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Ist Islamkritik erlaubt? – Eine neue Debatte

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat in dieser Woche nun bereits zwei Artikel auf der Titelseite des Feuilletons abgedruckt, die Stellung für eine Islamkritik beziehen. Auslöser der neuen Welle war ein Essay von Birgit Rommelspacher in der Tageszeitung:

Immer häufiger machen Feministinnen mit Rechten gemeinsame Sache. So kämpfte Julia Onken, eine der bekanntesten Feministinnen der Schweiz, gemeinsam mit der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei erfolgreich für das Minarettverbot. Alice Schwarzer zeigt viel Verständnis dafür, drückt sich in dieser Abstimmung doch ihrer Meinung nach das ganze Unbehagen an einem emanzipations- und demokratiefeindlichen Islam aus. […] Ja, es ist eine gute Sache, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen. Das Problem beginnt dann, wenn die Unterdrückung von Frauen untrennbar mit einer bestimmten Kultur, wahlweise auch einer bestimmten Religion oder Tradition verknüpft wird. Patriarchat und Kultur beziehungsweise Religion oder Tradition sind dann nicht mehr jeweils eigenständige Größen, die in Wechselwirkung miteinander treten, sondern miteinander verschmelzen, sodass man schließlich die ganze Kultur beziehungsweise Religion infrage stellen muss, will man sich für Frauenrechte einsetzen. Nach dieser Logik müsste man auch unverzüglich das Christentum abschaffen.

In der FAZ vom Mittwoch, 20. Januar 2010, schrieb Regina Mönch eine Replik: Rommelspacher „bleibt im Ungefähren, wenn sie ihre selbstgehäkelten Gefahren zum Popanz aufbaut, holpert hurtig vom Chauvinismus zu Ostfrauen, die den Feministinnen erst gefielen, seit eine Bundeskanzlerin geworden sei.“

Am meisten aber stört Mönch, dass Rommelspacher Islamkritiker in die Nähe zum Nationalsozialismus rücke, hatte Rommelspacher doch geschrieben: „Wer jedoch zögert, die Machtanmaßungen des Kolonialismus mit Feminismus zusammen zu denken, der sollte wissen, dass auch im Nationalsozialismus Frauen ihre ‚rassische‘ Überlegenheit mit ihrem Einsatz für die Gleichstellung von Mann und Frauen begründeten.“

Die Gleichstellung von Hasspredigern und Islamkritikern wie Necla Kelek kommentiert Mönch so:

Rommelspacher haut in die gleiche Kerbe wie kürzlich die „Süddeutsche Zeitung“, nur noch gröber. Die Süddeutsche denunzierte Kelek als Hasspredigerin, die Menschenrechte so fanatisch verteidigt wie Muslime den Koran und die Scharia. Was ihnen entgegentrete, werde geächtet. Der Hass, der den Tod bringen kann, und das „Wortgefecht“, eine Freiheit, die gerade die Kritiker der Islamkritiker so ungehemmt nutzen, werden auf eine Stufe gestellt. So als wäre es gleichgültig, ob man seinen Gegner ersticht, steinigt, zerbombt oder nur Widerworte wagt. Wie durchdacht ist das denn? Oder war’s nur mal so hingeschrieben?

Den zweiten Artikel in kurzer Zeit schrieb gerade genannte Kelek:

Alle Parteien versuchen seit dem Wahlkampf im letzten Jahr, das ihnen unangenehme Thema Islam und Integration der Muslime aus der öffentlichen Debatte herauszuhalten. Unangenehm, weil kein Fortschritt in Sicht ist. Der Dialog mit den Islamverbänden ist gescheitert, weil sie unfähig zum inhaltlichen Diskurs sind. Die Islamkonferenz – so hört man – soll umstrukturiert werden, um die Erfolgserwartungen zu dämpfen. Allen Verantwortlichen ist nach drei Jahren quälender Debatte klar, mit dem organisierten Islam wird keine Integration gelingen, man wird die Verbände allenfalls befrieden. Darum macht man die Sache klein. Da erscheint es als eine göttliche Fügung, wenn aus selbstberufenem Mund religionskritische Positionen grundsätzlich in Frage gestellt werden. Das Thema Islam soll so wie die Schweinegrippe erster Klasse beerdigt werden. Die konservativen Islamverbände wird es freuen, verkünden sie doch immer, dass ihre Religion frei von Fehlern ist.

Ist das nun der Boden für eine von Grund auf neue Islamdebatte? Oder wird auch das wieder nur versanden?

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1 Kommentar zu “Ist Islamkritik erlaubt? – Eine neue Debatte

  1. Ich glaube, daß »maßgebliche Glieder dieser Gesellschaft« alles mögliche wollen aber mit Sicherheit keine Debatte.

    Es werden nur die Widersprüche benannt. Widersprüche, die bereits seit den Achtzigern offenliegen: Bisher einigte man sich *links* machtarithmetisch darauf, über »anti-emanzipatorische Bestrebungen« von Einwanderern hinwegzusehen, weil man sich an der »anti-rassistischen Front« mehr Siegpotential und Machtzuwachs versprach.

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