Anstoß

Heult doch!

Müll bleibt Müll, egal in welches Glanzpapier er gewickelt oder wie er angestrahlt wird. Das gilt auch für bunten Müll. Kaum etwas ist so bunt wie eine Mülldeponie.

Keine Minuspunkte für Farb- und Formvielfalt, aber was den Inhalt betrifft – na ja. Und wie steht es mit dem Inhalt der ach so bunten Multikulti-Gesellschaft? Danach zu fragen verbietet nicht des Sängers Höflichkeit, aber die Politische Korrektheit. Natürlich nur, wenn es die überhaupt gibt. Verschiedene linkische Weltdeuter wollen uns einblasen, dies sei genau wie Cancel Culture eine wahnhafte Einbildung der Rechten. Mit Wahnvorstellungen allerdings kennen sich die Anhänger der Genderitis und der Klimaprophetien bestens aus.

Frankreich und der Bürgerkrieg

Leider ziehen immer wieder Böswillige aus Einzelfällen und Kollateralschäden wie gelegentlichen Messerunfällen die falschen Schlußfolgerungen. So etwa jene französischen Generäle und Offiziere, die statt brav im Kasino zu grummeln, mit einem offenen Brief behaupten, Frankreich triebe mit seinen islamischen Vorstädten in einen Bürgerkrieg.

Daß der eine oder andere Lehrer mit provokatorischen Mohammed-Karikaturen die Gefühle der muslimischen Gemeinschaft verletzte und damit gewisse überzogene Reaktionen erzeugte, wurde mißbraucht zu islamophoben Angriffen auf sozial benachteiligte Milieus. Das ließ die Regierung, die allein Ein- und Überblick hat, nicht unwidersprochen. Da man noch nicht im Krieg ist, konnten jedoch die Aufrührer nicht hingerichtet, sondern nur disziplinarisch belangt werden.  Demnächst wird zum Ausgleich ein kollektives Niederknien aller Soldaten und Polizisten in der Banlieue erfolgen.

Aber, nun einmal ganz im Ernst: Wie großartig sind jene Zigeuner, auf dem Balkan und auch hier, die sich selbstbewußt als Zigeuner sehen und erst in zweiter Linie als Sinti oder Roma! Wie großartig sind Neger und Indianer, die aufrecht und entschlossen für ihre Interessen eintreten und sich nicht verdummen lassen von farbigen und weißen Ideologen, die ihnen einreden, man müsse vor allem gegen bestimmte Worte und gegen Karnevalskostüme kämpfen!

Wie großartig sind Juden, die sich nicht von Wirrköpfen und Regierungslakaien im „Zentralrat“ aufhetzen lassen ausgerechnet gegen die AfD! Als leidendes grünes Mitglied wünsche ich mir von unseren großartigen Anti-Antisemiten, wie die AfD Israels Lebensinteressen für wichtiger zu halten als den Beifall des Islamblocks.

Übergangsperiode in Richtung Diktatur?

Natürlich ist es Unsinn, so zu tun, als seien wir schon in einem Bürgerkrieg. Genauso wenig haben wir heute bereits eine faschistische Diktatur oder die Wiedererrichtung der DDR. Aber ehe etwas ganz eintritt, gibt es eine Übergangsperiode, in der die Dinge noch nicht entschieden sind. In der sind wir längst: Der ideologische Bürgerkrieg ist ausgebrochen.

Zugleich greift die Regierung mehr und mehr zurück auf die Rezepturen aus vergangenem Herrschaftsarsenal. Adolf Muschg, einer der großen alten Männer der deutschen Literatur, sprach im Schweizer Fernsehen vom „faschistischen Fahrwasser des Ausschließens“ beim sogenannten „Antirassismus“ und erklärte: „Die Canceling Culture, die wir heute haben – ein falsches Wort, und du hast den Stempel. Das ist im Grunde eine Form von Auschwitz.“

Wie zu erwarten, wurde er umgehend angeschossen von den üblichen Verbellern; der rückgratamputierte Moderator wie auch die Fernsehdirektion bedauerten im Nachhinein ihre Sünde, nicht vorbeugend zensiert zu haben. All das unter dem Beifallsgeschrei jener „Generation Beleidigt“, von der die „Charlie-Hebdo“-Autorin Caroline Fourest in ihrem neuen gleichnamigen Buch schreibt, dessen Untertitel „Von der Sprachpolizei zur Gedankenpolizei. Über den wachsenden Einfluß linker Identitärer“ eine offene Kampfansage an den Szene-Mob ist.

Scharfe Pfeile zugespitzter Rhetorik

In einer auch nur einigermaßen freien Gesellschaft hat niemand ein Recht darauf, nicht verbal verletzt zu werden. Natürlich müssen Ausländeraktivisten und Antifanten unsereinen als „rechtsradikale Kartoffel“ verhöhnen können, ohne daß wir nach dem Staatsanwalt rufen, aber sie müssen auch retour die scharfen Pfeile unserer Kritik ertragen, ohne mehr als ein Wehgeschrei zugestanden zu bekommen.

Erst recht ist eine Kunst, die nur guttut und nur nett ist, überflüssig – wahre Kunst wird und muß verletzen, Tabus brechen, unter die Haut gehen – nicht immer, aber immer wieder mal.

Allerdings ist damit nicht jeder Tabubruch zur höheren Weisheit erklärt. Wenn ein Jung-Dandy wie Marvin T. Neumann als Co-Vorsitzender der „Jungen Alternative“ der AfD, mit 27 der Pubertät in etwa entwachsen, das chinesische Gesellschaftmodell als Programm empfiehlt und jedem Schwarzafrikaner wegen der fehlenden „Blutsbande“ abspricht, daß er je Deutscher werden kann, dann ist egal, ob er das Falsche geraucht hat, einen Dachschaden oder sonstige Probleme hat, dann muß ein Strich gezogen werden.

Ich zitiere mich ungern selbst, aber hier paßt, was ich 1989 in meinem Buch „Der deutsche Komplex“ geschrieben habe: „Ein Farbiger aus Ghana, der hier Wurzeln geschlagen hat, obwohl er vielleicht von den Ämtern nur als Ausländer und Staatenloser geduldet wird, kann ein Deutscher sein und ein besserer Deutscher, als ein »Eingeborener«, den außer einem grauen Blatt Papier nichts mit diesem Land verbindet.“


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