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Doping? Uninteressant!

Kennen Sie Michael Schrader? Raphael Holzdeppe? Christina Schwanitz? Oder vielleicht Robert Harting? Mir waren die Namen auch völlig unbekannt. Dabei haben sie Medaillen bei der Leichtathletik-WM gewonnen.

»Wie, es ist Leichtathletik-WM?« werden sich nun einige fragen. Auch an mir ging das Sportereignis bisher vorbei. Trotz über 100 Stunden Berichterstattung bei ARD und ZDF – oder vielleicht gerade deswegen? Dabei messen sich vom 10. bis 18. August die besten Sportler im Moskauer Olympiastadion. In der Arena bleiben jedoch auch die meisten Plätze leer – obwohl die billigste Karte umgerechnet keine 3,50 Euro kostet.

Zudem wurden rund 240.000 Karten verschenkt. Doping für die Zuschauer-Statistik. Wirkliches Interesse weckt das Laufen, Springen und Werfen bei den Russen jedoch nicht. Und auch für Deutsche sind unbedeutende Fußball-Freundschaftsspiele da noch spannender. Brisanz kommt maximal bei anderen Themen auf. Wenn beispielsweise in Russland »Homosexuellen-Propaganda« unter Strafe gestellt wird.

Oder beim Thema Doping. Nicht nur im Osten wurde es systematisch betrieben. Auch der Westen hat da keine weiße Weste. Und nicht nur beim Radsport wurde fleißig mit stimulierenden Substanzen nachgeholfen. Auch Schwimmer, Gewichtheber, Leichtathleten und sogar die Fußballer haben es getan. »Natürlich haben wir auch unsere Vitaminspritzen bekommen«, gestand jüngst »Kaiser« Franz Beckenbauer im Interview. In große Aufregung versetzte das aber auch keinen.

Ist Doping ein Kavaliersdelikt? Überall werde für den Erfolg, wenn möglich, nachgeholfen, sagen die einen. Der Leistungsdruck ist Schuld, sagen die anderen. Daß für einen Sieg auch manipuliert wird, ist bekannt. Für Profisportler bedeuten Erfolge nicht nur Ruhm und Ehre, sondern vor allem auch Geld für den Lebensunterhalt. Immer nur hinterher zu laufen oder zu fahren, beendet den Traum der Sportler-Karriere.

Die Kugelstoßerin Nadine Kleinert war konsequent. Sie hat auf die Teilnahme in Moskau verzichtet. »Ich hab die Schnauze voll«, so der Kommentar der ehemaligen Europameisterin. Zu oft habe sie Medaillen verpaßt, weil ihre Konkurrenz gedopt war. Fairness ist ein zentraler Wert im Sport, der Zuschauer interessiert. Unfaire Sportler gewinnen keine Sympathiepunkte.

Doch das Thema Doping wird nur zaghaft aufgearbeitet. Haben Sportler Angst, ihr Ansehen zu verlieren, wenn auch sie des Dopings, und damit des Sport-Betrugs überführt werden? Oder ist es einfach zu uninteressant für die Sport-Fans, sich mit den Praktiken auseinanderzusetzen? Für die Mißbrauch betreibenden Sportler setzen die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit zumeist erst Jahre später ein. Und dann interessiert sich auch keiner mehr für sie.

(Bild: Tyson Gay, Berlin 2009, von Erik van Leeuwen, GNU)

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