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Was schwafelt der Henkel da?

Die meisten, die hier mitlesen, werden den ehemaligen BDI-Chef Hans-Olaf Henkel für seine häufig klaren Worte zumindest respektieren. Aber was lese ich nun für einen Unsinn in einem ntv-Interview mit ihm vom vergangenen Samstag …

Einige rechtspopulistische Gruppierungen haben meine Vorschläge auf ihre Homepage gestellt. Für mich ist das ein Warnsignal, aber auch eine Aufforderung an die bestehenden Parteien: Wenn man über längere Zeit die Bedenken der Deutschen nicht ernstnimmt und keine alternativen Rezepte präsentiert, darf man sich nicht wundern, dass die Rattenfänger immer erfolgreicher werden. Was wir brauchen, ist eine europafreundliche Partei mit einer alternativen Europolitik.

Henkel findet es also alarmierend, daß einige Rechte finden, er habe im Großen und Ganzen recht. Was ist das nur für ein Unsinn? Wie kann man sich nur so dümmlich von sich selbst distanzieren? Auch sein Sprachgebrauch ist unterirdisch. »Rattenfänger!« Da fragt man sich, welche Pillen der genommen hat. Vor ein paar Jahren noch sprach er sich in Interviews klar und deutlich gegen die Politische Korrektheit und für Meinungsfreiheit aus. Jetzt benutzt er selbst die Totschlagargumente der Diskursverhinderer.

Noch absurder wird es bei der Frage, wie denn nun seine Partei aussehen müsse:

Wie die FDP, nur mit einer anderen Libyen-Politik und einer anderen Euro-Politik. Das wär’s!

Einfach nur: Unfaßbar dumm!

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5 Kommentare zu “Was schwafelt der Henkel da?

  1. Genau wie bei Sarrazin und Pro-Deutschland: Sie geben ihm recht und er verbietet ihnen den Mund.

  2. Man kann sich die Mitstreiter/Gleich-/Ähnlichgesinnten nicht aussuchen. Sie sind halt so.

    Man teilt die Ansichten von Broder, freut sich über seine Streiche (natürlich nur, wenn die Richtigen verarscht werden), empört sich darüber, dass er, ausgerechnet er, eines Analog-Antisemitismus verdächtigt wird

    http://tinyurl.com/5v7ctov

    und man muss dennoch ertragen, wie er vor laufender ARD-Kamera (»Entweder Broder«) seine per NPDler-Handschlag entweihten Wurstfinger desinfiziert oder andernorts die JF-Macher als »Salonfaschisten« herabwürdigt.

    Wie HOHenkel oder MBEndstation pflegen doch die meisten Rechtsversteher durch in regelmäßigen Abständen wiederholte Tritte gegen Rechts sich gegenüber dem Mainstream rückzuversichern, aus Angst, andernfalls nicht mehr in Talkshows eingeladen zu werden, oder sie erweisen sich direkt als rückgratlos:

    Joachim Fest unterschrieb tapfer einen »Appell für die Pressefreiheit« (Leipziger Buchmesse) und meinte später auf vorwurfsvolle Nachfrage, er lese die JF gar nicht und würde ihre Ansichten auch überhaupt nicht teilen.

  3. Nochmal Joachim Fest, die vollständige Quelle.

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/467950/

    Die Erinnerung daran war doch zu milde.
    Wenn man es jetzt wieder liest, wird einem speiübel.

    (ungefähr so, wie der Anne-Will-Figur gestern bei Harald Schmidt)

  4. Ich war ohnehin schon immer mehr für Hankel als Henkel.

  5. Ehrlicherweise muß man ihnen zugute halten, das Dutzende Kampagnen a la Eva Hermann und Sarrazin natürlich auch ihre Spuren in den Köpfen der Menschen hinterlassen haben. Und wenn jemand kein nahezu geschlossenes konservatives Umfeld hat und irgendwo auf dem Land wohnt, dann ist es auch gar nicht so leicht sich trotz wissens fehlender konservativer (Medien-) Rückendeckung mal schnell ins Feuer zu begeben. Jemand wie Henkel der in allen möglichen Gremien drinnen sitzt und im Freundeskreis eher von linken Intellektuellen umgeben ist, hat natürlich im Unterschied zu einem HartzIV-Empfänger auch einiges zu verlieren.
    Die ersten Schritte sind immerhin gemacht. Die Rechte sollte muß in Bescheidenheit und Demut üben. Lieber eine mangelhafte Chance am Schopf gepackt, als auf »Mr. Perfect« warten und am Ende glücklos zugrunde gehen.

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