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Wie buchstabiert man Meinungsfreiheit, Herr Lucke?

lucke3Es war ja schon vor dem Besuch von Nigel Farage in Köln bei der Jungen Alternative durchgesickert, daß AfD-Parteichef Bernd Lucke damit ein großes Problem hat, weil damit seine Strategie der Distanzierung von »rechts« beschädigt werden könnte. Doch jetzt wird es noch lächerlicher: Der AfD-Bundesvorstand hat sein neues Mitglied, den Beisitzer Marcus Pretzell, öffentlich »verwarnt«, weil dieser mit Farage diskutierte.

Dabei hatte Pretzell gestern die Lucke-Position, die EU nur ein wenig kosmetisch aufzuhübschen, gegen Farage verteidigt, der für einen Austritt aus der EU wirbt. Lucke hatte vor der Veranstaltung versucht, Pretzell von einer Teilnahme abzuhalten. Der Parteichef sei »stinksauer« gewesen, schreibt die ZEIT, und hätte seinen Vorstandskollegen vergeblich versucht, »zurückzuzitieren«.

Die Presse, allen voran der Spiegel, hat natürlich sofort begriffen, wie man Lucke jetzt abschießen muß. Statt mangelnde Distanz zu rechten Kräften wirft man ihm jetzt »autoritäres« Verhalten vor und betont, daß der Kampf der AfD für Meinungsfreiheit nun ad absurdum geführt wurde.

Reicht sanfte EU-Kritik?

Das Schlimme: Es stimmt auch noch. Meinungsfreiheit muß bedeuten, erst einmal grundsätzlich mit jedem zu sprechen. Insbesondere gilt dies für Menschen mit anderen Ansichten. Pretzell hat also genau richtig gehandelt: Er hat sich den Argumenten von Farage gestellt und mit seinen eigenen dagegengehalten. Jeder Beobachter kann ja nun selbst entscheiden, wer überzeugender war.

Lucke dagegen will die so wichtige Debatte darüber, ob sanfte EU-Kritik reicht oder es einen fundamental anderen Gegenentwurf zur Brüsseler Bürokratie braucht, von Vornherein verhindern. Er ist damit keinen Deut besser als die etablierten Politiker, von denen er sich doch mit der Gründung der AfD absetzen wollte.

(Bild: Lucke / BN)

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

8 Kommentare zu “Wie buchstabiert man Meinungsfreiheit, Herr Lucke?

  1. Traurige Parteienlandschaft, wo absolute Parteidisziplin herrschen muss, schon deshalb bin ich in keiner Partei, weil man mir als Freidenker gleich einen Maulkorb verpassen würde. Ich sehe Parallelen zur CDU, wo alles nach Merkels Meinung denkt.

  2. Diese Kritik an Lucke und am AfD-Bundesvorstand ist mal wieder völliger Unfug. In der öffentlichen Stellungnahme des Bundesvorstands steht doch ganz klar drin, warum diese Stellungnahme erfolgte: Pretzell hat schlicht einen Beschluss des Bundesvorstands missachtet. Nur darum geht’s, und nicht um »Meinungsfreiheit« oder um die Frage, wie die AfD Herrn Farage bewertet. Im übrigen machen der Bundesvorstand und Bernd Lucke einen überragenden Job. Gruß, L.E.

  3. Susanne Berger

    Kann man vom rechtsradikalen Bernd Lucke Anderes erwarten?

  4. Herr Edler Sie sind als AfD und Lucke Fanboy bekannt. Trotzdem ist ihr Versuch, diese Lappen und ihre Handlungen auch noch zu rechtfertigen, mehr als peinlich. Er hat einen Beschluß des Bundesvorstandes missachtet? Was jetzt? Lasst die
    Löwen los? Offenbar hegen Sie mehr Sympathien für grenzdebile Parteisoldaten wie Hermann Gröhe, doch andere Menschen müssen diese Einstellung nicht teilen! Deshalb hat Hr. Menzel völlig recht und der Unfug kommt ausschließlich von ihnen.

  5. Die AfD ist die neue Partei für Deutschland. Allen, denen an Deutschland noch etwas liegt, sollten AfD wählen. Glück auf!

  6. Gut, daß es keine %-Klausel bei der EU-Wahl gibt. Da ca. 0,6 Prozent für ein Mandat bei der EU-Wahl reichen, ist klar, daß der Udo Voigt von der NPD gewählt wird. Die AfD ist keine Alternative.

  7. Naja!
    Bei anderen Parteien wird Herr Guido Westerwelle von einem Informant bei Bild informiert, dass sich eine Parteigenossin nicht ganz konform verhält. Daraufhin nimmt dieser das Handy und forciert in Regimentston die Änderung des bereits genehmigten Interviews, welches dann erst veröffentlicht wird.
    So wahr ich hier stehe!

  8. »Stattdessen stellte er [Nigel Farage] unmissverständlich klar, dass rechte Extremisten oder Antisemiten, wie etwa der französische Front National, für ihn keinesfalls als Kooperationspartner in Frage kämen und überhaupt seien für ihn nur demokratische Parteien Ansprechpartner für eine mögliche Kooperation.«

    Der FN »rechte Extremisten oder Antisemiten«? Was ist denn das für eine Oberpfeife, die sich mit waghalsigen Behauptungen auf Kosten anderer »demokratisch« zu positionieren versucht? Da ist doch einer erbärmlicher, als der andere. Aus innerster Überzeugung nicht mit »Schmuddelkindern« zusammenarbeiten zu wollen, ist das eine, aber einen Kotou vor prekär beschäftigten Presstituierten zu machen, einfach nur peinlich.

    Im Untergang des Abendlandes verkommt selbst der »Widerstand« zur spießig-miefigen Groteske mit blau-rosa Socken.

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