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Nils Koppruch ist tot.

Und immer haut einem dieser scheiß Tod eine rein, wenn man es am wenigsten erwartet.

Erst am Wochenende noch lief eines von Koppruchs Solo-Alben bei mir im Atelier, jetzt ist hinter seinem Namen im Netz ein † und danach das Datum von gestern.

Nils Koppruchs Schaffen war bei uns immer wieder Thema, einfach, weil er einer der bedeutendsten Gegenwartsmusiker deutscher Zunge war. »War…«, dieses Präteritum kotzt mich unheimlich an!

Ich erinnere mich an mein letztes Koppruch-Konzert vor zwei Jahren. Berlin lag damals unter einem Schönwetterhoch, die Straßen waren noch rein – noch keine Herbstblätter und noch kein Regen. Koppruch stand am Eingang des Clubs in Kreuzberg und rauchte, schaute in den Himmel. Er sah hager aus und betrachtete die Leute, denen er gleich etwas vorspielen sollte. Er ging nicht hin zu den Fans, die ihn natürlich erkannten, wollte kein Facebook-Handy-Photo machen. Er ging auf Distanz.

Koppruch nahm man ab, daß er Kunst produzierte, weil es sein mußte. Er war niemand, der den Leuten mit seinem Schaffen hinterherrobbte, schon gar nicht der Plattenindustrie. Man nahm ihm immer ab, daß er ein Stück Innenleben mit einem teilte, sei es auf einer Platte, sei es live.

In Berlin sang er damals auch dieses Lied, das einen eigenartigen Nachhall erzeugte:

Gegen alle Furcht und jede Einsicht
fordert sie den Teufel auf zu ziehen
in seinem eigenen Sumpf soll er ertrinken
so schön sang sie am Abgrund dieses Lied

Ich wünschte daß ich wüßte was sie sang
ich wünschte mir ich hätte dieses Lied
dann würd’ ich singen singen, doch ich hab nur dies


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