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Thema Praktikum: Ich sag Euch mal was

Nach dem Abitur im Jahre 2004 kam ich auf die glorreiche Idee, Journalistik zu studieren. Voraussetzung dafür war ein achtwöchiges Praktikum bei einem geeigneten Medium. So bewarb ich mich bei der Thüringer Allgemeinen Zeitung und landete im Ressort Politik/Nachrichten. Dort musste ich genau die Scheiße Dinge machen, die wir heute an der Presse so kritisieren, wie ich kürzlich bei einem Blick in die Praktikumsmappe feststellte. Meine Mutter hatte damals vorbildlicherweise alle Artikel, die mit meinem Namen versehen waren, ausgeschnitten und gesammelt.

Ich verschone Euch mit dem Inhalt und liefere bloß die Überschriften:

1. »Offener denn je«

2. »Thüringer Hilfe ist nach Litauen unterwegs«

3. »Zwei Sprachen und keine Probleme«

4. »Multikulturell im Landtag«

5. »Gedenken an Opfer der Pogromnacht«

6. »Erinnern statt vergessen«

Der einzige »Täuschi« verbirgt sich hinter »Offener denn je«, da ging es nämlich um den US-Präsidentschaftswahlkampf. Aber die Übrigen Artikel ergeben zusammengenommen eine ziemlich erschreckende Praktikumsbilanz. Entweder ist der Schrott ein üblicher Initiationsritus in die Hauptstrom-Lohnschreiberei oder die Redakteure haben selbst keinen Bock auf diese Propaganda mehr und schieben es daher nach Möglichkeit an die unerfahrenen Praktikanten ab. Ich weiß es auch nicht. Letzten Endes habe ich nun auch Journalistik nicht studiert, worüber ich nicht traurig bin.

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3 Kommentare zu “Thema Praktikum: Ich sag Euch mal was

  1. Ich weiß es auch nicht. Letzten Endes habe ich nun auch Journalistik nicht studiert, worüber ich nicht traurig bin.

    Ich finde es schade – ihr Schreibstil ist exzellent.

  2. Korrektur: Ihr

  3. »So bewarb ich mich bei der Thüringer Allgemeinen Zeitung und landete im Ressort Politik/Nachrichten.«

    Ach nee! Ne rötere Zeitung hätte man sich wohl kaum aussuchen können. Der Chef im Ressort Innenpolitik war damals noch Sergej Lochthofen, ein ganz schlimmer roter Einpeitscher und unbelehrbarer Überzeugungstäter. Wie ich gehört habe, hat man ihn mittlerweile abgesägt, – und seine Frau gleich mit dazu. HaHa. Das geschieht ihm ganz recht.

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