Gesichtet

Wiedersehen in Deutschland (II)

Nicht mehr in Deutschland zu leben hat mir den Vorteil gebracht, die Dinge mit den Augen des fremden Betrachters zu sehen.

Früher in Deutschland gelebt zu haben um es später aus den Augen zu verlieren und dann, nach Jahren, zurückzukommen, hat mich für die dort inzwischen grassierende antideutsche Haltung sensibilisiert.

1999: Posieren für die BRD Integrationspolitik

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass ich mich in der Oberstufe um die „Integration von Ausländern“ verdient gemacht habe, auch wenn das so nicht in meiner Absicht lag. Ein Fotograf von irgendeiner Presseagentur suchte Freiwillige für ein Shooting. Da ich damals dem Wahn anhing, meine eigenen Warhol´schen „15 Minuten des Ruhmes“ zu benötigen, gab ich mich nur allzugern dazu her. Freilich wurde eine gewisse Auswahl getroffen nach dem Kriterium, dass sowohl deutsche als auch ausländische Schüler vertreten sein müssten.

Die zwei „deutschen“ bzw. deutsch aussehenden Schüler waren ich sowie eine belgischstämmige Mitschülerin. Den Ausländerpart übernahmen zwei nette Marokkanerinnen sowie ein sympathischer Schulkamerad, dessen Mutter Französin und Lehrerin an meinem Gymnasium, dessen Vater aber schwarzer Afrikaner, also, gemäß dem „Vorurteilskubus“ im Rautenstrauch-Joest-Museum zu Köln, „Afrikaner“ war.

Für die Fotosession hampelten wir einvernehmlich mit Reagenzgläsern im Chemielabor rum und taten auf dem Pausenhof so, als ob wir miteinander plauderten. Von vornherein wussten wir, dass es für dieses Theater kein Geld gibt. Ich hielt mich für mehr als genug enlohnt mit meinen „15 Minuten“. Und tatsächlich geisterten die Bilder dann bis 2005 durch einschlägige Publikationen der Bundesregierung zur Integrationspolitik. Sogar in der Tageschau sind sie erschienen.

In Bonn sind „Rechte“ natürlich unwillkommen

Jetzt, wo ich nicht mehr grün hinter den Ohren bin, sehe ich die Sache natürlich anders. Inzwischen habe ich Erfahrungen gemacht und auch eine Sensibilität entwickelt, die ich als Jugendlicher nicht hatte. Für das aber, was ich 2017 in Bonn zu sehen bekam, brauchte ich nicht besonders sensibel zu sein. Es ist mehr als offensichtlich, so man kein stumpfer Mensch ist und auch keine Scheuklappen vor oder Tomaten auf den Augen hat: Die Spitzen gegen „rechts“ sind allgegenwärtig.

Dabei wird sehr deutlich gemacht, was und wer unter „rechts“ verstanden wird: AfDler und ihre Wähler; Leute, die nicht für Masseneinwanderung sind und unmöglicherweise am Deutschland ihrer deutschen Vorfahren festhalten wollen. Solche rechten Bösewichte und zurükgebliebenen Miesmacher sollen ruhig wissen, was sie in Bonn erwartet: ein riesiges Grafitti „Fuck AfD“ auf dem Dachgeschoss eines Bonner Gewerbegebäudes, ein Aufkleber „FCK NZS“ – wie subtil und ingeniös! – auf dem Schutzblech eines Studentenfahrrads. Ich habe mir von solchen Kindereien jedenfalls nicht den Urlaub vermiesen lassen. Narren gibt´s halt auch außerhalb der „fünften Jahreszeit“, und Tore und Spinner haben schon von sich aus ein erhöhtes Mitteilungsbedürfnis.

Gefährliches „Deutschland wird deutscher“

Auf der Meckenheimer Allee in Poppelsdorf, schräg gegenüber meines Hotels, ist mir eine riesige Plakatwerbung zu einer Ausstellung in der Kunsthalle der Bundesrepublik Deutschland aufgefallen. Später habe ich noch so ein Plakat in der Bonner Innenstadt gesehen: „Deutschland wird deutscher.“ Darauf war abgebildet eine Frau, deren Gesicht von zahlreichen Wurfmessern gefährlich eingekreist wurde. Bei späterer Recherche fand ich heraus, dass die Künstlerin die Beuys-Schülerin Katharina Sieverding ist, die auch die Frau auf dem Foto ist. Interessanterweise entstand das Werk „kurz nach dem Mauerfall, angesichts der rassistischen Ausschreitungen von Hoyerswerda“.

Im Kontext des heutigen bunten und Vielfaltsdeutschland, wo es keine Deutschen mehr sondern nur noch „Menschen“ gibt, ist eine solche riesenformatige Plakatwerbung für die Ausstellung „Deutschland wird deutscher“ nur noch perfide zu nennen. Frau Sieverding gehört unzweifelhaft zu denjenigen „Kulturschaffenden“, die sich im Sinne ihres linken Glaubensbekenntnisses einem entsprechenden Kulturapostolat verschrieben haben.

Moral statt Kunst

Was dabei rauskommt, ist weniger Kunst als des Künstlers abstruse Moralvorstellungen, gepaart mit hysterischer Gefühlspolitik. Zur Unterdrückung Andersdenkender und Andersmeinender reicht diese Peinlichkeit aber allemal, vor allem wenn die herrschende Atmosphäre schon von sich aus die der Unterdrückung dieser Andersdenkenden und Andersmeinenden ist.

Das ist der Mut, das ist die Courage des politisch linken Künstlers, der uns moralisch etwas zu sagen hat. Ich bin kein Künstler, vor allem bin ich nicht links, aber den Initiatoren und Frau Sieverding habe ich auch etwas zu sagen, und zwar „Pfui!“ – ein solcher „künstlerischer“ Dreier aus Niederträchtigkeit, Gemeinheit und Geschmacklosigkeit widert mich nur an.

Ausstellungen zum Dritten Reich als Nazikeule gegen Rechte

Damit kommen wir auf die Indoktrination im musealen Bereich zurück. Viele von den Museen, die ich in Bonn und Köln besucht habe, haben mit thematischen Ausstellungen, Sonderausstellungen sowie ganzen Sektionen aufzuwarten, die ausschließlich der Indoktrination dienen. Im Bonner Stadtmuseum z.B. gab es eine Sonderausstellung zu „Bonn im Dritten Reich“, die natürlich gratis war. Diese habe ich aus Zeitgründen beiseite gelassen und stattdessen Eintritt bezahlt für die Dauerausstellung.

Auch hier gab es genügend Verweise auf Drittes Reich und Naziregime in Bonn, die sich aber noch im Bereich des Erträglichen hielten. Im Vergleich zum Kölner Stadtmuseum im „Zeughaus“ jedoch ist man in Bonn stärker auf „Aufarbeitung“ sowie auf Selbstanklage und Zurschaustellung der eigenen bösen NS-Vergangenheit fixiert. Wahrscheinlich hat man das im Kölner Stadtmuseum nicht nötig, weil in Köln das Gebäude der Gestapo die Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges überlebt hat.

Aus dem „Gästemagazin“ meines Kölner Hotels hatte ich erfahren, dass das ehemalige Gestapogebäude „ein Ort des Gedenkens an die Opfer des NS-Regimes, der Bildung, Dokumentation und Forschung über die Zeit des Nationalsozialismus in Köln und im Rheinland“ sei. Bis dahin soweit alles in Ordnung, wenn nicht der Zusatz gewesen wäre „2008 wurde die Arbeit um die Auseinandersetzung mit extrem rechten Ideologien erweitert.“ Das roch für mich doch zu sehr nach Nazikeule „gegen rechts“.

Islamistischer Terrorismus und Rechtssein werden in einen Hut gesteckt

Überhaupt scheinen gewisse Verknüpfungen nach dem Beispiel „NS-Zeit – extrem rechte Ideologien“ sich im heutigen Deutschland einer besonderen Beliebtheit zu erfreuen. Im „Kolumbamuseum“ des Erzbistums Köln gab es eine Ausstellung mit dem Titel „Me in a no-time-state – Über das Individuum“.

In einer Broschüre des Museums tauchte dazu folgende Beschreibung auf: „Eine politische Ausstellung  – wie Direktor Dr. Stefan Kraus bei der Eröffnung betont.  In einer Zeit, in der die Freiheit des Einzelnen von gezieltem Terror bedroht ist und populistische Strategien, Demagogie und religiöser Fanatismus der Aufklärung den Boden unter den Füßen zu entreißen droht (sic!), fragt die Jahresausstellung nach der Bedeutung des Individuums in der Kunst.“

Der Wust aus „gezieltem Terror“, „populistische Strategien“, „Demagogie“, „religiöser Fanatismus“ ist den um die Bedeutung des Individuum besorgten Kuratoren wohl nicht genug gewesen, es musste eigens auf die erodierende Wirkung der Aufklärung hingewiesen werden. Wirrer geht´s nimmer, aber die „Rechten“ haben wir damit erfolgreich in dieselbe Schublade wie den islamistischen Terror gesteckt, getreu dem Vorbild der abgehobenen deutschen Politikerkaste, die alles zusammen in den einen Sack „Hass“ (Merkel) steckt.

In der Kunst geht bekanntlich so ziemlich alles, und zwar umso leichter, wenn es sich um die „künstlerische“ Übertragung einer längst im öffentlichen Diskurs vorhandenen Gleichsetzung handelt, nicht wahr, Frau Sieverding? Dass dazu noch gerade die Aufklärung vom Direktor eines erzbischöflichen Museums für schutzbedürftig empfunden wird, genauso wie „die Freiheit des Einzelnen“, ist ebenfalls ein untrügliches Anzeichen dafür, dass die durch Ressentiment motivierte „Wir sind Kirche“-Ansicht liberalisierender Laien vollends den Platz des Glaubens eingenommen hat. Kardinal Woelki kann stolz sein auf seine tolle Herde „Wir-sind-Kirche- ohne-Gott-ohne-Glauben-und-ohne Religion“-Katholiken.

Albernheiten der katholischen Kirche

Eine Fürbitte im Eingangsbereich des Kölner Doms, abgefasst auf Deutsch und Arabisch, war ein weiterer Beweis für die liberalistische Albernheit der Erzdiözese Köln. Da ging es nicht nur um ein Ende der Gewalt und überhaupt um ein Ende des Leidens der vom Kriege Heimgesuchten. Auch wurde darum gebeten (gebetet), dass diejenigen, die vor Hunger und Armut – sprich: aus wirtschaftlichen Gründen – fliehenden Menschen begegnen mögen, ihnen die Türe nicht verschließen. Rein äußerlich eine Fürbitte, inhaltlich aber ein Dokument der Entchristianisierung und Entgöttlichung der Kirche.

Der, wie jedes kulturhistorisch oder kunstgeschichtlich wichtige Gotteshaus, vom Teufel Tourismus heimgesuchte Tempel hat den Zweiten Weltkrieg mit Blessuren überstanden. Nach dem vom laschen Klerus sowie liberalisierenden Laien gemeinsam an Gott verübten Mord ist der Tourismus nun seine einzige Daseinsberechtigung. Ein Friedhofstourismus, der über sich selbst nicht bescheid weiß, Nietzsche hätte hier wohl ein Wörtchen mitzureden. Und auch die bösesten Invektiven gegen den Kölner Dom aus Heinrich Heines „Deutschland, ein Wintermärchen“ kommen nicht einmal ansatzweise an die Realität heran.

Sieg des Kapitalismus über das Christentum

Wirklich überrascht hat mich der Zustand des öffentlich wahrnehmbaren rheinischen Katholizismus nicht. Erstaunt hat mich hingegen die Transformation des ehemaligen Bonner katholischen Priesterseminares, des Collegium Leoninum, in einen kapitalistischen Musterbetrieb: Luxushotel, Luxusrestaurant und – modernes Bistro!

Die Einrichter des Bistros hatten die zweifelhafte Güte besessen, es auf den Namensgeber des ehemaligen Priesterseminars, den großen Papst der Sozialenzykliken Leo XIII., zu taufen: unter einem Foto seiner verewigten Heiligkeit prangerte doch tatsächlich in Großbuchstaben „Leo´s Bistro“. Worin ich keinen Zweifel hatte war, dass der unflätigste Kapitalismus Besitz ergriffen hatte von Name und Bild seines ehemals wirkmächtigsten Kritikers. Der Kapitalismus hat das Christentum besiegt! Wo ehemals aus jungen Männern Priester gemacht wurden, wird nun Geld gemacht.

(Bild: Kolumba Köln, jaime.silva, flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

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1 Kommentar

  1. „Ein Volk, das noch an sich selbst glaubt, hat auch noch seinen eignen Gott. In ihm verehrt es die Bedingungen, durch die es obenauf ist, seine Tugenden, – es projiziert seine Lust an sich, sein Machtgefühl in ein Wesen, dem man dafür danken kann. Wer reich ist, will abgeben; ein stolzes Volk braucht einen Gott, um zu opfern …. Religion, innerhalb solcher Voraussetzungen, ist eine Form der Dankbarkeit. Man ist für sich selber dankbar: dazu braucht man einen Gott. – Ein solcher Gott muß nützen und schaden können, muß Freund und Feind sein können – man bewundert ihn im Guten wie im Schlimmen.“

    „Die widernatürliche Kastration eines Gottes zu einem Gotte bloß des Guten läge hier außerhalb aller Wünschbarkeit. Man hat den bösen Gott so nötig als den guten: man verdankt ja die eigne Existenz nicht gerade der Toleranz, der Menschenfreundlichkeit …. Was läge an einem Gotte, der nicht Zorn, Rache, Neid, Hohn, List, Gewalttat kennte? dem vielleicht nicht einmal die entzückenden ardeurs des Siegs und der Vernichtung bekannt wären? Man würde einen solchen Gott nicht verstehn: wozu sollte man ihn haben? – Freilich: wenn ein Volk zugrunde geht; wenn es den Glauben an Zukunft, seine Hoffnung auf Freiheit endgültig schwinden fühlt; wenn ihm die Unterwerfung als erste Nützlichkeit, die Tugenden der Unterworfenen als Erhaltungsbedingungen ins Bewußtsein treten, dann muß sich auch sein Gott verändern. Er wird jetzt Duckmäuser, furchtsam, bescheiden, rät zum »Frieden der Seele«, zum Nicht-mehr-hassen, zur Nachsicht, zur »Liebe« selbst gegen Freund und Feind. Er moralisiert beständig, er kriecht in die Höhle jeder Privattugend, wird Gott für jedermann, wird Privatmann, wird Kosmopolit …. Ehemals stellte er ein Volk, die Stärke eines Volkes, alles Aggressive und Machtdurstige aus der Seele eines Volkes dar: jetzt ist er bloß noch der gute Gott.“

    „In der Tat, es gibt keine andre Alternative für Götter: entweder sind sie der Wille zur Macht – und so lange werden sie Volksgötter sein –, oder aber die Ohnmacht zur Macht – und dann werden sie notwendig gut.“

    „Wo in irgendwelcher Form der Wille zur Macht niedergeht, gibt es jedesmal auch einen physiologischen Rückgang, eine décadence. Die Gottheit der décadence, beschnitten an ihren männlichsten Tugenden und Trieben, wird nunmehr notwendig zum Gott der Physiologisch-Zurückgezogenen, der Schwachen. Sie heißen sich selbst nicht die Schwachen, sie heißen sich »die Guten«.“
    Friedrich Wilhelm Nietzsche, Der Antichrist

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