Gesichtet

Sorgt Corona für das Ende der Globalisierung?

Bekanntlich endete die Ära der alten Seidenstraße ab dem 15. Jahrhundert mit dem Auftreten der Pest. Infizierte Ratten hatten über Schiffe den Weg von China nach Europa gefunden. Europäischer Ausgangspunkt der Seuche, der immerhin ca. ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer fiel, soll die Hafenstadt Genua gewesen sein.

Die Geschichte scheint sich in gewisser Hinsicht zu wiederholen, denn das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 ließ ebenfalls zunächst im chinesischen Wuhan die ersten Menschen erkranken und gelangte über Norditalien nach Europa. Seither ist die Epidemie ein Thema, das die deutsche und die europäische Wirtschaft nicht loslässt.

Nach Einschätzung der staatlichen Förderbank KfW wird die Corona-Virus Epidemie die bundesdeutsche Wirtschaft in ihrer ohnehin schleppenden Entwicklung deutlich behindern. Ein spürbares Quartalswachstum sei erst wieder im Sommer 2020 zu erwarten, verkündet KfW Research und sieht einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes im laufenden Jahr von nur noch 0,8 Prozent statt wie bislang 0,9 Prozent. Das allerdings nur, wenn der Virus vorwiegend in China bleibt und die Epidemie bald abflaut.

Besonders hart wird durch die Virus-Epidemie der Mittelstand getroffen. Die drastischen Maßnahmen der Behörden und der großen Unternehmen, die eine Verbreitung der Infektionen unterbinden sollen, führen dazu, dass international tätige und exportabhängige Unternehmen in die Bredouille geraten. Viele in China tätige mittelständische Unternehmen treiben bereits auf den Bankrott zu.

Eine Pandemie als Game Changer

Insbesondere die Gesundheits- und die Autoindustrie offenbaren die Verwundbarkeit international verzahnter Lieferketten, weshalb hier im Sinne des französischen Wirtschaftsministers Bruno Le Maire in der europäischen Industriepolitik umgedacht werden muss. Le Maire, der eine bis zu 85-prozentige Abhängigkeit des europäischen Gesundheitsmarktes bei pharmazeutischen Wirkstoffen von China attestiert, sieht die Pandemie als „Game Changer“ für die Globalisierung.

Die europäische Industriepolitik hat sich deshalb zwingend neu zu orientieren, denn die Corona-Pandemie zeigt, wie zerbrechlich das globale Produktionssystem tatsächlich ist. Gabriel Felbermayr, dem Präsidenten des Instituts für Weltwirtschaft, ist beizupflichten, wenn er fordert, Wertschöpfungsketten zu verkürzen, damit diese robuster werden.

Produktionen müssen wieder nach Europa zurückverlagert werden. Die Industrie darf nicht durch die absurden planwirtschaftlichen Spiele und ökonomisch unsinnigen ökologischen Auflagen des Green Deal ins Ausland getrieben werden, denn der nächste Virus kommt bestimmt.

(Bild: Pest in Marseille)

Zum Autor: Markus Buchheit (AfD) gehört dem Europäischen Parlament an.


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