Gesichtet

Barbarossa und der Zwang zur Politik

Morgen jährt sich zum 77. Mal der Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion.

Als am 22. Juni 1941 über drei Millionen deutsche Soldaten, sowie weitere 600.000 verbündete Rumänen und Ungarn begannen in die Sowjetunion einzumarschieren, eskalierte der Zweite Weltkrieg in sein blutigstes Kapitel. Über die Gründe, welche zu diesem Wahnsinn führten, der Millionen Menschen auf beiden Seiten das Leben kostete, erscheinen regelmäßig u.a. in der Wochenzeitung Junge Freiheit ausführliche Artikel, welche die offizielle Geschichtsschreibung klar hinterfragen. Denn betrachtet man die reinen Fakten des anfänglichen Erfolges, welchen die Wehrmacht im Russlandfeldzug erzielen konnte, kommt sehr schnell die Frage auf, ob es sich dabei denn wirklich, wie es in unseren Geschichtsbüchern steht, um einen unprovozierten Überfall handelte.

Wehrmacht zahlenmäßig unterlegen

Wahrscheinlich stieß die Wehrmacht damals in den größten Aufmarsch der Weltgeschichte hinein. Beinahe fünf Millionen Rotarmisten waren zum Zeitpunkt des Angriffes an der Westgrenze ihres Landes zusammengezogen worden, wovon über drei Millionen in den Anfangsmonaten gefangengenommen werden konnten. Desweiteren konnte die Wehrmacht über 6.000 russische Panzer zerstören oder erbeuten.

Zum Vergleich: die Wehrmacht hatte zu diesem Zeitpunkt lediglich 3.000 Panzer in ihrem Bestand, die Rote Armee schätzungsweise über 21.000. In einem ähnlichen Verhältnis stehen die Zahlen an weiterem Kriegsmaterial, wie etwa an Flugzeugen oder Artillerie, die von den Sowjets offensichtlich nicht zur Landesverteidigung aufgefahren wurden, sondern um ihrerseits nach Westen vorrücken zu können.

Die Wehrmacht stieß auf eine weit überlegene Rote Armee

Denn die Wehrmacht stieß eben nicht auf Schützengräben, Bunker und andere defensive Einrichtungen seitens der Russen, sondern auf Soldaten und Material, welches sie wie auf dem Präsentierteller vorfand. Der Eindruck erhärtet sich somit, daß sich hier zwei Offensivarmeen gegenüberstanden, von denen die eine schneller losschlug als die andere; wobei zudem noch die Frage im Raum steht, ob es den deutschen Aufmarsch ohne den sowjetischen überhaupt gegeben hätte. Dies allerdings laut zu äußern, grenzt in den Ohren der etablierten Historiker in Deutschland an Häresie.

Der ehemalige FOCUS-Redakteur Michael Klonovsky schrieb diesbezüglich vor einigen Jahren in sein Tagebuch: „Wer die Reaktion eines Sklaven studieren möchte, frage einen festangestellten Historiker coram publico, zu welchem Zweck Stalin im Sommer 1941 die größte Armee aller Zeiten an der deutsch-sowjetischen Grenze hat aufmarschieren lassen.“ An dieser Stelle aber irrt der ansonsten so hochgeschätzte Schriftsteller jedoch, wenn er diesen Historikern einen generellen Sklavengeist unterstellt.

Denn gemeinhin ist man heute in Deutschland zuallererst an guten internationalen Beziehungen zu Russland interessiert; insbesondere zu einer Zeit, in welcher Spannungen auf politischer Ebene das Klima zwischen beiden Staaten zu vergiften drohen. Deshalb tritt an dieser Stelle ein weiterer Gesichtspunkt hinzu, wodurch Geschichtsschreibung eine politische Komponente erhält.

Die Russen feiern ihren Mythos

Denn für die Russen ist der „große vaterländische Krieg“, wie sie ihren Zweiten Weltkrieg nennen, ein nationaler Mythos höchsten Ranges. Jahr für Jahr feiern sie ihren Sieg mit einer großen Militärparade am 9. Mai auf dem Roten Platz in Moskau. Von diesem feierlichen Gedenken an den Sieg über „Hitler-Deutschland“ wird man in Moskau wohl so schnell auch nicht ablassen, dient er schließlich als eine identitätsstiftende, positive Erzählung in der Geschichte des Landes, wie sie größer und dramatischer kaum sein könnte.

Der Mythos von der überraschten Sowjetunion, welche plötzlich überfallen wurde, hat sich zudem auch überall sonst durchgesetzt, so daß man sich als Deutscher fragen muß, ob es heute schlichtweg politisch klug wäre, unbedingt auf eine Wahrheit aufmerksam machen zu wollen, die niemand hören will. An dieser Stelle wird spätestens klar, daß Wissenschaft – im eigentlichen Sinne – auch politisch unklug sein kann.

Jemanden immer „die Wahrheit“ vorhalten zu wollen, kann im öffentlichen Leben Personen schnell und gründlich verärgern. Wiederholt wurde von Seiten verschiedenster Philosophen, von Platon bis Hannah Arendt, immer wieder auf die verheerenden Konsequenzen hingewiesen, welche entstehen können, versucht man in der Öffentlichkeit wirklich immer Wahrheit zu sprechen.

Der Glaube an die Wissenschaft, auch und gerade an die historische, erweist sich deswegen in der Politik nicht immer als klug. Im intersubjektiven Miteinander zwischen Menschen kann sich deswegen Objektivität leicht als Hindernis für den beidseitigen Austausch erweisen. Wahrheit muß deshalb zunächst immer erst durch den Filter der Realität gehen, was bedeutet, daß Umstände wie bilaterale Beziehungen mitbedacht werden müssen, in denen man agiert. Dies zu tun, ist letztlich Aufgabe des wahren Staatsmannes, welcher allein im Dienste seines politischen Subjektes im Hier und Jetzt steht, vor welchem er sich zu verantworten hat, und eben nicht im Dienste einer abstrakt-objektiven Wahrheit.

Geschichtsschreibung ist Politik und Politik ist keine Wissenschaft

Solche Verstrickungen der Politik in die Wissenschaft zu bedenken, kann jedoch für die naturgemäß stets Wenigen, die mehr wissen wollen, nicht bedeuten, vor der etablierten Geschichtsschreibung zu kapitulieren. Will man bestimmte Zusammenhänge wirklich verstehen und richtig einordnen, benötigt man natürlich einen möglichst unverstellten Blick auf die Ereignisse. Zu einem solchen gelangt man jedoch oft nicht durch die politisch gefärbte offizielle Wissenschaft, wie sie an öffentlichen Bildungseinrichtungen und im Fernsehen gelehrt wird, sondern eben erst abseits von diesen.

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12 Kommentare zu “Barbarossa und der Zwang zur Politik

  1. Meist wird auch die aggressiv/expansive deutsche Außenpolitik in diesem Zusammenhang genannt. Von der sowjetischen hingegen, hört man zumeist nichts, dabei sprechen der sowjetisch/finnische Winterkrieg 39, die Besetzung von Ostpolen und die Annektierung des Baltikums und von Bessarabien eigentlich für sich. Man wurde in der SU also deutlich aktiver, als der Versuch der Volksfront Einkreisung in Spanien gescheitert war.

    Wobei man zugeben muß, auch wenn sie dort verloren haben, war ihr spanisches Engagement deutlich intelligenter als das Deutsche. Das Kriegsmaterial haben Sie sich mit Gold aus der Nationalbank direkt bezahlen lassen. Statt eigener Freiwilliger haben sie zehntausende von Idioten weltweit über die Komintern für die IB organisiert. Mit ihren politischen Kommissaren und Militärberatern haben sie direkten, politischen Einfluß genommen, die schwachköpfigen Anarchosyndikalisten zertreten und sich letztendlich als politisch dominante Kraft in der Republik durchgesetzt. Während wir den autokratischen Reaktionär Franco ins Amt gehievt haben, für ein paar Schürfrechte und einen warmen Händedruck.
    Das tragische ist, für unsere Volkssubstanz heute, wäre es vermutlich besser gewesen, die Russenpanzer hätten 1941 zuerst los gelegt und wären bis zum Atlantik durch marschiert. Dann wären uns auch sicher, diese ekelhaften Gutmenschen erspart geblieben.

  2. Wie der Einzelmensch ist auch ein Volk unfrei, wenn es nicht an sei­ne eigenen Götter glaubt, an seine eigene Moral, an sein ei­genes Recht. »Rom stürzte«, bemerk­te Donoso 1851, »weil seine Götter stürzten; seine Herr­schaft endete, weil seine Theo­logie ein Ende nahm.« Das hatte schon Heraklit gewußt: Ein Volk solle um seinen Nomos kämpfen wie um seine Mauern. Die geistige Integrität einer Grup­pe ist so wichtig wie seine physi­sche. Dieser »Begriff umfaßt na­tür­­lich die Traditionen und Über­lieferungen eines Verbandes ebenso wie seine Ehre, und ein Volk ge­walt­sam von seiner Geschichte ab­zu­tren­nen oder zu entehren be­deu­tet dasselbe, wie es zu tö­ten.« In diesem Sinne bemerkte Geh­­len zum Zusammenhang zwischen dem Anspruch einer Nation auf ihre eigene Moral und ihrer Selbst­be­haup­tung: »Es ist die be­deu­tend­ste geschichtliche Leistung einer Na­tion, sich überhaupt als eine so ver­faßte geschichtliche Einheit zu hal­ten, und den Deutschen ist sie nicht geglückt. Die Selbsterhaltung schließt die geistige Behauptung und das Bekenntnis einer Nation zu sich selbst vor aller Welt ebenso ein, wie die Sicherheit im groß­po­li­ti­schen Sinne, und diese besteht in der Macht eines Volkes, den phy­si­schen wie den morali­schen Angriff auf sich unmöglich zu machen.« Wenn wir diese Zusammenhänge erst einmal durchschaut haben, er­blicken wir in jedem Versuch, uns eine fremde Ideo­logie aufzu­zwin­gen, einen frechen Angriff auf unser In­ter­esse an kollektiver Selbst­er­hal­tung. In »alter wie in neuer Zeit« sind »die Künste der Verführung und der sittlichen Herabwürdigung der Unterworfenen als ein Mittel der Herr­schaft mit Erfolg gebraucht worden. Man hat durch lü­gen­haf­te Er­dich­tungen und durch künst­li­che Verwirrung der Be­griffe und der Sprache die Fürsten vor den Völkern und diese vor je­nen ver­leum­det, um die Entzweiten sicherer zu beherrschen. Man hat alle An­triebe der Eitelkeit und des Eigen­nut­zes listig auf­ge­reizt.«

    So hatten es die westlichen Besatzungsmächte nach 1945 er­folg­reich un­ter­nom­men, den deutschen Volkscharakter durch ein Bün­del von Maßnah­men zu verän­dern, an deren Ende die Aus­wechse­lung un­er­wünschter kollek­tiver Wert­entschei­dungen durch eine den Alli­ier­ten zu­träg­lichere Moral stand. Sie nah­men sich das Recht zur »ge­walt­sa­men Auf­er­legung ihrer eige­nen politi­schen Ideologie.« Pla­nung und Aus­füh­rung lagen bei dem durch die Mi­li­tär­­­regierung ein­ge­setz­ten ICD Scree­ning Center unter Lei­­tung des New Yor­ker Psychiaters David Mar­dochai Le­vy, einem füh­renden Psycho­ana­lytiker. Als ge­fährlich be­seitigt werden sollten »Dis­­ziplin, Ordnung, Sau­ber­keit und Männ­­lich­keit« als die »vier Prin­zi­­pien der deut­schen Erzie­hung, auf denen dann auch der deutsche Staat errichtet wurde.« Diese zu­nächst be­sat­zungs­­­ho­­heit­­lichen Maß­­­­nahmen wurden zum Selbst­läufer: Die Agi­ta­tion hatte so durch­­schla­­­genden Erfolg, daß sie sich bis heute tag­täg­lich in den Medi­en und Schu­len fortsetzt.

    »Ein Volk ist er dann besiegt,« formulierte Carl Schmitt schon vor der alliierten Besetzung Deutschlands, »wenn es sich dem fremden Vo­­ka­bulari­um, der fremden Vorstellung von dem, was Recht ist, un­ter­wirft. Dann kommt zu der Ablieferung der Waffen noch die Ab­lie­fe­rung des eigenen Rechts hinzu. In der heutigen Lage Deutschlands hängt alles davon ab, den Schleier der Worte und Begriffe, der Ju­ri­di­fi­zie­rungen und Moralisierungen zu durchschauen, nicht in hämischer Kri­tik, aber auch nicht in dienstfertiger Unterwerfung unter fremde Be­­griffe und Forderungen ›moralischer Abrü­stung‹, die nichts weiter sind als Instrumente fremder Macht.« Wenige haben den Zu­sam­menhang zwischen Macht und Moral so durchschaut. Der Be­siegte soll an eine Än­de­rung der Siegermoral noch nicht einmal mehr den­ken dürfen. Die erfolg­reich Um­erzogenen können es bereits nicht mehr. Um­fragen zu­folge hielten sich 50 Jahre nach Kriegsende 70% der Deutschen für »befreit« und nicht für be­siegt. »Die sogenannte Ver­gangenheitsbewältigung in Deutsch­land trägt alle Zü­ge einer kol­lek­ti­ven, ins Wahnhafte gehenden Um­deu­tung.« Diese setzt psy­chi­a­­tri­scher Ansicht nach »ein ungeheueres Ag­gres­sionspotential« frei, das durch den »Prozeß von Sprach­re­ge­lung, Ver­drängung, ›Krei­de­fres­­sen‹ ent­steht. Solche Emotionen drängen zum Aus­bruch, und sie tun es oft in roher Gewalt.«

    Überall in Medien und im Bildungswesen herrscht heute dieselbe pseu­dohumani­taristische Egalitäts­ideo­­­logie. Ihre Moral wird uns auf den konkre­ten Gebots- und Ver­bots­­tafeln entgegengehalten, wo und wann immer wir uns auf un­­­sere eigenen Interessen besinnen möch­ten. Diese Ideologie ist heu­te die ganz herrschende, und darum können wir sie nicht einfach be­­sei­tigen, indem wir ihren Gläubigen unseren Glauben ent­ge­gen­hal­ten. In offenem Kräfte­mes­sen Funda­men­talismus gegen Fun­da­men­­ta­lis­­mus ist der moralisie­rende Lich­ter­­ket­ten­li­be­ra­lis­mus nicht zu be­sie­gen, so­lange er über alle Machtmittel der Kom­­mu­ni­ka­tions­ge­sell­schaft ver­fügt. Gegen die in mo­ra­li­sie­ren­der Form vor­ge­tra­­gene Zumutung eines fremden Machtanspruchs hilft nur Mut zur gei­sti­gen Freiheit. So hoff­te auch Carl Schmitt – »dem mundia­len ame­rikanischen Inter­ven­tions­an­spruch antwortend – … daß »die Erde immer größer bleiben wird als die Vereinigten Staa­ten von Amerika und daß sie auch heute noch groß genug ist für meh­rere Großräume, in denen frei­heitslie­bende Men­schen ihre ge­schicht­liche, wirt­schaft­li­che und geistige Substanz und Eigenart zu wah­ren und zu verteidigen wis­sen.« Eine Hoff­nung, das war Carl Schmitts letzte Po­sition.

  3. Robert Wagner

    @ Tortuga

    Da liegst du wohl richtig, Schildkröte. Hätte Stalin Europa damals überrollt, hätten wir hier heute wahrscheinlich keine Demokratie, keine offene Gesellschaft und damit keine »ekelhaften Gutmenschen«. Schon klar, dass dir diese Vorstellung gefällt.

  4. Carlos Wefers Verástegui

    Hier haben wir ein typisch zeitgemässes Geschichtsverständnis, nur auf den Kopf gestellt: Geschichte ist keine Wissenschaft, weil sie (praktische) Politik sein soll, Geschichtswissenschaft soll sich pragmatisch an sozialen und politischen Notwendigkeiten orientieren – aber, das haben wir ja alles schon längst! Jede Partei möchte ihre Geschichte an den Mann bringen, und insofern alle Geschichte Politik ist, ist es nur legitim, dass Geschichte im politischen Kampf waffenfähig sein muss. Das ist das Seitenstück des Politikverständnisses so mancher Fachhistoriker: der Politiker darf die Geschichte nicht besudeln, sondern muss wissenschaftlich-adäquat und respektvoll mit ihr umgehen. Das aber ist zuviel verlangt vom Politiker, und von der Geschichtswissenschaft verlangen, sie möge bitte doch das Leben – oder die Demokratie, oder die Nation – und seine Notwendigkeiten respektieren, heisst doch nur, offene Türen einrennen.

    @ Tortuga: »Während wir den autokratischen Reaktionär Franco ins Amt gehievt haben, für ein paar Schürfrechte und einen warmen Händedruck« – ja, und um die Wehrmacht bzw. ihre Waffen zu testen, und um zu verhindern, dass in Spanien ein stalinistisches Regime hochkommt, welches das Deutsche Reich noch früher in die Zange genommen hätte als das mit dem Kriegseintritt der USA der Fall war. Der »autokratische Reaktionär Franco« war beileibe nicht das Gelbe vom Ei, ein Hitler war er allerdings nicht. Übrigens hat Franco das Hitlerregime keinesfalls gezwungen, ihm zu helfen.

  5. Carlos Wefers Verástegui

    Immer diese schnöde Plärrerei »(keine) Demokratie, (keine) offene Gesellschaft«. Wie schön für den Herrn Wagner, dass er in SEINEM Paradies angekommen ist. Demokratieduselnde Heulsuse.

  6. @Carlos Wefers Verástegui
    Nein, gezwungen hat er uns sicher nicht, ihm zu helfen. Hätte er aber seine Legion nicht aufs spanische Festland bekommen, wäre das auch ein sehr kurzer Aufstand geworden. Er hat um Hilfe gebeten und sie aus geopolitischen Gründen auch bekommen. Mir ging es aber mehr darum aufzuzeigen, daß die sowjetische Hilfe viel durchdachter und strategischer war, als die aus Deutschland. Das militärische Gerät zu testen, war sicher ein netter Nebeneffekt, aber kein echter Grund für das deutsche Engagement. Eigentlich komisch, daß dies immer nur im Zusammenhang mit den Deutschen genannt wird, obwohl dieser Umstand für die anderen Länder, die in diesen Konflikt involviert waren, garantiert auch nicht uninteressant war. Man denke nur an das Bombenzielgerät aus einer erbeuteten, deutschen He111, welches dann in Sowjetrussland kopiert wurde. Genau wie der einseitige Fokus auf die Legion Condor, obwohl die militärische Hilfe aus Italien einerseits und der Sowjetunion andererseits, deutlich größer war.
    Der »Caudillo« war, genauso wie Salazar, ein seelenloser Autokrat ohne jegliche Vision für die spanische Nation. Sicher mit ein Grund, warum die bleiernen, franquistischen Jahre in Spanien so unbeliebt sind. Obwohl er ja, angeblich, eine »persönliche Militärdiktatur lateinamerikanischen Stils« vermeiden wollte. Letztendlich war es dann aber genau das. Ob das Julio Ruiz, Ramiro oder José hätten verhindern können, werden wir nie erfahren.

    @Robert Wagner
    Wir wissen beide nicht, wie die letzten 75 Jahre in Europa verlaufen wären, wenn dieses Szenario eingetreten wäre. Wenn man aber davon ausgeht, daß die Kampagne gegen die »wurzellosen Kosmopoliten« schon deutlich früher und radikaler durchgezogen worden wäre, kann man wohl sicher sein, daß es die Frankfurter Schule und ihre kulturmarxistischen Auswüchse nie gegeben hätte. Natürlich wäre das fehlen dieses Selbstmordkultes etwas positives für Deutschland und Europa gewesen. Überraschenderweise ist der Film Das Netz von Lutz Dammbeck, in diesem Zusammenhang recht interessant.
    Ist jetzt doch etwas viel OT geworden.

  7. Carlos Wefers Verástegui

    @Tortuga

    Die Fakten, die Sie darstellen, sind ja schon richtig. Natürlich wäre Franco ohne die Luftbrücke mit seinen Elitetruppen so wohl kaum aufs Festland gekommen. Die Frage ist, was die Naziregierung tatsächlich dazu bewegt hat, ihm zu helfen. Natürlich waren die Sowjets klüger, zynischer usw. Einen Franco als Autokraten versteht man übrigens eher als einen Hitler: Spanien, das unterentwickelte Land mit einer deliranten Republik, die jeglicher Basis entbehrte, und wo seit über einem Jahrhundert Bürgerkrieg, mindestens aber bürgerkriegsähnliche Zustände, herrschten. Ob Hitler im Gegensatz zu Franco und Salazar eine Seele hatte? Gewiss, und zwar eine ganz absonderliche.

    »Der »Caudillo« war, genauso wie Salazar, ein seelenloser Autokrat ohne jegliche Vision für die spanische Nation« – das will ich nicht bestreiten. Leider können wir nicht feststellen, ob die Projekte der Karlisten oder Falangisten dazu geeeignet waren, die seit über hunter Jahren verloren gegangene Eintracht unter den Spaniern wieder hergestellt hätten. Aus persönlichen Gründen möchte ich das sehr gern glauben.

    GEGENRECHNEREI ist ein Lückenbüsser für echte, ratioale Argumentation und Beweisführung. Besonders in der spanischen linken Geschichtsschreibung wird bezüglich des Bürgerkriegs viel gegengerechnet.

  8. Einherjer

    @Gustav & Kontext

    »Rom stürzte«, bemerk­te Donoso 1851, »weil seine Götter stürzten; seine Herr­schaft endete, weil seine Theo­logie ein Ende nahm.«

    Wohl war. Doch diese ›römische Theologie‹ gründete sich nach dem Desaster von Actium und der sich ankündigenden „Völkerwanderung“ auf antiken, nordischen, arabisch-ägyptischen und asiatischen Polytheismus.
    Römische Theologie stürzte nicht, sondern protektionierte sich nur zum monopolaren Katholizismus eines -Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation- um. Während dessen sich Arabien zum Islamismus morphierte (Günter Lüling). Nicht ein Volk verlor seine Götter, sondern alle Völker von Eurasien und spätestens nach Kolumbus des gesamten Globus. Anstelle dessen begründete sich dogmatisch religiöser Fanatismus, um alles und jeden unter eine ökonomisch-planwirtschaftliche Fuchtel zu bekommen.
    Diese fremde, allen aufgezwungene, von uns selbst geduldet und gewünschte Theologische Ideologie des unter ›Einer Gottfuchtel‹ gebündelten Fasces nennt sich Monotheismus und ist Ursache von Monopolismus und verbindet sich stringent mit dem zentristisch wirkenden Marktmodell des materiellen Monetarismus, welcher seit den Kreuzzügen die bewußtlosen Zivilisationen in destruktive Depression führt.
    Entsprechend vorgeführter Kommunismus oder Marxismus ist hierbei nur eine Pseudoopposition, welche gleichsam Zentralismus durch sozialistischer Planwirtschaft a‹la Bockelson-staat Brüssel in einem global verwalteten Massenkibbuz anstrebt.
    Daraus folgert sich im lateralen Umkehrschluß des Marxchen Murx:
    Kommunismus = Monopolismus = Monotheismus = Millenarismus = Monetarismus = Militarismus. Und sicher kann man diese Zwangslagen auch „Demokratie“ oder eben besser gleich eine spät-feudalistische Form des Faschismus nennen.

    Zu forderst gilt es also zu ergründen warum überhaupt die Götter verworfen wurden und stattdessen ein ominöser Galaktischer Gott ohne Antlitz installiert wurde.
    Warum entfernten sich die Götter, obwohl einer gar hysterisch am Kreuze fixiert wurde? Geschah dies nur um den Demos zum unmündig schuldigen Plebs zu degradieren? Denn ist der Marsgleiche Achill oder Thor erst einmal verworfen regt sich auch kein Widerstand in etwaigen Anhängern…. Doch reicht dieses als Erklärung aus oder steckt mehr hinter dem heutigen Geistes- resp. Gesellschaftszustand?
    Dazu ist erforderlich den chronologischen Wußt, -der jüngst auf Scaliger’s linear zwangsgeordneter Bibelexegese gründet-, völlig auszublenden. Was ist also mit der Massenpsyche geschehen, daß aus der etruskischen Göttin der Morgenröte The-san, aus der goldfarbenen Germania, wie aus der sanften Helena -Patin der Heiligen Anna-, ein männlich sengender Helios wurde, ein kanaanitischer Saul, ein zerstörerischer Shiva, ein flammender Galgaliel, ein Pharaonischer Aton, oder aus Samas ein babylonischer König Gilgamesch. Allmächtige Herrscher wie den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV, der sich auf den mythischen Urkönig der Franken ›Pharamundo‹ bezog, -gleich Pharao Echn-aton-, der ebenso als ominöser ›Karl der Große‹ mit flammenden Nemesis Schwert auch den letzten Sachsen ihre Götter in einem okkult rituellen dreißgjährigen Krieg austrieb bei seinem Sturm nach Osten(!).

    Wer ergo die heutigen Zustände dieser fundamentalistischen ›Egalitätsidiologie‹ geblendeter Gutmenschen -zurecht- kritisiert, jedoch im gleichen Atemzug durch- und überlebte unerklärte Verhältnisse der letzten 1000 Jahre dogmatischer Unmündigkeit unter der ›goldenen Sonne‹ bewahren möchte, überblickt das astral verdrängte Trojanische Ausmaß, welches unverändert auf die kollektive Massenpsyche wirkt, in keinster weiße.
    Es sind genau jene verdrängten Zustände an denen alle verzweifeln. Da die erdgeschichtliche Historie im absoluten Dunkel liegt müssen wir sie eben wie Autisten zwanghaft durch den unbewußten manischäisch-rituellen Gang in Kirche & Krieg wiederholen.

  9. Carlos Wefers Verástegui

    @ Einherjer

    Jawoll, der böse MONOTHEISMUS ist an ALLEM schuld. Gibt sogar eine Fachautorität, die das behauptet:

    http://www.fr.de/kultur/literatur/jan-assmann-exodus-die-gewalt-des-monotheismus-a-486986

  10. Einherjer

    @Carlos Wefers Verástegui,

    …ob er Böse ist vermag ich nicht zu beurteilen. Das dieser Geisteszustand die Menge jedoch in Schach hält, seit Anno trallala bei allenthalb stattfindenden Umzügen gen Ost und West, ist deutlichst. Dabei ist es völlig egal ob ein Landnehmer in eine ökonomische (-Horst Köhler zu Afghanistan-), oder in eine religiöse Uniform gesteckt wird.

  11. und da habe ich schon gedacht, ich würde vom Thema abweichen. Dabei ging es mir im Kern ja wirklich um die aggressive sowjetische Außenpolitik.

    @Carlos Wefers Verástegui
    Sie meinen, es gab außer den geopolitischen Gründen auch ideologische Gründe für die Unterstützung des NS Regimes für Franco? Auffällig ist ja, daß man tatsächlich fast immer, mit autokratisch-konservativen Regierungen zusammen gearbeitet hat, während man die jeweiligen faschistischen Gruppierungen in diesen Ländern weitestgehend ignoriert hatte. Außer in Ländern, wo es die Alternative nicht gab ( Kroatien) oder zum Ende hin, als sich die rechten Regierungen von Deutschland absetzten. ( Ungarn). Die Unterstützung in den besetzen Ländern, für politisch nahestehende Gruppierungen war kaum vorhanden und selbst bei Verbündeten ( Finnland) wurden keinerlei Anstalten gemacht, innenpolitisch an Einfluß zu gewinnen. Das ist ein extrem großer Unterschied zur Politik der Sowjetunion. Man sieht eigentlich, hier hatte man absolut keinen Plan über Europa zu herrschen und war von der Situation völlig überfordert.

    Die politische Lage in Spanien mit seinem ausgeprägten Regionalismus ist allerdings wirklich sehr komplex und mit der Lage in Deutschland nicht zu vergleichen. Da bietet sich eher Italien an, auch was die regionalen Unterschiede angeht. Dort ist aber zu beobachten, daß trotz Krieg, die Zeit des Faschismus nicht die gleiche Ablehnung erfährt, wie der Franquismus in Spanien. Ob der Nationalsyndikalismus, wenigstens theoretisch, in der Lage gewesen wäre, Spanien zu einen, kann ich nicht beurteilen. Dafür fehlt mir das Hintergrundwissen.
    Ob der Irre aus Braunau eine Seele hatte, ist tatsächlich eine gute Frage. Für mich ist er Mephisto, der einen Vertrag aus Blut, mit diesem Land geschlossen hatte.

  12. Carlos Wefers Verástegui

    @ Tortuga

    Ich meine, Geopolitk und Ideologie können wir allgemein zu »politischen Beweggründen« = Kalkül zusammen fassen.

    »Auffällig ist ja, daß man tatsächlich fast immer, mit autokratisch-konservativen Regierungen zusammen gearbeitet hat, während man die jeweiligen faschistischen Gruppierungen in diesen Ländern weitestgehend ignoriert hatte« – das ist ja normal, wenn man bedenkt, wie unwichtig die echten faschistischen Gruppierungen anfangs waren. In Spanien z.B kam der Zulauf zu den Falangisten erst mit dem Bürgerkrieg ab Juli 1936. Mein eigener Grossvater und mein Uronkel sind erst im Sommer 1936 der Falange beigetreten, meine Familie war dabei katholisch-traditionalistisch. Die Volksbasis des Militäraufstands war überhaupt katholisch. Schaut man nach Ungarn, Österreich und Portugal, schaut es sehr ähnlich aus. Das Dollfussregime z.B. war so faschistisch nicht, eher eine Mischfigur (»Fastnachtsscherz«, O. Spann).

    Der Franquismus hat die antiliberale Rechte von Grund auf verdorben und diskreditiert. Das Zweite Vatikanische Konzil hat der traditionalistischen Rechten dann den Todesstoss versetzt. Der Regionalismus war ureigenster Bestandteil des Karlismus, heute haben wir radikaldemokratische National-SOZIALISMEN im Baskenland und Katalonien, die nur dem Spaniertum gegenüber rassistisch sind.

    Dass das NS-Regime im Gegensatz zu der UdSSR in Europa »nur« hegemoniale Bestrebungen hegte, ansonsten aber Grossdeutsch sein wollte mit einer Ausbreitung seines Machtbereichts nach Osten, ja, sogar bis zum nahen Osten, macht es nicht sympathischer. Ich kenne Leute, die halten Stalin tatsächlich für ein geringeres Übel als Hitler. Warum heute (Hitler-)Deutschland der einzige wirkliche Teufel ist, man von anderen aber nicht das Gleiche sagen darf, wissen wir zu genüge.

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