Gesichtet

Über die Alternative Rechte in den USA

Seit es Hillary Clinton im Verlauf ihres Wahlkampfes einfiel, ihrem Kontrahenten diese vage Etikettierung anzuhängen, passt es den Medien sehr gut in den Kram, die “Altright” zum Buhmann zu stilisieren.

Die Demokratische Kandidatin wollte Trump als einen faschistischgeneigten Störer abbilden. Dies war eine Schilderung, die die amerikanische Presse pflichtbewußt verbreitete. Clinton wechselte ihre Angriffe auf Trumps Rechtsextremismus mit einem zweiten schlagkräftigen Vorwurf ab: Sie warf ihm vor, ein schnöder Schwerenöter zu sein, der eine nach der anderen befummelte. Obwohl die Medien gegen Trump mit beiden Anschuldigungen losballerten, schien es, dass die behauptete Verbindung mit der Altright ihrem Zweck besser dient als Trumps Seitensprünge.

Altright in den Medien

Da Medienprominente ein unstillbares Bedürfnis verspüren, sich eine faschistische Bedrohung auszumalen, betonen sie Trumps angebliches Herumtreiben mit Rechtsextremisten beharrlicher als seine Liebeshändel. Selbstredend wurden beide Unterstellungen mit Zuflüstern und belohnten Zuträgern aufgestützt und nie handfest bewiesen. Bei allem Zetergeschrei bleibt die Frage „Was will die Altright?“ immer noch offen. Als Namensgeber bezeuge ich maßgeblich, wie ich schon vor einigen Wochen im Gespräch mit der Jungen Freiheit hervorhob, dass man mit „Altright“ keine einheitliche Bewegung begrifflich abgrenzt.

Es gibt eine Vielheit von Tendenzen, die nicht immer in Eintracht stehen, die mit diesem Begriff verknüpft wurden. Im Jahr 2009 in einer Ansprache an die Mitglieder des von mir gegründeten H.L. Mencken Clubs münzte ich die Wendung „Alternative Right“ auf die zerstreuten Widerständler der Altrechten, die der neokonservativen Einnahme der amerikanischen Konservativen Bewegung zum Opfer gefallen waren. Damals hoffte ich sehnlich, dass aus der zweiten Generation der Opposition eine neue, zielbewusste Rechte hervortreten würde.

Über die Schaffung einer Alternativen Rechten

Aufgrund unserer schon zerschlagenen Streitkräfte war es mir allerdings schwer vorzustellen, dass mein Wunschbild eintreten würde. Das Missverhältnis zwischen uns und unseren Widersachern mit Bezug auf Werbemittel, Zugang zu Fernsehkanälen und Vernetzung mit linken Journalisten war so frappant, dass jede Erwartung, dass wir die Gegenseite einholen dürften, meine Glaubenskraft übertraf. Überdies hat die scheinkonservative Opposition null Bock, ihr Kapital mit uns Ausgegrenzten zu teilen. Trotz alledem wollte ich meinen jüngeren Kollegen Mut zusprechen und lenkte ihren Blick auf die Formierung einer tatkräftigen Jugendbewegung hin, die als die „Alternative Right“ getauft wurde. Mit einer überwiegenden Übermacht ringend, würden die Kämpfer es erreichen, auf die amerikanische Politiklandschaft wirkmächtig einzuwirken. Im Unterschied zu einer veralteten Rechten, der ich angehörte und die von den Neokonservativen kleingekriegt worden waren, brachte ich meinen Zuhörern nahe, dass die „Alternative Right“ zum Umkehren unserer Niederlage berufen sei.

Schon lange bevor ich meine Bemerkungen vortrug, rechneten die Neokonservativen in Bausch und Bogen mit der Rechtsopposition ab. Ebenso wie Merkel und ihre CDU-Gehilfen in Deutschland kriegten die Neocons es hin, die Haupteinrichtungen der gemäßigten Rechten zu übernehmen und mit ihren Hausdienern und Helfershelfern umzubesetzen. Noch zwei mitbestimmende Umstände bewirkten, dass die Neocons über das „Conservative Establishment“ frei verfügen konnten. Wegen ihrer wohlbemittelten Spender, voran der Pressebaron Rupert Murdoch, die ihre prozionistischen Auslassungen mit Wonne begrüßten, sind sie imstande, nahezu jede Werbeschlacht gegen die „Rechten“ zu gewinnen. Auch ihren Hintergrund als Nachfahren von Ostjuden, die überwiegend in New York und dessen Umland ansässig sind, verwerteten sie mit Vorteil, um ihre altkonservativen Kritiker beliebig als „Antisemiten“ anzuprangern. Denselben Allzwecktadel wenden sie übrigens unbedenklich gegen mich, obwohl meine stockjüdische Familie den Nazis entfloh. Überflüssig zu sagen, dass sobald die Neocons ihre rechtsstehenden Gegner anbräunen, sich die linke Presse beeilt nachzulegen.

Die Rolle von Richard Spencer

Hier muss erwähnt werden, dass Richard Spencer an meinem Unternehmen beteiligt war, den Mencken Club als Sammelpunkt für „das den Neokonservativen trotzende konservative Denkertum“ aufzubauen. Wir berieten miteinander, bevor der Schritt getan wurde, unsere Neufassung des amerikanischen Konservatismus als „Alternative Right” zu enthüllen. In der Zwischenzeit, vom Aufstieg der neokonservativen Diktatur bis zu unserem Erneuerungsversuch, haben die Rechtswiderständler als „Paläokonservative“ oder „Paläofreiheitliche“ firmiert. In den 1990ern wurde es in Angriff genommen, die zwei Gruppierungen zusammenzuschmelzen. Jedoch wegen persönlicher Reibungen wurde der Grenzwall wieder angelegt, wenngleich ich mich verschiedentlich einschaltete, um die Wogen zu glätten. Das alles war letztendlich vergebliche Müh.

Nach unserer lebhaften Konferenz kürzte Richard Spencer jedenfalls den „Alternative Right“-Wortzettel zur geläufigen „Altright“-Bezeichnung. Das Neuwort wirkte sinnstiftend, um eine vorwiegend weißnationalistische Zeitströmung zu kennzeichnen. Das war die Richtung, wohin Spencer seine eigenständige Kampffront ziehen wollte. Da die meisten älteren Paläos nicht geneigt waren, seinen neuen Kurs zu unterstützen, gingen die Fraktionen getrennte Wege. Die Spaltung verhärtete sich, als es zum Bewusstsein gelangte, dass Spencer Nazi-Sympathisanten Einzug in sein Portal gewährt hatte. Im November wurde schließlich eine Rede von ihm skandalisiert, in der er „Hail Trump“ rief. Dabei liegt kein Zweifel vor, dass Spencer lediglich herumalberte. Aber alles zusammengenommen lässt sich fragen, warum hier wie Narren Ulk getrieben wurde, wo doch der politische Schaden vorauszusehen war.

Altright als Sammelbegriff für alle anti-neokonservativen Widerstandsgruppen

Spencer und seine Anhänger sind aber bei weitem nicht die einzigen, die auf den Altright-Zettel einen Anspruch haben. Der Sprachgebrauch wird von anderen rechts stehenden Gruppen ergriffen, die darauf setzen, sich von den Neokonservativen und deren alliierten Republikanischen Stimmungsmachern zu distanzieren. Die Wendung wird schon zum Sammelbegriff einer Vielfalt von antineokonservativen Widerstandsgruppen. Dazu zählen zum Beispiel die forschen Kritiker der von beiden Nationalparteien geförderten Einwanderungspolitik und die Ausleger und Multiplikatoren der soziobiologischen Forschungsarbeit, eine Thematik, die bei „konservativen“ Denkfabriken abgelehnt wird. Die weithin aufgemachten Verspotter der PC-Tugendwächter, nämlich die Belegschaft des Breitbart-Portals, tragen auch stolz vor sich das “Altright”-Schild her. Bei alledem haben diese Sinnmenschen mit den anderen Benutzern der betreffenden Machart wenig gemeinsam.

Die Bezeichnung wird so zur Bekundung jedweder antineokonservativen Opposition. Für die Linke und umso mehr die neokonservativen Mitwirker ist die Bedeutungsverdunkelung indes ein Glücksfall. Sie ermöglicht es den vorwiegend gegnerischen Medien, die ihnen gegenüberstehenden Rechten pauschal anzuschwärzen. Es wird behauptet, dass der designierte Trump-Chefberater Stephen Bannon vom gleichen Schlag ist wie die Weißnationalisten. Diesen Angriff wirksam zu kontern, stellt eine Herkulesarbeit dar, denn es hapert bei den meisten Flügeln der Altright an ausbalancierender Medienmacht. Zuallererst brauchen sie einen Fernsehkanal von großem Umfang, der denselben Einflussgrad ausübt wie das von den Neokonservativen kontrollierte Fox News. Es bleibt dahingestellt, ob der Amtsantritt von Donald Trump es zur Folge haben wird, das grelle Missverhältnis auszugleichen. Meinerseits betrachte ich die wechselnde Sachlage mit verhaltenem Optimismus.

(Bild: Prof. Paul Gottfried)

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2 Kommentare zu “Über die Alternative Rechte in den USA

  1. Jürgen Graf

    Wichtig scheint mir, dass sich die amerikanische Altright nicht von Andrew Anglin vereinnehmen lässt, dem Herausgeber der Internetzeitung »The Daily Stormer«. Diese ist insofern nützlich, als sie eine grosse Menge von Informationen liefert; andererseits ist der extrem vulgäre und beleidigende Tonfall (Neger werden als »Niggas« oder »Dindus« bezeichnet, Juden als »Kikes«, Muslime als »Kebabs« etc.) äusserst kontraproduktiv und stösst intelligente rechte Leser ebenso ab wie die Karikaturen. Die Leserkommentare sind, von seltenen Ausnahmen abgesehen, unter aller Kanone.

    Ich bin grundsätzlich ein Gegner der Abgrenzungsmanie im rechten Lager, aber von Leuten, die ständig grob provozieren und dem Feind dadurch Gratismunition liefern, sollten wir uns in der Tat abgrenzen.

  2. Lawrence Powell

    @Jürgen Graf: Der Daily Stormer ist an ein junges Publikum gerichtet. Leute bis ca. Ende dreißig, die sogenannnten Millennials. Dass da die Artikel oft provozierend und mit knallharter Ironie gespickt sind, sollte nicht verwundern. Andere Blogs wie therightstuff.biz, occidental dissent, atlantic centurion, fash the nation, sind zwar etwas gesitteter, aber die Begriffe wie Kikes, Dindus, Kebabs, etc. werden auch dort verwendet. Das ist eben die Alt-Right. Abgesehen davon haben der Daily Stormer und therightstuff.biz bei weitem mehr Klickzahlen als die intellektuellen Seiten wie American Renaissance, VDare, etc.

    PS: Die Bezeichnung Dindu finde ich absolut passend. Wenn wieder mal ein Neger von einem Polizisten »grundlos« erschossen wurde, sagen ihre Freude und Verwandten nämlich all zu gerne »He wuz a good boy, he dindu nuffin«.

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