Gesichtet

Klagepsalm

Inmitten blut’ger Willkür wilder Heiden
Entstand der Ordnung, des Gesetzes Glaube.
Der Mann erhielt der hehren Scheidung Zeichen,
Dem König zum Gedächtnis eine Haube.

Das Weib jedoch, kraft der Bescheidenheit,
Die ihm zu eigen, blieb davon befreit,
Um zu bedenken den Gemahl mit Dämpfung,
Wenn er, in Höhen schwebend, durft’ der Erdung. —

Dem Glauben abgewandt längst sind wir heute,
Der Fäule der Beliebigkeit die Beute;
Und zwecklos zu verleugnen sucht der Mann,
Dass er zu alter Höh’ nicht langen kann.

An seiner Statt streckt sie geballte Fäuste,
Die Frau, die sich nicht Weib mehr heißen lässt,
Und lauert schon darauf, so streitbar, lüstern,
Dass eure neue Rolle ihr vergesst.

Ich lieb’ nicht heft’ge Furien ohne Ruh’,
Rabiate Setzerinnen saurer Hiebe.
Nur die leicht spött’sche Grazie flößt mir Liebe,
Nur die so süße Frucht des Glücks. Nur Du.

Widmung: Dem erreichten Cultur-Ideal zugeeignet.


3 Kommentare zu “Klagepsalm

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Datenschutzinfo