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»Wir sind die Urheber!« – Die Mobilmachung der Intellektuellen

In der aktuellen ZEIT findet sich ein Aufruf von 100 Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern, die »Gegen den Diebstahl geistigen Eigentums« vorgehen wollen. Die Aktion heißt »Wir sind die Urheber!« und jeder kann den Aufruf unterschreiben, wenn er bereit ist, seine Postanschrift zu verraten.

Obwohl ich den Aufruf gerade unterzeichnet habe, driftet er am Kern des Problems vorbei. Das Urheberrecht wird so schnell nicht abgeschafft – selbst wenn die Piraten an die Regierung kommen sollten. Das ist auch gar nicht nötig, weil es längst durch die Anonymität ausgehebelt wird. Jeder kann sich heutzutage im Ausland eine Internetseite einrichten und unter Pseudonym tun und lassen, was er will. Am Ende kommen dann feige Denunziationen, übelste Beleidigungen und jeden Tag unzählige Urheberrechtsverletzungen raus, die niemand ohne Weiteres verfolgen kann.

Es bräuchte also zunächst einen Entwurf von Medienschaffenden, in dem sie erklären, wie sie mit anonym verfaßten Quellen umgehen wollen. Punkt eins muß dort lauten:

Eine anonyme Denunziation darf weder zitiert noch auf andere Weise verwertet werden.

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3 Kommentare zu “»Wir sind die Urheber!« – Die Mobilmachung der Intellektuellen

  1. Als die ersten Eisenbahnen fuhren, verloren die Postkutscher ihre Existenzgrundlage. Das Beispiel ließe sich beliebig fortschreiben. In Wahrheit geht es bei dem Streit ums Urheberrecht nur um den Schutz liebgewonnener Verwertungsketten und indirekter Subventionen, die das Internet ausgehebelt hat. Die lassen sich sowenig konservieren wie Postkutschen. Man muss neue Wege suchen, damit Urheber von ihrem Eigentum auskömmlich leben können. Ansätze gibt es genügend, auch ohne die Masse der User zu kriminalisieren. Das sich hier einiges neu sortiert, liegt in der Natur der Sache. Auch wenn es die konservative Seele schmerzt.

  2. Ein Buch ist keine Postkutsche. Autoren sind mit Internet genauso relevant wie ohne. Manche von diesen Ansätzen mögen im Einzelfall funktionieren(zB die umsonst-Alben von Radiohead oder so), aber man kann nicht erstmal Künstlern alle Rechte an ihrem Werk aberkennen, nur weil es mittlerweile so einfach ist, diese Rechte zu brechen.

  3. Wenn ich einen Stapel Flugblätter auf die Straße lege, muß ich damit rechnen, daß sie mitgenommen und weiterverbreitet werden. Anders ist es, wenn jemand bei mir enbricht, um sie zu stehlen und weiterzuverbreiten.

    Das sind die zwei Ansätze, die man auch aufs Netz beziehen kann, mit denen sicherlich ein Konsens möglich ist. Das Netz hat auch den Vorteil, daß man jemanden einfach darauf hinweisen kann, wenn man dessen Weiterverwertung eigener Werke nicht wünscht – auch ohne Abmahnabzocke. Wird dann nicht reagiert, und ist die Weiterverbreitung für den Urheber wirklich existenzrelevant, erst dann sollten Gesetze greifen können.

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