Anstoß

Die liberale Gesellschaft und ihr Scheitern

Die Zukunftsfähigkeit des gesellschaftlichen Liberalismus wurde schon vor Jahrzehnten negiert. Obwohl auch heute, also eine bemerkbare Zeit später, über den Liberalismus theorisiert und geschwärmt wird, ist die Kritik der Vergangenheit immer noch zeitgültig.

In diesem Artikel möchte ich darlegen, wieso ich den Liberalismus für gescheitert halte. Dabei möchte ich gezielt einen Diskurs anregen, auf den ich mich in der Kommentarsektion freue.

Ist der heutige Liberale wirklich liberal?

Prinzipiell ist die politische Theorie des Liberalismus klar und deutlich definiert: Jedes Individuum, das sich innerhalb eines liberalen Staatsgebietes oder Kulturraums bewegt, soll sich so frei wie möglich entfalten können. Gerade in der heutigen Zeit verbinden wir Freiheit nicht nur mit der eigenen Selbstbestimmung, sondern mit Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Denkfreiheit. Doch vergleicht man die heutige Gesellschaft, die sich in weiten Teilen als liberal bezeichnet, mit der politischen Theorie des Liberalismus, so stößt man auf zwei Widersprüche.

Der Liberalismus befürwortet die Freiheit des Individuums, während die liberale Gesellschaft die Freiheit mit Vielfalt verwechselt. Eine freiheitliche Gesellschaft ist vielfältig, eine vielfältige Gesellschaft jedoch nicht freiheitlich. Ein Paradebeispiel hierfür ist die ach so tolle Migrationspolitik, die von weiten Teilen der liberalen Gesellschaft befürwortet wird. In den letzten Jahren gab es massive Einwanderungswellen aus islamischen Ländern, überwiegend Männer, die allein aus kultureller Sicht nicht in das deutsche Gesellschaftsbild passen, was im Umkehrschluss zu einem teils unbemerkten Krieg der Kulturen führt.

Der Liberale von heute, so wie er sich nennt, hat aus „Liberalismus“ und „Freiheit“ also das befürwortet, was seiner eigentlichen Handlungsbasis widerspricht. Er hat damit eine Gesellschaft erschaffen, die in vielen Teilen antiliberal ist und damit die Freiheit des Individuums im großen Maße einschränkt – er hat sich selbst bekämpft. Man kann aus dieser These schlussfolgern, dass der Liberalismus ohne homogene Gesellschaft nicht funktionsfähig ist.

Es ist wichtig, die gesellschaftliche Ordnung mit homogenen Werten, Sitten und Traditionen aufrechtzuerhalten, um im Umkehrschluss Ordnung und Einigkeit innerhalb einer Gesellschaft zu schaffen. Gerade diese Gesellschaftskomponenten sind in Deutschland aber nicht mehr in einheitlicher Form zu finden. Die Deutschen und speziell die deutsche Kultur ist in gewissen Teilen des Landes nicht mehr zu finden, gar in Großräumen inexistent. Wie also soll ein wahrer Liberalismus in Deutschland überhaupt funktionieren? Ist der heutige Liberale wirklich liberal? Die Antwort können Sie sich selbst denken.

Die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland – das „Monument des liberalen Denkens“?

Die sicherheitstechnische Aufrechterhaltung eines Staates beruht nicht nur auf der Moral der Bürger, sondern der Verfassung und ihrer exekutiven Verteidigung. In einer „liberalen Demokratie“, wie wir sie in der heutigen Zeit pflegen möchten, sollte die höchste Priorität eines Staates die Aufrechterhaltung der inneren und äußeren Sicherheit sein. Dadurch wird nicht nur eine Autoritätserscheinung an jene versendet, die es wagen, die Freiheit des Individuums einzuschränken, sondern auch eine Aufrechterhaltung der wahren Freiheit garantiert.

In einem Ordnungsstaat herrscht nicht nur der wirtschaftliche, sondern auch der gesellschaftliche Liberalismus. Der Staat mischt sich nicht in die Angelegenheiten des Einzelnen ein und greift nur dann ein, wenn die Entfaltungsmöglichkeiten des Einzelnen durch äußere Einwirkungen gefährdet werden.

In der Bundesrepublik Deutschland herrscht dies jedoch nicht. Wer sich frei entfaltet und dabei kontrovers zur Meinungsmasse steht, der muss um sein Privateigentum bangen, eine soziale Ächtung fürchten und damit rechnen, verdrängt zu werden. Derjenige, der sich also frei entfalten möchte, wird in seinen Handlungen eingeschränkt, der Staat greift nicht ein, obwohl die rechtsstaatlichen Mittel zur Verfügung stehen, und futsch ist die Freiheit.

Unter diesen Aspekten betrachtet, ist die „liberale Gesellschaft“ nichts weiter als eine Farce, weshalb ich auch zum Schluss komme, dass ein wahrer gesellschaftlicher Liberalismus auch nur unter ordnungsstaatlichen Bedingungen existieren kann. So, wie die Bundesrepublik Deutschland und ihre Staatsorgane handeln, ist die Freiheit des Einzelnen nicht gewährleistet.

(Bild: Bildforyou7CC BY-SA 3.0)

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6 Kommentare zu “Die liberale Gesellschaft und ihr Scheitern

  1. Hayekischer Kritiker

    Ja, eine reell liberale Gesellschaft muss auf Werten und Normen basieren. Ich denke aber, dass es noch lange kein Grund ist, vom Sozialstaat zum Ordnungsstaat zu gehen.

  2. Carlos Wefers Verástegui

    Der Liberalismus ist natürlich ein grosser Irrtum, er ist Sünde – in all seinen Formen.

    http://www.monarchieliga.de/images/f/f4/Sarda-liberalismus-ist-suende.pdf

  3. Top!

  4. »Unter diesen Aspekten betrachtet, ist die „liberale Gesellschaft“ nichts weiter als eine Farce, weshalb ich auch zum Schluss komme, dass ein wahrer gesellschaftlicher Liberalismus auch nur unter ordnungsstaatlichen Bedingungen existieren kann.«

    Die von Herr Ilgar mit einer Funzel angeleuchteten Aspekte, offenbaren meiner bescheidenen Meinung nach ganz grobe Denkfehler. Man kommt sich hier leider vor wie in einem Kindergarten, indem scheinbar erwachsene Systemkritiker ihren faden Babybrei ausbrechen. Geht man wie Can Ilgar von den falschen Prämissen aus, können leider nur solche realitätsfremden Fehldiagnosen entstehen.

    »Nur auf dem Begriff der Ordnung kann jener der Freiheit ruhen.« – Fürst von Metternich

    Mit diesem prägnanten Satz brachte der Rothschild-Büttel Metternich einstmals auf den Punkt, was Herr Ilgar offenbar auch zu dämmern scheint. Ohne Ordnung keine Freiheit, und umgekehrt.

    Nun, lieber Herr Ilgar, nehmen wir einmal an, Sie möchten Ihr unordentliches und heruntergekommenes Haus aufräumen und renovieren. Um das zu bewerkstelligen, benötigen Sie zunächst die Freiheit, Ihr Vorhaben in die Tat umsetzen zu können. Besitzen Sie diese Freiheit nicht, zum Beispiel weil auf Ihrem Grundstück eine Hypothek lastet, das Haus längst zum Verkauf steht, und Sie nur noch als Untermieter geduldet sind, dann sind Ihre Bemühungen zum Scheitern verurteilt.

    „Und wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen.“ – Dr. Wolfgang Schäuble, November 2011

    Bei allen Überlegungen, die sich mit dem deutschen Staatswesen befassen, muß man sich zwingend an diesem Ausgangspunkt orientieren. Man darf die Realität nicht übersehen. Ansonsten sind die Fehlschlüsse wie bei Can Ilgar vorprogrammiert.

    Es mag schmerzhaft, unbequem, und altbacken sein, sich dieser Tatsache zu stellen, aber man kommt nicht daran vorbei, wenn man den Status Quo einer kritischen Analyse unterzieht. Ansonsten lügt man sich nur in die eigene Tasche, und die Neigung dies zu tun, ist meiner Ansicht nach der Pferdefuß der Bundesdeutschen auf der linken und rechten Seite des politischen Spektrums.

    »Wer sich frei entfaltet und dabei kontrovers zur Meinungsmasse steht, der muss um sein Privateigentum bangen, eine soziale Ächtung fürchten und damit rechnen, verdrängt zu werden.«

    Das gilt nur für die ordnungsliebenden Feinde des Liberalismus‹. Und in dem Moment, wo Sie an dem aus Liberalismus und Kapitalismus bestehenden formellen Herrschaftssystem namens Demokratie irgendetwas ändern möchten, sind Sie genau das: Ein Feind der Freiheit.

    Solange diese Form der »entfesselten Freiheit« (Dr. Thor von Waldstein) nicht bedroht wird, kann sich ein jeder Mensch in der BRD so frei entfalten wie ein Vogel im goldenen Käfig. Für Sie stehen viele prall gefüllte Futtertröge bereit, wenn Sie es nur nicht wagen, nach dem Käfigschlüssel zu suchen. Wer auf diese Idee käme, dem kann es nur um »die Abschaffung unserer demokratischen Strukturen« (Renate Künast) gehen. Und auch wer sich mit Nachdruck dagegen verwehrt, daß dem goldenen Käfig immer mehr fremde Vögel zugeführt werden, ist auf dem besten Wege, die Freiheit extrem zu terrorisieren.

    Wenn die Freiheit auf Kosten der Gemeinschaft geht, wie es im liberalistisch-kapitalistischen Herrschaftssystem nach angelsächsischer Bauart seit jeher der Fall ist, dann gehört sie beseitigt. Um eine klitzkleine Chance zu haben, dabei erfolgreich zu sein, braucht es jedoch unbedingt einen Schulterschluß von Linken und Rechten. Es wäre also dringendst geboten, in diesem Sinne zu wirken, wie es übrigens auch Alain Soral in Frankreich macht. Das Nachrichten-Netzwerk »Égalité et Réconciliation« kommt mittlerweile auf 10 Millionen Seitenaufrufe pro Jahr, und es gibt im gesamten deutschsprachigen Raum nichts, was mit dieser Informationsquelle zu vergleichen wäre.

    https://coriolan.in/rom/querfront-in-frankreich-egalite-et-reconciliation/

  5. Magnificus

    Eine grob gefasste Analyse, die im Kern absolut richtig ist. Eine Gesellschaft kann nur dann liberal sein, wenn der Staat durch Ordnung auch wahre Freiheit gewährt.

  6. Die Crux verläuft diametral und wirkt seit je spaltend in der Massenpsyche.
    Freiheit und Ordnung sind Gegensätzlichkeiten und schließen einander aus, wie Chaos und Regel.
    Nun kann man nicht einmal mehr unterscheiden zwischen »Linker Ordnung« und »Rechter Ordnung«. Konnte man rational betrachtet noch nie!
    Doch diese formalen Gleichartigkeiten werden gemeinhin als Antipoden verkauft.
    Als Krönung des Irrsinn wähnen sich beide Gleichartigkeiten als Majoritäten einer »Geld-« oder »Gottgewollten« Liberalität.

    Eine lateral formal unbegründ- wie berechenbare Position die hier bemüht wird, welche auch noch im logischen Widerspruch zu beiden Extremen liegt und Basis dieses stetig ›Geordnet verübten Chaos‹ sein will.
    In der irrationalen theoretischen Physik nennt man dererlei unverortbare Mystik z.B. »Dunkle Energie«, »Dunkle Materie« oder einfach »Schwarzes Loch«.

    Die Abgründe praktizierter Bewußtlosigkeit sind also tiefer als wir uns vorstellen möchten. In gleicher Weiße wie Nietzsches Wüste wächst.

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