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»Titten-Sozialismus«

farthmannDurch Zufall bin ich heute auf Friedhelm Farthmann gestoßen. Der ehemalige SPD-Minister und Fraktionschef aus NRW ist mir durch einen ungewöhnlich deutlichen Satz in der Debatte um die Abschiebung von Asylbewerbern aus dem Jahr 1992 aufgefallen. Damals sagte er:

An Kopf und Kragen packen und raus damit.

Ein Ausrutscher?

Farthmann hat auch über andere Themen in dieser Weise gesprochen. Die Frauenquote bezeichnete er früh als »Tittensozialismus« und wetterte gegen die »krampfhaften Bemühungen um geschlechtsneutrale Sprachveränderungen«.

Als Thilo Sarrazin aus der SPD ausgeschlossen werden sollte, war es auch Farthmann, der ihn verteidigte.

Noch etwas ist bemerkenswert: Friedhelm Farthmann ist Mitglied der Burschenschaft Königsberger Gothia zu Göttingen. Einen Austritt aus politischen Gründen lehnte er immer ab. Was er von Rechten hält, zeigte er auf andere Weise. Sein ehemaliger Pressesprecher berichtet:

Auf der Düsseldorfer Rheinwiese legte er sich mit Kommunisten an, in Neuss riss er einem Rechtsradikalen die Runenfahne aus der Hand und zerbrach sie überm Knie.

Was ihn in seiner Zeit als Spitzenpolitiker besonders anwiderte, verriet er natürlich auch. Es war der politische Opportunismus. In der SPD hätte nicht das gezählt,

was das eigene Gewissen oder die eigene politische Überzeugung gebietet, sondern was politisch opportun ist im Hinblick auf Übereinstimmung mit Mächtigen oder Hilfstruppen.

(Bild: Bundesarchiv)


Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

2 Kommentare zu “»Titten-Sozialismus«

  1. Ein sehr ehrlicher und aufrechter Politiker. Sehr vorbildlich.

  2. Sein Avatar ist in South Park zu bewundern, genauso frech.

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