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Verbale Kriegsvorbereitungen Israels, Italiens und Deutschlands gegen den Iran

Vor zwei Tagen berichteten wir über die Weigerung einiger Abgeordneten der Linkspartei, Schimon Peres zuzujubeln. Darunter befand sich auch die »Linke«-Sprecherin für Migration und Integration, Sevim Dagdelen, die uns nun eine Stellungnahme zukommen ließ:

Am 27. Januar 2010 fand im Deutschen Bundestag eine Gedenkveranstaltung aus Anlass des 65. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz durch die Sowjetische Armee statt, an der ich teilgenommen habe. Selbstverständlich habe ich mich bei Beginn zum Gedenken an die Opfer des Holocaust von meinem Platz erhoben.
Die Ausführungen zu den Verbrechen der Nazis und der deutschen Bevölkerung an jüdischen Frauen, Männern und Kindern und zu dem Leid und der Zerstörung, die Nazideutschland über unzählige Menschen gebracht hat, haben mich tief bewegt.  Niemals darf dieses entsetzliche Verbrechen des deutschen Rassenwahns vergessen werden. Niemals darf sich dies wiederholen.
Doch konnte ich die von Shimon Peres vorgetragenen Teile seiner Rede mit Bezug zum Iran nicht mit stehendem Beifall gut heißen. Grund dafür ist, dass Shimon Peres seine Rede zur ideologischen Vorbereitung auf einen Krieg gegen den Iran genutzt hat. In seiner Rede hat Peres fälschlicherweise den Iran beschuldigt, im Besitz von Nuklearraketen zu sein. Dazu kam eine Gleichsetzung des Irans mit Nazideutschland, die ich für fatal halte. Angesichts der aktuellen politischen Lage sind diese Äußerungen äußerst gefährlich. Sie erinnern an Vorgänge und Kriegslegitimationsversuche, wie wir sie im Vorfeld des völkerrechtswidrigen Feldzugs gegen den Irak erlebt haben.
Dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie auch der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, sich jetzt diese verbalen Kriegsvorbereitungen zu Eigen machen, steigert die Gefahr eines neuen Krieges im Nahen und Mittleren Osten, der katastrophale und unkalkulierbare Konsequenzen für die Gesamtregion hätte.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

5 Kommentare zu “Verbale Kriegsvorbereitungen Israels, Italiens und Deutschlands gegen den Iran

  1. Nils Wegner

    Hurra, rote Friedensengel!!!

  2. »In seiner Rede hat Peres fälschlicherweise den Iran beschuldigt, im Besitz von Nuklearraketen zu sein. Dazu kam eine Gleichsetzung des Irans mit Nazideutschland, die ich für fatal halte.«
    Wir hatten Nuklearraketen?

  3. Diese fortwährende Reduktion der Ereignisse auf einen ominösen Wahn, einen Rassenwahn zumal, empfinde ich als eine derart brutale und dumme Vereinfachung von Zeitgeschichte, daß mir wirklich die Worte fehlen.

    Ähnliche Muster finden sich in schöner Regelmäßigkeit, wenn es daran geht das Verhalten der persischen Führung zu deuten. Der Irre von Teheran hat wohl einfach nicht alle Tassen im Schrank, weswegen sich jede Prüfung westlich-israelischer Standpunkt mit Mitteln der Plausibilität verbietet.

    Wo Plausibilität aber nicht akzeptiert wird, ist die Tür offen gestoßen für jede Form des Mißbrauchs.

  4. L'ancien régime

    Es gibt allerdings noch vieles Andere, das sich nicht wiederholen darf. Aber in der Tat, das heutige Geschichtsbild ist wohl bestimmt von einer antifaschistischen Gnosis. Es gibt nur ein Übel, und das ist der »Faschismus = Auschwitz«, und das muß fortwährend bekämpft werden, mit welchen Mitteln auch immer.

  5. Die Meinung irgendeiner »linken« Sprecherin, also einer Sprechering einer Partei, die Seiten wie Eure sicherlich sofort vom Netz nehmen würde, wenn sie mal wieder am Drücker wäre, interessiert mich nicht mal nur peripher. Sich medienwirksam mal eben nicht erheben, um dafür zur Abwechlsung auch mal Beifall aus dem NPD- Lager zu bekommen, ist auch sehr bequem.

    Mein Tipp an Frau Dagdelen:

    Einfach mal nach Teheran fahren und dort unverschleiert ein bisschen »um die Häuser ziehn« und die dortige offene Kultur geniesen.

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