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Demokult Stuttgart 21: Bis einer heult!

Demonstrationen gegen den bösen Staat sind ja längst zu einer Eventkultur geworden. Kinder dabei als Schutzschilder zu mißbrauchen, kennt man aber sonst vor allem aus dem Nahostkonflikt. Dies zeigt aber deutlich, wie Lehrer und Eltern heute ihr Erziehungsrecht wahrnehmen.

Wer Leute anfeuert, die der Polizei »mal so zum Spaß« die Schlagstöcke abnehmen, oder polizeiliche Platzverweise missachten, muss sich nicht wundern, wenn es auf die Birne hagelt. Zugegeben Bild hat Horror-Bilder. Aber wo gehobelt wird, da fallen Späne.  Angeblich sind ja jetzt auch nationalhymnensingende Konservative mitten im »Party«volk, wie die taz ihre eigene Klientel rechtfertigt.

Witzig ist das schon: Da meckern die Schwaben immer, »desch de ganze Monede in de Oschte geflosse sin«, und jetzt, wo EU und Bund die Hauptlast tragen, weil es irgendwie um die Schienenmodernisierung geht, da wird demonstriert, obwohl das eigene Geld endlich mal zurückfließt.

Die Alternative wäre, dass die Kohle in ein Verkehrsprojekt fließt, dass auf Platz zwei der Förderprojekte rangiert. Dann ginge das Geld womöglich in ein anderes Bundesland.

Das ist doch schizophren. Die Stadt trägt gar nur 6% der Kosten. Diese Internetseite klärt auf:

Ziemlich einfältig und demagogisch ist es, Stuttgart 21 wegen der umfangreichen Maßnahmen ständig als ein ›Milliarden-Projekt‹ zu titulieren und damit als potenziellen Größenwahn zu skandalisieren. Vergleiche veranschaulichen, was solch eine Investitionssumme bedeutet: Bei 800 Milliarden Wirtschaftsleistung in der Region Stuttgart in der Bauzeit von 8 Jahren machen investierte 4,1 Milliarden nur 0,5 Prozent aus. In Berlin wurden allein für die Bauten der Bahn rund 10 Milliarden ausgegeben. Nach der Wende wurden hier über 50 Milliarden investiert – ein »Nasenwasser« seien im Vergleich dazu die Ausgaben für Stuttgart 21, meint Fred Breinersdorfer (Anzeige der Bahn in der Stuttgarter Zeitung 14. Dezember 2007, das hat sich durch die höheren neu berechneten Kosten nicht wesentlich geändert).

Nunja ich stecke da nicht vollends drin. Wenn einige unserer Leser andere Aspekte dieses Trubels hervorheben wollen, vielleicht weil sie näher dran sind, können sie sich gerne im Kommentarbereich auslassen.

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7 Kommentare zu “Demokult Stuttgart 21: Bis einer heult!

  1. Heino Bosselmann

    Sie haben grundsätzlich Recht, nur verfährt eine aufgebrachte Masse nicht rational. Die Psychologie mag im Schauspiel selbst liegen. Mehr als städtebaulicher Lokalpatriotismus regt diese Schwaben mit ihrer langen liberalen Tradition wohl auf, dass sie nicht gehört werden sollen, weil den Regierenden Legalität vor Moralität geht. Ein latenter Unmut, den es gegenwärtig überall gibt, findet hier Anlass und Ausdrucksform. Der Bahnhof selbst wird dann zu einer fixen Idee, zu einem Symbol, die Bäume im Schlosspark zum Fetisch. Bei der Boston Tea Party ging es letztendlich auch nicht um das Teetrinken. Die Menschen fühlen sich derzeit von Politik nicht vertreten, und es regt sie nur auf, das die verstockt auf ihre Legitimität verweist.

  2. “desch de ganze Monede in de Oschte geflosse sin”

    Das klingt stark nach badisch, nicht nach schwäbisch.

  3. Christoph Rothämel

    @ Klingt
    Ja, da könnten sie Recht haben. Aber sie sollten dann schon eine schwäbische Transkription der Aussage liefern.
    MfG

  4. Sabine Kadelke

    Es geht »irgendwie um die Schienenmodenisierung«? Ja, irgendwie auch, aber vor allem um Profit auf Kosten von Natur und Menschen. Wenn der Bahnhof unterirdisch ist, wird die Zentrumsfläche um 40% größer sein, den Immobilienhaien tropft der Zahn danach. Da der Flughafen dann noch besser angebunden ist, können sie nach dem Geschäft gleich ab nach Zürich … Angeblich soll Wohnraum für 11.000 Leute entstehen. Sind die bisher alle obdachlos, dass dafür solche brachialen Natureingriffe zwingend sind? Angeblich sollen Fahrzeit- und Fahrtaktverkürzungen zu einer Verlagerung von rund 350 Millionen Pkw-Kilometern pro Jahr von der Straße auf die Schiene bewirken. Wochenend- und Billigflugtickets beweisen aber, aber die Nutzung in allererster Linie vom PREIS, nicht vom Komfort abhängt – Tendenz steigend. Lieber Bäume im Schlosspark als Profit zum »Fetisch«!

  5. Nils Wegner

    Es ist schon seit langem eine Ungeheuerlichkeit, wie Kinder und Jugendliche, die teilweise nicht einmal wissen, was sie da für Schilder in die Hand gedrückt und Parolen eingebleut bekommen, für – übrigens ausschließlich linke – Demonstrationen instrumentalisiert werden.

    Wenn nun etliche Schüler im Getümmel irgendeiner Demonstration (zu der es, wie ich solche Sachen aus meiner eigenen Schulzeit kenne, bestimmt Freistunden von den Liberallalas aus dem Lehrerkollegium gab) von der Polizei auf die Mütze kriegen, ist der zivilgesellschaftliche Aufschrei natürlich groß – Wut, Scham, Trauer und Entsetzen.

    Was diese Knirpse dort eigentlich tun, anstatt in der Schule zu sitzen (wobei das in puncto zeitgeistlicher Indoktrination sicherlich auch keinen Unterschied machte), fragt niemand.

  6. Da geht’s ja heiss her zur Zeit. Die Leute haben einfach keine Lust mehr auf egoistischer Politik.

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