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Weder Kippa noch Palituch!

Die Identitären haben den zweiten Teil ihrer Grundsatzpositionen veröffentlicht. In Teil eins ging es um die Abgrenzung zwischen Identität und Rassismus. Teil zwei beschäftigt sich mit Vergangenheitspolitik und Israel.

Weder Kippa noch Palituch!

Der Slogan, den wir von den französischen Identitären übernommen haben, zeigt unsere Haltung zu einem Thema, das die deutsche Psyche seit Jahrzehnten beschäftigt. Es geht um die Frage der Vergangenheit und der Haltung zu Israel. Gerade weil diese Frage auch heute noch eine derart große Rolle spielt, wollen wir gesondert darauf eingehen.

Uns geht es hier nicht um Geopolitik und große Allianzen, sondern erst einmal um Fragen wie die der Schuld, der Aufarbeitung unserer Geschichte und einer echten Versöhnung. Wir wollen ein gesundes Selbstverhältnis und eine gesunde Beziehung zum jüdischen Volk aufbauen. Und wir denken, dass wir Identitäre hier eine entscheidende, historische Rolle spielen könnten. Unsere Identität bildet sich ohne Frage auch aus unserer Geschichte und unsere Bezugnahme auf sie in der Gegenwart. Unsere Geschichte lässt sich nicht ändern, die Bezugnahme darauf schon. Wir distanzieren uns klar vom Nationalsozialismus und seinem exterminatorischen Antisemitismus, ebenso aber von einer kultischen Politik der Schuld und einem neurotischen Selbsthass, mit dem keinem gedient ist.

Was wir aus der jüngsten deutschen Geschichte lernen, ist, dass die Verknüpfung eines Nationalismus mit einem rassischen Überlegenheitsanspruch, dass die Einteilung der Völker und Kulturen in „gute und schlechte“, „überlegene und unterlegene“, dass politische Heilslehren grauenhafte Konsequenzen haben können. Wir leugnen all‘ die Verbrechen, die im Namen dieser Ideologie entstanden sind, in ihren vergleichbaren und einzigartigen Aspekten nicht und lehnen revisionistische Ausflüchte strikt ab. Wir, als nachkommende Generation, wollen eine echte Aufarbeitung, die in einer echten, dauerhaften Versöhnung ihren Abschluss findet. Wir lehnen allerdings auch die quasi-religiöse Institutionalisierung und den Missbrauch dieser Katastrophe und eine absolut einseitige Betrachtung der deutschen Geschichte ab. Der Holocaust ist für uns ein Verbrechen, das sich nicht wiederholen darf, aber kein Gründungsmythos und nicht das Zentrum der deutschen Geschichte. Wir wollen im Rahmen einer echten Aufarbeitung zu einer gesunden, selbstbewussten Identität zurückfinden, aus der erst eine ebenso gesunde Beziehung zum jüdischen Volk entspringen kann. Die identitäre Idee ist die überfällige und offene Antwort auf die Shoah und den Nationalsozialismus, anstatt in einem kulturellen Selbsthass als „ewiges Tätervolk“ und moralische Instanz der Erde nur seine Spiegelung zu sein.

Als echte Ethnopluralisten erkennen wir das Lebensrecht aller Völker an und sehen sie als Teil der Völkerfamilie eines gemeinsamen Planeten. Unsere Feinde sind nur jene, die unsere Identität bedrohen, keine imaginären Achsen des Bösen oder Weltverschwörungen.

Wir lehnen jeden Antisemitismus ab, ohne in eine pathologische Überidentifikation mit Israel zu kippen. Dass Israel und Teile der US-Politik ein strategisches Interesse daran haben, dass in Europa kein islamisches Kalifat entsteht, ist nur verständlich. Wir haben aber ein identitäres, existenzielles Interesse daran. Wir wollen nicht zu einer willenlosen Schachfigur in einer transatlantischen, westlichen Allianz werden, sondern als Deutschland und Europa selbstbewusst und eigenständig auftreten. Unsere Probleme mit der galoppierenden Islamisierung stehen in keinem direkten Zusammenhang zur US-Politik im Nahen Osten und beides muss getrennt betrachtet und diskutiert werden.

Im Nahostkonflikt wollen wir nicht als eingebildete moralische Instanz Urteile fällen, sondern, wenn überhaupt, unter Anerkennung des Lebensrechts beider Völker vermitteln. Generell aber ist die Nahostfrage keine zentrale Frage der identitären Bewegung. Es geht uns um Deutschland und Europa und nicht um irgendwelche anti- oder philosemitischen Fixierungen.

Eine Kritik sowohl an Israel als auch an der islamischen Welt muss möglich sein. Beide sind aber, im Angesicht der existenziellen Probleme, die Europa gerade erlebt, in unseren Augen zweitrangig und ihre permanente Debatte ist ein Teil der philo- bzw. antisemtischen Schuldneurose, die in Deutschland bis in weite Teile der Linken vorherrscht.Wir ziehen aus dem Bewusstsein um den Holocaust eine besondere Verantwortung für das Eintreten gegen alle Vernichtungsideologien und chauvinistischen Gedanken und verteidigen die Vielfalt und Gleichwertigkeit der Völker und Kulturen, deren Verschiedenheit wir freudig bejahen. Weder Kippa noch Palituch heißt, dass wir einen eigenständigen Weg jenseits von Selbsthass und Selbstüberhöhung gehen wollen.

Ich muß ehrlich sagen, daß sich diejenigen, die das geschrieben haben, ein wenig vergaloppiert haben. Anstatt erst einmal selbstbewußt die eigenen Positionen zu bestimmen, grenzen sie sich vorsichtshalber erst einmal ab. Warum so negativ? Kann man den in den Grundsatzpositionen vertretenen Standpunkt nicht auch positiv ausdrücken? Wir haben das in dem Beitrag »Das Haus der Alternativen Rechten« versucht. Das hört sich dann so an:

Allein schon altersbedingt bildet die unvollendete Zeitenwende von 1989 die maßgebliche Zäsur für die Alternative Rechte. Zum einen haben es Deutschland und Europa seither versäumt, eine freiheitliche Politik nach dem Ende der großen Ideologien umzusetzen. Zum anderen deutet sich an, daß die Länder des ehemaligen Ostblocks ihren »Vorsprung der Besiegten« (Wolfgang Schivelbusch) nutzen könnten. So ist zum Beispiel gerade das Gebiet der ehemaligen DDR von der Überfremdung verschont geblieben. Deutsches Denken und Leben wird aus diesem Grund in den nächsten Jahrzehnten vorrangig hier erblühen.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

9 Kommentare zu “Weder Kippa noch Palituch!

  1. PI war leider schneller und versucht nun, die Identitären als »Anti-Islam-Bewegung« abzustempeln: http://www.pi-news.net/2012/10/islamgegner-besetzen-moschee-in-poitiers/#comment-1967920

  2. Auzawandilaz

    Wieder nur eine Truppe, die die Grenzen der Spielwiese des Systems nicht zu überschreiten wagt.
    Man hat den Eindruck, daß von interessierter Seite der gesamte rechte Bereich mit Organisationen zugepflastert wird, die an den Strippen unserer Herrn und Meister hängen und in den kommenden unruhigen Zeiten uns absorbieren sollen.
    Da gründet ein Zionist eine Konkurrenzpartei zur BNP sowie die EDL, da gründet sich die GDL, usw. Alle diese dubiosen Gruppen und Parteien stehen letztlich im Dienste der »evolutionsbiologisch gesehen erfolgreichsten Gruppe, die die Menschheit je hervorgebracht hat« (so Prof. Kevin MacDonald).
    Lassen wir uns nicht täuschen, für fremde Interessen vereinnahmen und von gründlichem Denken abhalten.

  3. Wo hängt bei den Identitären der Meister an den Strippen? Klartext, oder reicht es dazu nicht?

  4. Die AdS Sekte scheint mal wieder Ausgang bekommen zu haben um auch andere Seiten an ihrer »der ewige Jude« Paranoia teilhaben zu lassen. Doch Obacht geben, woanders kann man Kritik nicht so einfach löschen, wie ihr das in eurem WordPress Ghetto gewohnt seid. Bleibt doch besser unter euch und wartet mit Axt und Repetiergewehr auf den Tag X, wie das bei Sekten halt so üblich ist.

  5. Résistance 2: Danke!

  6. Immerhin keine Entscheidung zugunsten irgendeiner Seite im Nahostkonflikt und die Benennung dessen als für uns zweitrangig, das ist doch was! Und nicht dieser nervige Anti-Islamismus! Wir also zuerst!

  7. Wenn sich das verbreitet, wäre es besser als das wir derzeit am Hals haben.
    Trotzdem wird es ganz sicher Strömungen geben, die sich an bestimmte hier formulierte Grundlagen eher halten als an andere, und es wird alle möglichen Mischformen bekannter Ideen mit identitären Ideen geben. Nur eine Minderheit ist rein sozialistisch, liberal, faschistisch oder eben identitär, da stellt sich z.B. schon die Frage ob man »dazugehört« wenn man welche Ansichten so und so sehr nicht teilt.

    Ausweichen kann man den ewigen Fragen also auch so wieder nicht, sie werden trotzdem aufkommen: Warum machen sich manche »Nationale« mehr Sorgen um die Palästinenser als z.B. um die Indios irgendwo im Regenwald? Schaden Demos zusammen mit NPD-Mitgliedern nicht dem Image? Dürfen die einen das und warum die anderen nicht?

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