Gesichtet

Warum der Strom immer teurer wird

Nirgends auf der Welt ist der Strom so teuer wie in Deutschland. Rund 32 Cent kostet hierzulande die Kilowattstunde. Zum Vergleich: In Frankreich zahlt man nur etwas mehr als die Hälfte. Der EU-Durchschnitt liegt 2020 bei 20,5 ct/KWh. Und eigentlich sollte der Strom im kommenden Jahr sogar noch teurer werden.

Ein Grund, warum hierzulande der Strom so teuer ist, liegt im Erneuerbare-Energien-Gesetz, genauer: der EEG-Umlage. Mit dieser Umlage wird die Differenz zwischen dem für Strom erzielten Börsenpreis und der börsenunabhängig garantierten Vergütung für Ökostromproduzenten ausgeglichen. Weil aber der notierte Börsenpreis für Strom aufgrund der Corona-Krise derzeit sehr niedrig ist, haben die Übertragungsnetzbetreiber eine notwendige Erhöhung der Umlage auf 9,651 ct/KWh für 2021 prognostiziert. 2020 beträgt diese noch 6,756 ct/KWh.

33 Milliarden für „Ökostrom“

Daher hat die Bundesregierung beschlossen, die Zulage zu deckeln. 10,8 Milliarden Euro soll es kosten, die Umlage von aktuell 6,756 auf 6,5 ct/KWh zu senken. Zuzüglich natürlich der ohnehin anfallenden Kosten von rund 33 Milliarden Euro für die Ökostromförderung. Die Senkung der Umlage wird durch einen Zuschuss vom Bund finanziert und ist auf zwei Jahre ausgelegt. Als Grund wird die aktuelle Pandemie genannt.

Einfach zu behaupten, Corona sei an allem schuld, ist hier aber nicht statthaft. Das Problem mit der Umlage ist ein prinzipielles. Die Krise offenbart nur sehr deutlich, an welchem Geburtsfehler das Umlagesystem krankt. Die „Erneuerbare Energie“ ist ganz offensichtlich nicht marktfähig. Und da Wind und Sonne offenbar nicht in der Lage sind, Strom zu vernünftigen Preisen zu produzieren, greift die Politik ein, um diesen Mangel auszugleichen. Oder viel eher künstlich Konkurrenzfähigkeit zu erzeugen.

Seit es die EEG-Umlage gibt, steigt sie kontinuierlich. 2011 betrug sie lediglich 3,53 ct/KWh. Und auch in Zukunft wird sie steigen. Die Deckelung mittels Steuergeldern dient lediglich der Verschleierung. Ob der bundesdeutsche Bürger die Milliarden über seine Steuer- oder Stromrechnung begleicht, ist letztlich einerlei. Interessanterweise stieg die Umlage in dem Maße, wie die Erneuerbare Energie – vornehmlich Wind und Sonne – ausgebaut wurde.

Kraftwerke im Leerlauf

Logisch, je mehr Ökostromproduzenten am Markt sind, deren Strom nach dem EEG immer zu bevorzugen ist, desto mehr Umlagegeld wird fällig. Zumal mit zunehmender Ökoverstromung die Effizienz der bundesdeutschen Stromerzeugung schwindet. Je mehr Windräder sich bei Wind drehen, desto mehr konventionelle Kraftwerke müssen bei Wind in den Leerlauf schalten, weil Ökostrom bevorzugt wird. Abschalten kann man die Gas- und Kohlekraftwerke aber nicht. Schließlich kann der Wind auch wieder abflauen. Dann müssen die konventionellen Kraftwerke bereit sein, um das Stromnetz vor einem Zusammenbruch zu retten. Das einzige, was wir also erreichen, ist, dass vor allem immer mehr Gaskraftwerke „für lau“ Gas verbrennen.

Auch ist es auffällig, dass immer mehr Gaskraftwerke gebaut werden müssen, sobald Kohle- oder Atomkraftwerke vom Netz gehen, obwohl die erneuerbaren Energieträger parallel ausgebaut werden. Einzig deswegen, weil weder Sonne noch Wind in der Lage sind eine Grundlast im Netz zu erzeugen, die für ein stabiles Stromnetz jedoch unabdingbar ist. Denn mal scheint die Sonne und mal nicht. Und auch der Wind bläst, wie es ihm gefällt.

Man könnte also sagen, je mehr Wind- und Solaranlagen, desto höher die Strompreise. Das macht Deutschland nicht nur als Wirtschaftsstandort unattraktiver. Jedes Jahr wird auch in über 300.000 bundesdeutschen Haushalten der Strom abgedreht, weil diese sich den Strom schlicht nicht mehr leisten können. Elektrische Energie ist längst zum Luxusgut geworden.

Endliche Ressourcen und wirtschaftliche Vernunft

Deutschland vertritt eigentlich die Prinzipien der Marktwirtschaft. Warum also nicht auf dem Strommarkt? Wenn es irgendjemand wissen sollte, dass Planwirtschaft nicht funktioniert, dann ja Deutschland. Und doch meinen wir, wir könnten etwas, auf dem unsere ganze moderne Zivilisation aufgebaut ist – Energie – derart defizitär erzeugen und dennoch konkurrenzfähig bleiben. Natürlich kann dieses Problem auch weiterhin mit Milliarden an Steuergeldern zugeschüttet werden – das Problem bleibt dennoch und aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Sicher, wir müssen längerfristig weg von Öl, Kohle und Gas. Schon allein aus dem Grund, weil es sich hierbei um eine endliche Ressource handelt und es auch der Umwelt nicht gerade zum Vorteil gereicht. Und um ehrlich zu sein, ist Öl ein viel zu kostbares Gut, um es einfach in die Luft zu blasen.

Dafür aber immer mehr Windräder und Solarpaneele aufzustellen und das Beste zu hoffen, ist nicht zielführend. Und so wird der Strom in Zukunft weiterhin immer teurer werden, bis er letztlich gar nicht mehr zu zahlen ist oder aber die staatlichen Subventionen ins Astronomische steigen.

(Bild: Pixabay)


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