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Der Index ist die beste Werbung

Der Skandal-Song »Stress ohne Grund« von Bushido kommt auf den Index. Bessere Werbung im Sommerloch gibt es nicht. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat das neue Album »NWA« des Rappers Shindy also als bedenklich eingestuft. Damit darf die CD nur noch an Erwachsene verkauft und nicht mehr beworben werden.

Wie effektiv solche Verkaufsverbote sind, weiß jeder Jugendliche, der zu Silvester Feuerwerk und Böller haben will. Auch diesmal wird es genau das Gegenteil bewirken: verbotene Früchte schmecken am besten und das Lied wird Nummer eins in den Charts.

So auch das Kalkül von Bushido. In einem Interview mit dem FOCUS offenbart er seine Marketing-Strategie: Die Provokation war beabsichtigt – der Skandal für die Presse perfekt. Kritiker verweisen auf die durchschaubare Aktion, um Kasse zu machen. Den schwarzen Peter reicht der Rapper aber gleich an Berlins »schmerzlos geldgeilen« Bürgermeister Klaus Wowereit weiter. Dieser sowie der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören hatten bereits Anzeige wegen des Hass-Videos erstattet.

Mit einer sachten Entschuldigung rudert Bushido nun ein bisschen zurück. Falls er und sein Kollege Shindy – von und mit ihm spricht eigentlich keiner – doch vor einem Richter antreten müssen, wird es wohl wieder nur einen erhobenen Zeigefinger und die Mahnung mit auf den Weg geben, beim nächsten Mal nicht so böse Sachen zu sagen. Das tut man doch nicht.

Der Rapper wird es auf jeden Fall sportlich nehmen, selbst bei einer Geldstrafe – schließlich kann er jetzt wieder einen Medien-Marathon laufen. Und der ist sonst unbezahlbar.

(Bild: Philipp von Ostau/Wikipedia.de/cc)

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4 Kommentare zu “Der Index ist die beste Werbung

  1. Eben. Es gibt zwei wirkungsvolle (aber grundverschiedene) und eine dämliche Möglichkeit, mit so etwas umzugehen:

    1. Man bestraft hart (bspw. Gefängnis) und schreckt damit Nachahmer ab, solche »Werke« unterbleiben, die Gesellschaft wird repressiver.

    2. Man ignoriert und »straft« auch mit zukünftigem Desinteresse, der Täter verliert, Nachahmer bekommen erst gar nichts mit.

    3. Die BRD-Lösung: viel Werbung (und damit Geld) für den Täter, die Betroffenen blamieren sich noch zusätzlich zur Beleidigung. Das Rad dreht sich weiter, die Nachahmer kommen reichlich, weitere Eskalation garantiert; bald London, dann Griechenland, am Ende Syrien.

  2. Alternativer

    Ich nehme dies zum Anlaß, um darauf hinzuweisen, daß es bei der Bundesprüfstelle mehrere »Verbots-Listen« gibt, die man nicht ohne weiteres einsehen kann. Mit etwas Mühe ist es aber prinzipiell für fast alle möglich.

    Abgesehen davon, daß diese Zensurpraxis für eine Demokratie generell ein Witz ist, möchte ich drei skandalöse Fakten nennen, die wohl kaum bekannt sind, aber auf Anfrage von der Bundesprüfstelle offen bestätigt werden:

    - Es gibt Gegenstände, wo bereits der Besitz eines Einzelexemplars strafbar ist.

    - Es gibt eine Liste der Vorzensur, d.h. eine Zeitschrift wurde vorabindiziert, d.h. eine Reihe noch nicht erschiener zukünftigen Ausgaben wurden vorab indiziert ohne daß deren Inhalt schon bekannt gewesen wäre.

    - Es gibt eine ultrageheime Liste an verbotenen Bücher (oder mehr?), die niemandem zugänglich gemacht wird. Wer wissen will, was auf dieser Geheimliste steht und verboten ist, muß jeweils Einzeltitel anfragen.

    Wer das nicht glaubt, sollte dort anfragen. Es wird ihm bestätigt werden. Außerdem steht es in den regelmäßig für einen ausgewählten Kreis veröffentlichten Listen.

  3. Urwinkel

    @ Alternativer,

    Können Sie Beispiele nennen? Ihre Aussage transparenter machen? Das wäre doch ein Thema für das neue BN-Haus in Dresden. Oder wollen Sie dramatisieren?

  4. Alternativer

    @ Urwinkel

    Bei der vorindizierten Zeitschrift handelte es sich um den »Reichsboten«.
    Bei der ultrageheimen Liste handelt es sich um eine Liste, deren Existenz in jeder der regelmäßig erscheinenden Indizierungshefte ausdrücklich erwähnt wird.

    Also einfach über das BN-Zentrum schriftlich dort beantragen, daß man in den Verteiler aufgenommen wird und dort nachlesen!

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