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Kroatien will auch Geld

Gerade erst Mitglied in der EU, muß Kroatien schon an das Geld der neuen Partner denken. Der Balkan-Staat an der Adria ist pleite.

Am 1. Juli feierte sich die politische Klasse Europas selbst: Mit Kroatien wurde der 28. Staat Mitglied im »Friedensprojekt Europa«. Und so war Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlamentes, auch nicht um große Worte verlegen: »Es ist gut, wenn eine Familie wächst, vor allem unsere Familie der Werte, die Demokratie, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit verpflichtet ist.« Daß Familienzuwachs an den Geldbeutel geht, wird man in Brüssel schneller spüren, als von den Kommissaren geplant.

Denn das auch bei Deutschen beliebte Urlaubsland steckt ebenso in der Krise wie viele andere Länder im Süden Europas. Die kroatische Wirtschaft stagniert seit Jahren. Hinzu kommt eine hohe Arbeitslosigkeit von – je nach Quelle – mindestens 16% und weit verbreitete Korruption.

Und nun vermeldet die österreichische Zeitung Die Presse, daß das Land das vorgesehene Budgetdefizit für das Jahr 2013 bereits jetzt überschritten hat. Um schnell neues Geld in die leeren Kassen zu spülen, sollen Staatsbetriebe restrukturiert und privatisiert werden. Die Folgen werden wie jedes mal die gleichen sein: Der Finanzminister nimmt durch den Verkauf weniger ein als geplant und Arbeitskräfte werden »freigesetzt«.

Kritiker innerhalb und außerhalb Kroatiens warnen seit Jahren vor den Folgen des EU-Beitrittes. Dieser werde nicht nur erneut Unsummen verschlingen, sondern durch die Auflagen aus Brüssel auch Arbeitsplätze vernichten. Die Euphorie bei den Bürgern fällt gedämpfter aus. Sie scheinen zu ahnen, daß sie nach der Party mit einem Kater erwachen werden.

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