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Werdet endlich erwachsen!

Für die FAZ hat heute Melanie Mühl (Die Patchwork-Lüge) einen längeren Beitrag im Feuilleton über »Helikopter-Eltern« geschrieben. Es geht ihr dabei um jene überfürsorglichen Eltern, die ihre Kinder auch noch auf Schritt und Tritt an der Universität begleiten.

Es seien jedoch nicht nur die Eltern, die etwas falsch machen. Insgesamt laufe etwas schief, wenn Universitäten tatsächlich Elterntage anbieten und es dafür einen regen Andrang gibt. Wo liegt das Problem? Mühl betont:

Sobald man gemeinsam mit seinem Kind universitäre »Schnuppertage« verlebt, Kurse auswählt und einen Stundenplan entwirft, stellt sich die Frage, ob das Kümmern nicht in Wahrheit pathologische Ausmaße angenommen hat. Dass »overparenting« keine auf die Kindheitsphase beschränkte Obsession darstellt, ist auch ein trauriges Zeichen dafür, dass offenbar viele Eltern von ihrem eigenen Leben derart angeödet sind, dass sie sich lieber auf das ihrer Kinder stürzen.

Die Folge ist, daß die jungen Erwachsenen zur Unselbständigkeit erzogen werden. Mühl will nicht falsch verstanden werden: Selbstverständlich sollen sich Eltern um ihre – auch erwachsenen – Kinder kümmern und sie unterstützen. Die familiären Bindungen zwischen den Generationen sind gerade in einer durchökonomisierten Welt ein wichtiger Gegenwert zur völligen Flexibilität. Schlägt das Kümmern aber in Verhätscheln um, schadet man den Kindern mehr, als man ihnen hilft: Es gibt für sie dann keinen Grund mehr, sich richtig anzustrengen. Mühl führt hier sogar eine Studie als Beweis an: Je höher die finanzielle Unterstützung durch die Eltern im Studium, desto schlechter die Noten.

Härte ist die einzige Lösung

Zudem haben US-Wissenschaftler ein massives Zunehmen des Narzissmus unter Studenten in den letzten zehn Jahren festgestellt. Gefördert durch soziale Selbstdarstellungsplattformen und ihre Helikopter-Eltern werden sie dazu angeleitet, sich immer in den Mittelpunkt zu stellen und sich nicht mehr nach den Anforderungen des Universitätsbetriebs zu richten.

Noch einmal Mühl:

So erzählen einem Professoren von Eltern, die als wütende Anwälte ihres Kindes in der Sprechstunde auftauchen, um über die ihrer Meinung nach ungerechte Benotung der letzten Arbeit zu diskutieren. Man erfährt von einer Studentin, die sich vierzig Minuten beraten lässt, wie sie am besten ein Auslandssemester verbringen könnte, und sich schließlich entscheidet, den Sommer doch lieber mit der Mutter auf Mallorca zu verleben.

Professoren und Universitäten können dagegen nur eins tun, trauen sich aber nicht: Sie müssen hohe Maßstäbe etablieren. Wer zu oft im Seminar fehlt, fliegt raus. Wer sein Referat nicht halten kann, bekommt keinen Schein. Wer keinen Grundlagenessay abliefert, kommt gar nicht erst ins Seminar. Ausnahmen ausgeschlossen!

Die Konsequenz dieser Härte wäre das Scheitern der Massen-Universität. Damit es so weit nicht kommt, werden diejenigen, die an einer Uni nichts verloren haben, wohl weiter in Watte eingepackt.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

1 Kommentar zu “Werdet endlich erwachsen!

  1. Der Verlag der FAZ ist ein Unterstuetzer des so genannten Leistungsschutzrechts. Was in der FAZ drin steht, sollte man deshalb grundsaetzlich ignorieren.

    Seltsamerweise will die FAZ vorerst bei GOOGLE NEWS weiter gelistet bleiben:
    »Der Verlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat auch mitgeteilt, vorlaeufig weiter in Google News bleiben zu wollen.« Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/google/leistungsschutzrecht-die-verlage-geben-gegen-google-klein-bei-vorerst-12315752.html

    Ich kann die derzeitigen Autoren der »Blauen Narzisse« nur davor warnen, spaeter einmal zur FAZ zu wechseln. Vielleicht droht der FAZ einmal ein Schicksal aehnlich der FTD.

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