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Gegenseitige Überwachung

obama-big-brotherEs kriegt uns alle! Jahrelang habe ich mich geweigert und gewehrt, aber nun ist es passiert: Ich bin bei Facebook.

Eigentlich reichte es mir zu wissen, daß diverse Dienste heimlich, still und leise für meine, ihre und unsere Sicherheit alle möglichen Daten über uns sammeln. Oder daß Google unser Internet-Nutzungs-Verhalten und unsere Vorlieben zu Geld macht. Nicht anders ist es bei Facebook. Und wir alle machen mehr oder minder freiwillig mit bei der Preisgabe unserer Daten.

Meinen Widerstand hat Felix gebrochen. Für unsere Arbeit im »Zentrum für Jugend, Identität und Kultur« müssen wir eben dort sein, wo alle sind: bei Facebook. Da half auch der Verweis (wie treffend!), daß Facebook die Welt nicht besser macht, nicht mehr weiter. Aber immerhin freuen sich nun alte Bekannte, daß ich es nun doch endlich geschafft habe, mich dort anzumelden. Und daß ich Kontakt zu bösen Autoren habe, Burschenschafter bin und die Junge Freiheit lese, wußte eh schon jeder, den es interessierte.

Ein paar Nummern größer und unfreiwilliger ist jedoch die StaSi-mäßige Datensammelwut durch die US-amerikanische NSA mit PRISM und das britische GCHQ mit TEMPORA. Es widerspricht nicht nur meinem Verständnis von Freiheit, sondern auch von Sicherheit. Ich fühle mich durch solche Aktionen, egal von welchem »demokratisch legitimiertem Geheimdienst« auch immer, nicht sicherer. Wie wollen die Staaten sich und ihre Bürger damit schützen? Es scheint, als hätten einige Volksvertreter und dessen Vertraute vor nichts mehr Angst als vor dem Volk selbst. Und wer weiß denn, wer morgen die neuen vermeintlichen Terroristen sein werden?

Es mutet schon fast putzig an, wenn der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel Ermittlungen gegen die NSA, dessen Chef Keith Alexander, oder vermeintliche Helfershelfer fordert. Ermitteln können die deutschen Behörden vielleicht, effektiv und präventiv handeln jedoch nicht.

Wer nun denkt, der alte, klassische Brief sei anonymer, liegt genau so falsch. In den Briefzentren der Post werden die Sendungen ebenso digital verarbeitet. Nach einem Bericht der New York Times wurden in den USA über 160 Milliarden (!) Briefe fotographiert und somit registriert. Ob das auch in Deutschland aus Sicherheitsgründen praktiziert wird, ist nicht bekannt. Auszuschließen ist es bei den technischen Gegebenheiten jedoch nicht.

George Orwells Roman »1984″ wird 54 Jahre nach dessen Erscheinen wieder zu einem gefragten Buch.


4 Kommentare zu “Gegenseitige Überwachung

  1. Wer sich und seinesgleichen für »böse« hält, dem ist nicht mehr zu helfen. Darin sieht man wie sehr die gegnerische Propaganda, die eigenen Hirne durchtränkt. In den USA gibt es den weit verbreiteten Beruf des Motivationstrainers, eine Spezies, die es unter Rechten nicht zu geben scheint.

  2. Alexander

    »Nach einem Bericht der New York Times wurden in den USA über 160 Milliarden (!) Briefe fotographiert und somit registriert.«
    Und das nur im letzten Jahr!
    http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M57dc6f1d6b3.0.html

  3. @Powell Diese rhetorische Figur nennt man gemeinhin Ironie.

  4. Ironie ist ein scharfes Schwert, wenn es um den politischen Gegner geht; eine Kunst die die preußischen Rechtsintellektuellen wenig bis gar nicht beherrschen, obwohl die Absurdität der Linken ständig ansteigt. Selbstironie in einer so entscheidenden Frage, wer das Böse ist -wir reden über Menschen, die ein riskantes bevölkerungspolitisches Großexperiment betreiben- halte ich für unangebracht. Unsere Widersacher sind von einer Bösartigkeit, wie sie sich ein George Orwell oder Ray Bradbury nicht besser hätte ausdenken können.

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