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Nachtrag Buchmesse: »Tatort Universität«

Wer kennt Prof. Dr. Wolf Wagner? Ich kannte ihn bislang nicht, doch das hat sich nach einem erhellenden Vortrag zum »Tatort Universität« geändert. Ein Querdenker, der die Querdenkerei an den Hochschulen befördern möchte, macht sich mächtig unbeliebt bei der Professorenschaft. Da er selbst einer ist, weiß er wovon er schreibt und spricht. Erfrischend in wüsten Zeiten.

Ein bißchen nervös erschien der 1944 geborene Professor für Sozialwissenschaften am Podium, was aber seinem Elan keinen Abbruch tat. Seine Kernthese besteht darin, dass die Unfähigkeit der Professoren an deutschen Universitäten maßgeblich zum Niedergang der Hochschulen beigetragen habe. Es sei nicht die Bolognareform an sich, sondern ihre Umsetzung durch das – in allen wesentlichen Universitätsgremien mit Mehrheiten ausgestattete – Lehrpersonal gewesen, die Chaos und Auswendiglernerei zum Alltag der »Studierenden« gemacht habe.

Weiterhin führte er aus, dass Forschung zuungunsten der universitären Lehre das Prestige des Professors bestimme, was umgekehrt werden müsse, um die Lehre, die das akademische Potential der Zukunft erzeuge, erheblich zu verbessern. Das alles klingt sehr vernünftig.

Inneren Widerspruch verspürte ich bei seiner Behauptung, dass die universitäre Lehre exaktes Denken und kreatives, verrücktes Denken wieder in Ausgleich bringen müsse, da heute lediglich das Exakte im Lehrbetrieb zähle, und damit die Kreativität abgewürgt werde. Dass verrückte Ideen, die dann exakt nachgeprüft werden müssen, für Forschungsfortschritt wichtig sind, ist nicht zu bestreiten. Dass nun aber gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften die Exaktheit ein solches Übergewicht haben soll, wo doch Hauptsache kritisch und bunt gilt, mithin die Infantilisierung des Menschseins bisweilen auf die Spitze getrieben wird, leuchtet nicht ein.

Um die Krativität zu fördern schlägt Wolf Wagner (mindestens) eine einjährige Phase der universitären Selbstbildung vor. Es sollten interdisziplinär Lehrveranstaltungen besucht werden können, um zu sehen »wie die anderen Fächer so ticken«.  Nur wenn man alle Denkweisen mal beschnuppert habe, könne man komplexere Problemstellungen einer Lösung zuführen.

Dass sein Denken auch an dieser Stelle wieder mit linken Stereotypen durchsetzt ist, fällt negativ auf: Die Schulung mithilfe der betreuten, aber eigenständigen Problemlösung soll in Kleingruppen stattfinden. Aber gleichzeitig behauptet er, die Massenuniversität müsse noch weiter in die Breite gehen und dürfe sich ja nicht elitär gebärden, weil dies vielzuviele – implizit damit uns alle – von einer besseren Zukunft abhalte.

Bewertung: 50/50

Der permanente Rückfall in typisch linke Deutungsmuster der Wirklichkeit hindert ihn daran, seine sehr rictigen Einsichten zuende zu denken. Ein streitbarer Mann auf alle Fälle.


1 Kommentar zu “Nachtrag Buchmesse: »Tatort Universität«

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