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Totalitäre Moderne vor dem Kollaps?

Fabian Müller stellt den neunten Band der Reihe BN-Anstoß vor: „Der vertagte Bürgerkrieg“ von Felix Menzel und Pierre Aronnax.

Der vertagte Bürgerkrieg. Frieden, Brutalität und Chaos in der totalitären Moderne lautet der Titel des mittlerweile neunten Bandes der Schriftenreihe BN-Anstoß und befasst sich mit dem ausbleibenden Knall in Deutschland, obwohl Gewalt und Terrorismus ja beständig zunehmen.

Auf 100 Seiten eröffnen die beiden Autoren nun neue Ideen, um zu verstehen, warum es nicht kracht, obwohl es krachen müsste. Den derzeitigen Zustand bezeichnen sie als „vertagten Bürgerkrieg“, der hervortrete, „wenn die Voraussetzungen für einen Gewaltausbruch oder eine revolutionäre Situation erfüllt sind, aber die Vitalität im Volk fehlt, diesen Umbruch zu wagen und jene Minderheiten, bei denen kein Mangel an Vitalität festzustellen ist, nur deshalb die Städte nicht niederbrennen, weil der Staat ihnen großzügig Sozialleistungen zahlt“.

Trügerischer Frieden

Vor dieser Situation stehen wir heute. Felix Menzel bindet den trügerischen Frieden an den „sanften Totalitarismus“ der Moderne, der anstatt harter politischer Mittel auf die weiche und hintergründige Beeinflussung setzt und mit psychologischen Strategien in die Köpfe der Bürger vordringt. Er erklärt die gegenwärtige Entwicklung auf Basis verschiedenster Theorien und führt unter anderem Ansätze von Hannah Arendt, Carl Schmitt und Eric Voegelin zu einem stimmigen und intellektuell anspruchsvollem Gesamtbild zusammen. Damit schafft er es das Phänomen des vertagten Bürgerkrieges facettenreich zu illustrieren. Insbesondere erklärt er, wie wir auf dem gefährlichen, schmalen Grat von scheinbarem Frieden, Gewaltverleugnung der Eliten und brutalem Chaos durch importierte Kriminalität, Extremismus und Terrorismus balancieren und drohen abzustürzen.

Hierauf baut Pierre Aronnax, der seit einem halben Jahr auf Einwanderungskritik.de über Sicherheitsthemen schreibt, auf und untersucht anhand der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) die Gewaltpotenziale in der multikulturellen Gesellschaft. Wie entwickelte sich die Gewalt in den letzten Jahren? Welche Straftaten nahmen überhand? In welche Richtung geht der politische Extremismus?

Ist ein Gewaltausbruch in Deutschland realistisch?

Aronnax betrachtet die Spannungslage zwischen der sogar zur Selbstverteidigung unfähigen, deutschen Gesellschaft und dem stetigen Anstieg von Ausländerkriminalität. Im Bereich der organisierten Kriminalität übernehmen z.B. mittlerweile nichtdeutsche Clans und Banden die Rolle von traditionellen Rockergangs. Insbesondere im politischen Extremismus gab es deutliche Änderungen in den letzten Jahren. Im Falle eines „Knalls“ könnten tausende gewaltbereite Rechts– und Linksextremisten auf radikale Islamisten, gewaltbereite Kurden oder andere Splittergruppen treffen. Käme es tatsächlich zu einem Ausbruch von Gewalt in Deutschland, würde die Situation maßgeblich von diesen Akteuren beeinflusst werden. Wer hier der romantischen Vorstellung anhängt, ein solcher Knall könnte eine bereinigende Wirkung haben, der sollte Aronnax in seiner Argumentation und Rechnung folgen, wie die Kräfteverhältnisse in Deutschland wirklich sind.

Interessant ist auch die Rolle von extremistischen politischen Gruppen oder sogar terroristischen Vereinigungen, derer es in Deutschland zu Genüge gibt, aber auch das wiedererweckte Phänomen der Bürgerwehren, die versuchen in der gesetzlichen Grauzone das entstehende Sicherheitsvakuums des Staates auszufüllen. Doch wie wird sich Deutschland in den nächsten Jahrzehnten entwickeln? Als Ernstfalldenker stellt Aronnax die schlimmsten Zukunftsszenarien vor. Neben der erschreckenden Aussicht auf einen offenen Gewaltausbruch, eine Revolution und einen Bürgerkrieg sollten auch andere Entwicklungen wie die Sezession von Regionen oder Enklavenbildungen in Betracht gezogen werden. Alle diese Szenarien sind vom Jahr 2016 aus betrachtet zwar äußerst unwahrscheinlich. Sie würden jedoch an Bedeutung gewinnen, sollte sich die Asylkrise von 2015 in den nächsten Jahren fortsetzen, verschärfen oder wiederholen.

Abschließend gibt wiederum Menzel einen Ausblick auf die Möglichkeit einer „Parallel-Polis“, die das Potenzial hätte, den Verfall Europas in Teilen aufhalten zu können, ohne von einem sanften Totalitarismus in einer harten Diktatur zu landen. Denn die meisten einfachen Lösungen für die aufgezeigten Probleme sind utopisch oder bewegen sich selbst zu eng an den eigentlich kritisierten Zügen totalitärer Herrschaft. Insofern wird auch klar, warum Menzel bereits im Vorwort schreibt: „Die Revolution des 21. Jahrhunderts besteht darin, den Totalitarismus der Moderne abzuschütteln.“

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