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»Viva Stalin«

Eins möchte ich noch zur »Tonic«-Rezension von Nando-Dragan Augener ergänzen: Obwohl hier eine völlig unpolitische und passive Jugend schreibt, schießt sie ausgerechnet bei einem Thema übers Ziel hinaus. Unter dem Titel »So geht´s nicht weiter« beschäftigen sich verschiedene Autoren mit »Realen Utopien«. Ob die vorgestellten Utopien (z.B. »Diktatur der Kunst«) etwas taugen, läßt man dann Lenin mittels eines Zitats entscheiden. Die Tonic inszeniert Lenin als Popstar, der uns den Weg für ein neues revolutionäres Abenteuer weist.

Dieser unkritische Umgang mit dem Kommunismus ist es, der dazu führt, daß am Ende jeglicher Linksextremismus unter den Tisch gekehrt wird. Wenn überhaupt gibt es dann »vereinzelte Gewalt von Linksautonomen und Linksextremen«, wie dieses Wochenende in Magdeburg.

Schaut man nach Berlin (Rosa-Luxemburg-Gedenken), muß man das »vereinzelt« allerdings schnell streichen:

Wie in den Vorjahren pöbelten und randalierten erneut Jugendliche am Gedenkstein für Stalinismus-Opfer gegen die jene, die an seine Opfer erinnern wollten. Nur durch massiven Polizeieinsatz, einmalig auf einem Berliner Friedhof, konnte ein Zerstören der Kränze verhindert werden. Einige Vermummte bespuckten den Stein und beschimpften die Beschützer als Faschisten. Platzverbote wurden erteilt und der Friedhof gegen 12.30 Uhr teilweise geschlossen. Der Einsatzleiter zur B.Z.: »Wir ermitteln wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener.«

Diejenigen, die sich hier daneben benehmen, sind zudem nicht nur irgendwelche Jugendliche. Sahra Wagenknecht hat das Ganze auf ihre Art legitimiert. Die Welt berichtet darüber so:

Als die Demonstranten auf dem Friedhof der Sozialisten ankamen (wo einige von ihnen »Viva Stalin« skandierten), war die Linke-Führung schon längst wieder gegangen. Nicht ohne eine eigene kleine Stalinismusdebatte zu befeuern. Würde Sahra Wagenknecht, Vizefraktionschefin der Linken mit höheren Ambitionen und Ex-Frontfrau der Kommunistischen Plattform, auch am Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus haltmachen? Um ihn wird in der Linken bis heute gestritten. Als er 2006 aufgestellt wurde, hatte Wagenknecht ihn als »Provokation für viele Sozialisten und Kommunisten« bezeichnet.

In diesem Punkt blieb sich die 43-Jährige denn auch treu. Nachdem sie an der Gedenkstätte der Sozialisten gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Oskar Lafontaine einen Kranz niedergelegt hatte, machte sie um den Gedenkstein für die Stalinismusopfer einen großen Bogen – im Gegensatz zu den beiden Linke-Chefs Bernd Riexinger und Katja Kipping sowie Fraktionschef Gregor Gysi.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

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