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Viel Euphorie: Lucke in Dresden

luckeBei allen rechten und konservativen Parteigründungen der letzten Jahren gab es früher (meistens) oder später (selten) den Punkt, an dem man sich selbst als Anhänger der vertretenen Ideen peinlich berührt von diesen Projekten abwenden mußte, weil der Dilettantismus wieder einmal gesiegt hatte. Bei der Alternative für Deutschland von Bernd Lucke ist das anders.

In Dresden hingen die Wahlplakate der AfD als erstes. Überall in der Stadt werden die Bürger mit der neuen Partei konfrontiert. Ihre Informationsveranstaltungen sind brechend voll und pünktlich einen Tag, bevor Spitzenmann Bernd Lucke nach Dresden kommt, ist im Briefkasten ein Flyer und lädt auf den Altmarkt zum Höhepunkt des Wahlkampfes ein.

Bestimmt 500 Leute sind gestern zu Lucke gepilgert. Gefühlt fast alle BN-Leser und -Förderer aus der Gegend, die ich persönlich kenne, sind dabei. Ansonsten ist es bunt gemischt: Jung und Alt, Frauen und Männer, »Intellektuelle« und »einfache« Nachbarn von nebenan. Während sich zu Jürgen Trittin am Montag nur der engste, grüne Fanclub verirrte, spricht Lucke trotz mangelhafter Medienpräsenz in den letzten Wochen die breite Masse an.

Schäuble »sternhagelvoll«

Lucke ist betont lässig gekleidet. Wahrscheinlich will er nur nicht zu sehr als »Professor« herüberkommen. Dann geht es los: Nach kurzen einleitenden Worten jubelt die Menge, als endlich der Hauptredner ans Mikrofon tritt. Sein erstes Thema: Griechenland und der Euro. Lucke führt vor Augen, welch irrsinniges Haftungsrisiko die Deutschen bei der Euro-Rettung tragen. Besonders begeistert ist die Menge immer dann, wenn Lucke eindeutig nachweisen kann, daß Finanzminister Schäuble entweder keine Ahnung hat oder das Volk nach Strich und Faden belügt. Manchmal habe man den Eindruck, der Finanzminister müsse »sternhagelvoll« sein. Das Publikum geht mit.

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Zwischendurch machen sich einige vermummte Gestalten mit Zwischenrufen, einer Antifa-Fahne und einem Transparent, auf dem »Rechtspopulismus raus den Köpfen« steht, bemerkbar. Nach einer Dreiviertelstunde, als es leicht anfängt zu tröpfeln, zieht die Antifa von dannen. Niemand hat sie sonderlich ernst genommen, aber wenigstens hat man obligatorisch Präsenz gezeigt.

Als Lucke auf die Energiepolitik und die Einwanderung zu sprechen kommt, merken die Zuhörer, daß er bei diesen Themen nicht zu Hause ist, jedoch ein für Politiker völlig unübliches Ringen mit der Wahrheit beginnt. Er verarscht die Leute nicht. Lucke gibt sich nicht damit zufrieden, den Leuten das zuzurufen, was sie hören wollen. Er legt glaubwürdig und differenziert dar, wie er die Dinge sieht:

  • Atomkraft nein, weil die Suche nach einem Endlager für den anfallenden Müll nicht erfolgreich war.
  • »Grüner« Strom ja, aber bitte die erneuerbaren Energien nicht mit der Gießkanne subventionieren. Strom müsse bezahlbar bleiben. Lucke räumt aber auch ehrlich ein, daß die Strompreise weiter steigen müssen und auch er dies nicht abrupt ändern könne.
  • In Sachen Zuwanderung betont Lucke schließlich noch einmal seine Überzeugung, daß wir aufgrund des demographischen Niedergangs qualifizierte Einwanderer bräuchten, auf Einwanderung in die Sozialsysteme aber verzichten können.

Gegen Ende der Rede greift sich Lucke schließlich noch einmal ein emotionales Thema: die linksextreme Gewaltwelle gegen die AfD. Schaut man auf die Reaktion der Zuhörer, muß Lucke der Antifa eigentlich für jeden mißratenen Auftritt dankbar sein, weil gerade dieses Thema die Anhänger zusammenschweißt. Sie brauchen neben dem weitestgehend abstrakten und unsichtbaren Feind (den Euro-Rettern und allen Profiteuren dieser Politik) auch einen, der sich ihnen direkt in den Weg stellt.

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Die Euphorie, die dieser Abend mit Bernd Lucke in Dresden verbreitet, ist ansteckend. Schafft es die AfD so über die Fünf-Prozent-Hürde? Zumindest macht die Partei im Wahlkampf sehr viel richtig.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

5 Kommentare zu “Viel Euphorie: Lucke in Dresden

  1. Die Euphorie um Herrn Lucke kann ich nicht teilen. Lucke kritisiert die Kosten der Griechenlandrettung durch die Bundesregierung, verschweigt aber, daß er den Griechen die Schulden komplett erlassen will. Für den deutschen Steuerzahler würde das Ausfälle in hoher zweistelliger Milliardenhöhe bedeuten.

    Seine Ablehnung der Atomkraft begründet Lucke allein mit der ungelösten Endlagerfrage. Wer sich ein wenig mit der Materie beschäftigt hat der weiß, daß die Atommüllproblematik in den nächsten Jahrzehnten technisch gelöst werden kann. Lucke dagegen blendet den technischen Fortschritt aus und begibt sich damit argumentativ auf dasselbe niedrige Niveau, wie die politische Linke.
    Gleichzeitig will Lucke an der kostspieligen Energiewende festhalten und räumt deshalb ein, daß die Strompreise weiter steigen werden. Ist das eine Alternative?

    Völlig absurd ist de Forderung nach einem Einwanderungsgesetz, die Lucke in Dresden erneut verteidigt hat. Wieso Deutschland bei de facto 4 Millionen Arbeitslosen und etwa 8 Millionen Geringverdienern auch noch Arbeitskräfte aus dem Ausland braucht, erschließt sich mir nicht. Wir sollten endlich anfangen, die in Deutschland verfügbaren Personalressourcen zu nutzen, insbesondere durch die gezielte Fort- und Weiterbildung auch älterer Erwerbsloser.
    Auch der Hinweis auf die erst mittel- bis langfristig wirkende demographische Entwicklung zieht nicht. Denn niemand kann heute sagen, wie viel Personal Deutschlands Unternehmen in Zukunft benötigen werden. Darauf kommt es aber an. Die AfD bedient mit ihrer Forderung nach qualifizierter Zuwanderung die Wünsche der Wirtschaft nach möglichst billigen Arbeitskräften. Das ist nicht im Interesse der Erwerbstätigen, die unter der fortwährenden Lohndrückerei zu leiden haben.

    Wie gesagt, programmatisch überzeugt mich die AfD nicht, auch wenn Bernd Lucke die dürftigen Inhalte seiner Partei rhetorisch nett verpackt.

  2. Alternativer

    Es ist tatsächlich so, daß die AfD keine rechte Partei ist. So stehen die meisten echten Konservativen abseits, weil sie die programmatischen Defizite nicht akzeptieren können.

    Auch ich werde meine Mitgliedschaft daran festmachen, ob sich hier etwas deutlich in unsere Richtung bewegt.

    Mein Hauptthema ist nicht der Euro, sondern die Überfremdung. Das kanadische Einwanderungsmodell ist jedenfalls keine Lösung. Wir müssen die nicht integrierbaren Ausländer in ihre Länder zurück schicken und brauchen überhaupt keine Einwanderung.

  3. Walter Heisenberg

    Der Schuldenerlaß für Griechenland ist einfach die Anerkennung der Macht des Faktischen. Griechenland hat Ziegen und Oliven, die Beamten, Angestellten und Rentner etc. verdienten aber soviel, oder sogar mehr, wie in einer Hightech-Nation des Nordens.
    Das verprasste Geld werden sie NIEMALS zurückzahlen können, auch wenn die griechische Autoindustrie in Zukunft ganz doll innovativ ist.

  4. Angelika H.

    Wir können froh sein, dass es Lucke, Adam, Petry & Co. gibt. Zum ersten Mal seit vielen Jahren gibt es eine reale Chance, eine Partei im Bundestag zu haben, die die wahren Interessen des deutschen Volkes vertreten will und wird. Daher die Angst unserer jetzigen Volksvertreter vor dieser Partei. Zum Schuldenschnitt in Griechenland wird es kommen. Z.Zt. schuldet uns GL ca. 100 Milliarden Euro- dank der Abnicker im Bundestag. Wahrscheinlich verpuffen 50 Milliarden. Wenn Lucke die Mehrheit im BT hätte, wäre dann Schluss mit dem Eurotransfer. Auf alle Fälle erhält Volkes Wille durch die AfD ein Podium im BT – drücken wir die Daumen – und gehen wählen – und machen Werbung für die AfD.

  5. Jürgen W.

    Man bräuchte einfach nur eine gemeinnützige Bürgerarbeit, für alle diejenigen, die auf Staatskosten leben,einführen.Sie werden ja durch deutsche Steuergelder bezahlt,warum sollen sie dafür nicht auch,sagen wir mal , 20 Stunden die Woche zum Beispiel Laub harken in Parks oder im Winter den Schnee bei alten oder berufstätigen Leuten räumen!?
    Dann nehme ich an, löst sich das Problem mit den arbeitsunwilligen Ausländern von ganz allein.
    Wenn sich überall auf der Welt herumspricht, daß man in Deutschland arbeiten muß,dann werden solche Leute garnicht erst kommen, aber wohl diejenigen, die sich hier mit Arbeit am deutschen Leben beteiligen wollen.

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