutlich gezeigt, in welche Gesellschaft man sich begibt, wenn man in Süd-Tirol für den Erhalt faschistischer Relikte und für den Verbleib bei Italien eintritt.

Es ist daher an der Zeit, dass die Politik endlich Verantwortung übernimmt und aus dem gestrigen Tag die politischen Konsequenzen zieht.

Ein wirklich friedliches Zusammenleben wird es in Süd-Tirol nämlich erst dann geben, wenn auch das letze faschistische Relikt entfernt wurde und die Bevölkerung durch die Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes, selbst über die Zukunft des eigenen Landes entschieden hat.

Deutlich genauer schätzt Michael Demanega von der Freiheitlichen Jugend Südtirols die Lage ein:

Bei all der Aufregung und Empörung: Die 1.000 Demonstranten von »Casa Pound«, die gestern in Bozen aufmarschierten, sind eine Randgruppe, die eigentlich kaum jemanden interessiert. Problematisch ist etwas ganz anderes: Mit der Botschaft „Zusammenleben“, dem Tabu Italien und der Gleichung Südtirol=Italien ist „Casa Pound“ längst mehrheitsfähig. Und das ist das eigentliche Problem und die absolute Bankrotterklärung für eine Autonomie, die uns bei all der Selbständigkeit, die sie uns bietet, langfristig gesehen in den italienischen Nationalstaat integriert. Wie bereits vor Wochen geschrieben: Ob links oder rechts, ob Mitte oder nicht, ob faschistisch oder antifaschistisch, ob grün, rot, schwarz oder bunt, ob „Casa Pound“ oder „Antifa“, ob PDL, PD, Grüne oder SVP: Was sie „Zusammenleben“ nennen, was sie „Frieden“ nennen, was sie „Respekt“ und „Toleranz“ nennen, was für sie „Zukunftsblick“ und „Mehrsprachigkeit“ ist, tendiert immer in Richtung Italien. Italien ist und bleibt das Tabu. Wer daran rüttelt, wird stigmatisiert. Schöne Meinungsfreiheit. Bei all dem Skandal rund um „Casa Pound“ und 1.000 Unverbesserliche: Mir bereitet es weit mehr Sorgen, dass Italien längst mehrheitsfähiges Tabu ist in Südtirol und dass man demgemäß jede Tendenz in Richtung Sezession als Provokation und Unmöglichkeit diffamiert.

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8 Kommentare zu “Südtirol: Casa Pound mit »Marsch auf Bozen«

  1. Interessantes Thema, zumal die Frage, ob sich die deutsche Rechte im Streit um Südtirol völkisch (zugunsten der deutschen Südtiroler) oder weltanschaulich (zugunsten der italienischen Faschisten) solidarisieren sollte, noch nicht erschöpfend diskutiert ist.

    Bemerkenswert ist auch der Aspekt, daß eine sich weit rechts außen positionierende Gruppierung wie die „Casa Pound“ 1000 Sympathisanten mobilisieren und offensichtlich völlig ungehindert durch die Straßen ziehen kann.

  2. Vinneuil

    Was für Schwachköpfe… vor allem der Slogan »Kein Kompromiß ist die Identität eines Volkes wert« ist aus ausgerechnet dem Munde von Faschisten in Südtirol eine Unverschämtheit, für die ihnen eine aufs Maul gebührt.

  3. Angenommen ich wär ein italienischer Patriot, würd ich trotzdem ganz klar auf Seiten der deutschen Südtiroler stehen. Südtirol ist keine »grüne Wiese« auf der sich zufällig Südtiroler und Italiener in der Mitte getroffen haben. Die »Causa Pound« hätte besser zusammen mit den Südtirolern in Lampedusa demonstriert.

  4. Nils Wegner

    @ d.n.:

    Faschismus ist und bleibt NICHT rechts.

  5. Vinneuil

    Für diesen Schritt müsste man jedoch die virtuelle Traumwelt verlassen – vermutlich würde es bereits daran scheitern.

  6. @ Nils Wegner

    Natürlich kann lange darüber diskutieren, ob Faschismus – ebenso wie Nationalsozialismus – „rechts“ ist oder nicht; ebenso wie man darüber streiten kann, was überhaupt „rechts“ und was „links“ ist, und ob eine solche Kategorisierung heutzutage überhaupt noch Sinn macht.

    Fakt ist jedenfalls, daß „Casa Pound“ – keine Ahnung, inwieweit sie sich selbst als Faschisten bezeichnen – der gängigen Einordnung nach „rechts“ sind. Fakt ist auch, daß die deutsche Rechte nicht selten mit den italienischen (Post-)Faschisten sympathisiert (und sei es auch nur aus reinem Machtkalkül – wie etwa im Falle einer Fraktionsbildung im EU-Parlament, wo es in den 80ern Annäherungen zwischen den REPs unter Schönhuber und den Postfaschisten von MSI gegeben hat. Zur Ehrenrettung der REP soll aber nicht unerwähnt bleiben, daß eine gemeinsame Fraktionsbildung letztlich an dem Streit um Südtirol und den sich unversöhnlich gegenüberstehenden Meinungen scheiterte.)

  7. Vinneuil

    >«Für diesen Schritt müsste man jedoch die virtuelle Traumwelt >verlassen – vermutlich würde es bereits daran scheitern.«

    Für diese Meldung haste eine Mussolini-Kochschürze gewonnen, abzuholen in der Via Napoleone III…

  8. Angenommen ich wär ein italienischer Patriot, würd ich trotzdem ganz klar auf Seiten der deutschen Südtiroler stehen. Südtirol ist keine “grüne Wiese” auf der sich zufällig Südtiroler und Italiener in der Mitte getroffen haben. Die “Causa Pound” hätte besser zusammen mit den Südtirolern in Lampedusa demonstriert.

    des sog i a!

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