Gesichtet

Klagepsalm

Inmitten blut’ger Willkür wilder Heiden
Entstand der Ordnung, des Gesetzes Glaube.
Der Mann erhielt der hehren Scheidung Zeichen,
Dem König zum Gedächtnis eine Haube.

Das Weib jedoch, kraft der Bescheidenheit,
Die ihm zu eigen, blieb davon befreit,
Um zu bedenken den Gemahl mit Dämpfung,
Wenn er, in Höhen schwebend, durft’ der Erdung. —

Dem Glauben abgewandt längst sind wir heute,
Der Fäule der Beliebigkeit die Beute;
Und zwecklos zu verleugnen sucht der Mann,
Dass er zu alter Höh’ nicht langen kann.

An seiner Statt streckt sie geballte Fäuste,
Die Frau, die sich nicht Weib mehr heißen lässt,
Und lauert schon darauf, so streitbar, lüstern,
Dass eure neue Rolle ihr vergesst.

Ich lieb’ nicht heft’ge Furien ohne Ruh’,
Rabiate Setzerinnen saurer Hiebe.
Nur die leicht spött’sche Grazie flößt mir Liebe,
Nur die so süße Frucht des Glücks. Nur Du.

Widmung: Dem erreichten Cultur-Ideal zugeeignet.


3 Kommentare zu “Klagepsalm

  1. Carlos Wefers Verástegui

    Das ist ein schönes, sinniges Gedicht.

  2. Kierkegaard

    Der Glaube lehrt ja den ledigen Stand. Es sei denn, man hängt nicht Christus sondern dem Kirchentum an.

  3. Nun mit Kierkegaard streitender christlicher Reaktionär

    Der Glaube lehrt ja den ledigen Stand, es sei denn, man hängt nicht Christus an, sondern dem Kirchentum.

    Siehe Augustinus‹ De bono viduitatis und De bono coniugali.

    Verkürzt Gomez Davila zitierend: Genf hatte 1560 12.000 Einwohner. Was zeigt, daß die modernen Menschenmassen nicht nur problematisch sind, sondern überflüssig.

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