Anstoß

Nordkorea: Wieso wieder nichts passieren wird

2013 schrieb ich den letzten Artikel über Nordkorea. Damals hatte der Ende 2011 an die Macht gekommene Diktatur Kim Jong-Un nach einem Militärmanöver der USA und Südkorea gerade den Waffenstillstand aufgehoben und den Kriegszustand mit Südkorea bestätigt. China stimmte zudem UN-Sanktionen gegen Nordkorea zu – ein Novum. Das Land schien isoliert und radikalisiert wie nie.

Als dementsprechend bedrohlich schätzte ich die Lage damals ein und zog Vergleiche zur Kubakrise in den 60er Jahren. Auf Grund der Tatsache, dass Kim Jong-Un noch schwer einzuschätzen war, konnte man nicht absehen, ob die Aufhebung des Waffenstillstands zu einem – womöglich atomaren – Konflikt mit Südkorea und der Welt führen sollte oder ob es sich um eine der unzähligen leeren Drohungen Nordkoreas handelte. Heute wissen wir, dass letzteres der Fall war. Die formelle Aufhebung des Waffenstillstands hatte kaum Auswirkungen.

Trumps Drohung war ein Eigentor

Aktuell steht Nordkorea wieder im Fokus der Weltöffentlichkeit. Seit 2013 hat sich der schwelende Konflikt in der Region eher verschärft und das Atom- und Raketenprogramm Nordkoreas hat enorme Fortschritte gemacht. Doch den Stein brachte diesmal Donald Trump ins Rollen, als er auf eben diese Fortschritte angesprochen wurde und – wie so oft – ohne Rücksprache mit seinen Beratern es für angebracht hielt, ebenfalls einen harten Spruch zu klopfen: Sollten die Drohungen aus Pjöngjang nicht aufhören, werde ihnen mit „Feuer, Wut und Macht“ begegnet, wie die Welt es so noch nicht gesehen habe.

Abgedreht: James Mattis droht mit „Vernichtung des Volkes“

Eine spontane und unkluge Aussage, die Verteidigungsminister James Mattis trotz Gelegenheit zum Überdenken später sogar noch übertrumpfen musste: Nordkorea solle aufhören, Aktionen in Erwägung zu ziehen, die zu einem Ende ihres Regimes und der Vernichtung ihres Volkes führen würden, so Mattis fernab von Vernunft und Völkerrecht.

Doch selbst in den USA ist vielen – darunter auch dem sich mäßigend äußernden Außenminister Tillerson – klar, dass es keine realistische militärische Option gegen Nordkorea gibt. Trumps Äußerungen waren daher eine offensichtlich leere Drohung, was sogar der als „Falke“ bekannte John McCain einzusehen scheint: „Sprich leise und höflich, aber trage stets einen dicken Knüppel bei dir“, lautete seine Kritik an der verbalen Kraftmeierei.

Dauerhaft keine militärische Option

Ein konventioneller Regime Change scheidet nicht nur auf Grund der zu erwartenden erheblichen Verluste im Bodenkampf gegen das große nordkoreanische Militär aus, sondern steht schon allein auf Grund dessen nicht zur Debatte, dass Nordkorea mittlerweile nun mal eine Atommacht ist. Ganz unabhängig davon wäre hier der enge US-Verbündete Südkorea Leidtragender und vermutlich nicht einverstanden. Ganz zu schweigen davon, dass jedes US-Militärabenteuer – womöglich noch dazu mit Atomwaffen – auf Grund der direkten Nähe zur Weltmacht China in der Tat ein gefährliches Spiel mit „Feuer, Wut und Macht“ wäre.

Für Nordkoreas Regime ist Trumps Säbelrasseln derweil ein willkommenes Propaganda-Geschenk. Die Aussage, dass sachlicher Dialog „mit so einem Typen bar jeder Vernunft“ (gemeint ist Trump) nicht möglich sei, zeigt vor allem, dass Nordkorea mittlerweile sehr genau die Stimmung in der Welt beobachtet und versucht, aus der breiten Ablehnung von Trump in vielen Ländern nun Kapital in Form von Sympathien zu schlagen.

Ein nordkoreanischer Angriff auf Guam ist sehr unwahrscheinlich

Außerdem will Nordkorea Trump nun weiter frech auf der Nase herumtanzen: Als Reaktion auf seine Aussage entwirft das Militär nun einen „Angriffsplan“ auf die Pazifik-Insel Guam, auf der sich eine große US-Militärbasis befindet. Drei bis vier Mittelstreckenraketen sollen über japanisches Festland fliegen und dann als symbolische Warnung kurz vor Guam im Meer versinken.

Ob der Plan tatsächlich umgesetzt wird, soll sich laut der nordkoreanischen Nachrichtenagentur „Mitte August“ und damit sehr zeitnah entscheiden. Nach alledem, was man von Nordkorea gewohnt ist, erscheint dies jedoch unwahrscheinlich. Das Risiko, dass die Raketen, wie bereits oft zuvor, frühzeitig abstürzen und einen militärischen Konflikt mit Japan unvermeidlich machen, dürfte den nordkoreanischen Strategen zu groß sein.

Diese sind – und das ist beruhigend – auch unter Kim Jong-Un nämlich nur daran interessiert, durch atomare Abschreckung unantastbar zu sein und durch ein stetes Niveau an diplomatischen Spannungen ihre Bevölkerung davon abzulenken, dass sie letzten Endes hinter dem Mond lebt.

(Bild: duncan c, flickr, CC BY-NC 2.0)

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3 Kommentare

  1. Verstand ist bei „Politiker“ nicht erwünscht, denn ansonsten wären sie keine „Politiker“. Es sind nur Politschauspieler, Marionetten. Denn die wirklich Mächtigen sind ganz woanders zu suchen und zu finden als in der Politik. Die wirklich Mächtigen bleiben fast immer still im Hintergrund. Die „Politiker“ verstecken sich immer nur hinter Justiz, Polizei und Militär als ihre Schutzpatrone. „Politiker“ sind nur die luxusalimentierten Hilfsarbeiter der „Hintermänner“.
    Sobald ein echter Politiker etwas anderes will, als die „Hintermänner“ lebt er gefährlich und wird beseitigt, wie z. B. Kennedy.

  2. Walter Roth

    Nun ja, der Iran, Pakistan und Nord-Korea müssen entwaffnet werden.

    Pakistan ist auch so ein gefährlicher Fall, alle 3 sind Failled-State mit Atomwaffen.
    Nordkorea hat zwar eine grosse Armee, aber die ist Rückständig, unterversorgt und dürfte wohl keinen langen Kampf durchhalten können.
    Um Kriege zu führen braucht man eine starke Wirtschaft, ohne diese kommt der Zusammenbrich sehr schnell.
    Nordkorea passt genau in das Schema.

    Kims Raketen sind bislang nicht viel besser wie die V2 in Deutschland damals, sie treffen nichts.
    Klar, Südkorea würden die erwischen, aber das wäre das Ende der Kims…..
    Ansonsten braucht es dazu Satteliten, Navigationstechnik und Steuerungselektronik aller erster Güte, denn mit einem Bomber dürften sie es niemals bis in die USA schaffen, und in einem Bomber wäre kein Platz für grosse Atombomben.
    Praktisch gesehen haben Atombomben nämlich eine maximale Baugrösse und Grössenbegrenzung die man kaum überschreiten kann. Die Initialzündung des Spaltprozesses lässt sich nicht beliebig ausdehnen.
    Das ist ja der Grund warum man die Wasserstoffbombe entwickelte, den diese Bauform der Atomaren Bomben kann beinahe unbegrenzt vergrössert werden, mit ihr sind die grossen fürchterlichen Bomben möglich.

    Von der Technik aber sind die alle 3 noch weit entfernt, es muss aber um jeden Preis verhindert werden das irgend ein Hasardeur so etwas jemals in die Hände bekommt.
    Es ist jetzt der Zeitpunkt ……1 Minute vor 12, um die beiden Länder Nord-Korea und Iran die beim Atomprogramm zusammenarbeiten, zu stoppen. Pakistan wird es dann ohnehin eine Lehre sein……
    Das eine Land, Nord-Korea würde ansonsten bald die ganze Welt erpressen um sein überleben zu sichern, dass andere Land, der Iran, wird irgendwann Israel vernichten wollen, so wie sie es sich seit Jahrzehnten erträumen und bei nahezu jeder Freitagsrede auch erklären.
    Dem Islam ist so eine Racheaktion absolut zuzutrauen.

    Nein, die USA machten viele Fehler, haben ein unappetitliches Establishment, aber es wäre ja Trump der endlich mal versucht dieses aus der Regierung zu drängen, sie einzuhegen.
    Unterstützen wir ihn dabei und auch beim Entwaffnen potentieller Staatsterroristen.
    Ein Land welches droht Israel, die einzige Demokratie im nahen Osten physisch auszulöschen, so ein Land möchte ich vorher ausschalten.
    Knallhart ohne jede Rücksicht.

  3. Carl Sand

    „Ein Land welches droht Israel, die einzige Demokratie im nahen Osten physisch auszulöschen, so ein Land möchte ich vorher ausschalten“.

    Israel kann sich um sich selber kümmern, nicht wahr? Vielleicht sogar viel zu gut? Vieleicht sogar so gut, dass es sich sogar noch um ganz andere Dinge kümmernt, die mit ihm selbst sehr wenig zu tun haben? Und Sie kümmern sich um Israel? Ich nicht.

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