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Mit Bushido-Zitaten muss »Die Zeit« unterm Ladentisch verkauft werden

Ganz ehrlich, ich mag Frei.Wild nicht besonders. Diese schüttelgereimten Texte, die völlig abgelutschte »wir mit euch gegen die und alle«-Attitüde, Saufen und Gröhlen (wenn wir ehrlich sind, alles auch ausgenommene »Qualitätsmerkmale« des der Rechtsradikalität eher unverdächtigen Punkrocks).

Nun gut, nennt mich Kulturspießer! Dennoch wird man quasi von selbst zum Frei.Wild-Anhänger, wenn man die derzeitigen Kampagnen gegen die Südtiroler Band beobachtet: vom With-Full-Force-Festival bis zum Echo. Bei diesem – mehr oder weniger bedeutenden – Musikpreis haben nun die Toten Hosen abgeräumt, die mit »Altes Fieber« einen Song geschrieben haben, der auch alten Weltkriegsveteranen gefallen dürfte, freilich mit einer anderen musikalischen Untermalung. Auszüge gefällig?

Wo sind diese Tage
An denen wir glaubten
Wir hätten nichts zu verlieren

[…]

Ich geh´ auf meine Straße
[…]
Seh´ euch alle da sitzen
[…]
In welchen Höhen und welchen Tiefen
Wir gemeinsam waren
Drei Kreuze, dass wir immer noch hier sind
Und immer wieder
Sind es dieselben Lieder
Die sich anfühlen
Als würde die Zeit stillstehen
Denn es geht nie vorüber
Dieses alte Fieber
Das immer dann hochkommt
Wenn wir zusammen sind
Wir stoßen an

Mit jedem Glas
Auf alle, die draufgegangen sind!

Alle aus dem Kontext gerissenen Zitate sind beabsichtigt. Diese Ungleichbehandlung verschiedener Bands hat nun auch Harald Martenstein von der Zeit feststellen müssen. Er wollte in seiner Kolumne die Südtiroler Rockcombo dem Echo- und Bambi-Gewinner, Bushido, gegenüberstellen und hatte dazu zwei prägnante Zitate gefunden. Doch daraus wurde nichts:

Daraufhin meldete sich die Redaktion. Die Bushido-Zitate stünden auf dem Index. Wenn ich das bringe, muss die ZEIT offenbar unterm Ladentisch verkauft werden.

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6 Kommentare zu “Mit Bushido-Zitaten muss »Die Zeit« unterm Ladentisch verkauft werden

  1. Zaid Pace

    Freiwild. Aufzüge gefällig?

    »Ich seh‹ in deine Augen,
    ich seh‹ in dein Gesicht.
    Seh‹ deine freche Fresse, oho,
    ich erkenne Dich.
    Hast auf mich geschlagen,
    warst einer dieser drei.
    Doch in fünf Minuten,
    sind’s ja eh nur noch zwei.
    (sind’s ja eh nur noch zwei, Jaaaah)
    Denn heut‹ verhaue ich Dich,
    schlag Dir mein Knie in deine Fresse rein.
    Heut‹ vermöbel ich Dich,
    Zähne werden fallen durch mich.
    Und ich tret‹ Dir in deine Rippen,
    schlag mit dem Ellbogen auf Dich ein.
    Tut mir leid mein Freundchen,
    aber Rache muss sein, die muss sein.
    Jetzt liegst Du am Boden,
    liegst in deinem Blut.
    Das Blut auf meinen Fäusten,
    ich find‹ das steht mir gut.
    Wirst es jetzt wohl merken,
    zu dritt auf einen geht man nicht.
    Ich fang an zu lachen,
    (jahaha)
    seh‹ Dein entstelltes Gesicht.
    (seh‹ Dein entstelltes Gesicht, Jaaaah)«

    Lied: Rache muss sein
    Band: Frei.Wild
    Album: Eines Tages (2000)

    Gewaltgeladene Texte in Zusammenhang mit Frontmann Burgers Neonazi-Vergangenheit (welchen er im Übrigen offen zu gibt), ist die Gesinnung der Band als jenseits von fragwürdig zu erachten.

  2. Farid Pace

    Natürlich kommt Gewalt in den Texten seiner linken Punkbands, die schon mal ECHOs verliehen bekommen, oder unpolitischer Rapper, die mitunter Goldene Schallplatten abräumen, überhaupt nicht vor…

    Und außerdem…
    »Hast auf mich geschlagen,
    warst einer dieser drei.« (Frei. Wild)
    Also…
    »Gewalt erzeugt Gegenwalt. […]
    Immer mitten in die Fresse rein.« (Die Ärzte)

    Oder ist Gegengewalt nur von linksradikaler, weil »humanistischer« Seite aus legitim, weil das allein ja nur mönschenfreundliche Gewalt sein kann?

  3. eddy edmund

    Vielleicht ist es ja gar nicht der Text sondern die Sprache! Und die Optik,Auslaender,«Verlauste« -da ist ein deutscher Text okay! Deutsche,Abendlaendler die nicht wie«kurz vor dem (Drogen)Exitus« sondern gesund & kraeftig ausschauen duerfen nur »gegen Deutschland« singen. Es gab vor Jahren einmal ein US Hit einer sexy Negra »American Boy« – die deutsche Coverversion »Deutsche Maenner« einer nordisch ausschauenden blonden Saengerin war im BRD Medialitaetsspektrum absolut tabu…!
    Stattdessen tauchte zeitgleich eine ebenfalls sexy lispelnde Negra mit »Ich liebe Deutschiland…« im BRD TV auf…der von mir konstruierte Zusammenhang bezieht sich natuerlich nur auf den Zeitpunkt…ich fragte mich damals oft(obwohl ich die Antwort natuerlich wusste) warum dem so ist – oder besser das Deutschland erst dann wieder »gesund« ist wenn »Stolz« den Holowitzschuldkultfetischismus der Perversen besiegt hat…! Was »frei.wild« betrifft : enttaeuschend wie weit sie sich verbiegen,instrumentalisieren lassen…Scheisst auf den Echo seit »Frei«…Es hat weder den »nett gewordenen (Drogen)Onkels« etwas gebracht…noch sonstwem..man verbiegt sich nicht …!
    Awaiting…Worauf auch immer…

  4. Bushido Zitate

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