Gesichtet

Wie man eine Pandemie, die keine ist, mit Mitteln bekämpft, die nicht wirken

Seit nunmehr 16 Monaten steht Deutschland Kopf. Und nun? Die Temperaturen gehen hoch und die Inzidenzen runter. Allerorten werden Lockerungen gefordert und man merkt es mittlerweile überall; viele Menschen haben so langsam aber sicher die Nase gestrichen voll. Das merken wohl auch unsere Herren und Damen Politiker. Immerhin steigt man dieser Tage wieder groß ins allgemeine Lockern ein. So ganz wollen sich Merkel, Söder und Co. dann aber doch nicht von ihren liebgewonnenen Gängelungen verabschieden.

Wunderwaffe Impfung?

Und wen wundert es? Genau zur richtigen Zeit erscheint ein neuer Endgegner auf der Bühne des infektiologischen Geschehens: die Delta-Variante. Klingt auch so schön wissenschaftlich, nachdem man sich von reißerischen Bezeichnungen, wie „Indien-Mutante“ verabschiedet hat. Ganz seriös. Und dennoch, 60 Prozent ansteckender soll sie sein und auch die große Wunderwaffe, die Impfung, soll nicht ganz so gut dagegen schützen. Umso wichtiger, dass man noch mehr, noch schneller und noch konsequenter alles, was zwei Beine hat, durchimpft. Ein Schelm, wer Böses denkt!

Auf der anderen Seite wirkt die ganze Delta-Dynamik mittlerweile doch sehr altbacken. Alter Alpha-Wein in neuen Delta-Schläuchen. Alles wird immer ansteckender, gefährlicher und apokalyptischer. Und so schleppen wir uns auch weiterhin durch eine mittlerweile sehr ermüdende „Pandemie“, die nie so richtig in Fahrt gekommen ist. Einige mögen nun widersprechen. Haben wir nicht einen wahrlich endzeitlichen Winter hinter uns gebracht? Mit Toten und Infizierten an jeder Ecke?

Nun ja, auch die schlimmsten Hiobsbotschaften verlieren ihren Schauer, wenn sie einfach nicht eintreten wollen. Oder hat mittlerweile jeder von uns einen Coronatoten in der Verwandtschaft?

Aber die Inzidenzen waren so hoch? Inzidenzen beruhen auf positiven PCR-Testergebnissen. Forscher der Universität Duisburg kamen nach der Auswertung von 190.000 PCR-Tests zum Ergebnis, dass diese nicht geeignet seien, die tatsächliche Ansteckungsgefahr aufzuzeigen. Denn, so kritisierten sie, der Test zeige lediglich an, ob eine Infektion nachweisbar, jedoch nicht, wie hoch die tatsächliche Viruslast und damit die Ansteckungsgefahr sei. So war eines der Ergebnisse der Studie, dass zum Beispiel im März 2021 – also mitten in der „dritten Welle“ – rund 80 Prozent der Positiv-Ergebnisse eine so geringe Viruslast aufwiesen, dass die Betroffenen gar nicht ansteckend waren.

Erneuter Winterschlaf droht

Daraus folgt, dass von einer krampfhaften Fixierung auf die Inzidenzzahlen keine Maßnahmen wie Lockdowns oder Abstands- und Maskengebote abgeleitet werden können. Und dennoch wird man im Herbst wieder genau das machen. Die Inzidenzen werden saisonbedingt ansteigen und das einzige Mittel stumpfsinniger deutscher Corona-Politik wird es sein, das Land erneut in einen Winterschlaf zu schicken.

Ein weiteres beliebtes Argument in der deutschen Corona-Politik sind die Intensivstationen. Diese – so die einhellige Linie – gelte es zu entlasten. Keinesfalls dürfe eine Überlastung aufgrund von zu vielen Coronafällen auftreten. Sonst wäre das große Sterben vorprogrammiert. Das Deutsche Intensivregister, maßgebliche Quelle für Informationen über den Auslastungsgrad deutscher Intensivstationen, ist laut Bundesrechnungshof nicht aussagekräftig. In seinem Bericht stützte sich dieser auf die Warnung des RKI, das bereits am 21. Januar 2021 – mitten im Lockdown! – darauf hingewiesen hatte, dass viele Kliniken bewusst falsche Angaben bezüglich der Anzahl ihrer Intensivbetten gemacht hätten.

Und dennoch traten deutsche Politiker weiterhin vor die Kameras und faselten mit besorgten Mienen etwas von überfüllten Intensivstationen. Und das, obwohl laut RKI und Bundesrechnungshof keine belastbaren Zahlen vorlagen. Macht letztlich das Lauterbachsche Diktum Schule, nachdem Grundlage wissenschaftlicher Einschätzung die gefühlte Realität sei?

Lieber verlässt man sich auf Interessengruppen wie den Intensivärzteverband, der nicht müde wurde zu betonen, welch verheerende Zustände auf den Stationen herrschen würden. Andererseits war auf deutschen Intensivstationen auch im tiefsten Winter immer genug Platz, Patienten aus anderen Ländern aufzunehmen, während man den eigenen Bürgern etwas von knappen Betten und Kollaps erzählte. Deutsche wurden im Lockdown eingesperrt, damit das Sozialamt Deutschland mal wieder die ganze Welt beglücken konnte?

Damit ist keinesfalls die Arbeit der auf den Intensivstationen arbeitenden Ärzte und Schwestern herabgewürdigt. Nur geht es hier auch um viele Millionen Euro für die Krankenhäuser. Ist es verwunderlich, dass diese die „Pandemie“ benutzten, um sich mittels Corona-Subventionen gesundzustoßen. Schließlich wurden viele Krankenhäuser seit der Gesundheitsreform 2003 finanziell ausgehungert.

Die Präzision einer Abrissbirne

Und dann der Lockdown. Ein Instrument mit der Präzision einer Abrissbirne. Die Wunderwaffe der deutschen Corona-Politik. Nur schade, dass dieser nichts gebracht hat. Wie Statistiker der Universität München nachweisen konnten, existiert kein kausaler Zusammenhang zwischen der Verhängung eines Lockdowns und dem Infektionsgeschehen. Nun wollen besagte Statistiker damit nicht sagen, dass es überhaupt keinen Zusammenhang gebe – nur lasse sich dieser aus den vorliegenden Daten nicht ansatzweise herauslesen.

Geschenkt, dennoch muss man sich fragen, ob eine Maßnahme, die massive Schäden an Wirtschaft und Gesellschaft fabriziert, bei einer nicht nachweisbaren Funktionalität überhaupt verhängt werden darf. Wir setzen unsere Wirtschaft, unseren relativen Wohlstand, unser Sozialleben, die psychische Gesundheit unserer Kinder und Alten aufs Spiel und erhalten nicht einmal die Zusage, dass das etwas bringt? Das Ergebnis der Kosten-Nutzen-Rechnung ist hier so unglaublich schief, dass jeder weitere Lockdown kollektiver Selbstaufgabe gleichkäme.

Um die „Pandemie“ und unseren Umgang damit zusammenzufassen: Seit fast eineinhalb Jahren versuchen wir einer Infektionskrankheit Herr zu werden, die bis heute alle Erwartungen untertroffen hat. Wir orientieren uns dabei an Inzidenzwerten, die nicht geeignet sind, das Infektionsgeschehen abzubilden und versuchen, diese Inzidenzen mit wahrscheinlich unwirksamen Maßnahmen zu senken. Und das alles, weil wir eine Überlastung unserer Intensivstationen verhindern wollen, von denen wir Stand heute nicht wissen, ob sie jemals der Überlastung auch nahe gekommen waren. Willkommen im Deutschland des Jahres 2021.


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