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Wallfahrtsort Zwickau: Auf der Frühlingsstraße 26 wächst bald Gras über die Sache

Die Sonne nestelt sich durch Wolken und wärmt die Fluren, die Natur grünt und blüht. Es gibt viel zu tun, von früh bis spät. Doch auch im herrlichsten Frühling geistert die Nationalsozialistische Untergrundarmee (NSU) durch die Medien. Deren Terrorzentrale, die sich in der Zwickauer Frühlingsstraße 26 befand, ist jetzt abgerissen worden, wie die Frankfurter Rundschau ausführlich kriegsberichterstattet, obwohl das Gebäude im Jahr 1928 „von einem jüdischen Mäzen“ als Siedlerheim errichtet wurde – freilich nicht für heimliche NSU-Siedler, sondern für kinderreiche Mitarbeiter der Zwickauer Horch-Automobilwerke.

Interessant hierbei ist, daß nach dem Zweiten Weltkrieg die in Westdeutschland neu gegründete Auto-Union (Audi) Rechtsnachfolger der Horch-Gruppe wurde. Audi ist im Latein der Imperativ Singular von audire (zu Deutsch hören, zuhören) und bedeutet „Zuhören!“ oder eben „Horch!“. Anno 1969 fusionierten die damalige NSU AG und die zum Volkswagen-Konzern gehörende Auto Union GmbH mit Sitz in Ingolstadt zur Audi NSU Auto Union AG mit Sitz in Neckarsulm.

Bereits am 3. Februar diesen Jahres konnten wir berichten: „Mittlerweile ist eine weitere Zwickerzelle bei Ingolstadt aufgeflogen. Sie nennt sich Autonome deutsche Intifada (AUDI) und soll für den Tod von hunderten Menschen verantwortlich sein, vorrangig auf Autobahnen und Bundesstraßen.“ Soweit zu den politischen Zusammenhängen zwischen der Zwickauer Wohnung und den Dönerterroristen.

Doch auch die Hausnummer 26 hätte schon weitaus früher Verdacht erwecken können. So stehen die Ziffern 2 und 6 im Alphabet für „B“ und „F“, was der Geheimcode für „Blood & Fire“ ist, einer brutalen Internetorganisation. Deshalb findet es Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß „besser, wenn das Haus verschwindet, bevor es zu einem Wallfahrtsort für Menschen wird, die den Nationalsozialismus verherrlichen“. Diese wallfahrenden Verherrlicher sollen schließlich, anstatt ihre Zeit mit Herumwallfahren totzuschlagen, lieber ihrer eigentlichen Tätigkeit als echte Neonazis nachgehen: Hakenkreuze in Pobacken ritzen oder kleine Kinder in Schwimmbädern ersäufen zum Beispiel.

Eine Anwohnerin allerdings hegt Zweifel: „Der Abriss bringt gar nichts. Als ob die Rechten, bloß weil da mal eine Wiese sein wird, nicht hinkommen könnten, um Blumen abzulegen oder zu demonstrieren.“ Das werden diese Rechten auch machen: Sie wollen rote Rosenblätter streuen und auf der Wiese Purzelbäume schlagen. Das alles unter den Argusaugen der beiden ausgestopften NSU-Nazikatzen, von denen die erste (Adolf) bereits aus den Fängen des Zwickauer Tierheims befreit werden konnte.

Die Entscheidung für den Abriß sei allerdings schon sehr früh gefallen, sagt die Oberbürgermeisterin, nämlich gleich, nachdem zwei Drittel der Terrorarmee liquidiert waren, ihre Zentrale in die Luft flog und die Bekenner-DVD’s und Todeslisten weit in die Lande verstreute. Der Polizeipräsident habe ihr sogleich „Videos von einem Aufmarsch Rechter in Bautzen am 1. Mai letzten Jahres gezeigt. ‚Schwarz gekleidet, mit weißen Masken, so zogen die durch die Stadt’, sagt sie. ,Der Polizeipräsident sagte, das könnte uns hier auch drohen, denn die Rechtsterroristen hätten sich ein Denkmal setzen wollen mit dem Abbrennen des Hauses in der Frühlingsstraße.’“ So war der Abriß die einzige Lösung, denn einen halbverkohlten Wallfahrtsort könne in Zwickau niemand gebrauchen, Denkmäler habe die Stadt genug.

Der Abriß mitsamt Vertreibung der übrigen Anwohner kostet 200.000 bis 300.000 Euro. Diskutiert wird noch, ob das Abrißgut an einem geheimen Ort vergraben werden soll, so wie der Schutt des nach dem Dahinscheiden des Hitler-Stellvertreters Rudolf Hess abgerissenen Spandauer Militärgefängnis – nicht, daß die Schutthalde selbst noch zum Wallfahrtsort für braune Rattenfänger wird. Schließlich sind bereits zur Brandruine in der Frühlingsstraße 26 im November letzten Jahres unzählige Menschen gekommen, „um die Ruine zu fotografieren. Darunter viele Leute, die von ihrem Äußeren her wie Rechte aussahen.“ Also Glatze, Bomberjacke, Springerstiefel und Baseballkeule, dazu die obligatorische gefangene Ratte auf der Schulter.

Im Juni wird dort, wo das Haus stand, der Rasen grünen.“ Dann also soll endlich Gras über die Sache gewachsen sein, so hoffen die Zwickauer. Doch die braunen Nagerjager flechten schon Erinnerungskränze und üben an ihren Purzelbäumen.

Quelle: http://eulenfurz.wordpress.com/2012/04/25/wallfahrtsort/

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