Argentinien, das vor rund 100 Jahren einer der reichsten Staaten der Welt war, dann aber infolge politischer Krisen und desaströser Wirtschaftspolitik – auch erfolgloser Reformansätze, Klüngelwirtschaft und Staatsdirigismus, Korruption und Unterschleif in enorme Staatsverschuldung und Inflation abstürzte, geriet erst in den Fokus deutscher Aufmerksamkeit, als Javier Milei sich aufmachte, das Land mit einem liberalen Reformprogramm zu retten.
Die selbsternannten Qualitätsmedien informieren ausschließlich über Probleme und Schwierigkeiten, die unvermeidlich mit solchen Reformen einhergehen und verschweigen die Erfolge. Kürzlich hat die taz wieder Probleme zusammenklauben lassen, die mit den liberalen Reformen verbunden sind: Jürgen Vogt berichtet von „Immer mehr Zahlungsunfähige(n)“ (taz vom 2. September 2026).
Ja, die gibt es und Javier Milei hat in seinem Wahlkampf immer wieder darauf hingewiesen, daß die nötigen Reformen mit harten Einschnitten verbunden sein werden und es daher nicht einfach wird, die konsequent durchzustehen. Es ist daher eine unvoreingenommene, sorgfältige und evidenzbasierte Analyse der Entwicklung in Argentinien nötig. Und die liefert knapp und treffend Marcus Matthias Weigel.
Der Autor hat seine Aufgabenstellung klar formuliert: „Wie lassen sich die wirtschaftspolitischen Reformen von Javier Milei theoretisch einordnen und welche Auswirkungen zeigen sich bislang auf zentrale makroökonomische Indikatoren Argentiniens?“ Dabei kann es, wie sich wohl von selbst versteht, nur um die bislang ergriffenen Maßnahmen in ihrer kurzfristigen Wirkung gehen. Über langfristige Wirkungen zu schreiben, die von den politischen Konstellationen im Lande, den Außenbeziehungen Argentiniens wie der Weltwirtschaft insgesamt abhängen, wäre wohl reine Spekulation.
So analysiert der Autor auf der Grundlage der einschlägigen von argentinischen wie von den führenden internationalen Institutionen erfaßten Wirtschaftsdaten die Ausgangsbedingungen, Zielstellungen und Wirkungen der Mileischen Reformen, dem in einem zweiten Schritt die Diskussion und Bewertung der Reformen auf der Grundlage der Österreichischen Schule der Nationalökonomie sowie des Neokeynesianismus folgt. Dazu ist für den Autor und den Leser eine Vergegenwärtigung der grundlegenden theoretischen Annahmen des klassischen Liberalismus, der Österreichischen Schule und der Neokeynesianischen Makroökonomik nötig, die Wertungsgrundlage für die Mileische Wirtschaftspolitik sein sollen. Das liefert der Autor knapp, treffend und auch kritisch.
Javier Mileis Amtsantritt am 10. Dezember 2023 leitete einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel ein:
- Inflationsbekämpfung mittels Kürzungen der Staatsausgaben, mittels Stabilisierung der Währung und Senkung der Zentralbankzinsen, mittels Begrenzung der Geldmenge und Reform des Wechselkurssystems
- Abbau staatlicher Eingriffe und der Bürokratie einschließlich Abschaffung von Devisen- und Außenhandelskontrollen
- Reduzierung von Markteintrittsbarrieren und Freigabe des Marktwettbewerbs
- Allgemeine Vertragsfreiheit und Deregulierung im Arbeits- und Mietrecht
- Steuerreform und Abschaffung von Steuerprivilegien
- Privatisierung staatlicher Unternehmen
- Förderung von Großinvestitionen und strategischer Exportprojekte.
Die Resultate: Die Inflation lag zum Amtsantritt von Milei bei 127,94 %, stieg danach kurzfristig bis auf 236,79 % an und fiel schließlich bis Oktober 2025 auf unter 50 % im Vergleich zum Vorjahr. Der Peso wurde zum Amtsantritt stark abgewertet, nahm im Wert von 2024 bis 2025 weiter ab, um sich dann frei flottierend bei etwa 1.400 Peso pro Dollar zu stabilisieren.
Die Staatsverschuldung war 2023 bis auf 154,60 % des Bruttoinlandsprodukts gestiegen und konnte durch drastische Kürzung der Staatsausgaben und höhere Exporterlöse auf 84,65 % im Jahre 2024 und knapp unter 80 % in den Folgejahren gedrückt werden. Die Handelsbilanz verbesserte sich seit Mileis Amtsantritt, was auf sinkende Importe und wachsende Exporte sowie die Abwertung des Peso zurückzuführen ist. Der Autor bezieht einige Werte auf das Bruttoinlandsprodukt, was man als methodischen Fehler bewerten muß. Das Bruttoinlandsprodukt war im Jahr vor Mileis Amtsantritt stark gefallen, was sich bis Mitte 2024 fortsetzte, sich dann mit einem Wachstum von etwa 4 % im Verhältnis zum Vorjahr stabilisierte. Die Bezugnahme von anderen Kennziffern prozentual auf das Wirtschaftswachstum gemessen als Bruttoinlandsprodukt relativiert die Aussagen, denn wenn der Bezugswert – eben das Bruttoinlandsprodukt – reduziert ist, ist der absolute Rückgang des Wertes, der verglichen werden soll, stärker als in Prozentzahlen ausgedrückt.
Das ist z.B. bei den Bruttoanlageinvestitionen der Fall, die 2019 mit 14,24 % des Bruttoinlandsprodukts am niedrigsten waren, bis 2023 auf 19,1 % stiegen und bis 2025 wieder auf unter 15 % fielen. Die Arbeitslosenquote, die im Covid-Jahr 2020 einen Höchststand von 11 % hatte, war bis vor Mileis Amtsantritt auf 6 % gesunken, danach wieder gestiegen. Es wird ab 2026 mit einer Stabilisierung bei 6,5 bis 7 % gerechnet. Die Reallöhne sind seit 2016 in jedem Jahr – mit Ausnahme des Jahres 2021 – gefallen, was sich auch 2024 fortsetzte. Die aktuelle argentinische Statistik vom Juli 2026 weist einen Anstieg der Löhne um 36 % aus, was bei einer Inflationsrate um 34 % etwa 2 % Reallohnzuwachs bedeutet.
Die Armutsquote ist seit 2017 gestiegen und erreichte im ersten Halbjahr 2024 einen drastischen Höchstwert: Mehr als die Hälfte der städtischen Bevölkerung waren arm bzw. 42,5 % der Haushalte. Seit dem zweiten Halbjahr 2024 ist eine deutliche Verbesserung erkennbar, so daß für Ende 2025 31,6 % der städtischen Bevölkerung als arm gelten bzw. 24,1 % der Haushalte. Die Kennziffern belegen, daß es infolge der Reformen zu einem Konjunktureinbruch kam, insbesondere beim privaten Konsum, in der Industrieproduktion und Bauwirtschaft. Ab Anfang 2025 weisen die Indikatoren eine Erholung aus, was sich so interpretieren läßt, daß der Konjunktureinbruch eine kurzfristige Reformkrise war, die nun überwunden scheint.
Leider gibt der Autor oft die Prozentzahlen im Text nicht an, aber für den interessierten Laien sind die sehr guten Graphiken wohl wichtiger und überzeugender; für die, die es genauer wissen wollen, gibt es Quellenangaben in Fußnoten, 9 Tabellen im Anhang und die Literaturliste. Hilfreich wäre es gewesen, wenn in den Graphiken jeweils der Dezember 2023 als Zeit des Amtsantritts von Javier Milei markiert worden wäre.
Ziel und selbsterklärte Aufgabe des Autors ist es, die Mileischen Reformen unter Bezugnahme auf die liberale Wirtschafttheorie und den Keynesianismus zu bewerten. Milei folgt – und das erklärtermaßen – Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek: „Dazu zählen insbesondere die starke Reduktion der Staatsausgaben, der Abbau von Subventionen sowie die deutliche Reduzierung staatlicher Aktivitäten und Eingriffe in den freien Markt mit dem Ziel, den Staat auf seine Kernfunktionen zu begrenzen. Hierzu gehört auch die Deregulierung wichtiger Märkte.“
Allerdings: „Sowohl Mises als auch Hayek sehen zudem das künstliche Senken von Zinsen durch die Zentralbank als Verfälschung der Preissignale, was zu Fehlinvestitionen und schließlich zu Wirtschaftskrisen führen kann.“ Murray Rothbard, auf den sich Milei immer wieder theoretisch bezog, folgte er praktisch nicht. Die Selbstbezeichnung von Milei als Anarchokapitalist ist wohl eher als ein Entgegenkommen im Wahlkampf zu verstehen entsprechend der argentinischen Mentalität und den Erwartungen der jüngeren Wähler, die besonders unter der Politik seiner Vorgänger gelitten haben. Die Wirtschaftspolitik Argentiniens unter Milei ist weit davon entfernt anarchisch zu sein, was ihm folglich auch Libertäre vorwerfen.
Keynesianer fordern vom Staat, er soll in Krisenzeiten mit Geld in den Markt eingreifen und Arbeitslosigkeit abfedern. Milei tat dies nicht, lediglich die ärmsten Haushalte wurden direkt unterstützt, und zwar unter Umgehung der sich selbst bereichernden „Hilfsorganisationen“. Keynesianer verweisen darauf, daß Kürzungen von Staatsausgaben die Rezession verstärken. Das hat sich auch in Argentinien gezeigt. „Die „kurzfristige Rezession zu Beginn der Reformagenda mit dem Rückgang der Reallöhne, dem Anstieg der Armut sowie dem Einbruch der Binnennachfrage lässt sich gut mit den Ansätzen des Neukeynesianismus erklären.“ Daß damit auch, wie Keynesianer argumentieren, die Stabilisierung der Wirtschaft gefährdet würde, läßt sich durch die Daten nicht bestätigen.
Ausblickend schreibt der Autor: „Für die weitere Entwicklung wird es daher auch entscheidend sein, ob weitere Reformmaßnahmen politisch überwiegend akzeptiert werden. Auch muss es gelingen, durch die vorerst erreichte makroökonomische Stabilisierung ein nachhaltiges Wachstum zu erzielen. Hierfür sind insbesondere steigende Privatinvestitionen, Verbesserung der Produktivität und in der Folge eine Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit notwendig. Entscheidend für den Erfolg ist vor allem, dass die Wirtschaftspolitik glaubwürdig ist und eine Rechtssicherheit garantiert wird.“
Der Autor, als Finanzwirt im Anlagenbereich von Finanzämtern in Sachsen tätig, hat ein Studium Business Administration an der privaten FOM Hochschule für Ökonomie und Management absolviert. In Zusammenhang damit ist diese Broschüre entstanden und vom KompetenzCentrum für angewandte Volkswirtschaftslehre der FOM herausgegeben worden. Sie kann als Druckausgabe beim MA Akademie Verlag in Essen bezogen oder als PDF runtergeladen werden. Am 30. November 2026 stellt Dr. Peter Altmiks diese Publikation, die er betreut hat, im Hayek Club Berlin vor.
Marcus Matthias Weigel: Die wirtschaftspolitischen Reformen von Javier Milei: Theoretische Einordnung und empirische Analyse ihrer Auswirkungen auf die argentinische Wirtschaft. Essen 2026, XIII + 70 Seiten
(Bild Milei: Cancillería Argentina – https://www.flickr.com/photos/mrecic-argentina/53396149399/, CC BY 2.0)
Argentinien, das vor rund 100 Jahren einer der reichsten Staaten der Welt war, dann aber infolge politischer Krisen und desaströser Wirtschaftspolitik – auch erfolgloser Reformansätze, Klüngelwirtschaft und Staatsdirigismus, Korruption und Unterschleif in enorme Staatsverschuldung und Inflation abstürzte, geriet erst in den Fokus deutscher Aufmerksamkeit, als Javier Milei sich aufmachte, das Land mit einem liberalen Reformprogramm zu retten.
Die selbsternannten Qualitätsmedien informieren ausschließlich über Probleme und Schwierigkeiten, die unvermeidlich mit solchen Reformen einhergehen und verschweigen die Erfolge. Kürzlich hat die taz wieder Probleme zusammenklauben lassen, die mit den liberalen Reformen verbunden sind: Jürgen Vogt berichtet von „Immer mehr Zahlungsunfähige(n)“ (taz vom 2. September 2026).
Ja, die gibt es und Javier Milei hat in seinem Wahlkampf immer wieder darauf hingewiesen, daß die nötigen Reformen mit harten Einschnitten verbunden sein werden und es daher nicht einfach wird, die konsequent durchzustehen. Es ist daher eine unvoreingenommene, sorgfältige und evidenzbasierte Analyse der Entwicklung in Argentinien nötig. Und die liefert knapp und treffend Marcus Matthias Weigel.
Der Autor hat seine Aufgabenstellung klar formuliert: „Wie lassen sich die wirtschaftspolitischen Reformen von Javier Milei theoretisch einordnen und welche Auswirkungen zeigen sich bislang auf zentrale makroökonomische Indikatoren Argentiniens?“ Dabei kann es, wie sich wohl von selbst versteht, nur um die bislang ergriffenen Maßnahmen in ihrer kurzfristigen Wirkung gehen. Über langfristige Wirkungen zu schreiben, die von den politischen Konstellationen im Lande, den Außenbeziehungen Argentiniens wie der Weltwirtschaft insgesamt abhängen, wäre wohl reine Spekulation.
So analysiert der Autor auf der Grundlage der einschlägigen von argentinischen wie von den führenden internationalen Institutionen erfaßten Wirtschaftsdaten die Ausgangsbedingungen, Zielstellungen und Wirkungen der Mileischen Reformen, dem in einem zweiten Schritt die Diskussion und Bewertung der Reformen auf der Grundlage der Österreichischen Schule der Nationalökonomie sowie des Neokeynesianismus folgt. Dazu ist für den Autor und den Leser eine Vergegenwärtigung der grundlegenden theoretischen Annahmen des klassischen Liberalismus, der Österreichischen Schule und der Neokeynesianischen Makroökonomik nötig, die Wertungsgrundlage für die Mileische Wirtschaftspolitik sein sollen. Das liefert der Autor knapp, treffend und auch kritisch.
Javier Mileis Amtsantritt am 10. Dezember 2023 leitete einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel ein:
Die Resultate: Die Inflation lag zum Amtsantritt von Milei bei 127,94 %, stieg danach kurzfristig bis auf 236,79 % an und fiel schließlich bis Oktober 2025 auf unter 50 % im Vergleich zum Vorjahr. Der Peso wurde zum Amtsantritt stark abgewertet, nahm im Wert von 2024 bis 2025 weiter ab, um sich dann frei flottierend bei etwa 1.400 Peso pro Dollar zu stabilisieren.
Die Staatsverschuldung war 2023 bis auf 154,60 % des Bruttoinlandsprodukts gestiegen und konnte durch drastische Kürzung der Staatsausgaben und höhere Exporterlöse auf 84,65 % im Jahre 2024 und knapp unter 80 % in den Folgejahren gedrückt werden. Die Handelsbilanz verbesserte sich seit Mileis Amtsantritt, was auf sinkende Importe und wachsende Exporte sowie die Abwertung des Peso zurückzuführen ist. Der Autor bezieht einige Werte auf das Bruttoinlandsprodukt, was man als methodischen Fehler bewerten muß. Das Bruttoinlandsprodukt war im Jahr vor Mileis Amtsantritt stark gefallen, was sich bis Mitte 2024 fortsetzte, sich dann mit einem Wachstum von etwa 4 % im Verhältnis zum Vorjahr stabilisierte. Die Bezugnahme von anderen Kennziffern prozentual auf das Wirtschaftswachstum gemessen als Bruttoinlandsprodukt relativiert die Aussagen, denn wenn der Bezugswert – eben das Bruttoinlandsprodukt – reduziert ist, ist der absolute Rückgang des Wertes, der verglichen werden soll, stärker als in Prozentzahlen ausgedrückt.
Das ist z.B. bei den Bruttoanlageinvestitionen der Fall, die 2019 mit 14,24 % des Bruttoinlandsprodukts am niedrigsten waren, bis 2023 auf 19,1 % stiegen und bis 2025 wieder auf unter 15 % fielen. Die Arbeitslosenquote, die im Covid-Jahr 2020 einen Höchststand von 11 % hatte, war bis vor Mileis Amtsantritt auf 6 % gesunken, danach wieder gestiegen. Es wird ab 2026 mit einer Stabilisierung bei 6,5 bis 7 % gerechnet. Die Reallöhne sind seit 2016 in jedem Jahr – mit Ausnahme des Jahres 2021 – gefallen, was sich auch 2024 fortsetzte. Die aktuelle argentinische Statistik vom Juli 2026 weist einen Anstieg der Löhne um 36 % aus, was bei einer Inflationsrate um 34 % etwa 2 % Reallohnzuwachs bedeutet.
Die Armutsquote ist seit 2017 gestiegen und erreichte im ersten Halbjahr 2024 einen drastischen Höchstwert: Mehr als die Hälfte der städtischen Bevölkerung waren arm bzw. 42,5 % der Haushalte. Seit dem zweiten Halbjahr 2024 ist eine deutliche Verbesserung erkennbar, so daß für Ende 2025 31,6 % der städtischen Bevölkerung als arm gelten bzw. 24,1 % der Haushalte. Die Kennziffern belegen, daß es infolge der Reformen zu einem Konjunktureinbruch kam, insbesondere beim privaten Konsum, in der Industrieproduktion und Bauwirtschaft. Ab Anfang 2025 weisen die Indikatoren eine Erholung aus, was sich so interpretieren läßt, daß der Konjunktureinbruch eine kurzfristige Reformkrise war, die nun überwunden scheint.
Leider gibt der Autor oft die Prozentzahlen im Text nicht an, aber für den interessierten Laien sind die sehr guten Graphiken wohl wichtiger und überzeugender; für die, die es genauer wissen wollen, gibt es Quellenangaben in Fußnoten, 9 Tabellen im Anhang und die Literaturliste. Hilfreich wäre es gewesen, wenn in den Graphiken jeweils der Dezember 2023 als Zeit des Amtsantritts von Javier Milei markiert worden wäre.
Ziel und selbsterklärte Aufgabe des Autors ist es, die Mileischen Reformen unter Bezugnahme auf die liberale Wirtschafttheorie und den Keynesianismus zu bewerten. Milei folgt – und das erklärtermaßen – Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek: „Dazu zählen insbesondere die starke Reduktion der Staatsausgaben, der Abbau von Subventionen sowie die deutliche Reduzierung staatlicher Aktivitäten und Eingriffe in den freien Markt mit dem Ziel, den Staat auf seine Kernfunktionen zu begrenzen. Hierzu gehört auch die Deregulierung wichtiger Märkte.“
Allerdings: „Sowohl Mises als auch Hayek sehen zudem das künstliche Senken von Zinsen durch die Zentralbank als Verfälschung der Preissignale, was zu Fehlinvestitionen und schließlich zu Wirtschaftskrisen führen kann.“ Murray Rothbard, auf den sich Milei immer wieder theoretisch bezog, folgte er praktisch nicht. Die Selbstbezeichnung von Milei als Anarchokapitalist ist wohl eher als ein Entgegenkommen im Wahlkampf zu verstehen entsprechend der argentinischen Mentalität und den Erwartungen der jüngeren Wähler, die besonders unter der Politik seiner Vorgänger gelitten haben. Die Wirtschaftspolitik Argentiniens unter Milei ist weit davon entfernt anarchisch zu sein, was ihm folglich auch Libertäre vorwerfen.
Keynesianer fordern vom Staat, er soll in Krisenzeiten mit Geld in den Markt eingreifen und Arbeitslosigkeit abfedern. Milei tat dies nicht, lediglich die ärmsten Haushalte wurden direkt unterstützt, und zwar unter Umgehung der sich selbst bereichernden „Hilfsorganisationen“. Keynesianer verweisen darauf, daß Kürzungen von Staatsausgaben die Rezession verstärken. Das hat sich auch in Argentinien gezeigt. „Die „kurzfristige Rezession zu Beginn der Reformagenda mit dem Rückgang der Reallöhne, dem Anstieg der Armut sowie dem Einbruch der Binnennachfrage lässt sich gut mit den Ansätzen des Neukeynesianismus erklären.“ Daß damit auch, wie Keynesianer argumentieren, die Stabilisierung der Wirtschaft gefährdet würde, läßt sich durch die Daten nicht bestätigen.
Ausblickend schreibt der Autor: „Für die weitere Entwicklung wird es daher auch entscheidend sein, ob weitere Reformmaßnahmen politisch überwiegend akzeptiert werden. Auch muss es gelingen, durch die vorerst erreichte makroökonomische Stabilisierung ein nachhaltiges Wachstum zu erzielen. Hierfür sind insbesondere steigende Privatinvestitionen, Verbesserung der Produktivität und in der Folge eine Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit notwendig. Entscheidend für den Erfolg ist vor allem, dass die Wirtschaftspolitik glaubwürdig ist und eine Rechtssicherheit garantiert wird.“
Der Autor, als Finanzwirt im Anlagenbereich von Finanzämtern in Sachsen tätig, hat ein Studium Business Administration an der privaten FOM Hochschule für Ökonomie und Management absolviert. In Zusammenhang damit ist diese Broschüre entstanden und vom KompetenzCentrum für angewandte Volkswirtschaftslehre der FOM herausgegeben worden. Sie kann als Druckausgabe beim MA Akademie Verlag in Essen bezogen oder als PDF runtergeladen werden. Am 30. November 2026 stellt Dr. Peter Altmiks diese Publikation, die er betreut hat, im Hayek Club Berlin vor.
Marcus Matthias Weigel: Die wirtschaftspolitischen Reformen von Javier Milei: Theoretische Einordnung und empirische Analyse ihrer Auswirkungen auf die argentinische Wirtschaft. Essen 2026, XIII + 70 Seiten
(Bild Milei: Cancillería Argentina – https://www.flickr.com/photos/mrecic-argentina/53396149399/, CC BY 2.0)