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Was traut sich die AfD?

markusfrohnmaierVor wenigen Tagen bemängelte Timo Stein im Cicero, daß die AfD sich als Opfer der politischen Korrektheit aufspiele und dabei von »EU-Diktatur«, »Ökofaschismus«, »Blockparteien« und »Genderterror« fasele. Man könnte eine solche Kritik auch als Lob verstehen: Ist es etwa so, daß sich die AfD entgegen ersten Befürchtungen nicht opportunistisch dem Zeitgeist unterwirft?

Zumindest die Jugendorganisation der AfD, die Junge Alternative (JA), bewies in den letzten Wochen erstaunlichen Mut. Zum einen ist da die Einladung von Nigel Farage (UKIP) nach Köln zu erwähnen. AfD-Chef Bernd Lucke distanziert sich von dem EU-Rebell. Die JA hingegen ist da deutlich offener. Im Gespräch mit eigentümlich frei betonte Markus Frohnmaier (Bild), die AfD sollte sich nach der Europawahl alle Alternativen offen halten und »mit jedem Gespräche führen«. Ausdrücklich nannte er dabei die UKIP von Farage und die FPÖ.

Gleichberechtigung statt Gleichmacherei

Die Junge Alternative hat zudem in den letzten Tagen mit einer Anti-Feminismus-Aktion für Aufsehen gesorgt. Hintergrund der Aktion »Gleichberechtigung statt Gleichmacherei« war der Gedanke, eine Reaktion auf die SPD-nahe Initiative »Wer braucht Feminismus?« zeigen zu wollen. Frohnmaier dazu:

Wir sind der Ansicht, daß der Feminismus inzwischen ausgedient hat. Historisch hatte er selbstverständlich seine Berechtigung, aber wer heute noch dem Geschlechterkampf das Wort redet, der verkennt die Realität: Frauen sind heute – zum Glück! – durchweg gleichberechtigte Mitglieder unserer Gesellschaft. Daß es natürlich nach wie vor Unterschiede gibt, liegt erstens auf der Hand und zweitens in der Natur der Sache: Wenn in Studiengängen eher wirtschaftlich geprägter Ausrichtung ein deutliches Übergewicht an Männern vorhanden ist, dann ist es doch nur logisch, daß diese auch in den Führungspositionen entsprechender Unternehmen stärker vertreten sind. Hier von einer gezielten Diskriminierung zu sprechen widerspricht jeglicher Logik. Es beklagt doch umgekehrt auch niemand, daß Männer, sagen wir, in den Führungspositionen im sozialen Bereich benachteiligt werden: Wenn nicht einmal 10 Prozent der auszubildenden Erzieher männlichen Geschlechts sind, dann ist doch sonnenklar, daß Männer nicht 50 Prozent der Leitungsstellen in Kindertagesstätten besetzen können. Beschweren sich aber nun männliche Erzieher lauthals über ›Diskriminierung‹ und klagen bitterböse über »Benachteiligung aufgrund repressiver feministischer Gesellschaftsstrukturen«? Sie tun es nicht, weil man sie schlichtweg als Spinner abstempeln würde. Ein Etikett, das sie dann völlig zurecht tragen würden – und das auch ihren ganz realen weiblichen bzw. feministischen Pendants gut zu Gesicht stehen würde.

Die Aktion hat viral schnell eingeschlagen und zwar nicht nur bei den eigenen Unterstützern. So unterbreitete etwa die taz weitere »Zehn Kampagnen für die Junge AfD«, die sogar ganz brauchbar sind. Warum nicht eine Folgeaktion machen mit dem Titel »Ich bin Demokrat, weil …« oder »Ich bin politically incorrect …« oder »Ich habe nichts gegen Ausländer, aber …«?

Nur wenn die JA diesen Ton trifft, hat sie eine Existenzberechtigung und sollte deshalb mit junger Unbekümmertheit die AfD zu klareren Positionierungen drängen. Muß man dazu im Bundesvorstand der AfD sitzen, der am Wochenende in Erfurt komplettiert wird? Ich glaube nicht, daß dies zwingend notwendig ist, aber die JA hat zumindest mal mit Markus Frohnmaier basisdemokratisch einen Spitzenkandidaten für den Bundesvorstand der Mutterpartei aufgestellt. Schaden kann es ja nicht.

(Bild: Markus Frohnmaier)


Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

1 Kommentar zu “Was traut sich die AfD?

  1. Bei der Europawahl gibt es keine %-Hürde. Da werden die »echten« Rechten wohl Udo von der NPD wählen. Angeblich sollen hier 0,6% reichen. Wäre nicht schlecht.

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