Anstoß

Geschichtslosigkeit sorgt für Zukunftslosigkeit

Am Mittwoch hat sich eine Zwei-Drittel-Mehrheit der jeweils zwölf Professoren, Mitarbeiter und Studenten des Senats der Universität Greifswald für einen Verzicht auf den Namenszusatz „Ernst Moritz Arndt“ entschieden.

Eingebracht wurde der Antrag von den Studenten, die mehrheitlich nicht aus Vorpommern kommen und auch ganz sicher nicht mehrheitlich dort verweilen werden, nach ihrem Abschluss.

Was zwei Diktaturen nicht schafften, schafft jetzt der Senat der Universität Greifswald. Nämlich den 1769 auf der Insel Rügen geborenen und immer noch stark in der Region verwurzelten Freiheitsdenker von der Greifswalder Universität zu verbannen.

Die im Jahr 1933 in Ernst Moritz Arndt umbenannte Greifswalder Universität verliert diesen Zusatz aufgrund der Entscheidung des Studiensenats. Der hochschulpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Ralph Weber, kritisierte dies als „ein verheerendes Signal“: „Die Namensänderung wird die Universität geschätzt etwa 300.000 Euro kosten. Dabei fehlt es schon jetzt an allen Ecken und Enden. Veranstaltungen müssen ausfallen und viele Uni-Gebäude sind Sanierungsfälle“.

Vollführer kleiner gemeiner Frechheiten

Das stört die Linken nicht in ihrer kindischen Freude über den Schabernack, den sie sich geleistet haben. Der Greifswalder Politologie-Professor und Mitinitiator der Debatte, Hubertus Buchstein, der in seinen Werken auch eine kosmopolitische Weltregierung für vorteilhaft hält, wartet jetzt darauf, dass man in 20 bis 30 Jahren „sehen wird, dass das eine gute Entscheidung war“.

So sehen Sieger aus, im Kampf gegen den sogenannten Rechts-Populismus, gegen den es einen großen Beitrag leisten soll, der viertältesten Universität in Deutschland ihre Bezeichnung weggenommen zu haben. Seit mehreren Jahren versuchte die linksradikale Szene innerhalb der Greifswalder Studentenschaft Stimmung gegen den Namen der Uni zu machen. Drei Abstimmungen waren schon gescheitert, die letzte im Jahr 2010. Es war in Greifswald schon fast ein Ritual: Alle paar Jahre wechseln Mitarbeiter und Studentenschaftsvertreter und die leidige Diskussion beginnt von neuem.

Die Begründung für den diesmal erfolgreichen Vorstoß war die Beseitigung von Hürden bei der endgültigen Internationalisierung der Universität. Ein negativer Einfluss kann aber nicht erwiesen werden. Die Zahl ausländischer Studenten blieb über die Jahre konstant um die 600 und ist bereits im Begriff zu steigen. Dass die Auseinandersetzung mit Arndts Werken einem fortschrittlicheren Bild der Wissenschaft im Wege stünde, ist eine billige Nebelkerze.

Leibeigenschaft oder Nation!

Romanistik-Professor Reinhard Bach sagte dazu: „Mit politischen Begriffen ohne Rücksicht auf ideengeschichtliche Entwicklungen über Jahrhunderte hinwegzuspringen, ist das Ende jeder seriösen Geschichtsschreibung“, und ergänzt, dass der Vorwurf, Arndt wäre nationalistisch gewesen, auf der heutigen Denkweise beruhe. „Nationales Denken im Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts ist vor allem Ausdruck einer Demokratisierung des politischen Denkens. (…) Die dringend gebotene Überwindung feudaler Strukturen war angesichts der deutschen Kleinstaaterei nicht ohne die Bildung eines Nationalstaats möglich.“

Wahrlich ein beachtliches Tor haben die Vertreter der Studentenschaft da eingefahren. Das Endspiel konnten sie aber nicht für sich entscheiden. In dem ging es um die Neubenennung in Toni-Kroos-Universität. Eigentlich war dies eine Idee der Satirepartei Die PARTEI. Die angestrebte Bezeichnung zeigt aber die ganze Geschichtslosigkeit und Beliebigkeit in den Wünschen und Gedanken einer aktuellen und zukünftigen Generation von Studenten, von denen selbst niemand in die Verlegenheit kommen wird, dem eigenen Kind erklären zu müssen, was ein Fußballspieler mit seiner oder ihrer höheren Lehranstalt zu tun hat. Zum einen wird diese Generation statistisch gesehen kaum noch Kinder haben, zum anderen sind sie als umherwandelnde Knechte einer postmodernen Basar-Ökonomie entwurzelt. Wenn die Heimat zum Standort geworden ist, kann sich dieses feine Netz nicht mehr spinnen, denn wenn die Dummheiten, die an einem Ort verbrochen wurden, zu unerträglich sind auf Dauer, wird er gewechselt.

Wer setzt sich durch? Die Aalglatten und Linken? Oder doch der von Arndt beschworene deutsche Geist?

Aus dieser Geschichtslosigkeit ergibt sich auch eine Zukunftslosigkeit. Es gibt kein verbindendes positives Ereignis, kein über Jahrhunderte geteiltes Erlebnis, kein Raum von Rückbezügen, aus dem sie sich bedienen könnten oder große Personen, in deren Fußstapfen sie folgen könnten. Der enthemmte Individualismus verpönt derlei Rückgriffe, denn sie marginalisieren die anderen Gleichen, die anderen entwurzelt Umherwandernden. In welche Richtung sie gehen, spielt dabei keine Rolle.

Einer wird ihnen bei der Bewältigung dessen nicht mehr helfen können und das ist Ernst Moritz Arndt. Wenigstens konnte man damals noch über Lyrik und Aussprüche bekannter Personen stolpern. Was heute erwartet wird, ist ein gepflegter Rasen, der mit der Kantenschere gestutzt wurde. Heimatverbundenheit kommt auf den Kompost und der Bolzplatz an die Uni.

Trotz dieser düsteren Aussichten bleibt uns dennoch die Hoffnung, daß Arndt am Ende doch Recht behält: „Dem Deutschen ist die Verwaltung der geistigen europäischen Güter vorzugsweise übertragen, Ausbildung und Entwicklung von Sitte, Gesetz, Kunst, Wissenschaft im christlichen Sinn. In allen Trübsalen und Hartsalen, die über ihn hingefahren sind, hat er diese Aufgabe nimmer vergessen.“

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1 Kommentar zu “Geschichtslosigkeit sorgt für Zukunftslosigkeit

  1. Fabian Müller

    Schöner Artikel!
    Ernst Nolte hat irgendwann in den 70ern (?) mal darüber geschrieben, wie dämlich es ist, die Uni-Senate/Räte mit einer Mischung aus Studenten und Profs. zu besetzen. Ich denke hier kann man davon ausgehen, dass der Senat bei rein proffessoraler Besetzung keine 2/3 Mehrheit zu Stande bekommen hätte. Weißt du vielleicht mehr darüber?

    Über ein Abstimmungsrecht der »Mitarbeiter«, dass sind dann nicht nur Akademiker, sondern Vertreter der Technik, der Hausmeister, der Mensa etc., bei einer so essenziellen Abstimmung, kann man ebenfalls trefflich streiten.
    Es geht hier ja nicht um die Frage nach einem neuen Speiseplan oder die Anschaffung neuer Beamer, wo eine Beteligung der universitären Arbeitnehmer Sinn ergibt, sondern um einse essenzielle Leitfrage und Richtungsbestimmung.

    Nolte begründet, wenn ich mich recht erinnere, dass ein Aufteilung in Studenten und Dozenten fraglich ist, da ein Prof. ein weiterentwickelter Status des Studenten ist. Das wäre so, wie wenn man im Bundestag eigene Abgeordnete für Renter oder Schüler hätte. Die Fehler für diese Demokratisierung sieht Nolte aber nicht nur im Zeitgeist, sondern in der fehlenden Repräsentation des studentischen Willens durch die Profs. Dann gingen die Leute eben auf die Barrikaden.

    https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Angebote/autor=Ernst+Nolte&titel=Sinn+und+Widersinn+der+Demokratisierung+der+Universit%C3%A4t

    Wenn du Student bist/wirst kommst du ja nicht drumherum dich mit der ganzen universitären Dummheit auseinanderzusetzen. Das Büchlein ist nur zu empfehlen und erklärt viele Fehler der 68er Zeit, die wir heute ausbaden dürfen.

    Beste Grüße
    Fabian

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