Anstoß

Aus dem Tal der Ahnungslosen (IV): Kommunikation und Bürgerkrieg

Ich habe zwar Kommunikationswissenschaften studiert, aber ob Reden etwas bringt, kann ich euch nicht beantworten.

Wo liegt das Problem? Bazon Brock hat es kürzlich in einem Interview schön auf den Punkt gebracht. Sinngemäß sagte er: „Je mehr mitreden, desto weniger zählt meine eigene Position.“ Nach der totalen Demokratisierung der öffentlichen Meinungsäußerung durch soziale Netzwerke wie Facebook quatschen wir alle aneinander vorbei. Jeder will Aufmerksamkeit erzeugen und doch bekommt sie keiner in angemessener Weise.

Stabile Gegnerschaft

Kultur wird damit unmöglich, weil sie eine Verbindung von Menschen durch Kommunikation voraussetzt. Nur wenn wir uns auf die Argumente des Anderen einlassen, sie kritisieren und einen durchdachten Gegenstandpunkt formulieren, kann es eine gemeinsame Kultur geben. „Wir brauchen stabile Gegnerschaft“, so Brock.

Wie läuft dagegen unser Medienkonsum ab? Weil Google und Facebook mittlerweile wissen, was uns gefällt, werden wir den ganzen Tag mit Meldungen überschwemmt, die uns erregen. Allerdings – und dies ist eben das Dilemma – können wir unsere Erregung nur mit Gleichgesinnten teilen. Die „Anderen“ dagegen bekommen „unsere“ Meldungen nicht einmal angezeigt, sondern bleiben in ihrer eigenen Filterblase.

Lauter „Einzelfälle“, die halb so schlimm sein sollen

Welche konkreten Auswirkungen das hat, zeigt sich am besten an einem aktuellen Beispiel: Gestern las ich in der WeLT, ein „Flüchtling aus Syrien“ habe in Saarbrücken einen Psychologen erstochen. Lesedauer: drei Minuten. Ich selbst sortierte diesen „Einzelfall“ sofort in die Kategorie „Ausländer ermordet wieder einmal einen Deutschen“. Für mich und viele andere war die Ethnie des Opfers irgendwie klar, weil die Zeitung doch sonst betont hätte, wer hier niedergemetzelt wurde.

Da so etwas in Deutschland mittlerweile ständig passiert, dachte ich nicht weiter über die Gewalttat nach. Schließlich gibt es auch noch andere Schlagzeilen, die ins Auge springen, z.B.: „Schweden: Helferinnen haben Sex mit Migranten als Zeichen der ‚Toleranz‘“. Doch bei anderen ging das Kopfkino so richtig los. Ein anscheinend 33 Jahre alter Jörg kommentierte auf PI-News:

„100% so ein linksversiffter Antideutscher, der im Nebenjob Meldemuschi bei Facebook war und in seiner Freizeit Hilfskraft bei der Antifa war, wo er mit seinen linsversifften Kumpels AFD-Plakate abgerissen hat.

Pech gehabt!

Nicht schade drum.“

Edelfeder Michael Klonovsky ließ sich zu einer ähnlichen Bewertung hinreißen:

„Wer hat nicht gelegentlich das brennende Verlangen verspürt, so einem Verständnis heuchelnden, klugscheißerischen Seelenklempner eins zwischen die Hörner zu geben? Nun hat sich endlich mal jemand getraut!“

Schon wenige Stunden, nachdem sich die ersten Rechten ausgekotzt und ihrer Einzelfallstatistik einen weiteren Strich hinzugefügt hatten, stand dann allerdings in der BILD-Zeitung, das Opfer sei selbst ein „Flüchtling“ aus dem Irak, Regisseur und heiße Musaab. Also ein vorbildlicher Migrant, der es geschafft hatte, anderen sogar noch half und tragisch ums Leben kam, weil ein geistig Verwirrter, der viel durchgemacht haben muß, die Nerven verlor.

Was denken nun die gutmenschlichen Linken? Seht her, werden sie sagen, es gibt halt gute und nicht ganz so gute Ausländer. Die nicht ganz so guten sind aber alle traumatisiert und müssen ihre Kriegserfahrungen verarbeiten, was auch mal schiefgehen kann.

Keine Debatte über das Wesentliche

Nach Saarbrücken wird somit wieder einmal keine Debatte über Ausländergewalt in Deutschland stattfinden. Es lassen sich halt immer irgendwelche Ausreden finden, warum die Tat XY gar nicht so schlimm war. Schließlich müsse man ja den Kontext beachten, Blablabla, …

Das Entscheidende, was unabhängig vom Opfer gilt, wird mit dieser Überbetonung der Nebensächlichkeiten leider verdrängt: Wie können wir verhindern, daß noch mehr syrische Messermänner nach Deutschland einreisen? Wie finden wir diejenigen rechtzeitig, die bereits unter uns leben? Und wie schaffen wir es, sie endlich wieder loszuwerden und wohin können wir sie bringen?

Der politisch-medialen Klasse die Hölle heiß machen

Eins weiß ich dazu, so ärgerlich das auch ist: Mit Gegenaufklärung und Reden können wir kaum etwas bewirken und noch nicht einmal ein Problembewußtsein bei der Mehrheit schaffen. Die Fakten liegen doch seit Jahren auf dem Tisch und außer den kosmetischen Änderungen der CDU aufgrund des Wahlkampfs ändert sich nichts. Die Bürger nehmen das ja auch achselzuckend hin, sonst hätten sie schon längst für die No-Go-Areas Westdeutschlands Bürgerwehren gegründet.

Will ich damit jetzt zu Gewalt gegen Migranten aufrufen? Keinesfalls. Rein theoretisch können wir das Problem noch (!) technokratisch lösen, aber dazu müßten unsere lieben deutschen Mitbürger jetzt endlich aufwachen und der politisch-medialen Klasse die Hölle heiß machen. Wird das jemals geschehen? Ich bin da ehrlich gesagt sehr, sehr skeptisch. Zum einen liegt das am deutschen Vitalitätsverlust, zum zweiten an der beschriebenen Unfähigkeit, über ein echtes Problem zielgerichtet zu sprechen.

***

Wenn die Regierung Konflikte nur noch verschleppt und das eigene Volk sowohl zum handfesten als auch kommunikativen Protest nicht mehr in der Lage ist, läuft alles auf einen vertagten Bürgerkrieg hinaus, der entweder in naher Zukunft plötzlich ausbricht oder dessen schleichendes Gift uns langfristig ausrotten wird.

***

Damit jetzt niemand zu schlechtgelaunt auf die nächste Seite im großen WWW weiterklickt, gibt es diesmal zum Abschluß zwei Aphorismen von Nicolás Gómez Dávila, die Hoffnung machen. Erstens: „Der Mensch lebt von seinen Problemen und stirbt mit seinen Lösungen.“ Wir können keinen Algorithmus zur Rettung des Vaterlandes finden. Das ist eine unrealistische Aufgabe. Gewiß ist dennoch, daß wir im entscheidenden Moment das Richtige tun werden, wenn wir uns ein wenig geistige Frische bewahren. Denn zweitens: „Die authentische Lösung ist unübertragbar. Sie haftet einer Situation, einer Erfahrung einer Handlung an.“

(Bild: Pixabay)

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3 Kommentare

  1. Friedrich

    Vielleicht sind wir uns alle einfach gegenseitig zu fremd. (Nein …damit meine ich aber nicht Menschen verschiedener Religionen und Länder; sondern durchaus Patrioten, oder jene die noch nicht wissen das sie es sind.) Und mit „fremd sein“ meine ich eine fehlende Nähe…

    Was nutzt es hier Ideen und Kritiken auszutauschen, wenn wir uns nicht gegenseitig begegnen.?
    Die Zeiten von Stammtischen, gegenseitigen Grüßen, Respekt, Beitrag in der Gesellschaft, usw. werden immer geringer und schwächer. Man verschanzt sich… verschließt sich… schafft sich ein vermeintlich eigenes Idyll in seinen eigenen vier Wänden. Und dennoch: ist das wirklich ein Idyll? Oder nicht eher ein Käfig.. das uns von der aussenwelt schützt, und vor einer freien Bewegung im öffentlichem Raum schützt.
    Was ist das zum Teil für ein erbärmlicher öffentlicher Raum geworden? (Achtung: gilt nicht für alle Ortschaften von Deutschland). Immer mehr Matscho-Ausländer, immer mehr Firmen-Konzern Hochhäuser, wo man nur mit Zugangs-Chip in den gesicherten inneren Bereich darf (um dann Teils im großen Stile die eigene Bevölkerung zu Belügen… man siehe z.B. VW, aber wohl auch politische Institute). Immer mehr Entfremdung.

    Vielleicht will ich weg davon. Vielleicht träume ich von einer Heimkneipe, in der ich mir mit gleichgesinnten am Freitag Abend einen Rausch antrinke, und mich am Heimweg über die netten Menschen freue, die mir über den Weg laufen; wo ich mich nicht fürchten muss, von Matscho-Starken oder Antifa-Kämpfern angepöbelt zu werden oder Gewalt angedroht zu bekommen.
    Aber nein. Die etwaig Gleichgesinnten… bauen an ihrer Karriere, oder verschanzen sich in ihren vier Wänden, oder ärgern sich über einen öffentlichen Raum der ihnen sukzessiv weniger gehört (ja leider auch selbstverschuldet… da sie ihn ja selber nicht nutzen), oder glotzen nach dem Arbeitstag in die Kiste, wo sie entspannen und ihre Sinne betäuben lassen…

    Statt kultureller Betätigung (sei es das urige Stammlokal, eine eigene Musik, der Freitag-abendliche Rausch, das Sitzen auf einer Parkbank oder im Kaffee), verarmt man sukzessive stärker und stärker.
    Arm, schwach, egoistisch, eingesperrt, von fremden Fernseh-Meinungen und allerlei Welt-Nachrichten betört. Ist die leise Selbstabschaffung, nicht vielleicht schon das eigene Schicksal geworden; bei dem der einzige Ausweg aus der Selbsmisere ein Hinkehren
    * zum spannenden Multikulturalismus („Komms’t mit zur Türkenpartie? Geht voll ab!“),
    * oder dem modernem chic der trendy Einkauszentren,
    * oder der kulturell-akademischen erneuerungs Avant-Garde der modernstem künstlerischem Extreme
    ist??
    Alle drei bieten zwar vermeintlich etwas… aber erquicken sie unsere Seele?

  2. Mit Gleichgesinnten Burgen und Wehrdörfer errichten, Freikorps ausbilden. Finanzierung wie Lenin und Stalin:
    https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberfall_auf_die_Bank_von_Tiflis

  3. Finanzierung wie Lenin? Irgend etwas sagt mir, das deutsche Reich, wird uns kein Geld geben.

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