Anstoß

Notizen zu Strache

Felix Menzel mit einer knappen Einschätzung des Falls HC Strache und seiner Bedeutung für uns:

  1. Der Schaden für die patriotische Opposition ist immens. Da gibt es nichts zu beschönigen. Denn: Bis zum Ibiza-Video und den Spendenaffären der AfD konnte sich die patriotische Opposition als eine idealistische Kraft darstellen, der es wirklich ausschließlich um das Land, unsere Kultur und das Volk geht.
  2. Als Konsequenz aus dem Fall HC Strache muß die patriotische Opposition ihre populistische Strategie überdenken. Das heißt: Nicht alles verwerfen, aber einige Dinge entschieden modifizieren. Ein Problem der populistischen Strategie ist es, daß sie tendenziell prinzipienlose Politiker hervorbringt, die sich nur danach richten, wie sich kurzfristig erwünschte Effekte auslösen lassen.
  3. Es bedarf einer außenpolitischen Klärung in den Reihen der patriotischen Opposition. Im Mittelpunkt muß dabei die Einigkeit und Souveränität Europas auf dem geopolitischen Schachbrett stehen. Weder eine zu große Nähe zu Rußland, den USA noch China ist von Vorteil.
  4. Skandale gehören zur Politik dazu. Man sollte deshalb jetzt nicht in Panik verfallen, aber sehr nüchtern über die entscheidende Frage nachdenken: Müssen wir das „Dirty Campaigning“ der Linken unbedingt erwidern, weil die Öffentlichkeit nun einmal so funktioniert? Oder gibt es eine Alternative dazu? Ließe sich vielleicht sogar aufdecken, wie viele Steuergelder die Linken für Dirty Campaigning verprassen? Das ist doch die eigentliche Ungeheuerlichkeit: Es gibt Parlamentsmitarbeiter, die den ganzen Tag nur nach Verfehlungen der Konkurrenz suchen und mit Dreck werfen, statt die Probleme des Volkes zu lösen.
  5. Der beste Schutz patriotischer Parteien gegen die Intrigen der Altparteien, Medien und feindlich gesinnter NGOs ist selbstkritische Parteienkritik. Es muß ständig die Frage mitschwingen, was zu tun ist, um zu verhindern, wie die anderen zu werden. Nur dann kann eine ganzheitliche, alternative Politik entstehen.
  6. Selbst wenn es einer patriotischen Partei in absehbarer Zeit gelingen sollte, (wieder) in Regierungsverantwortung zu kommen, bleibt sie dennoch in der Opposition zum herrschenden Zeitgeist, der nur langfristig geändert werden kann. Diese Änderung gelingt aber nicht durch Repressionen gegenüber der Presse, sondern durch den Aufbau einer vitalen, attraktiven Gegenkultur.

Bild: Bwag, Wikipedia, CC BY-SA 4.0


Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

8 Kommentare zu “Notizen zu Strache

  1. „Notizen zu Strache“ von Felix Menzel (BN – 20. Mai 2019)

    „ … Weder eine zu große Nähe zu Rußland, den USA noch China ist von Vorteil.“

    Wir predigen es seit Jahren tauben Ohren!

    „ … Der beste Schutz patriotischer Parteien gegen die Intrigen der Altparteien, Medien und feindlich gesinnter NGOs ist selbstkritische Parteienkritik. Es muß ständig die Frage mitschwingen, was zu tun ist, um zu verhindern, wie die anderen zu werden.“

    Was die Presse anbelangt, zu spät: nicht wenige der so genannten rechtsalternativen Medien lügen gar nicht mal so selten genauso ungeniert und dreist auf ihre Art, wie die von ihnen angegriffene „Lügenpresse“. Und ob die AfD wirklich die von so Vielen verständlicherweise erhoffte Alternative für Deutschland ist, für die sie sich so gerne – nicht ohne betont moralische Attitüde (interessant mit Blick auf den Strache-Skandal in Österreich und der Stellungnahme dazu von Seiten der AfD) – ausgibt, da haben wir doch erhebliche Zweifel. Von den ganzen Flachgeistern, die im Netz ihr einschlägiges „Wissen“ als vorgebliche Aufklärung des Volkes verbreiten, hier mal ganz zu schweigen.

    „ … bleibt sie dennoch in der Opposition zum herrschenden Zeitgeist, der nur langfristig geändert werden kann. Diese Änderung gelingt aber nicht durch Repressionen gegenüber der Presse, sondern durch den Aufbau einer vitalen, attraktiven Gegenkultur.“

    Das ist wahrscheinlich der einzig gangbare Weg.

  2. Mausrad

    Für langfristige Änderungen ist keine Zeit. Der Austausch läuft auf Hochtouren. Wir brauchen drastische Ereignisse.

  3. Wie lau hier Kritik geübt wird … statt zusammen zu stehen und den linken Herrschaftskomplex als das zu benennen, was er ist: nicht ein Gegner sondern der Todfeind aller Völker

  4. Den Punkten ist nur zuzustimmen. Und auch wenn es mancher jetzt in Zweifel zieht; es geht den Parteien wie FPÖ und AfD tatsächlich um das Land, unsere Kultur und das Volk.

  5. per aspera ad astra

    »Das ist doch die eigentliche Ungeheuerlichkeit (…)«

    Nein. Schlicht und ergreifend – nein. Die »eigentliche Ungeheuerlichkeit« bleibt die unleugbare Tatsache, dass ein amtierender Vizekanzler der Republik Österreich ausländischen Finanzeliten Staatsausträge in Millionenhöhe gegen illegale Wahlkampfzuwendungen verspricht. Dass es dabei auch um die manipulative Beeinflussung der Öffentlichkeit durch einseitige Darstellungen in Printmedien geht, macht das ganze umso ironischer – ist es doch gerade das, was den Medien, die dem politischen Gegner nahe stehen, so häufig vorgeworfen wird.

    Angezeigt ist nicht die Suche nach den »bösen Linken«, die dieses ach so hinterhältige und gemeine Komplott ausgeheckt haben. Angezeigt ist ein gerader Rücken, Aufrichtigkeit und vor allem aufrichtige Selbstkritik.

    Radikalität (im schlechten Sinne) zeigt sich genau in solchen Situationen. Wo objektiv das Kind schlicht in den Brunnen gefallen ist, wird trotzdem scheuklappenmäßig weiter der Gegner beschuldigt, die eigene Unschuld und Integrität beteuert und Einigkeit gepredigt. Das einzig richtige, wenn man am Ende nicht die ganze Partei / Bewegung diskreditieren will, ist eine Selbstreinigung. HC ist schlicht nicht mehr tragbar – und das würde für jeden anderen Politiker egal welcher Couleur nach so einer Affaire genauso gelten.

  6. Manuel Ionas

    Alles richtig, dennoch:
    als national-europäische Einzelkämpfer werden wir nicht bestehen.
    Ferner: Geheimdienstliche Aktivitäten fordern ein Umdenken im täglichen Agieren.
    Nie wieder Naivität!

  7. „Nie wieder Naivität!“ (Manuel Ionas zu „Notizen zu Strache“, 22. Mai 2019)

    Ein gut gemeinter Ratschlag an alle vielleicht zu „naive“ Möchtegern Machiavellis von Morgen: Nicht nur das erste, sondern auch das zweite Buch von Maurice Joly lesen. Kurz gesagt: Die Welt ist schlecht, wer hätte das gedacht…

  8. Tortuga

    @ per aspera ad astra
    Die perfekte Antwort auf Ihren Kommentar, gibt es schon:

    https://sezession.de/61209/solidaritaet-metapolitik-hoffnung

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