Rezension

Hat das deutsche Volk ein Existenzrecht?

In diesem Beitrag versuchen wir eine Frage zu beantworten, die Deutschland seit 1945 quält: Wie können wir unsere Existenz als Nation rechtfertigen, nachdem wir für den Holocaust verantwortlich waren?

Es ist die Frage des deutschen Schuldgefühls. In einer Zeit, in der Deutschland dabei ist Selbstmord zu begehen, ist es in der Tat eine dringende Frage. Die wurde schon bei Carl Gustav Jung, dem Vater der analytischen Psychologie, im Jahr 1945 gestellt. Mit seinem Aufsatz „Nach der Katastrophe“ war Jung einer der ersten, die über das Schuldgefühl der Deutschen geschrieben haben. Er war gnadenlos:

„Wenn ein Deutscher seine moralische Minderwertigkeit als Kollektivschuld vor der Welt anerkennt und keinerlei Versuche macht, diese mit unzureichenden Argumenten abzuschwächen oder wegzuerklären, so hat er eine vernünftige Chance, nach einiger Zeit für einen möglicherweise anständigen Menschen gehalten und damit von der Kollektivschuld wenigstens von Einzelnen losgesprochen zu werden.“ (C.G. Jung: Aufsätze zur Zeitgeschichte. Zürich 1946, S. 81)

Das mag einseitig erscheinen, aber Jungs Position war berechtigt. Nicht Selbstmord, sondern Revanchismus was damals zu befürchten. Wenn man den gesamten Aufsatz liest, wird es klar, Jung wollte die Deutschen nie belehren oder ihnen vorsagen, wie sie denken müssten. Vielmehr hatte er das Wohl des Deutschen im Blick und wollte eine real existierende Krankheit behandeln. Auch wir haben diese Absicht.

Aufzwingen der Alliierten

Es wird vom rechten Lager immer wieder der Vorwurf gemacht, das Schuldgefühl sei von den Alliierten aufgezwungen worden. Nach dem Krieg war Deutschland unter Besetzung, das stimmt. Während dieser Zeit gab es den Versuch Strukturen aus der NS-Zeit zu demontieren, um sicherzustellen, dass diese Ideologie nie wieder Fuß fassen könnte. Dazu gehört natürlich, die Schuld für den Krieg den Deutschen zuzuschieben.

Aber gleichzeitig zirkuliert das Narrativ, die Alliierten hätten die Deutschen von den Nazis befreit. Es gab und gibt mehrere Methoden die Stellung der Deutschen im Krieg zu beurteilen, als Täter, Mitläufer oder Opfer einer Diktatur. Der heutige Zustand der BRD kann nicht auf Gehirnwäsche zurückgeführt werden. Das wäre eine gewaltige Überschätzung der Fähigkeit der Regierung die Meinung von Individuen zu kontrollieren. Im Ostblock hat die Regierung jahrzehntelang massive Indoktrinierung betrieben.

Aber der Widerstand hat nicht nachgelassen. In dem Moment, als die UdSSR Schwäche zeigte, ist das gesamte System kollabiert. Warum ein solcher Widerstand im Westen ausgeblieben ist, liegt wohl daran, dass der Deutsche die Schuldpille willig eingenommen hat. Es handelt sich hier um wahrhaftige unbewusste Kräfte und nicht bewusste Konstrukte.

Ich, Selbst und Schatten

Jungs Annahme einer Kollektivschuld traf zu und die Deutschen haben diese auch so anerkannt. Wie kann man trotz dieser Schuld zu einer gesunden Einstellung zurückgehen? Obwohl Jung nicht mehr lebt, liefert seine Theorie immer noch eine Lösung. Erstmal müssen wir verstehen, was mit der Psyche der Deutschen 1945 geschehen ist. Jung hat die Psyche in drei Elementen geteilt, bestehend aus: dem Ich (auch Ego genannt), dem Schatten und dem Selbst. Das Ich ist der bewusste Teil der Psyche, d.h. was die Psyche über sich selbst denkt und akzeptiert.

Alles, was die Psyche nicht akzeptieren kann oder will, meistens sexuelle und aggressive Tendenzen, bleibt auf das Unbewusstsein beschränkt und bildet den Schatten. Zwischen Ich und Schatten liegt das Selbst. Es hat Zugang zum Bewussten und Unbewussten und ist dafür verantwortlich, das Ich zu aktualisieren. Das heißt, wenn das Ich mit Situationen konfrontiert wird, für die es selbst nicht gewachsen ist, ist das Selbst dafür zuständig die nötigen Werkzeuge aus dem Schatten zu extrahieren. Dadurch kann z.B. eine liebe Mutter die nötige Aggressivität finden, um ihr Kind in kritischen Momenten zu retten.

Sterben und Neubildung des Ich

Wenn das Ich jedoch mit einer überwältigenden Situation konfrontiert wird, kann ein Großteil davon oder sogar seine Gesamtheit sterben. Mildere Beispiele davon sind das Ende einer Beziehung oder eine Entlassung. Extremere Situationen können posttraumatische Belastungsstörungen erzeugen. Das ist der Fall bei Soldaten und zwar nicht nur wegen dem, was sie erlebt haben, sondern häufig auch, weil sie selbst etwas Grausames getan haben. Eine Heilung ist dann nur möglich, wenn das Individuum eine neuere und komplexere Theorie von Gut und Böse entwickeln kann, die in der Lage ist, die entdeckte Aggressivität und Grausamkeit in seiner Psyche einzuordnen.

Es ist also genau das Selbst, das durch Kontakt zum Schatten ein neues Ich bildet. Während Ich und Schatten sich mit der Zeit vollständig ändern können, bleibt das Selbst konstant. Es ist das, was durch den Zyklus vom Sterben und Neugeburt/Auferstehung identisch bleibt, und damit die Vergangenheit mit der Zukunft verbinden kann. Dieser Prozess ist nach Jungs Sicht der Kern vieler Religionen.

Es ist der Tod und die Auferstehung von Jesus Christus. Es ist auch der Tod des Gottes Odin, der sich selbst im Weltenbaum opfert, um die Geheimnisse der Runen zu entdecken. Auch die Wissenschaft bestätigt: es sind auch die Neuronen, die durch das Stresshormon Cortisol sterben müssen. Seinen Schatten anzuerkennen und ihn zu integrieren ist ein wesentlicher Teil der Jungianischen Heilungsmethode.

Aktuelle deutsche Identität

Wie lässt sich mittels dieser Theorie die deutsche Psyche erklären? Mit Blick auf den preußischen Geist, der Deutschland im frühen 20. Jahrhundert ergriffen hat, wird klar, dass das deutsche Ich für die Niederlagen im ersten und zweiten Weltkrieg nicht bereit war. Darüber hinaus waren die Deutschen nicht nur unfähig die Hegemonie in Europa zu halten, sondern haben auch bewiesen, dass sie einer solchen nicht würdig waren. Statt ein Reich des Friedens zu bringen, haben die Deutschen die Nachbarvölker erniedrigt und brutal ermordet. Auf die deutschen Städte brachten sie Chaos und Feuer.

Dabei ist irrelevant, von wem oder warum die Bomben geworfen wurden, es war die Auswirkung des Krieges. Die zivilisierten Deutschen entpuppten sich vor allem als barbarisch. Das war zu viel für das deutsche Bewusstsein. Wer den heutigen Stand der deutschen Identität sieht, kann mit Sicherheit sagen: Was es vor 1945 gab, ist damals gestorben. Wir leben in einem neuen Deutschland, in dem die deutsche Schuld den Hauptfaktor der Identität bildet. Der Heilungsprozess ist jedoch nicht vervollständigt. Der Schatten wurde erkannt, ist aber noch nicht integriert worden. Das Ich bleibt negativ geprägt und es wurde kein neuer Grund zum Leben entdeckt. Einzelne Deutsche entfliehen diesem Zustand, indem sie antideutsche Haltungen einnehmen.

Damit vermeiden sie die Konfrontation mit dem Schatten und versuchen die deutsche Identität in eine Art Weltbürgertum aufzulösen. Dem Schatten kann man jedoch nicht entgehen. Was nicht in sich selbst anerkannt wird, wird in die Welt projiziert. Der Nazi, der in einem lebt, erscheint dann im politischen Gegner. Somit ist die antifaschistische Bewegung erklärt, angeblich sollen Nazis bekämpft werden und dafür werden Nazi-Methoden angewandt.

Integration des deutschen Schattens

Um diese Auflösung Deutschlands zu verhindern sind Menschen nötig, die das deutsche Selbst personifizieren können. Die das Deutsche nicht nur in seiner heutigen Fassung sehen, sondern in seiner gesamten geschichtlichen Existenz. Die nicht vergessen und dem Schatten in die Augen schauen, ohne sich dabei zu verlieren. Das heißt zu erkennen, dass deutsch sein immer in Teilen Nazi sein bedeutet, aber weder hoffnungslos wird, noch der Versuchung nachgegeben wird, sich selbst als Nazi zu definieren oder die Nazi-Ideologie zu verteidigen. Das heißt amerikanische Filme zu schauen, in denen der Deutsche immer der Bösewicht ist, und sagen: „Es ist ok so“.

Irgendjemand muss den Bösen spielen. Während niemand anderes das machen will, weil alle der Held sein wollen und ihre schlechten Eigenschaften verneinen, nimmt der Deutsche den schwierigen Weg. Er gibt zu, dass in ihm ein Monster wohnt, das jeder Zeit ausbrechen könnte. Er erklärt es zu seiner Verantwortung über diesem Monster zu wachen.

Unsere Schwäche macht uns stärker!

Das macht den Deutschen aber nicht zum Schwächling, das macht ihn stärker. Weil er weiß, welche destruktive Kraft in ihm wohnt, lässt er es sich nicht gefallen, wie ein Bürger zweiter Klasse behandelt zu werden. Denn genau das würde sicherstellen, dass das Monster ausbricht. Er verlangt also Respekt und wenn ihm dieser nicht gegeben wird, zeigt er die Zähne. Er erforscht seinen Schatten, um zu wissen, in welcher Form er zum Vorschein kommt.

Deshalb respektiert er auch andere Völker und versucht nicht ihnen seinen Willen aufzuzwingen. Er weiß aber auch, dass er nicht der einzige Werwolf im Dorf ist. Es wäre sinnlos die Bosheit von der Welt verbannen zu wollen, indem man sich umbringt. Er weiß, dass ein Tag kommen kann, an dem ein kontrolliertes Monster die einzige Hoffnung gegen ein Ungeheuer ist. Er erkennt, dass auch, wenn es besser wäre, wenn alle Deutschen ihre Waffen niedergelegt hätten, derselbe Kampfgeist die Soldaten auf der anderen Seite motiviert hat, den Faschismus zu zerstören.

Für die Existenz der Deutschen

Aus dieser Tatsache kann der Deutsche die Berechtigung, als Volk weiterhin zu existieren, begründen. Die mörderischen und völkervernichtenden Tendenzen sind nicht auf die Deutschen beschränkt. Ganz im Gegenteil, jeder Mensch hat einen Schatten, jeder Mensch ist dazu fähig. Wenn wir Völkermord in der Zukunft verhindern wollen, dann müssen wir bereit sein mutig dagegen vorzugehen. Dieser Mut kann nur aus der eigenen Verantwortung kommen.

Wenn sich niemand für die Genozide der Vergangenheit verantwortlich fühlt, dann ist die Wiederholung sicher. Es ist also unausweichlich, dass der Deutsche mit seiner Erinnerungskultur erhalten bleibt. Migranten, die sich in Deutschland niederlassen, aber an ihrer ursprünglichen Identität festhalten, können und werden diese Last nicht mittragen. Wer also mit der Nazikeule argumentiert und die Umvolkung Deutschlands weiter vorantreibt, kann mit derselben Nazikeule geschlagen werden.

Es ist häufig in der Jungianischen Psychologie, dass man Denkanstöße in Geschichten sucht, denn diese sind ein Weg zu der Weisheit des Unbewussten. Ich habe so eine Geschichte, sie steht in der Bibel. Als Moses gesehen hat, dass das Volk Götzen anbetete, hat er sie stark kritisiert. Aber er betete zu Gott, er solle das Volk schonen und stattdessen ihn bestrafen (auch wenn er unschuldig war).

Dasselbe Motiv spiegelt sich bei Jesus wieder, es kann so zusammengefasst werden: „Die Opferung des Helden befreit das Volk von Sünde.“ Behält man im Auge, dass die westliche Gesellschaft jedes Individuum zum Helden erklärt hat, kann man zu unserer Situation Folgendes sagen: „Wenn der Deutsche Verantwortung für seinen inneren Nazi übernimmt, ist das Volk von Schuld befreit.“

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11 Kommentare zu “Hat das deutsche Volk ein Existenzrecht?

  1. Die alliierte psychologische Kriegführung propagierte während des Krieges, allein die Deutschen seien schuld an Krieg und Verbrechen, und zwar alle Deutschen. Alliierte Politiker von Churchill und Roosevelt bis zu Stalin verbreiteten diese These, teils sicherlich aus Überzeugung, teil aber auch, um dadurch die eigenen Völker zum Kampf gegen die Deutschen aufzustacheln. Mit der deutschen Kollektivschuld wurde dann nach der Kapitulation der Wehrmacht die weitgehend völkerrechtswidrigen Maßnahmen gegen Deutschland und die Deutschen gerechtfertigt – von der Zwangsarbeit, zu der deutsche Zivilisten und Kriegsgefangene in Siegerländer geschickt wurden, über die Annektierung deutschen Bodens, die Vertreibungen, den Raub deutscher Patente, die Demontagen, den Raub von Kulturgütern, bis zu den gewollten Hungersnöten in Deutschland und den Lagern deutscher Kriegsgefangener. So wurde die angebliche deutsche Kollektivschuld die Basis für die alliierte Besatzungspolitik in den ersten Jahren nach der deutschen Niederlage.

    Von deutscher Seite war zunächst das Echo darauf verhalten. Zwar wies der sozialdemokratische Politiker Kurt Schumacher ebenso wie der Kardinal Graf Galen die Behauptung der deutschen Kollektivschuld scharf zurück, doch schlich sich die alliierte Propagandabehauptung dennoch in die öffentliche Debatte ein, so etwa wenn der erste Bundespräsident Heuss zwar den Begriff der Kollektivschuld zurückwies, ihn aber ersetzte durch die Kollektivscham, die in der Praxis ebenso instrumentalisiert wurde wie die Kollektivschuld. Unvergessen bleiben sollte auch das sogenannte »Stuttgarter Schuldbekenntnis«, in dem – nicht ohne Mitwirkung des britischen Geheimdienstes – elf führende Persönlichkeiten der Bekennenden Kirche ohne Legitimation die Alleinschuld des deutschen Volkes am Zweiten Weltkrieg aussprachen. (Der damalige Papst Pius X. hingegen stellte eine deutsche Kollektivschuld entschieden in Abrede.)

    Das deutsche Volk hingegen war in jenen ersten Nachkriegsjahren voll und ganz damit beschäftigt, das Land wieder aufzubauen. Außerdem gab es noch genügend viele Frauen und Männer, die die Legenden, mit denen die Kollektivschuldthese begründet wurde, widerlegen konnten.

    Ende der 60er Jahre allerdings bemächtigte sich die »68er-Generation«, Jugendliche ohne eigene Erfahrungen der Kriegs- und Notzeit, ohne ausreichendes Verständnis für ihre Elterngeneration, wohl aber vielfach mit Anzeichen von Wohlstandsverwahrlosung, der Kollektivschuldthese. Aber auch Leute, die es hätten besser wissen müssen, wie die Bundespräsidenten v. Weizsäcker und Herzog, übernahmen die Vokabel, damit aus dem Kreis der von ihnen Beschuldigten austretend und sich auf die Seite der Sieger schlagend. Und auch die Evangelische Kirche setzte ihre Kollektivschuld-Propaganda fort mit ihrer »Ostdenkschrift«, in der sie die Vertreibung der Ostdeutschen rechtfertigte, unter anderem mit der bemerkenswerten Begründung, die Polen brauchten »Lebensraum«. Die 68er entdeckten als weltanschauliche Grundlage den Marxismus-Leninismus als Waffe gegen das eigene Volk, und so gingen, wie Nawratil überzeugend nachweist, Linksextremismus und Antigermanismus eine »quasi natürliche Symbiose« ein.

    Deutschland war und ist das einzige Land, das mit der Übernahme von Schuld seine Vergangenheit zu »bewältigen« versucht, wofür Nawratil eindrucksvolle Beispiele aufführt.

    Inzwischen haben die Vertreter jener Schuld- und Sühne-Generation erfolgreich den Weg durch die Institutionen angetreten. Nun werden sie vom Ausland handfest aufgefordert, die deutsche »Schuld« permanent wieder gutzumachen, wozu beispielsweise auch gehört, daß ausländische »Freunde« mit Erfolg fordern können, deutsche Soldaten hätten in allen Winkeln der Welt alle möglichen Interessen zu vertreten, die keineswegs die deutschen sind.

    In Nawratils Buch »Der Kult mit der Schuld« liest man absurde bis skurrile Beispiele für Schuldbekenntnisse deutscher Politiker, so etwa Joschka Fischers Ansicht, Deutschland trage Schuld an der Sklaverei, woraus sich (natürlich) finanzielle Forderungen aus Afrika ergaben. So werden Schuldkomplex, Selbsthaß und moralische Desorientierung miteinander verzahnt.

    Bemerkenswert, und auch das stellt Nawratil überzeugend dar, ist die Tatsache, daß niemand daran denkt, die Verbrechen des Kommunismus »aufzuarbeiten«, obwohl sie, gemessen an der Zahl der Opfer, die deutschen oder nationalsozialistischen Verbrechen bei weitem übertreffen. Aber weder die Russen als Trägervolk des Kommunismus noch die Länder, die unter dem Kommunismus gelitten haben, sehen eine Notwendigkeit, den Kommunismus daraufhin zu untersuchen, ob und wie weit sie schuldig sind für die Greuel des 20. Jahrhunderts.

    Mit einer sachlichen Aufarbeitung der Vergangenheit hat die These von der deutschen Kollektivschuld nichts zu tun. Selektiv nur werden Verbrechen der Vergangenheit wahrgenommen und zu Propagandathesen verarbeitet. »Massenverbrechen werden in der Öffentlichkeit entweder hochgespielt oder vertuscht, je nach politischem Nutzen«, so lesen wir. Und: »Wo das Totschweigen (von Sieger-Verbrechen) nicht weiterhilft, versucht man, die Verbrechen durch deutsche Kollektivschuld oder ähnliche Argumentationsketten zu rechtfertigen. Auf diese Weise aber entstehen Erfolgsmodelle für künftige Massenverbrechen.« Ein schlagender Beweis für die Richtigkeit dieser Auffassung waren die »ethnischen Säuberungen« in Jugoslawien, die die dortigen Machthaber glaubten vornehmen zu können, da die ethnischen Säuberungen« Ostdeutschlands auch nicht geahndet worden waren. Können aber die Verbrechen an Deutschen nicht mehr unterdrückt werden, dann rechtfertigt man sie, indem man versucht, sie aufzurechnen.

    Welche absurden Folgen der so herangezüchtete deutsche Schuldkomplex hat, hat Günter Maschke, aufgelistet, den Nawratil in seinem Buche zitiert: »Die BRD kann die Ausländerfrage nicht lösen – wegen Hitler! … Sie fürchtet den Vorwurf des Antiamerikanismus – wegen Hitler! Und den des Antikommunismus – wegen Hitler! Sie versagt sich die Rechte, die jeder Nation zustehen – wegen Hitler!« Und Maschke fragt: »Wie lange noch die Regierung Hitler?« Nawratil antwortet sarkastisch: »Bis zum Jahre 2933. Dann vielleicht erweist sich das Dritte Reich dennoch als tausendjährig – 12 Jahre Diktatur, 988 Jahre Bewältigung.«

    Lesetipp: Charakterwäsche, Caspar von Schrenck – Notzing

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  2. Zu Jung:

    Nach Kriegsende war er es, der auf der absoluten Kollektivschuld aller deutschen Volksangehörigen insistierte. Nur durch die Begegnung mit den eigenen seelischen Abgründen, dem »Schatten«, sei eine Genesung denkbar – das könnte aber noch 100 Jahre dauern. Deutsche Bürger, die behaupteten, sie wußten von nichts, in Buchenwald mit Schrumpfköpfen und anderen Horror-Exponaten zu konfrontieren, fand Jung genau richtig. Als Deutsche müßten sich ausnahmslos alle, sogar die Widerstandskämpfer, mit ihrem kollektiven Unbewußten auseinandersetzen und ihre Schuld eingestehen (»The Post-War Psychic Problems of the Germans«, in: C.G. Jung Speaking). Heute wissen wir, daß die in Buchenwald ausgestellten Lampenschirme aus Menschenhaut schon damals eine Fiktion waren, daß Greuelpropaganda fester Bestandteil der britischen Kriegsführung ist und daß Jung von 1941 bis 1945 als »Agent 488« für die amerikanische Office of Strategic Services (OSS), den Vorläufer der CIA, arbeitete (Deirdre Bair: C.G. Jung. Eine Biographie). Seine Äußerungen über die Deutschen sind also mit Vorsicht zu genießen.

  3. Gerold Althaus

    Lieber Gustav

    Mit solche Art von Antwort habe ich schon gerechnet. Ich bestreite keinen von Ihren Punkten, ich würde mich freuen, wenn die Geschichte so in der Öffentlichkeit diskutiert werden könnte (das wäre das deutsche Selbst, wovon ich gesprochen habe). Es ist aber nicht so, das will ich adressieren.

    Du hast recht: »Mit einer sachlichen Aufarbeitung der Vergangenheit hat die These von der deutschen Kollektivschuld nichts zu tun.« Ich will aber keine sachliche Aufarbeitung der Vergangenheit, viel mehr eine gestliche. Ich spreche nicht über historische Tatsachen hier, sondern über den aktuellen Zustand des deutschen Geistes. Man kann ruhig der Meinung sei, es gab eine Propaganda-Waffe. Ich bin sogar sicher, dass es eine gab. Aber der Schuss hat getroffen, es gibt eine Wunde. Die Frage ist, wie kann diese Wunde geheilt werden? Sei 70 Jahren kämpft man in dieser Front des »Historizismus«, da ist meine Meinung nach nicht viel gelungen. Was ich hier versuche, ist eine andere Ansatz vorzustellen.

    Gleichzeitig, bin ich nicht ganz sicher, das sei nur ein deutsches Phänomen. Die Weltkriege (Atom bombe inklusive) haben das Selbstvertrauen des Westens zerstört. Das ist in Frankreich geschehen, das ist auch in der USA geschehen. Es könnte sei, ich irre mich. Es könnte sei, das haben erst die 68er getan oder es sei kommunistische Propaganda. Aber das bringt mich zurück zum ersten Punkt. Egal wie einseitig die Narrative ist, als metapolitischer Akteur muss ich mit dem historischen Verständnis arbeiten, das in der Bevölkerung zu finden sind.

    Erst wenn die Ereignisse nicht mehr politische relevant sind, werden Historiker ihre Arbeit machen können. Das ist aber für mich zu spät.

  4. Carlos Wefers Verástegui

    Ich finde Gustavs Kommentare zu diesem Artikel sehr opportun.

    Was mich ein wenig verwirrt an diesem Artikel, ist der enorme geistige Aufwand, der betrieben wird, die ungeheure Gelehrsamkeit, die dahinter steckt, nur um zu argumentieren, dass die Deutschen als Volk schon ein Recht auf ihr Sosein – Monstren und Schatten mit inbegriffen – und Dasein haben sollten. Kein Volk hat ein Recht auf sein Da- und Sosein wenn es nicht bereit ist, dafür zu kämpfen. Solche »Rechte« sind Hirngespinnste.

    Psychologie: Die Methoden und Begriffe der Individualpsychologie sind nur bedingt auf die kollektive Psyche, Massenseele, Volkseele, oder wie man das auch immer nennen mag, anwendbar. Allein schon vom Organischen her ist ein Individuum viel integrierter als ein soziales Gebilde. Die Selbsterfahrung ist beim Individuum viel direkter und spielt auch eine viel grössere Rolle, gerade in unseren materialistisch-individualististischen Gesellschaften. Alles, was Volk, Gemeinschaft, Gesellschaft usf. betrifft, unterliegt dem Verdacht des Narrativs. Deswegen spricht man ja heute so gern von »Identität«.

    »Der heutige Zustand der BRD kann nicht auf Gehirnwäsche zurückgeführt werden. Das wäre eine gewaltige Überschätzung der Fähigkeit der Regierung die Meinung von Individuen zu kontrollieren. Im Ostblock hat die Regierung jahrzehntelang massive Indoktrinierung betrieben.« – das ist natürlich ein Fehlschluss. Sanfte Formen der Indoktrination und der Konditionierung sind immer erfolgversprechender gewesen als die »harte Tour« der Folter und Gehirnwäsche. Die Methoden sind je erfolreicher, je subtiler sie sind, und je mehr das Individuum der Suggestion unterliegt, das alles selbst gewollt, gewusst und gemacht zu haben. »Gehirnwäsche« ist dafür nicht das richtige Wort. Die Wirtschafts- und Arbeitspsychologie und die Psychotechnik (Massenbeeinflussung) wurden in den USA schon ab den 1920ern angewandt, auch die deutschen Beiträge dazu (Walther Moede, Kurt Lewin u.a.) sind nicht zu unterschätzen gewesen. Von »Kapitalismus« – Bedürfniserzeugung, Sehnsuchterzeugung, gewolltes Suchtpotential der »neuen Technologien«, z.B. Smartphone und Videospiele, virtuelle Realität usw. – ganz zu schweigen. Also, Kollektivmanipulation, -suggesion und -indoktrination im grossen Rahmen ist nicht zu leugnen, sie ist konstitutiv für Erlebniswirklichkeit und Selbsterfahrung von Millionen von Menschen.

    »Erst wenn die Ereignisse nicht mehr politische relevant sind, werden Historiker ihre Arbeit machen können. Das ist aber für mich zu spät« – ja bitteschön, wann hört ein »Ereignis« auf, »politisch relevant« zu sein? Wenn die Leute keinen wesentlichen Bezug mehr zu ihm haben oder es ganz einfach vergessen haben.

    Ich kenne Altgeschichtler, die haben Probleme mit Plato, weil der ja ein Antidemokrat war und Herrenmenschen züchten wollte. Und Oktavian, der Bösewicht. Das ist doch alles der Willkür unterworfen! Die Historiker müssen ihre Arbeit machen, gerade wenn die Dinge noch brisant sind. Heutzutage in der Demokratie drehen alle irgenwie am Rad, deswegen kann heute dem Cromagnon- oder Aurignacien-Menschen vorgeworfen werden, er habe den armen Neanderthaler ausgerottet, oder aber heutige Europäer behaupten, mehr Europäer zu sein als andere, weil sie ja noch Neanderthaler-DNA in ihren Mytochondrien haben!

    Das Argument, die Historiker dürfen sich erst an die Obduktion der Geschichte wagen, nachdem alles erkaltet ist, verkennt das Wesen des menschlichen Geistes und der Geschichte. Wie Hegel und, an ihn schliessend, Croce gesagt hat, ist alle Geschichte GEGENWÄRTIGE GESCHICHTE, nämlich GEGENWÄRTIGER GEIST. (Hat auf Carl Schmitt übrigens einen grossen Eindruck gemacht.)

  5. Gerold Althaus

    Lieber Carlos

    Vielen Dank für Ihren Beitrag. Sie haben gute Punkten, die ich jedoch entscheidende zurückweisen muss. Es ist mir klar, dass wir an sehr unterschiedliche philosophischen Prinzipien glauben.

    Leider wird die Existenz der Deutschen nicht überall anerkennt, was mich zum Argumentieren zwingt. Wenn Sie schon von der Thesis überzeugt sind, kann die Diskussion langweilig und unnötig scheinen. Ich mache jedoch auch mehr, ich stelle Bedingungen zu diesem Recht und ich mache mir ein Bild, wie eine selbstbewusste deutsche Identität aussehen soll.

    Rechts sind auch kein Hirngespinste oder wenigstens ein sehr wichtige Hirngespinste. Wie viele Leute sind dafür bereit für ihr Wahlrecht zu Kämpfen? Wahrscheinlich wenige, trotzdem haben sie dieses Recht. Es wird ihnen gegeben, weil Leute sich überzeugt haben das sei wichtig. Für Rechten zu argumentieren, ist keine sinnlose Aufgabe, außer wenn Sie zurück zur Herrschaft das Schwert gehen wollen. Ich würde es nicht empfehlen.

    Inwiefern eine kollektive Psyche gibt, ist eine offene Frage, die ich nicht beantworten vermag. Sie haben es richtig erkannt, es hängt von einer nicht materialistischen Weltsicht. Ich bin aber kein Materialist, für mich sind Narrative genauso wichtig wie die unterliegende Materie.

    Nur weil Menschen versucht haben die Massen zu beeinflussen, heißt es nicht, dass sie es geschafft haben. Das unvorhersehbare Verhalten der Weltpolitik (Brexit, Trump, Kurz, Italien) sind mir eher ein Beweis für die Gegenposition. Ich finde auch kaum zu glauben, das irgendjemand die technologische und wirtschaftliche Entwicklung kontrollieren kann. Es ist eher das Wechselspiel von verschiedene Kräfte (die ich auch Geister nennen könnte).

    Ich habe auch nie gesagt, der Historiker SOLLTE seine Arbeit nicht tun, auf jedem Fall sollte er. Aber er wird das nicht tun können, ohne es vorher zu entpolitisieren. Es wird dagegen immer der Historiker hochgehoben, der die politisch »richtige« Interpretierung hat und nicht die historisch richtige. Ich könnte mich irren, aber ich glaube, Hegel und Croce stimmen eher mir zu. Geschichte ist gegenwärtiger Geist, das heißt die gegenwärtige Politik entscheidet, wie die Geschichte dargelegt wird. Wenn der gegenwärtige Geist auf der Schuld der Deutschen beharrt, so beharrt auch die Geschichte, egal was Revisionisten zu sagen haben.

  6. Carlos Wefers Verástegui

    @ Lieber Gerold,

    Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort!

    Einmal wäre eine Sprachklärung vonnöten, die ich aber hier – aus Platzgründen – nicht liefern kann. Ich halte nicht viel davon, »Volkstum« durch IDENTITÄT zu ersetzen. Das ist eine unnötige Neutralisierung. Wissenschaftlich ist VOLKSTUM vollkommen in Ordnung, siehe dazu die Publikation von Emerich Francis, Ethnos und Demos.

    Eine Da- und Sosein eines Volkes, oder, wenn Sie´s lieber haben, eines »ethnischen Gebildes«, muss nicht anerkannt, ja, nicht einmal von den Dazugehörigen erkannt werden (Stichwort »Bewusstsein« bzw. SELBSTBEWUSSTSEIN). Das Subjektive Kriterium fügt nur sich selbst hinzu, bereichert einen bereits bestehenden objektiven Tatbestand. Ein deutsches Volk z.B. gab es längst, als Fichte in seinen »Reden an die deutsche Nation« das deutsche Wesen definierte und den Deutschen ihr Deutschtum predigte.

    Bezüglich »Rechte« usw.: für RECHTE zu argumentieren und nicht zu kämpfen – ein Recht, welches nicht ständig erkämpft, verteidigt und eingefordert wird, ist eine hohle Phrase – ist die sinnloseste Aufgabe, die man sich überhaupt vorstellen kann. Ausser natürlich man ist Liberaler und hat ein Faible für diesen Quatsch- und Tratschladen, der auch noch so heisst, nur auf französisch: PARLAMENT.

    Hinter jeder Form der Herrschaft, und dazu gehört die politische Ordnung genauso wie die soziale, steht grundsätzlich das Schwert. Max Weber hat das zwar nicht entdeckt, aber in der gehörigen Form beigebracht. Und ab und an muss die Frage, wer das Schwert in der Hand hält und über Ordnung, Bestand und Wesen eines Gemeinwesens entscheidet, neu aufgerollt werden. Nicht bloss »im Diskurs«, als »Narrativ«.

    »Narrative« gehören zu einer materialistischen Struktur, man nennt´s auch »Ideologie«. Unsere kulturelle, soziale und politische Realität gründet auf Ideologien, sie ist vollständig ideologisch gemodelt und durchwirkt. In diesem Sinne haben Sie natürlich Recht, dass die Massen nicht beeinflusst sind. Der Fisch, der im vergifteten Weiher lebt, gezeugt wurde und gross geworden ist, kann kaum noch mehr vergiftet werden. Es ist »natürlich«, d.h. GEGEBEN für ihn, im vergifteten Milieu zu existieren.

    Sie haben mich MISSVERSTANDEN. Keine Person übt eine reale Kontrolle auf die Technostruktur, den technisch-technologischen zivilisatorischen Bau unserer Kultur und Gesellschaft aus. Diese Struktur ist selbst verdinglicht und lässt die »Puppen« – also uns – für sich tanzen. Die Puppen meinten, sie tanzten aus eigenem Antrieb. Die Menschen glauben, sie denken, handeln und sind so, weil Natur und Freiheit sie zu dem gemacht haben, was sie sind. Krasser Irrtum! Die Leute haben verdinglichte Schemata im Kopf, schon vor der technologischen Revolution, und nun, nach dieser »Revolution«, sind die Menschen mental fest eingebaut in diesen »Daseinsapparat«. Das bestreiten Sie mir mal.

    »Entpolitisieren« ist ein böses Wort, das ist wie »Entschärfen«, »Neutralisieren«. Das ist wirklich ein Wahn, dass man Dinge, Menschen, Fakten, Symbole, Daten – was nicht alles! – auf unbestimmte Zeit ENTPOLITISIEREN könnte!

    »Geschichte ist gegenwärtiger Geist, das heißt die gegenwärtige Politik entscheidet, wie die Geschichte dargelegt wird. Wenn der gegenwärtige Geist auf der Schuld der Deutschen beharrt, so beharrt auch die Geschichte, egal was Revisionisten zu sagen haben.« – Das ist so falsch verstanden. Der Zugang zur Geschichte läuft über die Wirksamkeit des Vergangenen im Gegenwärtigen, das heisst: es ist Re-Flexion des Vergangenen im GegenwÄrtigen und umgekehrt. Wenn die Geschichte des Peloponesischen Krieges uns noch etwas bedeuten soll, uns noch etwas »zu sagen« hat, muss irgendetwas von ihr immer noch wirksam sein. Sie ist Bestandteil GEGENWÄRTIGEN GEISTES.

    Was die Historiker aufgrund politischer Anleitung oder eigener politischer Überzeugung urteilen mögen, hat direkt mit dem gegenwärtigen Geist nicht viel zu tun. Die meiste sind sowieso nur »Puppen« im obigen Sinn. Eine »Schuldfrage« ist eine moralische Frage, die der Historiker nur richtig behandeln kann, wenn er auch ein guter Philosoph ist. Und, wer ist das heute schon?

  7. Gerold Althaus

    Dank für das erneute Kommentieren.

    Es freut mich so gut gedachte Argumente zu lesen. Ich habe mich kurz überlegt, ob ich antworten sollte. Ich glaube nicht, dass es viel mehr in diesem Thema zu sagen gibt. Auch werde ich nicht versuchen, gegen Ihre Weltsicht zu argumentieren. Aber ein paar Punkte verdienen noch Bemerkungen.

    Ich unterscheide zwischen Ideologie und Narrativ. Eine Ideologie ist ein Konstrukt des Bewusstseins. Eine Narrativ ist im Teil bewusst und im Teil unbewusst. Lass mich erläutern: Wenn man eine Geschichte schreibt, es ist nicht klar, ob man die Geschichte bildet oder entdeckt. Viele Autoren sagen, dass was sie schreiben nicht vollständig unter ihrer Kontrolle ist. Die Geschichte ändert sich wahrend des Schreibens, sodass was am Ende da ist, wesentlich anders ist, als was am Anfang gedacht würde. Dafür gibt sogar ein Wort: Muse. Dagegen zu arbeiten, d.h. eine Geschichte zu schreiben, um eine feste stehende Botschaft zu übermitteln, ist was Propagandisten machen. Also eine Ideologie steht zu Narrativ, genau wie Propaganda zu Kunst steht. Das ist meine Meinung nach ein wichtiger Unterschied und hat praktische Auswirkungen.

    Wenn Sie sagen, dass keiner das System kontrolliert, sondern es uns alle kontrolliert, gebe ich Ihnen recht. Das System ist so wie ein Geist, der sich durch unseres Unbewusstsein bewegt. Deshalb sind wir so blind gegenüber diese Kontrolle. Wäre die Kontrolle bewusst, das heißt durch Ideologie und Propaganda, wäre es der Masse auch bewusst, sowie den Bürgern vom Ostblock bewusst war, dass sie unter einer Diktatur lebten. Wir dagegen leben nicht unter Propaganda, sondern unter eine Narrative. Um effektiv gegen diesen Geist / diese Narrative zu kämpfen, ist eine Analyse des Unbewusstseins unentbehrlich. Aber sehr wenige wollen das tun, denn über das Unbewusstsein hat man nur bedingt Kontrolle. Es zwingt uns Realitäten zu anerkennen, die wir nicht anerkennen wollen. Das ist großteils von dem, was ich hier zu Übermittel versuche.

    Sie verstehen Entpolitisierung viel zu hart. Die Gegenwart besteht nicht nur als gegenwärtige Politik. Die Geschichte des Peloponesischen Krieges kann sehr wohl »was zu sagen« haben, ohne politisch zu sein. Gleichfalls kann die Geschichte des 20. Jahrhunderts uns sehr viel über die Psychologie von Massenmördern liefern. Aber wegen der Politisierung und der Suche nach »Schuldigen« erreicht das selten die breite Gesellschaft. Es gibt keine »Re-Flexion des Vergangenen im Gegenwärtigen und umgekehrt«, weil alle daran fixiert sind, wem das nützen könnte.

  8. Carlos Wefers Verástegui

    Ich freue mich, dass Sie meine Argumente bedacht haben.

    Wir beide verstehen unter »Politik« höchst unterschiedliche Dinge. Tatsächlich gehöre ich zu den Menschen, die William James mit dem Wort »tough mindet« belegt, wobei seine Sympathien natürlich bei den »tender mindet« liegen.

  9. Hans Keifer

    Gustav schreibt:
    »die Verbrechen des Kommunismus […] obwohl sie, gemessen an der Zahl der Opfer, die deutschen oder nationalsozialistischen Verbrechen bei weitem übertreffen.«
    Auf diese Aussage kann man nur kommen, wenn man die Existenz der Gaskammern leugnet. Da erübrigt sich jeder weitere Kommentar. Oder können Sie eine Grobkalkulation nachliefern die das belegt?

  10. Gerold Althaus

    Lieber Hans Keifer

    Ich glaube Sie sind inkorrekt. Die Anzahl der Toten in die chineische Kulturrevolussion wird in 100 Millionen geschätzt. Sie können streiten, in wie fern diese 100 Millionen zählen können, aber Gustavs Position braucht keine Leugnung des Holocausts.

  11. michel o. neland

    ,,Statt ein Reich des Friedens zu bringen, haben die Deutschen die Nachbarvölker erniedrigt und brutal ermordet. Auf die deutschen Städte brachten sie Chaos und Feuer.«

    Das ist die Version der Siegermächte.
    Wer das heute noch glaubt, kennt nicht die Literatur, die die Entwicklung der beiden Weltkriege untersucht hat und nachweisen kann, dass Deutschland aus dem anglo-khasarischen interessengeleiteten Großbritannien in die verderblichen Weltkriege gezogen wurde, was natürlich nichts an dem generierten Schuldkomplex vieler Deutscher ändert und deshalb nun wieder einmal eine reiche Ernte deutscher volkswirtschaftlicher Leistungen von anderen eingefahren wird.

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