Anstoß

Das absehbare Ende der Marine Le Pen

„Ohne mich in die internen Debatten der AfD einmischen zu wollen, gilt mein Vertrauen ganz und gar Frauke Petry. Ich kenne ihre Integrität und ihre untadelige politische Linie. Wir haben eng in der ENF-Gruppe im Europaparlament zusammengearbeitet.“ Diese Stellungnahme verbreitete Marine Le Pen auf Twitter kurz nach der Pressekonferenz von Frauke Petry, in der diese bekannt gab, nicht der AfD-Bundestagsfraktion angehören zu wollen.

Viele dürfte diese Stellungnahme von der in Deutschland unisono als „rechtsextrem“ gescholtenen Politikerin überrascht haben, dabei ähneln sich die Wege von Frauke Petry und Marine Le Pen in den letzten Monaten erstaunlich: Beide haben sich von ihren Parteien entfremdet und viele ihrer Unterstützer verprellt. Beide wollen in seichteren politischen Gewässern fahren und beide haben womöglich ihre besten Tage hinter sich. In meinem Artikel „Wenig Front, wenig national: Marine Le Pen auf Abwegen“ wies ich bereits auf diese Entwicklung hin.

Das gemäßigte Lager im Front National spaltet sich

Doch skurrilerweise lässt sich auch eine Parallele von Frauke Petry zu Marine Le Pens ärgstem Feind, Florian Philippot, ziehen. Dieser hatte parteiintern nämlich mit „Les Patriotes“ eine eigene Plattform aufgebaut und war schließlich nach der Niederlage von Le Pen von dieser als Vize-Vorsitzender des Front National geschasst worden. Dabei waren sowohl Marine Le Pen als auch Philippot keine Anhänger eines harten Kurses, sondern gesellschaftspolitisch eher liberal; Philippot sogar schwul.

Philippot verfolgte die Strategie der Entdiabolisierung besonders intensiv und stand auch hinter dem sozialpopulistischen Kurs der Partei, der einigen in Deutschland als zu sozialistisch erschien. Getrennt haben sich die Wege der beiden eigentlich nur, weil Philippot zu mächtig wurde und für zwei Führungspersönlichkeiten im traditionell personenfixierten Front National wohl kein Platz war. Nun könnte der geschwächten, orientierungslosen Partei also eine weitere Konkurrenz erwachsen, denn Philippot hat viele Unterstützer in seine neue Bewegung überführt. Diese soll sich in ihrer Struktur an Macrons „En marche“ orientieren, weil Parteistrukturen zu verkrustet seien – genauso hatte sich auch Frauke Petry jüngst geäußert. Ähnlich wie in der AfD hat sich der gemäßigte Flügel damit in zwei Gruppen gespalten: Der eine innerhalb, der andere außerhalb der Partei.

Philippots Begründung, der Front National kehre zu seinen hartrechten Wurzeln zurück, wirkt eher vorgeschoben. Doch in der Tat könnten seine abgegangenen gemäßigten Anhänger Marine Le Pen in die Bredouille bringen, denn die Anhänger ihres Vaters und ihrer Nichte Marion Maréchal-Le Pen wittern schon seit längerem ihre Chance.

Der Wähler vertraut Marine Le Pen nicht mehr

Die haben sie offenbar nicht nur bei den Parteimitgliedern, sondern vor allem auch beim Wähler. Eine neue Umfrage des Instituts Odoxa-Dentsu Consulting für Le Figaro und Franceinfo hat Erstaunliches zutage gefördert. Marine Le Pen sieht mittlerweile eine Mehrheit von 52 Prozent der Befragten als ein „Handicap“ für die Partei an, während 46 Prozent in ihr immer noch einen besonderen Wert sehen. Deutlich besser haben sich die Werte von Marion Maréchal-Le Pen entwickelt: Sie sehen nur 40 Prozent als Belastung und 58 Prozent als „Kapital“ der Partei.

Anbiederung hat nichts gebracht

Gut möglich also, dass Marine Le Pen mit ihrer insbesondere in der zweiten Präsidentschaftsrunde bis an den Rand der Selbstaufgabe betriebenen Anbiederung an „die Mitte“ und der von ihr angedachten Namensänderung der Partei einfach zu weit gegangen ist. Der nach dem historisch guten Abschneiden der Partei geführte, erstaunlich negative und defätistische Diskurs in der Partei war ohnehin rational kaum nachvollziehbar.

Nach dem von mir in mehreren Artikeln aufgezeigten europäischen Trend der Anbiederung der Rechtsparteien an die gegenwärtigen Verhältnisse, in der irrigen Annahme dadurch Wahlen gewinnen zu können, könnte beim Front National nun langsam aber sicher die Abkehr von diesem feigen und falschen Kurs erfolgen.

(Bild: Marine Le Pen; Global Panorama, flickr, CC BY-SA 2.0)

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2 Kommentare

  1. >> gilt mein Vertrauen ganz und gar Frauke Petry. Ich kenne ihre Integrität und ihre untadelige politische Linie

    Wenn Florian Philippot noch FN-Leiter für Strategie und Kommunikation wäre, hätte MLP sich (und vor allem der FN) diese Peinlichkeit ersparen können. Aber den hat sie ja entlassen.

    >> Wir haben eng in der ENF-Gruppe im Europaparlament zusammengearbeitet

    Kaum möglich, denn Frauke Petry ist gar keine Abgeordnete im „Europaparlament“. Vielleicht hat sich MLP auf die Einflüsterungen eines gewissen Markus sowieso (Nachname ist mir schon entfallen) verlassen.

    > waren sowohl Marine Le Pen als auch Philippot keine Anhänger eines harten Kurses, sondern gesellschaftspolitisch eher liberal; Philippot sogar schwul

    Seit wann sind liberal und schwul Kurse?

    > Philippot […] stand auch hinter dem sozialpopulistischen Kurs der Partei, der einigen in Deutschland als zu sozialistisch erschien

    Mit dem „sozialpopulistischen Kurs“ hat MLP immerhin 34 Prozent der Wähler für sich begeistert! Wäre also kein Grund gewesen, Florian Philippot als Chefstrategen zu entlassen.

    Es gibt „einige in Deutschland“, die einen nur „sozialpopulistischen Kurs“ für zu wenig sozialistisch halten. Und vor allem für zu wenig alternativ 🙂

  2. Wer nicht klar und unbeirrt sein Ziel ansteuert, kommt vom Wege ab und damit nicht mehr zum Ziel. Beide sind aber vom Weg zum Ziel abgewichen und haben sich „verlaufen“. Wer meint Plätze in der Mitte einnehmen zu wollen, kann sich auch gleich z. B. der CDU oder SPD anschließen, braucht gar nicht erst eine neue Partei zu gründen. Ich könnte hier auch noch andere Gründe dafür aufführen, warum beide nicht ihr Gründungsziel erreichen können.

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