Anstoß

BVB und IS: Angriff auf die Eliten?

Der Anschlag in Dortmund war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich: Ein Bekennerschreiben, in dem Bundeswehrjets korrekt als „Tornados“ bezeichnet werden, in dem vom US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein die Rede ist und Merkel vorgeworfen wird, sich nicht hinreichend um ihre eigene Bevölkerung zu kümmern. Keine Messer, keine Äxte, keine LKWs, dafür drei strategisch positionierte Bomben am Straßenrand.

Doch noch viel ungewöhnlicher für einen islamistischen Anschlag – und als solchen wird man die drei Bombenexplosionen rund um den BVB-Mannschaftsbus nach aktuellem Ermittlungsstand wohl trotz allem betrachten müssen – waren die gewählten Opfer: Statt in einem Einkaufszentrum um sich zu schießen, auf der Fußballtribüne eine Bombe zu zünden oder ein Theater zu stürmen, waren diesmal von Beginn an wesentlich weniger Opfer vorgesehen, dafür aber besondere, nämlich prominente.

Die Mannschaft des BVB sollte getroffen werden und nicht die Fans in den Stadien. Im Bekennerschreiben wird gedroht, dass „ungläubige Schauspieler, Sänger, Sportler und sämtliche Prominente in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen“ künftig nicht mehr sicher seien.

Der IS könnte seine Strategie ändern

Sollte dies nicht nur die Einzelmeinung des offenbar recht ungewöhnlichen Attentäters sein, sondern die des Islamischen Staates, würde dies eine bedeutende Strategieänderung der Islamisten andeuten. Die regelmäßigen Anschläge auf Zivilisten werden bereits seit längerem von führenden Salafisten wie Pierre Vogel als „haram“ kritisiert. Nicht, weil ihnen die Opfer leidtäten, sondern weil sie wenig bringen, der islamischen Sache sogar insgesamt eher schaden.

Künftig würde das Ziel dann nicht mehr sein, so viele Zivilisten wie möglich zu töten, sondern herausragende Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft. Der Aufschrei dürfte ähnlich laut ausfallen und der Druck auf die Politik massiver werden. Aus dem Bekennerschreiben liest man regelrecht Verwunderung darüber heraus, wie Angela Merkel mit dem Anschlag von Berlin umgegangen ist. Offenbar seien der wie immer völlig passiven Kanzlerin ihre Untertanen nicht sonderlich wichtig, heißt es etwa in dem Text.

Elite in Angst und Schrecken versetzen

Statt die Bevölkerung zu verschrecken, die dann – so hoffen die Islamisten – aus Angst die Politik zu einer in Islamfragen noch (!) vorsichtigeren Agenda drängen würde, soll nun also eventuell unmittelbar die gesellschaftliche Elite in Angst und Schrecken versetzt werden. Nach dem Motto: Wenn ihnen ihre Untertanen offenbar egal sind, dann greifen wir sie eben direkt an.

Zugegeben: Mit einer Bundesliga-Fußballmannschaft ist die Zielauswahl hier nicht sehr klug erfolgt und von einer Entwarnung für die Normalbevölkerung kann ohnehin keine Rede sein. Aber mit einer gezielten Agitation gegen das politische Establishment könnte der Islamische Staat in einer ohnehin politisch aufgeheizten Gesellschaftsgroßwetterlage die Verhältnisse völlig ins Chaos stürzen. Ob das im Rahmen einer neuen Strategie nun passiert, bleibt abzuwarten.

(Bild: Pablo Torres, flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

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4 Kommentare

  1. Nicht zu vergessen, die rechten Vollpfosten, welche auf indy den „antifa-text“ plaziert haben. Sind sich bestimmt wahnsinnig clever vorgekommen, weil sie ein paar rote Phrasen aus dem Baukasten linken Irrsinns zu einem stümperhaften Bekennerschreiben zusammengesetzt haben. Hängen bleibt allerdings wieder mal nur, seht her, die Rechten verbreiten Lügen und „Fake News“. Mag im HQ in der Gneisenaustraße, auch nicht die Intelligenz ihr zuhause haben, so blöd einen der heiligen, deutschen Fußballvereine mit Sprengsätzen anzugreifen, sind sie dann auch wieder nicht.

    Auf den ersten Blick, mag der Anschlag sowie das Bekennerschreiben etwas ungewöhnlich sein. Auf der anderen Seite, ist es ja gerade die Strategie des IS, daß seine Täter in der Ausführung kreativ sein sollen. Man kann ihr Logo benutzen und sie benutzen den Anschlag, aber das war es auch schon. Außer Internet Videos gibt es meist keine weitere Unterstützung. Deshalb auch die Messer, Äxte und LKW, statt AK und Sprengstoff.
    Auch diese 3 Sprengsätze, die ja kaum Schaden angerichtet haben, sehen eher so aus, als wären sie von einem Amateur improvisiert worden, der nicht über die nötigen Mittel verfügte. Die Zündung über Handy ( soweit ich gelesen habe) dürfte aus einem irakischen Ausbildungsvideo stammen.

  2. Nun gut, im Moment scheint es wohl so, als würde man so langsam eine perfide, rechte Terrorattacke enthüllen? Dürfte auch nötig sein, nach all den Ereignissen, in Europa der letzten Monate und Jahre. Da wäre jetzt so etwas wie NSU 2.0 reloaded, wirklich ein feuchter Traum für Politik und Medien, genau zur rechten Zeit. Fast zu schön, um wahr zu sein. Fake Bekennerbriefe welche den Islam in Misskredit bringen sollen? Hochprofessionelle Sprengsätze mit „enormer Sprengkraft“ ( Jäger)? Auch wenn ein Bus in Afg, der mit drei Sprengsätzen angegriffen worden wäre, ganz anders aussehen dürfte. Ein beliebter, deutscher Fußballverein als Opfer? Wo Fußball hierzulande ja fast einen gottähnlichen Status hat und sich bei so einem Angriff fast jeder selbst betroffen fühlt?
    Das sind jetzt natürlich nur alles krude VT von mir und man sollte das nicht ernst nehmen.
    Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum. Noch wird ja in alle Richtungen ermittelt. Links, Rechts, Islam, Hooligans. Mal sehen, wohin sich das ganze noch entwickelt.

  3. Peterle

    Vielleicht solltet ihr euren Artikel mal raus nehmen. Die Spekulationen, welche sich angesichts der Tragik der Tat eigentlich verbieten, haben sich als reine populistische Propaganda eurerseits offenbart. Glückwunsch – ihr habt euch selbst enttarnt. Statt an Aufklärung und Fakten interessiert zu sein, geht es euch um die Etablierung eines Feindes, welcher in diesem Falle gar nicht aktiv war. Macht nur weiter so, dann werdet ihr es genauso weit schaffen, wie eure geistigen Kameraden der NPD…

  4. Felix Menzel

    Wir können uns logischerweise immer nur auf die zum Zeitpunkt des Artikels bekannten Fakten beziehen. Im Übrigen ist der Text mit ausreichend Fragezeichen versehen. Daß neue Ermittlungsergebnisse – wie in diesem Fall – bestimmte Deutungen ausschließen, ist halt so. Warum kritisieren Sie dafür aber gerade uns? Alle etablierten Medien haben doch auch darüber berichtet, daß zunächst von einem Islamisten ausgegangen wurde. Wir haben das doch nicht erfunden. Nur dann wäre Kritik angebracht.

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