Anstoß

Volle Fahrt in die Zwei-Klassen-Gesellschaft

Wie war das noch mit, es werde keine Sonderrechte für Geimpfte geben? Alles Schnee von gestern! Heute will man ganz generös „Freiheiten zurückgeben“. Die Zwei-Klassen-Gesellschaft, die dabei mutwillig konstruiert wird, wird sogar als etwas Positives verkauft – so zumindest die vergangene Ministerpräsidentenkonferenz, die zwar keine Entscheidungen, dafür aber „konstruktive“ und „wichtige“ Gespräche gebracht hat.

Wie man alle zum Impfen bringen will, wird noch nicht verraten. Aber dass sich nicht alle freiwillig impfen lassen wollen, das hat die Kanzlerin schon zugegeben. Eine Möglichkeit sieht beispielsweise Markus Söder (CSU), der beste Flügelmann der Regierungschefin, darin, „soziale Anreize“ zu schaffen, indem man frühzeitig den Betriebsärzten das Impfen erlauben würde. Wenn – so der bayerische Ministerpräsident – sich alle Kollegen impfen lassen, würde so mancher Skeptiker mitziehen. Früher in der Schule haben wir sowas „Gruppenzwang“ genannt.

Nur wer dem Gruppenzwang folgt, erhält seine Grundrechte zurück

Es sollen also Grundrechte zurückgegeben werden. Ob den Führern dieses Landes wohl in den Sinn kommen könnte, dass sie das gar nicht können, das eigentliche eine Anmaßung sondergleichen ist? Schließlich liegen diese Rechte jedem Menschen „zu Grunde“. Aber daran sieht man eben auch, dass Grundrechte nur so lange etwas wert sind, wie sie auch einen Fürsprecher mit Macht und Einfluss haben.

Und was passiert, wenn eine neue „Mutante“ des Virus auftaucht, gegen die bisherige Impfungen nicht mehr wirken? Verlieren dann alle Geimpften wieder ihre „Grundrechte“ und das Spiel fängt von vorne an? Da fliegen Grundrechte ja über den Tisch, hin und her, wie Pokerchips.

Kennzeichnung für Nicht-Geimpfte als nächster Schritt?

Zugleich werden mit der abersinnigen Hausdurchsuchung und Schikane jenes Richters aus Weimar, welcher es Anfang April gewagt hatte, ein nicht-regierungskonformes Urteil bezüglich der Masken-, Abstands- und Testpflicht an zwei Weimarer Schulen zu fällen, andere Richter davon abgehalten, auch weiterhin korrigierend in den Wirbel des Wahnsinns einzugreifen. Die Staatsanwaltschaft als weisungsgebundenes Organ der Exekutive pariert schon. Die Judikative soll zukünftig auch im Gleichschritt mitmarschieren. Gehört fortan die Unabhängigkeit der Justiz als tragende Säule des Rechtsstaates ebenso zu den Dingen, von denen man mal seinen Kindern erzählen kann?

Wer nicht geimpft ist, muss auch weiterhin mit teils massiven Einschränkungen seiner elementaren Rechte leben. Warum nicht gleich noch einen Schritt weitergehen und die Sache mit der Zwei-Klassen-Gesellschaft konsequent zu Ende denken? Um allen Geimpften die Möglichkeit zu geben, sich vor den Nicht-Geimpften in Sicherheit zu bringen, sollten jene Viren-Schleudern doch zukünftig einfach eine Art Kennungszeichen am Mantel tragen, damit man Abstand halten kann. Man ist ja schließlich nicht „gegen das Leben“, wie Ralph Brinkhaus (CDU) so treffend im Bundestag formulierte.

Führen wir jetzt auch Zugabteile für Geimpfte und Nicht-Geimpfte ein? Müssen letztere zukünftig im Bus hinten sitzen? Wenn schon Segregation, dann aber richtig! Wir Deutschen sind schließlich nicht dafür bekannt nur halbe Sachen zu machen!

Alternativ kann man es auch wie im Mittelalter machen und den Nicht-Geimpften gleich Aussätzigen eine Rassel in die Hand geben. Damit sollen sie sich dann schon immer von weitem ankündigen, damit die anderen Reißaus nehmen können. Ist es nicht ironisch, dass Aussätzige bis in die Neuzeit hinein als rechtlich tot und „lebende Tote“ galten? Und dass, weil sie mit einer Krankheit infiziert waren, die Jahrtausende lang als hoch ansteckende und unbedingt tödliche Seuche galt, als Tod, der hinter jeder Straßenecke lauern konnte? Erst die Medizin der Neuzeit hat herausgefunden, dass weniger als zehn Prozent der Infizierten auch tatsächlich erkrankten und die Krankheit nur sehr schwer übertragbar, die ganze Angst vor den Aussätzigen also total überflüssig, ja hysterisch war? Ich bin gespannt, was Geschichtsbücher in ein paar Jahrhunderten wohl über die aktuelle „Geißel der Menschheit“ berichten werden?

20 bis 30 Prozent „Impfgegner“?

Aussätzige verloren nach der Diagnose übrigens ihren Job, durften keine sozialen Kontakte in der Gesellschaft mehr unterhalten, galten als ausgestoßen und wurden in sogenannte Sondersiechenhäuser eingewiesen. Die Geschichte sprudelt nur so von Ideen, an denen sich unsere Regierenden bedienen können.

Früher musste man eine Bank ausrauben oder jemanden um die Ecke bringen, damit man lebenslang bekam. Heute genügt die Entscheidung gegen eine Injektion. Eine Frage bleibt allerdings: Was passiert eigentlich, wenn die Zahl der „Impf-Gegner“ wirklich bei 20 bis 30 Prozent liegen sollte und diese dadurch dauerhaft aus dem Konsumkreislauf ausgeschlossen werden? Wer hält das länger aus? Die Impf-Verweigerer oder unsere Konsumgesellschaft? Wir reden hier immerhin von rund 20 Millionen Menschen, die dann nicht mehr regelmäßig ihr Geld in den Kreislauf pumpen. Man wird sehen.


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