Gesichtet

Das Fortleben der „schwarzen Legende“

Immer noch sehr beliebt unter Multikulti-Sentimentalisten sowie Besserwissern ist die Anklage, die Spanier hätten die Juden und Araber vertrieben bzw. mit Gewalt zum Christentum bekehrt. Diese Anklage ist allerdings nur erbärmlich dumm und oberflächlich.

Ähnlich verhält es sich mit dem Vorwurf – so gehört während meiner Gymnasialzeit, und zwar aus dem Mund einer türkischen Mitschülerin – spanische Mönche hätten in ihrem Fanatismus wertvolle arabische Bücher und Handschriften verbrennen lassen. Das ist nur teilweise richtig. Es gab mehr als genug Geistliche, die diese Schätze sammeln und übersetzen ließen.

Auch bezüglich vorkolumbischer Kodizes gab es mindestens genauso viele Rettungen wie Verbrennungen. Man kann auf die Menschen vergangener Jahrhunderte wohl kaum die moralischen Maßstäbe unserer unbedarften Gegenwart anwenden, die umso unbedarfter ist, je mehr weichgespült „pluralistisch“ und absurd-tolerant sie ist.

Antispanisches Ressentiment der Deutschen und Niederländer

Die Deutschen haben die Spanier auf dem Kieker spätestens seit dem Dreißigjährigen Krieg: Unzählig sind die Flugblätter, die vom „spanischen Türck“ und seinen Gräueltaten berichten. Schiller hat in seinem Wallenstein II – Die Piccolomini sehr gut die im damaligen Heiligen Römischen Reich verbreitete Meinung eingefangen. Er lässt den böhmischen Kellermeister sagen (zu Neumann): „´s ist nichts mit den Hispaniern, sag ich Euch, die Welschen alle taugen nichts.“

Dass gerade protestantische Menschen den Spanier mit Verachtung, fast schon Ekel, betrachten, das  habe ich selbst erlebt, wenn auch nicht am eigenen Leib. Und noch vor dem Dreißigjährigen Krieg hatten die Protestanten aus Philipp II. – den, der von den Engländern höhnisch „unbesiegbar“ genannten Armada – den „Teufel des Südens“ gemacht.

Das wurde auf alle Spanier ausgedehnt und hält wohl noch bis heute vor. Die Niederländer kultivierten über Jahrhunderte eine spezifische Abneigung gegen das Spaniertum. Der Grund: Der Herzog von Alba hatte im 16. Jahrhundert den niederländischen Aufstand blutig niedergeschlagen, die Grafen Horn und Egmont zum Schrecken aller hinrichten lassen. Daraus wurde ein echter Dauerbrenner, erst in der protestantischen, dann in der von dieser beeinflussten liberalen Geschichtsschreibung. Und noch heute soll der blutrünstige Alba in einigen Gegenden Belgiens und Hollands ungehorsame Kinder holen kommen …

Das mit den Ureinwohnern Amerikas

Was den Spaniern immer noch vorgeworfen wird, ist tatsächlich die Eroberung, Kolonisierung, Ausbeutung, und Unterdrückung der amerikanischen Ureinwohner, namentlich der Inkas und Azteken. Die Spanier sollen die Hauptschuld – für manche Alleinschuld – an ihrer Ausrottung tragen.

Dabei hatten diese Völker Glück, dass es Spanier waren, die sie eroberten, nicht Engländer oder Franzosen. In diesem letzteren Fall nämlich wären sie wirklich geschlachtet worden. Auch war es nur eine Handvoll Spanier, die unter Cortés das Aztekenreich eroberte. Und weder das Pferd, noch die Feuerwaffen noch die unpraktischen Rüstungen brachten den Eroberern einen Vorteil.

Den Vorteil brachten ihnen verbündete Indianerstämme, die bis dato Opfer der menschenfressenden Azteken gewesen waren. Übrigens: Den Kannibalismus der Azteken interpretiert der Anthropologe Marvin Harris als eine Form der Ausbeutung, und zwar der Proteine wegen. Ein schlimmeres Motiv der Ausbeutung als dieses kann man sich gar nicht vorstellen.

Menschenrechte – christlich begründet

Ausbeutung durch die Spanier, wenn auch weniger krass als die der Azteken, gab es zwar in Mexiko genauso wie in den Anden. Dennoch versuchten spanische Vizekönige, Gouverneure und Geistliche, das Los der Eingeborenen zu verbessern. Und im Mutterland wurde die Rechtmäßigkeit der Eroberung diskutiert. Zum ersten Male in der Geschichte wurden die Menschenrechte, und zwar vom christlichen Gedanken aus, begründet.

Kein anderes Volk hätte sich die Mühe gemacht, Wilden Menschenrechte zuzugestehen, auch wenn das in der Praxis nicht immer zu realisieren war. Es wurden Maßnahmen getroffen, wie die sich selbst verwaltenden jesuitischen Reduktionen (Schutzgebiete) für die Indianer Paraguays. Also: so böse und unbarmherzig sind die Spanier doch nicht umgesprungen mit ihren Indianern.

Alexis de Tocqueville erwähnt bezüglich der Ausrottung der Indianer, dass die US-Amerikaner damit viel erfolgreicher waren als die Spanier. Tocqueville hatte selbst in Erfahrung gebracht, wie die US-Amerikaner mit den Ureinwohnern verfuhren, bezüglich der Spanier jedoch stand auch er leider unter dem Einfluss der „schwarzen Legende“.

Ein unverzeihliches Weltreich modelt den Nationalcharakter für Jahrhunderte

Das unverzeihlichste Verbrechen der Spanier jedoch ist, ein großes Weltreich besessen zu haben, eine Tatsache, die das britische „Empire“ von Geburt an mit einem bösen Minderwertigkeitskomplex belastete: Wie war es nur möglich, dass der göttlichen angelsächsischen Rasse in all ihrem Arbeitsfleiß und trotz überlegener Technik und kapitalistischem Reichtum selbst nach zwei Jahrhunderten einfach nicht gelingen wollte, was diesen zurückgebliebenen Katholiken innerhalb weniger Jahrzehnte und mit viel bescheideneren Mitteln gelang?

Die Engländer haben den Spaniern ihr Weltreich nicht verziehen und sind deshalb auch nicht müde geworden, es schlecht zu machen. In Malthus´ Essay on the Principle of Population (1798) werden die spanischen Kolonien als die am schlechtesten verwalteten bezeichnet.

Dieses alles andere als schlecht verwaltete Weltreich dauerte aber fast drei Jahrhunderte. Während seines Bestehens hat es Spanien ausgezehrt bei gleichzeitiger Modelung des Nationalcharakters: ein Stolz, für den es anscheinend nicht den geringsten Anlass gibt, eine für Außenstehende unbegreifliche Unterentwicklung des Arbeitsethos, dagegen aber eine ausgeprägte Neigung, von „in Besitz genommenem Kapital“ zu leben sowie die Unfähigkeit, Benjamin Franklins Satz, dass Zeit Geld ist, zu begreifen – eine fatale Kombination, wenn man sich die kapitalistische Entwicklung des Abendlands vor Augen hält.

Piraten und Spanier

Je schwerer den Spaniern selbst der Anschluss an eine kapitalistische, technologische und politische Moderne fiel, desto mehr hielten sich jahrhundertealte Stereotype und, mit ihnen, die traditionellen Hass- und Zerrbilder. Im Piratengenre der 1940er und noch bis in die 1960er Jahre, z.B. in Pirat der sieben Meere, werden die Spanier der Lächerlichkeit preisgegeben: als schläfrige und tölpelhafte Zeitgenossen, denen man leicht ihre Beute – d.h. das von den Indianern geraubte Gold – wegnehmen kann.

Wie eine späte Wiedergutmachung nimmt sich die Rolle aus, welchen den Spaniern in Fluch der Karibik 4 – Fremde Gezeiten zukommt: tölpelhaft und sogar irrsinnig sind hier nur die Engländer und der verfluchte Blackbeard. Die stolzen Spanier aber sind würdige Nachfahren christlicher Ritter: „Nur Gott kann ewiges Leben verleihen, nicht dieses heidnische Wasser.“

Sie erlegen nicht einer Versuchung, der jeder moderne Mensch sofort erlegen würde, sondern zerstören den „heidnischen Ort“. Das ist wahrhaftige Größe, das sind Spanier, wie sie sein sollen. Die heutige Realität schaut freilich anders aus. Aber, bei welchem Volk, das seine besseren Tage längst hinter sich hat, tut sie das nicht?

(Bild: Philipp II.)

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19 Kommentare zu “Das Fortleben der „schwarzen Legende“

  1. Gert Kreiselmeier

    Sehr interessant, wie auch die gesamte Kolonialgeschichte der Völker Europas, die momentan ja intensiv von den anti-nationalen Universalisten mißbraucht und revisionistisch umgedeutet wird, um bei den christlichen Europäern Schuldkomplexe zu erzeugen und zu nähren. Neben der Objektivierung des Einflusses der Kolonialmächten England, Spanien und Frankreich auf die Kulturalisation ihrer jeweiligen Kolonien bedarf es vor allem einer historischen Neubewertung der Kreuzzüge. Diese waren nach 400 Jahren grausamer Eroberungen und der Zerstörung des antiken, christlichen Nordafrikas und Kleinasiens durch den Islam eine provozierte Verteidigungsaktion Europas. Dabei wurde auf beiden Seiten mit zeittypischen Bandagen gekämpft, was jedoch nicht mit dem hyper-moralischen Gestus der Jetztzeit beurteilt werden kann und darf.

  2. Karl Eduard

    »Immer noch sehr beliebt unter Multikulti-Sentimentalisten sowie Besserwissern ist die Anklage, die Spanier hätten die Juden und Araber vertrieben bzw. mit Gewalt zum Christentum bekehrt. Diese Anklage ist allerdings nur erbärmlich dumm und oberflächlich.«

    Jetzt hatte ich am Ende des Artikels auf die Auflösung des Rätsels gehofft aber nix da. Wie muß ich mir dann die Reconquista vorstellen? Haben die Spanier den Mauren Rückkehrprämien angeboten?

  3. Hans-Joachim Herder

    Sind eigentlich wir Protestanten immer die Schlimmen und Bösen? Was ist dann mit Preußen?

  4. Carlos Wefers Verástegui

    @ Karl Eduard

    Ich habe eigens einen Beitrag zur »Geschichte der Reconquista« verfasst den sie hier auf der BN lesen können. Trotzdem: Die Mauren wurden endlich vertrieben über hundert Jahre nach der Reconquista. Bis dahin gab es mehrere Aufstände der Mauren, z.B. den in den Alpujarras (Norden von Granada), engültig vertrieben wurden sie aber erst anfang des 17. Jahrhunderts durch Dekret: man fürchtete, die Mauren Spaniens könnten dem Osmanischen Reich als »Fünfte Kolumne« dienen. Die wenigen, die blieben, wurden über ganz Spanien verstreut und gingen in der christlichen Bevölkerung auf. Das »arabische« Andalusien ist von daher ein Mythos.

    @ Hans-Joachim Herder

    Nein, die Protestanten sind nicht immer die Schlimmen und Bösen, nur, wie wir alle wissen, hat die Moderne den Protestantismus besonders lieb und deswegen auch die alten Argumente des Kampfes (gegen Spanien, gegen den Katholizismus usw.) sowie viele Vorurteile von ihm übernommen. Natürlich gab es Katholiken, die differenzierter gesehen haben, genauso wie es Protestanten und sogar Preussen gegeben hat, die differenzierter gesehen haben, und zu denen habe ich ebenfalls Beiträge geliefert: »Ein germanophiler Traditionalist« (über Vázquez de Mella) sowie meine Beiträge über den preussischen Historiker und »konservativen Ultra« Heinrich Leo. Der preussische Protestant Leo übrigens verteidigte das Vorgehen Albas in den Niederlanden aus monarchisch-legitimistischen Gründen – damit hatte er über das Ziel hinaus geschossen und sich viele Feindschaften zugezogen.

    Beste Grüsse

  5. Die „schwarze Legende« ist Spanien angehängt worden, weil den Vertretern der Aufklärung und der Revolution die militante Katholizität dieses Landes seit jeher ein Dorn im Auge war. Denn an Spanien sind alle Revolutionen, die Europa erschütterten, nahezu spurlos vorübergegangen. Aus dem blutigen Kampf gegen den Islam und die Häresie formte sich ein Spanien, das Persönlichkeiten wie Ignatius von Loyola hervorbrachte: Seine Gesellschaft Jesu (die „Jesuiten«) ist zum Inbegriff der Gegenreformation schlechthin geworden. Es ist dies ein Spanien, das wegen seines mittelalterlichen, will heißen: authentischen Katholizismus und seiner gegenrevolutionären Tradition ähnlich verleumdet wurde wie die Kirche selbst. Die Feinde des katholischen Spanien, die Kräfte des „Fortschritts«, hat niemand so unnachsichtig gebrandmarkt wie der spanische Adelige Juan Donoso Cortés, der Marqués de Valdegamas (1809-1853), der prompt der „Legende« und der Verdammung als unverbesserlicher katholischer Reaktionär verfiel. Ernst Jünger, der sich vor seinem Tode noch zum Katholizismus bekehrte, schätzte ihn, und Carl Schmitt rühmte an Cortés namentlich dessen Feindschaft gegen den Liberalismus, der jeder Festlegung ausweiche, der es vorziehe, Jesus Christus, den Sohn Gottes und Erlöser der Menschheit, zu einem Sozialreformer zu degradieren, statt die begrenzte menschliche Einsicht der höheren Wahrheit der Inkarnation zu unterwerfen.
    https://sezession.de/3702/donoso-cortes-und-der-katholische-blick-auf-das-abendland

  6. Karl Eduard

    @Carlos Wefers Verástegui

    Dann verweisen Sie bitte das nächste Mal und erklären nicht, daß jeder weiß, »diese Anklage ist allerdings nur erbärmlich dumm und oberflächlich« und wer es nicht weiß, ist dumm und oberflächlich. Jeder weiß auch um die bevorzugte Theorie der menschengemachte Klimaänderung und die, die das propagieren, halten die, die Anderes vermuten, für ignorant und Schlimmeres. Zumindest bestätigen Sie daß die Mauren vertrieben wurden, die Anklage also mitnichten unbegründet ist. Dieser ganze Einleitungsteil ist also völlig irreführend wenn das eigentliche Thema ist, warum Spanien und die Spanier in der Blütezeit des spanischen Reiches als Trottel dargestellt werden.

    Wahrscheinlich aus demselben Grund, aus dem die Fritzen als Trottel dargestellt werden, abgesehen von ihrem anderen Part als blutsaufende Monster.

  7. Jürgen Graf

    @Karl Eduard

    Warum soll die Tatsache, dass die Spanier die Mauren (und Juden) vertrieben haben, Grund zu einer »Anklage« sein? Sie haben richtig gehandelt. Die Mauren waren als EiIndringlinge gekommen und hatten das Land jahrhundertelang unterjocht. Hätten die Spanier jene, die am Islam festhielten, auf Dauer auf ihrem Territorium dulden sollen?

    Auch Deutschland und Westeuropa allgemein werden nur überleben, wenn der allergrösste Teil der mit der Komplizenschaft, ja aktiven Förderung der verräterischen Regime eingedrungenen Muslime und Afrikaner repatriiert wird. Hoffentlich wird es möglich sein, diese Repatriierung zivilisiert und stufenweise durchzuführen und den Rückwanderern noch »Prämien« auszuzahlen, wie Sie schreiben.

    @Gustav

    Danke für den Hinweis auf den wertvollen Artikel in der »Sezession« von 2007. Ich habe diese Zeitschrift und Website erst 2014 kennengelernt. Es dürfte sich lohnen, alle alten Hefte, soweit noch lieferbar, zu bestellen. Es gibt im deutschen Sprachraum keine rechte Publikation, die auch nur annähernd mit dem Niveau dieser konkurrieren könnte.

  8. Carlos Wefers Verástegui

    @Karl Eduard

    Lieber Herr Karl Eduard,

    was Sie anstössig finden ist eindeutig Geschmackssache. Ich habe diesen zweiten Teil des Artikels so eingeleitet, wie ich es für richtig halte. Leider lässt sich eine solche Vorgehensweise nicht vermeiden, denn, es schreibt eben immer der, der schreibt, und nicht Leser X oder Leserin Y. Ein Leser kann mit mir mehr oder minder übereinstimmen oder nicht, es ALLEN recht zu machen will ich nicht und kann ich auch nicht. Ich kann auch nicht in aller Köpfe hineingucken und herumspuken um nachher einen allgemein gefälligen Artikel zu schreiben der noch dazu unter meinem Namen veröffentlicht wird. Trotzdem danke ich Ihnen Ihren Kommentar!

  9. Man fragt sich, ob der Conservative, zumindest, wenn er den Rang des Elaboratveröffentlchers erreicht hat, auch anders als im geschliffenen Modus Patzig zu antworten vermag…

  10. Carlos Wefers Verástegui

    @ Carl Sand

    Die meisten Leute wollen unterhalten, nicht verstanden werden, und achten deshalb nicht so sehr darauf, ob gut oder schlecht., patzig, geschliffen, grobianisch oder reckenhaft. Der Conservative wäre auch lieber mit Degen und Duellpistolen unterwegs, anstatt dass er vor dem Bildschirm patzig werden müsste. Sein Gegenüber nicht sehen, nicht wissen, wie er wirklich tickt, und dauernd Psychologie und zwischen den Zeilen lesen zu üben, bringt selbst den Nervenstärksten aus der Fassung und macht ihn patzig.

  11. Dienst-bote

    So nach und nach eröffnet sich mir Spaniens (Kultur-)Geschichte,, was nicht so einfach verläuft wie mit Italien/Rom. Ihr Artikel hat dazu beigetragen, meine Sicht zu weiten. Das ist ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Danke.

  12. Robert Wagner

    Der Autor hat schon recht, wenn er das schlechte Image der Spanier in früheren Zeiten gerade in protestantischen Ländern betont. Das habsburgische Spanien war im 16. und 17. Jh., dem Zeitalter der Glaubensspaltung und der Religionskriege, die unbestrittene Vormacht der katholischen Gegenreformation. Seine Könige, insbesondere Philipp II. (1556-1598), sahen es als ihre heilige Pflicht an, die protestantischen Häresien zu bekämpfen und ganz Europa wieder zum katholischen Glauben zu führen. Man braucht keine besonders große Fantasie, um sich vorzustellen, wie unbeliebt die Spanier in den protestantischen Ländern dementsprechend waren. Das gilt ganz besonders für den nördlichen Teil der Spanischen Niederlande (in etwa die heutigen Niederlande), die der Reformation anheim vielen und einen über 80jährigen Freiheitskampf gegen die spanische – um genau zu sein: die kastilische – Monarchie führten, die kurz vor Beginn der Glaubensspaltung über eine kluge Heiratspolitik in den Besitz dieses Gebietes (Herzogtum Burgund) kam. In diesem Sinne führten die Niederländer einen regelrechten Propagandafeldzug gegen die Spanier, die sie u. a. als unzivilisierte Barbaren und blutrünstige Indianerschlächter darstellten. Eine (hinsichtlich der Verfehlungen in Amerika allerdings nicht völlig abwegige) Propaganda, die in ganz Europa fruchtete, besonders natürlich in den anderen protestantischen Territorien wie Deutschland und England, aber auch in katholischen Gebieten, namentlich Italien, wo die Spanier seit 1559 unbestrittene Hegemonialmacht waren. Diese Stereotypen, die allerdings erst seit gut 100 Jahren unter dem Begriff der Schwarzen Legende (leyenda negra) zusammengefasst werden, verbanden sich dann in späterer Zeit mit dem Vorurteil hoffnungsloser Rückständigkeit, das allerdings nicht ganz unbegründet war – Spanien nahm an der europäischen Geistesgeschichte des 18. und 19. Jhs. nur noch peripher Anteil. Dieses Bild vom rückständigen Spanien blieb noch lange bestehen, was natürlich auch daran lag, dass Spanien unter der Franco-Diktatur alles andere als ein Leuchtfeuer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Modernität war.

    Dass aber noch heute, Jahrhunderte nach den Glaubenskriegen, die Deutschen ganz allgmein die Spanier »auf dem Kieker« haben bzw. »protestantische Menschen« »dem Spanier« mit Verachtung und gar Ekel begegnen sollen, ist arg übertrieben, eigentlich völlig haltlos. Man sollte die antikatholische bzw. antispanische Propaganda des Dreißigjährigen Krieges, der immerhin 400(!) Jahre zurückliegt, in ihrer Bedeutung für die heutige Zeit nicht überbewerten. Dasselbe gilt für das Schiller-Zitat, das einen guten Beleg abgibt für das um 1800 und auch noch später gängige Vorurteil der spanischen Rückständigkeit, aber sicher nicht dafür, dass die heutigen Deutschen eine spezifische Abneigung den Spaniern gegenüber hätten; dafür bräuchte es schon Quellen aus diesem Jahrhundert. Ich kann zwar nicht für die Niederlande oder England sprechen, aber auch von einer Verachtung oder einem Ekel Spaniern gegenüber habe ich noch nie gehört, weder von protestantischer, noch von sonst einer Seite. Da ich durch meine Familie schon von klein auf oft mit Spaniern zu tun hatte und mich im Rahmen meines Studiums mit Spanien und seiner Geschichte beschäftigt und viel Umgang mit Spaniern gehabt habe, kann ich das auch mit einiger Gewissheit sagen. Wenn der Autor davon berichtet, eine solche Verachtung selbst schon erlebt zu haben, stellt sich mir die Frage, ob das nicht bloß ein besonders gelagerter Einzelfall gewesen sein könte; vielleicht schreibt er ja noch etwas dazu, es würde mich auf jeden Fall interessieren. Die Zeiten von Glaubenskriegen und Gegenreformation, als Katholiken und Protestanten einander mit Verachtung und Abscheu begegneten, sind jedenfalls zum Glück schon sehr lange vorbei. In den heutigen Zeiten europäischer Integration findet man solche Aversionen meiner Meinung nach eigentlich überhaupt nicht mehr; außer vielleicht man bewegt sich in extrem rückwärtsgewandten klerikalen Kreisen wie dem Opus Dei oder in fundamentalistisch-protestantischen Milieus, wie man sie in evangelikalen Freikirchen us-amerikanischer Prägung findet.

    Warum der Autor aber seine Ausführungen zu (vermeintlich bis heute fortlebenden) antispanischen Ressentiments mit der erstaunlich arroganten These einleitet, es wäre »erbärmlich dumm und oberflächlich«, zu behaupten, die Spanier hätten die Juden und Moslems aus dem Land vertrieben, ohne genau darauf im weiteren Verlauf des Artikels mit auch nur einem Wort einzugehen, erscheint zunächst sehr rätselhaft und irritierend. An den Zwangsbekehrungen und den großen Vertreibungen von 1492 (Juden) und 1502 (Moslems) besteht nicht der geringste Zweifel; ausgerechnet als Historiker Gegenteiliges zu suggerieren, ist schon ziemlich bizarr. Ein solches Vorgehen macht eigentlich nur Sinn, wenn man darauf spekuliert, dass historisch weniger geschulte Leser durch den weiteren Inhalt dieses Artikels, der ja so abwegig nicht ist, zu der irrigen Annahme verleitet werden, dass auch diese Zwangsbekehrungen und Vertreibungen nur Ausdruck einer »Schwarzen Legende« seien und also nie stattgefunden hätten. Dabei geht die historische Wirklichkeit sogar noch darüber hinaus. Man hat diese Bevölkerungsgruppen sogar nicht nur aus dem Land geworfen, sondern darüber hinaus auch die Nachfahren der (zwangs)konvertierten Juden und Moslems systematisch als »mit unreinem Blut befleckte« Außenseiter stigmatisiert. Diese Diskriminierung betraf v. a. die jüdischstämmigen Neuchristen (conversos), obwohl oder gerade weil sie in den sozio-ökonomisch einflussreichen Schichten allgegenwärtig waren. Zu diesem hochinteressanten, weil sowohl theologisch als auch biologisch (genealogisch) begründeten vormodernen Rassismus der »Blutreinheits«-Doktrin (limpieza de sangre) könnte ich noch viel beisteuern, aber das würde den Rahmen hier wohl sprengen.

    Ob das nun tatsächlich der Hintergedanke des Autors war, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Oder möchte er etwas dazu sagen?

  13. Carl Sand

    Robert, Robert, Robert…

  14. Carlos Wefers Verástegui

    @ Robert Wagner

    Ja, Sie müssen SICH und anderen etwas beweisen. Möchtegerndenunziant, Gesinnungspolizist… sind Sie noch ganz bei Trost? Haben Sie keine Familie, Arbeit, Hobby, Haustier oder wenigstens ab und zu Geschlechtsverkehr mit jemanden? Haben Sie nicht fertig studiert, und müssen mir beweisen, was für ein Geschichtsklitterer ich bin, um sich so wertvoll zu fühlen? Zur Schuld nun auch das Gefühl der Minderwertigkeit?

    Va un hombre al médico. Después de un examen exhaustivo, el médico le dice: »El caso es que no le veo nada. ¿Qué es exactamente lo que le pasa?« »Doctor, sucede que tengo un complejo de inferioridad.« »No se preocupe, no tiene ningún complejo de inferioridad, Ud. es inferior.« 😉

  15. Robert Wagner

    @ Carlos Wefers Verástegui:

    Ernsthaft, Hr. Wefers Verástegui? Weil ich auf offensichtliche Schwächen und ein unseriöses, weil suggestives Vorgehen in Ihrer Argumentation aufmerksam mache, um den Artikel für andere Leser einzuordnen, bin ich ein Gesinnungspolizist und Denunziant? Sie sollten nicht Redlichkeit mit Gesinnung verwechseln. Und bei wem denunziere ich Sie eigentlich? Und ganz ernsthaft: Sie sollten mal darüber nachdenken, wer hier eigentlich was beweist ;-). Aber schön, dass Sie indirekt eingestehen, was Sie sind: ein Geschichtsklitterer.

    PS: Sie können noch soviel quängeln, jammern, mit vulgären Andeutungen und Witzchen um sich schmeißen und mir vorwerfen, ich sei nicht mehr ganz bei Trost, nur weil Sie keine Argumente mehr haben. Mundtot machen Sie mich so nicht, im Gegenteil. Das hier IST mein Hobby. 😉

  16. Carlos Wefers Verástegui

    @ Robert Wagner

    Mundtot? Warum denn -tot? Sie sind doch nur ein kreischender kranker Mund der Zückerchen oder auch nur Klammern braucht. Haben Sie überhaupt zuende studiert? Heut´ schon die Medikamente genommen?

  17. Carlos Wefers Verástegui

    @ Robert Wagner

    Wären Sie noch bei Trost, Redlichkeit wäre Ihre Sache nicht, Sie Ärmster!

  18. Klaus-P. Kurz

    @ Carlos Wefers Vera’stegui:

    Dejalo en paz! El no entiende nada y si, el es inferior. Lamentablemente el internet produce este tipo de gente mas o menos continuamente.
    I have given up myself to engage in a discussion with this kind of people, it’s a waste of time.
    Robert Wagner has proven that he can only think in tunnel-visioned patterns, he is unable to even imagine extraordinary but interesting ways of thinking. He is a typical brain-washed product of his time. Unfortunately he and his kind might well be the final down fall of Germany

  19. Robert Wagner

    Oh weh, und das Niveau sinkt immer weiter rapide ab. Jetzt kommt ihm auch noch Klaus-P. »Die gesamte deutsche Geschichtswissenschaft ist eine einzige Verschwörung, nicht Otto von Bismarck (1871), sondern Oto der Große (968) ist der Architekt der deutschen Einigung« Kurz zu Hilfe, allerdings nur bei der Diffamierung meiner Person. Und ich hatte wirklich kurz gehofft, der Autor oder irgendjemand anderes könne irgendein Argument, irgendein Beispiel für diese angeblichen, weit verbreiteten, spezifischen antispanischen Ressentiments auf Seiten der Deutschen anführen, das nicht über 200 Jahre alt ist. Ich lerne ja gerne dazu.

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