Anstoß

Patrioten, lasst uns unsere Worte weise wählen!

Die Rechte muss zurück zum Klassischen! Der von mir hier geäußerte Satz klingt auf den ersten Blick ein wenig seltsam. Die Neue Rechte muss das Klassische wiederentdecken. Ist das Konservativ-Rechte nicht nahezu synonymartig mit dem Klassischen aufzufassen?

Warum sollte also das Rechte etwas erneut entdecken, aus was es besteht? Leider – und das ist meine subjektive Meinungsäußerung – ist dies nicht wirklich (mehr) der Fall. Das aktuelle rechte Bewusstsein teilt meistenteils zumindest die tugendhaften Grundvoraussetzungen, kanalisiert diese aber nicht in einem positiven Sinne; vielmehr führt es zu einer Art der tunnelartigen Verengung.

Der Blick nach links, der diesen Tunnelblick zumindest methodisch weiten könnte – wie er vor allem von Benoist und Konsorten gefordert wird – nicht falsch verstehen, ich halte Benoist für den schlausten Kopf unserer Bewegung –, ist dennoch auch hier nicht weiterführend. Es ist zwar völlig richtig, den Liberalismus zu demaskieren und die hässliche Seite des unregulierten und ausbeuterischen Kapitalismus freizulegen. Es ist jedoch nicht genügend, sich in diesem Entblößungscharakter aufzuhalten und den Kultursieg nahezu bereits für sich erklärt zu haben, und dies aufgrund von Wahlergebnissen.

Ich erinnere nur daran, dass es die Grünen waren, die im Jahre 2021 mit dem Klimawandel den gesamten politischen Diskurs dominierten und so ganz nach Gramsci ihre Themen unabhängig von der Partei durchsetzten. In den Talkshows stritten sich die Politiker der Altparteien wortwörtlich, nicht nur metaphorisch, wer der größere Super-Öko ist. Nun, ein paar Jahre später, sieht die Welt völlig anders aus. Will sagen: Der Sieg ist bei Weitem (noch) nicht da!

Der Sieg gelingt aber nicht durch Appelle und Durchhalteparolen und schon gar nicht durch TikTok und Instagram. Social Media war für das Durchsetzen konservativ-rechter Werke der völlig richtige Türöffner. Nur eignet sich der Türöffner oft leider nicht zum Tanzen auf dem Parkett. Will sagen: Social-Media-Strategie hin oder her, letztlich kommt es darauf an, wie am Ende tatsächlich gespielt wird, und gespielt wird nicht vor der Tür und auch nicht, während man die Tür öffnet, sondern in dem Raum der echten Politik. Dieser Raum befindet sich jedoch hinter der Tür und nicht davor.

Der Staat ist ein Zusammenschluss von verschiedenen Strukturen mit verschiedenen Interessen. Der Staat ist nicht monolithisch aufzufassen; der Staat hat eigentlich per se als Organisationsstruktur keine Färbung, er saugt die kulturellen Ausprägungen auf wie ein Schwamm. Oder mit anderen Worten: Der Staat kann genau in der konservativ-rechten Prägung gefärbt werden, wie er gerade in links-woker Farbe geprägt ist. Dafür braucht es aber ein echtes Fundament, und dieses Fundament besteht aus meiner Sicht aus dem Oberbegriff des Klassischen. Diese Begriffe brauchen aber substanziellen Gehalt und dürfen nicht bei der ersten Prüfung wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Begriffe, Denkwege und auch Gedanken an sich haben Herkunft, Charakter und eine gewisse – so nenne ich das – Sinnabsicht.

Des Weiteren haben Begriffe nicht nur Herkunft, sondern prägen die Zukunft! Begriffe sind genau wie Sätze nie neutral. Der Kontext und die Intertextualität von Sätzen und generell Schriftstücken spielt eine hervorzuhebende Rolle. Wenn jedoch einfache Sätze nicht kanonisch und allgemeingültig verstanden werden, werden diese Sätze ein Stück weit beliebig, sie verlieren ihren Gehalt und fangen an zu schwimmen.

Oder mit ganz anderen Worten: Es braucht ein Wörterbuch der rechten Sprache, ähnlich wie Joachim Ritters Historisches Wörterbuch der Philosophie, welches sich an den axiomatischen Begriffen abarbeitet und der Rechten ein Fundament, eine Art oder ein Momentum der Scholastik (gemeint ist hier vor allem der Schulcharakter) bietet, welches auf Stein gebaut ist. Das patriotische Wirtschaftsmagazin Recherche D hat hier bereits wertvolle Vorarbeit geleistet. Diese Vorarbeit ist Gold wert. Es müssten sich jedoch alle Vertreter der Rechten an einen Tisch setzen und die Begriffe möglicherweise im Rahmen einer Erklärung gemeinsam beschließen.

Wir können mit dem Oberbegriff, nämlich dem Begriff des Klassischen, gleich hier anfangen. Gadamer hat den Begriff des Klassischen nahezu perfekt definiert: „Das Klassische ist gerade dadurch eine wahrhaft geschichtliche Kategorie, daß es mehr ist als ein Epochenbegriff oder ein historischer Stilbegriff und daß es dennoch nicht ein übergeschichtlicher Wertgedanke sein will. Es bezeichnet nicht eine Qualität, die bestimmten geschichtlichen Erscheinungen zuzusprechen ist, sondern eine ausgezeichnete Weise des Geschichtlichkeitsseins selbst, den geschichtlichen Vorzug der Bewahrung, die – in immer erneuerten Bewährung – ein Wahres sein läßt.“ (Gadamer, Hans-Georg, Wahrheit und Methode, Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik, Mohr Siebeck Tübingen 2010, S. 292.)

Es ist gerade der letzte Satz, der für uns enorm wichtig wird: Die Werke des Klassischen – Platon, Aristoteles, Cicero, Augustinus, Thomas von Aquin, Cusanus, Descartes, Kant, Husserl und Heidegger, Blumenberg und Carl Schmitt – müssen zum Fundament unseres Denkens werden!

Die Bewahrung hat sich durch die Bewährung in allen Zeiten manifestiert.

Substanz setzt sich nun mal durch, denn das Substanzlose ist austauschbar, haltlos und führt letztlich ins Leere wie eine Desktopverknüpfung, welche zu einem Ordner führt, der leer ist…

Was nützt eine goldene Vase, wenn diese leer ist?