Anstoß

Das Placebo politischer Illusionen

Vorab: Keine Sorge, hier sollen keine Emotionen behandelt werden. Es ist also einigermaßen sicher, weiterlesen zu können, wenn auch unser tägliches Leben in der Regierungsform, von der wir glauben, sie sei die beste aller Zeiten, von einem gewöhnungsbedürftigen Blickwinkel aus betrachtet wird.

Ja, Sie haben richtig gelesen: „… von der wir glauben …“ Wir werden sehen, daß dieses Wort des „Dafürhaltens“ sich für eine Beurteilung unseres politischen Daseins besser eignet als zum Beispiel der Begriff des „Betrachtens“. Wenn wir nämlich die angeblichen Vorteile dieser Staatsform benennen sollen, werden wir bald sehen, daß sie vorwiegend auf Wunschvorstellungen beruht. Wie es eben Religionen so eigen ist.

Darum schwindeln Demokraten

Nun, vielleicht nicht ganz, denn schließlich verschieben Religionen ihre Belohnungen in eine weit entfernte Zukunft jenseits des Todes. Dieser Umstand macht es ihnen recht einfach, ihre Zusagen zu halten. Insofern laufen die hehren Versprechungen unserer so genannten Demokratien ein höheres Risiko, als Schwindel entlarvt zu werden.

Schwindel? Was für ein Unsinn! Sind wir nicht frei in unserer Entscheidung, wie wir leben wollen? Wen wir als unsere Volksvertreter möchten? Wem wir unsere Verwaltungen anvertrauen? Unsere Schulen, unsere Lebensmittel- und medizinische Versorgung, unsere Umwelt? Oder wie wir unsere Privatsphäre schützen wollen? Wo wäre dies sonst möglich? Doch wohl nicht in einer Diktatur oder absoluten Monarchie?

Nun, wie es einst Churchill so treffend beschrieb, gleicht die Diktatur einer stolzen Fregatte unter vollen Segeln. Fürwahr ein majestätischer Anblick, aber ein einziger Felsen kann die Katastrophe bedeuten. Während man sich in einer Demokratie wie auf einem Floß befindet: Es kann nicht sinken, aber ständig hat man nasse Füße.

Die Qualität unserer Staatslenker

Vielleicht ist es nicht ganz so schlimm, aber nur um an die Qualität einiger unserer Staatslenker zu erinnern, lasse man mich einige zitieren: „Tatsachen sind dummes Zeug.“ (Ronald Reagan), „Die große Mehrzahl unserer Importe kommt von außerhalb des Landes.“ (G.W. Bush), „Belgien ist eine wunderschöne Stadt.“ (Donald Trump).

Macht nichts, das sind halt Amerikaner, könnte man sagen, doch in Deutschland sieht es nicht besser aus: „Ist mir egal, ob ich schuld am Zustrom der Flüchtlinge bin. Nun sind sie halt da.“, „Denken beim Reden ist auch nicht so einfach.“, „Alles, was noch nicht gewesen ist, ist Zukunft, wenn es nicht gerade jetzt ist.” (alles Angela Merkel), „Wenn sich Menschen von einem Projekt abwenden, dann geht das irgendwann zu Ende.” (Martin Schulz, SPD)

Muß man sich nicht fragen, wie um Himmels Willen all diese Halbgaren, die unsere Gesellschaften regieren, in solche Führungspositionen gelangen konnten? Vielleicht hat es etwas mit dem seltsamen Umstand zu tun, daß, während alle von uns Genehmigungen und Scheine benötigen, um ein Auto zu fahren, eine Waffe zu besitzen oder auch nur um Gemüse zu verkaufen, jedermann ein Politiker werden und schließlich ein Land führen kann, ohne jegliche Qualifikation außer vielleicht einem großen Mundwerk und Geld.

Buchhändler, Taxifahrer und Studienabbrecher

Für diese Annahme gibt es interessante Belege: Der frühere Präsident des Europäischen Parlaments und ehemalige Kanzlerkandidat Martin Schulz mußte wegen schlechter Leistungen seine Schule verlassen, spielte Fußball, wurde Alkoholiker und Buchhändler. Der ehemalige deutsche Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer (Grüne) war immerhin Taxifahrer.

Aber könnte man diese Quatschköpfe nicht etwa dadurch vermeiden, daß man höhere Qualifikationsanforderungen einführte und dadurch bessere Ergebnisse zu erwarten hätte? Wahrscheinlich nicht. Eine solche Maßnahme wäre kurzsichtig, weil sie die weitverbreitete Ignoranz und Gleichgültigkeit der Bevölkerungsmehrheit nicht berücksichtigte.

Sollten dann eventuell nur Leute mit einer Wahlberechtigung wählen gehen dürfen, die sie in der Schule oder in Kursen erwerben könnten? Also kein allgemeines Wahlrecht mehr? Oder ein auf sozialen Klassen beruhendes? Womöglich nur noch für einige Privilegierte? Wie undemokratisch! Oh, ich kann die Entrüstungsschreie buchstäblich hören!

Das Volk der Steuerzahler

Obwohl die Schreier ganz offensichtlich gar nicht wissen, was Demokratie bedeutet, nicht wahr? Demos kratein: Diese altgriechischen Wörter stehen für „Volksherrschaft“. So wurde es uns gelehrt. Also bitte, gibt es denn auch nur den Schatten eines Zweifels an diesem eisernen Gesetz? Ja, den gibt es, und es ist tatsächlich ein ziemlich langer Schatten.

Der Grieche, der vor etwa 2.500 Jahren höchst effektiv diese Regierungsform begründete, war Perikles, und er tat genau, was ihm aufgetragen worden war, nämlich: „Andere Zeiten erfordern andere Maßnahmen. Deshalb passe unsere Ziele den neuen Bedingungen an und umgekehrt.“

In der Tat bedeutet Demos kratein nämlich nicht „Volksherrschaft“. Ja, ganz richtig, denn Demos bezeichnet nicht „das Volk“, sondern den „Steuerzahler“, in einem figurativen Sinn sogar die „steuerzahlende Masse“, und dieser Begriff hat auch nichts zu tun mit dem Volk als einer natürlichen Einheit von ähnlichen Einzelmenschen. Das richtige griechische Wort für diese Art von Menschengruppen wäre eher Laos.

Beherrschung der Massen

Doch wie bedeutsam diese betrügerische Fehlinterpretation wirklich ist, offenbart sich nicht, bevor wir nicht auch das Wort kratein untersuchen: Es bedeutet nicht „herrschen“, sondern „herrschen über“, „beherrschen“ oder „dominieren“. Das genaue Gegenteil dessen, was sonst behauptet wird. Das richtige (alt)griechische Wort für „herrschen“ wäre archein. Folgerichtig hieße dann „Volksherrschaft“ Laos archein und demos kratein Beherrschung der Massen der Steuerzahler oder einfach und eindeutig „Beherrschung der Massen“.

Weil aber Perikles die Seelen der Massen perfekt verstand, lenkte er sie ab von dem, was für seine wahren Vorgesetzten wichtig war, indem er sie glauben ließ, sie hätten etwas zu sagen, obwohl dieses Etwas ganz und gar bedeutungslos war. Die Bürger Athens wurden turnusmäßig Mitglieder zahlloser Ausschüsse. Jeder beschäftigte sich mit Politik, fällte heute Entscheidungen, die er morgen widerrief. Perikles führte auch Anwesenheitsgelder für jedermann ein, sogar für diejenigen, die vollendeten Unsinn im Parlament redeten. Wer aber hätte unter solchen Bedingungen noch arbeiten wollen? Richtig, nur noch wenige. Läutet da etwa ein Glöckchen?

Um diesen Verlust an Arbeitskraft auszugleichen, importierte der Grieche einfach mehr Sklaven. Man sieht also: Demokraten haben nichts gegen Sklaverei. Denken wir daran: Was sonst bezweckt in diesem Zusammenhang die heutige Globalisierung?

Mit volkstümlicher Unterhaltung aller Art lief Perikles‹ „Goldenes Zeitalter“ sehr gut. Natürlich besonders für diejenigen, die „gleicher waren als andere“. Aber was tat die Minderheit jener, die ein böses Erwachen befürchteten? Wurden sie vielleicht Faschisten, Nazis oder Kommunisten genannt? Nein, das kam später, aber läutet das Glöckchen nun lauter?

Demokratie und Fortschritt

In dieser sogenannten Demokratie wurden die Athener drogenabhängig, und ihre Droge war ein Beruhigungsmittel, das wir Fortschritt nennen, und ohne welches Demokratie nicht funktioniert. Niemals! Die Illusion von Fortschritt ist, philosophisch gesehen, ein Denkzwang, welcher von einer psychosomatischen Erkrankung herrührt. Er ist im Wesentlichen ein Ersatz-Phänomen: Das Gehirn des Massenmenschen, das sich ohne Anpassung emanzipierte, verkraftet sein plötzlich verlangtes Empfinden für größere Dimensionen nicht.

Es verliert den Halt in der neuen Weite, es wird haltlos, labil. Wenn sein klein-maßstäblicher Sinn verwirrt, abhanden gekommen ist, kann es auch keinen Sinn in einer neuen, unverstandenen Größe sehen. Es vermutet nur, daß er irgendwo sich befinden muß, irgendwo in der Zukunft mit der Belohnung und erwarteten Befriedigung. Das heißt also: Vorwärts! Immer vorwärts!

Die wirkliche Bedeutung dieser Art Fortschritt ist jedoch lediglich der Wechsel. Sie hat nichts zu tun mit einer höheren Entwicklung, wie man dies immer fälschlicherweise mit dem Begriff Fortschritt verbindet. Die erkrankte Seele wird letztendlich sogar ein Sich-im-Kreise drehen als Fortschritt empfinden, denn sie verbraucht den Wechsel und die Bewegung wie eine Droge.

Zustände, die früher als permanent galten, werden nun einer nach dem anderen konsumiert. Ja, der Fortschrittler ist ein Verbraucher. Diese Erkenntnis beinhaltet, daß Fortschritt auch Umsatz bedeutet, und dieser Ausdruck ist identisch mit dem merkantilen Begriff. Läutet die Glocke?

Die tyrannische Seele des Massenmenschen

Zur Blütezeit seiner Demokratie befand sich Athen in diesem Zustand und es war selbstverständlich stolz darauf. Mehr noch: In solcher Illusion wurde (und wird) des Massenmenschen Seele tyrannisch. Sie verlangt, jedermann müsse sich ihrem Glauben an Fortschritt anschließen und obwohl sie keine Heilung kennt, benimmt sie sich wie ein Heiland.

Dies ist die Erklärung, warum Athen von Freunden und Feinden, speziell aber von „unterentwickelten Ländern“ erwartete, dieselbe Verfassung, dieselbe Lebensform und dieselbe Wirtschaft anzunehmen und warum es zuerst über solche mitleidig lächelte, die sich sträubten, sie dann verurteilte und schließlich bekämpfte.

Aber diese Art Benehmen ist natürlich nichts anderes als der Wunsch Vergleichsmöglichkeiten zu zerstören. Heute haben ganze Kontinente solche Wünsche, allerdings ohne Parthenon. Und selbst wenn man diese Zusammenhänge ignoriert, sieht unser „Way of Life“ immer noch ziemlich gut aus für manche, weil das Placebo der Illusionen nach wie vor wirkt.

(Bild: Perikles)

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11 Kommentare zu “Das Placebo politischer Illusionen

  1. Carlos Wefers Verástegui

    Thukydides berichtet von Perikles, dass dieser es verstanden habe, Athen gerade nicht wie eine Demokratie zu führen.

  2. Klaus-P. Kurz

    Richtig. Delphi und die Alkmaioniden (die heutige Wallstreet und City of London) ließen nie locker!

  3. Robert Wagner

    Schon seltsam, wie selbstverständlich und kritiklos hier vermeintliche gesellschaftliche und politische Missstände der heutigen Zeit anhand eines Staates und einer Gesellschaft festgemacht werden, die ihre Blütezeit vor 2500(!) Jahren hatte. Die attische Demokratie unter Perikles hat nur entfernt etwas mit heutigen Demokratien zu tun, insofern dort eben das Prinzip der Herrschaft durch das Volk, nicht durch einen Einzelherrscher (Monarchie/Tyrannis) oder eine ausgewählte Elite (Aristokratie/Oligarchie) zum ersten Mal in der Weltgeschichte erprobt wurde. Dass man das Volk anders definierte, versteht sich angesichts des riesigen historischen Abstandes eigentlich von selbst – u. a. verstand man nur Männer darunter. (Was Frauenrechte angeht, sind die Alten Griechen, mit Ausnahme Spartas, eher mit Saudi-Arabien vergleichbar.) Und dass die Sklaverei in Athen wie in der gesamten griechisch-römischen Antike weit verbreitet und eine alltägliche Selbstverständlichkeit war, macht aus heutigen Demokratien, zweianderthalb Jahrtausende später, auch keine Befürworter der Sklaverei, wie der Autor es unterstellt (»Demokraten haben nichts gegen Sklaverei«); genauso wenig wie moderne Demokratien nicht weniger demokratisch werden, nur weil die Etymologie hinter diesem Wort ursprünglich, d. h. vor über 2000 Jahren, eine andere Bedeutung hatte, als man heute gemeinhin annimmt (wenn das so überhaupt stimmt). In der Zwischenzeit, v. a. seit den letzten 250 Jahren, wurde dieser Begriff in unserer abendländischen Kultur mit sehr viel Leben und Bedeutung gefüllt; man tut gut daran, sich daran zu orientieren.

    Es gibt ein Wort, dass diese bedenklichen Vergleiche und Identifizierungen über Jahrtausende hinweg sehr gut charakterisiert und das ich in diesem Forum leider immer wieder bemühen muss, was für ein sehr selektives, ideologiegeleitetes Geschichtsbild spricht: ahistorisch.

    Solange politische Herrschaftssysteme von Menschen und nicht von übermenschlichen, allwissenden Supermenschen wie dem Autor – der mal so eben eine generationenübergreifende und massenhafte psychosomatische Erkrankung als Wurzel vermeintlicher gesellschaftlicher Übel ausmacht – getragen und ausgeführt werden, solange wird es keine perfekten Regierungsformen geben. Was schwebt dem Autor als Alternative denn bitte vor? Ernsthaft ein Zensuswahlrecht wie im 19. Jh.? Als wenn das in irgendeiner Form besser wäre (vgl. Napoleon III. in Frankreich oder die soziale Frage in Deutschland in jener Zeit)!

  4. @ Robert Wagner
    »…und das ich in diesem Forum leider immer wieder bemühen muss..«

    Nein, müssen Sie nicht! Jemandem, der seine geschichtlichen und politischen Kriterien aus der Stinkmorchel der Unmenschen der Reedukation saugt, möchte hier niemand viel Platz einräumen, um sich »bemühen« zu müssen. Werfen sie ihre Perlen nicht vor die Säue, fressen sie sie selbst.

    »…seit den letzten 250 Jahren, wurde dieser Begriff in unserer abendländischen Kultur mit sehr viel Leben und Bedeutung gefüllt; man tut gut daran, sich daran zu orientieren.«

    Genau so ist es:

    «Politik machen Interessenverbände, die die Fäden ziehen, an denen politische Hampelmänner hängen, die uns dann auf der Berliner Puppenkiste Demokratie vorspielen dürfen. Diese Politfiguren dürfen in den öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten bei den Klofrauen Christiansen und Illner ihre Sprechblasen entleeren. Und wenn sie da ihre intellektuelle Notdurft verrichtet haben und es tröpfelt nach, dann können sie sich bei Beckmann und Kerner an der emotionalen Pissrinne auch noch unter’s Volk mischen.» – Georg Schramm

    «Ich weiß nicht, ob Sie sich noch erinnern, worum es bei der Demokratie ursprünglich einmal ging. Es scheint schon so lange her zu sein, dass man sie ernst genommen hat. Aber im Grunde ging es darum, dass eine gewählte Regierung die Gedanken und Überzeugungen des Volkes repräsentieren sollte. Heute nehmen Regierungen es selbst in die Hand, die Gedanken und Überzeugungen des Volkes zu verändern.» – Brendan O‹Neill

  5. Einherjer

    Der Artikel gibt einen guten Abriss vergangener philosophischer Analysen im Vergleich zu gegenwärtigen Verhältnissen wieder.
    Ob übrigens tatsächlich vor 2500 Jahren geschehen ist stark zu bezweifeln: search >Heinsohn Horizon<. Doch ungeachtet dessen wird heute wie damals zweifellos der Pöbel durch den Pöbel delegiert.
    Epochen zwischen Antike und der Gegenwart, die notdürftig überbrückt wurden und werden durch vermeintlich verschiedene Gesellschaftsformen mit Pseudokönig, -Kaiser, -Kanzler, -Präsident oder -Diktator täuschen nur kleingeistige Sektierer wie Herrn W A G N E R und leider auch viele 'Konservative' darüber hinweg, daß die wesentliche Gesellschaftsfunktion der Geldwirtschaft stetig gleich blieb. Ergo die damalige wie heutige 'Elite' auch diesem ökonomisch destruktiven Sachzwang unterliegt.
    Eine Scheinelite also, welcher vom Pöbel getragen wird, sowie sich sogar dato vehement aus diesem rekrutiert. Heute ist dieser Pöbel nicht plebejisch, nicht pippinidisch, noch sind es neureiche Patrizier, Popen und Pfaffen….; sondern eben übergeordnet instrumentalisierte 'Bürger', -aufgespalten in protestantisch und katholisch.
    Viele sog. Atheisten sind meist unbewußt Protestanten; meist erkennbar am fiebrig inhaltslosen lärmen gegen Rom:
    Dabei nicht behirnend das es zwei arten von Rom gab. So wie es ein relativ konstruktives Kaiserreich und eben das „Ergebnis dessen“ heute gibt.
    Denn auch das sogenannte Konzil von Konstanz beendete nicht das Schisma des Abendlandes, sondern begründete den Zwist erneut, der sich bislang in zwei Dreißigjährigen Kriegen entlud. Der jüngste 'Dialog' vernichtete das Kaiserreich.

    Beide angeblich christlichen Zweige der Protestanten wie Katholiken beanspruchen seit empor putschen aus dem zerfallenen byzantinischen Gefüge die Geldmacht über das selbe Geldsystem für sich. Entweder Wallstreet oder Vatikan. Entweder Carcassonne oder Avignon. Entweder Dalai Lama oder Papst. Ein Widerstreit der Idioten. Ausgetragen auf dem Rücken eines Zinssystem, daß aufgrund eines global begrenzten und damit real 'unfreien Marktes' rein logisch-mathematisch immer wieder kollabieren muß. Wie die Spielführer auch fallen bei ihrer Stuhlreise nach Jerusalem…. Um Platz für einen neuen Taler, wie Technokraten mit neuer Währung, wie NWO zu machen.
    Denn Geldsystem = Gesellschaftssystem.
    Genau das prangerte doch der allseits so beliebte Heiland an, als er angeblich die Geldtische im Tempel umwarf. Genau das prangerte übrigens indirekt auch Kennedy an… und wer weiß was Julius Cäsar in seinen letzten Lebensjahren umtrieb, als sich anscheinend Skrupel bei ihm zeigten, weil er sein Hirn endlich zum denken nutzte.
    -Etwas das von Merkel und den ganzen ihr folgenden Schießbudenfiguren da droben wohl nie und nimmer zu erwarten ist…-.
    Offenbarte sich demnach also Julius Cäsar ein kausaler Sachverhalt perfider Geldökonomie?
    Welche ihn selbst zwang sein Leben lang Kriege zu führen um merkantiles Wachstum zu zelebrieren?
    Abgehalten im Namen bereits wieder wankender Götter am Firmament?
    Um Atreus Schatzhaus, wie ein Domus Aurea der Gläubiger weiterhin zu füllen?
    Späte Erkenntnisse Cäsar's, die dem bürgerlich stumpfsinnigen Kreditverleiher Brutus, samt seiner sikarischen Gläubiger allen Lebenssinn in Form ihrer angehäuften Guthaben zu nehmen drohte…..?
    Wurde deshalb Julias Cäsar wie Alfred Herrhausen oder Kennedy beseitigt?

    Ein Schweinezyklus, der durch unfähige Gläubiger getrieben wird, -welche wie pseudomerowingische Hausmeier beim 'Grande Trallala' des kurzen Pippin-, von ganz unten nach ganz oben gespült wurden. Die oben aufgeschlagen Notgedrungen widernatürlichen Unsinn ausspeien, daß aller menschlicher Geist brüderlich gleich verteilt wäre. So leicht alle geistig schwachen um sich scharren wie der Leibhaftige Fliegen….

    Und ja; genau dies meinte Nitzsche mit seinem 'antichristlichen' Rundumschlag. Von regieren kann also auch heute gar keine Rede sein Herr W A G N E R.
    Sie wollen hier die Weißheit mit der Gießkanne austeilen und fragen dabei selbst absolut hilflos in die Runde. Da passen Sie ja prima in die Politik.

    Denn nur mit völlig leerem Hirnkasten bezeichnet man die tagtäglich zu bewundernden Fehltritte, perfiden Ersatzbeschuldigungen und schizophrenen Spukleistungen etwaig UNO-Beauftragter Brüssler oder deutsch-parlamentarischer Gruselkabinette als wahrhaft demokratisch.
    Ihre erwähnte, massenhaft psychosomatische Erkrankung, -die all die gesellschaftlichen Übel ausmacht-, kann nur heilen wenn sich das Geldsystem, resp. Zinssystem ändern würde. Wenn z.B. ein progressiv negativer Zeitfaktor auf Guthaben wirken würde, in der Art wie natürliche Nahrung auch ungenießbar wird bei übermäßiger Lagerung. Ein Wahlrecht für Parteien, Lobbyisten, Sekten und Gruppen wäre bei funktionierendem Geldsystem unnötig. Da jede beliebige Gemeinde oder jedes beliebige Stadtteil, Kraft Subsidiarität, frei entscheiden könnte welche Teilnehmer Verantwortung zu tragen überhaupt im Stande wären! Ein Hintersinn den Schiller im Demetrius nicht mehr beenden durfte….
    Und zwar indem ein natürliches Geldsystem die fähigsten Geister sich zum wohle aller dienstbar machen würde; ganz nach nach Kants Kategorischem Imperativ.
    Wer mag könnte sich aufgrund Traditionen gern trotzdem einen Stadtkaiser oder Dorfmonarch erwählen, jedoch wäre bei natürlicher Geldsystemik keinerlei Korruption mehr von nutzen.

    Doch all das ist eben eine Illusion, da der mehrheitliche Geist dermaßen verschult wird. Diese Dinge werden als „Ferndeutung“ kurioser Weiße von 'Linken wie auch Rechten' verneint, da die psychische domestizierung bereits mit dem Kindergartengang durch bereits befallene Erzieher wie Eltern grandios einwirkt. Quasi mechanisch ohne zutun. Und auch bei Ihnen Herr W A G N E R fruchtete die Saat des mechanischen Autismus. Und so stolpern sie stellvertretend für alle fragend durchs Gelände.
    Und so walten ihre abgefahrenen hochgelobten Genossen dato im beispielhaft 'linken Berlin', wo sie sich als unfähigste Geister den technokratischen Gläubigern bewußtlos andienen und dermaßen untot gar nicht klar denken können. Auch; da sonst vor allem das vom bewußtlosen Volk untreu eingeheimste Salär beschnitten würde.
    Wer will auch schon mit Hacke und Schaufel nach Wasser graben, wenn er mit Scheinproblemen Geld erschaffen kann wie Gott?

    Dieses Szenario eines natürlichen Geldsystems, als verdrängtes Metathema der kollektiven Politikpsychose, setzt auch globale Vernetzung voraus, ….die noch nicht mal heute gegeben ist trotz oder gerade wegen Kreationen wie Fratzenbuch. Dieses setzt weiterhin voraus; die letzten 15 abgespulten Jahrhunderte, -bis mindest zurück zu den Anfängen von 'Völkerwanderung und Chaos'-; zumindest von den Fähigsten Beobachtern als kausale Ursache zu erfassen.
    Dieses setzt voraus die völlig ver-rückten Kreuzzüge zu ergründen, -wie den manischen Kirchen- und Moscheenbau-, an welchen wir als globales Kollektiv religiös-politisch heute so verzweifelt knabbern.
    Dieses setzt auch voraus, den unterschiedlichen Geisteshorizont aller Menschen und Ethnien(!) zu erfassen, -ihn gleichsam zu respektieren, um damit ein natürlich formendes Schichtensystem zu ermöglichen, -sowie gleichzeitig dadurch einem unterdrückendem Kastensystem zu begegnen.
    Oder sitzen sie, Herr W A G N E R, gemeinsam mit den Flodders beim sonntäglichen Muskatnusfondeu um sich auszutauschen?

    Eine Zwangsnivellierung nach Dogma 'Alle sind gleich' führt in den gegenwärtigen Monopolismus, der nur eine ökonomische Variante des Monotheismus darstellt. Ein Zwangsgefüge das schon Platon herausstellte, indem er schrieb: Demokratie führt in die Diktatur, ist Zwangszüchtigung geistig völlig Verwahrloster.
    Diese psychosomatische Erkrankung unreflektierter Gesellschaft führt also geradewegs zu gelenkten Despoten, wie Napoleon, Hitler, Churchill, Stalin, Mao, Obama usw…. Diese werden erwünscht wie Heiligenfiguren von Patienetn mit dem 'Jerusalem-Syndrom'.
    Vor allem wenn man Eulen nach Athen trägt oder in den Safe von BlackRock ist man Teilnehmender Patient. Das gilt besonders für die Rückgratlose Linke Apanagegesellschaft. Somit sind Internationale Zionisten = zelotische Linksfaschisten und alle Schafe die dies nicht bemerken huldigen ihren eigenen Metzger. Zum Metzger rennt leider die überwiegende Mehrzahl, 'rechts wie links'. Aus freien individuell denkenden Heiden wurden schuldige Schafe der Gläubiger, die sich gläubig sektieren, aufstellen und einreihen bei Juden, Christen und Moslems. Und Sie Herr Wagner stürmen mit wehender Fahne bewußtlos ganz vorneweg in den neusten Schlachtstall der Hausmeiernden Gläubiger von Brüssel. Wo global alles gleich zwangsnivelliert wird. Viel Spaß dabei…

  6. Robert Wagner

    Wow, E I N H E R J E R, ich treibe Sie ja zu regelrechten Höchstleistungen an, einen so umfangreichen Beitrag habe ich hier noch nicht gesehen. Allerdings auch noch keinen, der bei so vielen Worten so wenig Substanz aufweist…

    @ Gustav

    »Nein, müssen Sie nicht! Jemandem, der seine geschichtlichen und politischen Kriterien aus der Stinkmorchel der Unmenschen der Reedukation saugt, möchte hier niemand viel Platz einräumen, um sich „bemühen“ zu müssen.«

    Oh ja, dass eine Universität für jemanden wie Sie nichts weiter als eine »Stinkmorchel« ist, glaube ich Ihnen aufs Wort. Aber Sie haben natürlich recht, ich muss hier im Prinzip gar nichts; aber ich will. Und wenn ich etwas zu diesem Text schreiben will, passt dieses Attribut wie die Faust aufs Auge: ahistorischer Unsinn.

    [Achtung: Sarkasmus] Ich sehe, hier sind seriöse Historiker unter sich. Für wahr, ein sehr intellektuelles Forum ist das hier…

  7. Klaus-P. Kurz

    @ Gustav:

    Klasse! Ihr Georg Schramm-Zitat habe ich mir ausgedruckt und gerahmt. Es hängt jetzt neben meinem Schreibtisch.
    Ein anderes, von Schopenhauer, zeigt sehr anschaulich, womit wir es bei einigen verwirrten und verbohrten Zeitgeistern tatsächlich zu tun haben:
    »Nichts ist ärgerlicher, als mit Fakten und Argumenten gegen einen Widersacher zu kämpfen im Glauben, es mit seinem Verständnis zu tun zu haben, wenn man in Wirklichkeit nur mit seinem Willen handelt, dessen Denkweise verstockt gegen die Wahrheit ist. Man muß verstehen, daß Vernunft, gegen den Willen angewandt, ist, wie Samen auf nacktem Fels zu säen, wie leichte Pfeile auf eiserne Rüstung zu schießen, wie ein Sturmwind gegen einen Lichtstrahl wirkt.«

  8. Carlos Wefers Verástegui

    @ Robert Wagner

    Auf Universitäten bekommt man ja allerhand zu hören. Wer ein wenig Ahnung hat, wie es auf Universitäten zugeht, der wird nicht alles schlucken, was man da serviert bekommt, nur weil´s der »Dok« oder »Prof« gesagt hat oder ein berühmter Akademiker so darstellt. Seriöse Historiker sind auch nicht unfehlbar, genausowenig wie seriöse Politologen oder Soziologen, von Juristen ganz zu schweigen. Trotzdem: Die Universität – mit Abschluss – bekommt den Leuten besser zur Wissensbeschaffung sowie zur akademischen Dressur ihres Verstandes als so manches Privatstudium. Ja, die »universell« Privatgelehrten ohne Abschluss dünken sich erhaben, haben nie etwas vorgelegt, wissen dafür aber sehr viel von allem.

    Bezüglich Ironie & Sarkasmus: Ich sehe, wie leicht Ihnen das fällt, ironisch und sarkastisch usw. zu sein. Haben Sie das auch auf der Uni versucht? Waren Sie auch sarkastisch mit den Dozenten? Oder sind Sie so ein Computersarkastiker, dessen übersprudelnder ÉSPRIT erst über die Tastatur vermittelt werden muss? Waren Sie auch mal renitent im Hörsaal, haben dem Dozenten Widerworte gegeben? Wahrscheinlich nicht.

    Kurzer Hinweis: Der Vorwurf des ahistorischen ist so ziemlich ausgelutscht, seitdem die Historische Schule selbst das Zeitliche gesegnet hat. Ahistorie an sich entkräftet nichts, ist an sich kein Argument, ausser für die Historische Schule – siehe Rankes Vorwurf der Ahistorie Machiavelli gegenüber.

  9. Robert Wagner

    @ Carlos Wefers Verástegui:

    Du hast recht, das Geheimnis einer akademischen Ausbildung liegt darin, seinen eigenen Verstand und sein Wissen kritisch und reflektierend einzusetzen und nicht stumpf alles zu glauben, was der Prof./Dozent vorne von sich gibt. Ich persönlich habe auch noch keinen Prof./Dozenten erlebt, der diese Form von intellektuellem Kadavergehorsam eingefordert hätte, im Gegenteil; ich wurde immer dazu aufgefordert, das Vorgegebene kritisch zu hinterfragen. Und ob Du es glaubst oder nicht, in diesem Sinne habe ich dem Dozenten auch schon mal widersprochen bzw. kritisch nachgefragt. Einen solchen Sarkasmus wie hier habe ich aber natürlich nicht an den Tag gelegt; solchen Leute wie dem Autor, der an anderer Stelle allen Ernstes in Otto dem Großen (römisch-deutscher Kaiser ab 962) den Begründer des deutschen Staates sieht und auf Nachfrage weder eine Quelle noch einen Autor nennen kann, die seine Theorie stützen würden, oder wie dem Kommentator Gustav, der in Hochschulen nur »Stinkmorchel der Unmenschen der Reedukation« sieht, kann ich nicht dieselbe akademische Hochachtung entgegenbringen, wie einem geachteten Historiker, der schon mehrere Bücher zur frühneuzeitlichen Geschichte des Heiligen Römischen Reiches geschrieben hat. Das wirst du als studierter Historiker sicher nachvollziehen können.

    »Ja, die „universell“ Privatgelehrten ohne Abschluss dünken sich erhaben, haben nie etwas vorgelegt, wissen dafür aber sehr viel von allem.«

    Ich nehme an, diese Charakterisierung beziehen Sie auf den Autor dieses Artikels, Klau-P. Kurz, der als Naturwissenschaftler und damit als geisteswissenschaftlicher Laie den Anspruch erhebt, die Geschichte der letzten 1000 Jahre umzuschreiben, weil die gesamte Geschichtswissenschaft ja Teil einer einzigen, großen Verschwörung ist.

    Was den Vorwurf des Ahistorischen angeht. Ich benutze diesen Begriff in der bloßen Bedeutung, die seine Wortbestandteile ausdrücken. Und ich kann mir keinen Text vorstellen, auf den dieser Vorwurf des nicht-geschichtswissenschaftlich Ernstzunehmenden, des NICHT durch Quellen gestützten Geschichtsverständnisses besser passt als diesen Artikel, in dem völlig selbstverständlich und ohne jede Kritik von einer antiken Gesellschaft vor 2500 Jahren(!), in der völlig andere Mentalitäten und Werte galten, sehr weitgehende Rückschlüsse auf heutige demokratische Gesellschaften gezogen werden. Und dann auch noch von einem Geologen! (Diesen Hinweis konnte ich mir nicht verkneifen, ich bin Fan von BBT; ist ein Insider.) Man muss eigentlich diese Materie nicht studiert haben, um zu erkennen, was für ein idiotischer Unsinn das ist.

    Wenn Du tatsächlich studierter Historiker bist, musst du mir ausnahmsweise sogar zustimmen.

  10. Einherjer

    Toll Herr W A G N E R!
    Ein allzu erwartbares Zitat aus dem „seriösen Historikerkontext“ an C. W. Verástegui:

    „…vor 2500 Jahren(!)…“

    …und genau bei dieser fest getackerten Behauptung, -die so viele nach Scaligers linearer Traumdeutung blind wie Homer herumtanzen lässt-, ist schon zu bemerken, daß Sie auch in einem Großen Ballon leben der bald wie Brüssel zu platzen droht. Wenn die stickige Luft dann auch aus Ihrem Hirn mit Getöse entweichen sollte, ist es egal ob Sie bei Prof.Dr. soundso in Ihrer einfältigen Wirtshausuni vielleicht mal mutig wegen einer läppischen Jahreszahl oder dem Rechtsdrall irgendeiner Allongeperücke opponierten.

  11. Carlos Wefers Verástegui

    @ Robert Wagner

    Ich habe tatsächlich Geschichte studiert, sogar zuende. Über die Jahre habe ich die Freude daran verloren, mich selbst als »Historiker« zu bezeichnen. Hat mir nie etwas gebracht. Soweit ich weiss, ist »Historiker« auch keine geschüzte Berufsbezeichnung. Also, am »Historiker« packst du mich bestimmt nicht. Wenn Du willst, kannst Du weiterhin zweifeln daran, ob ich »Historiker« bin oder nicht, ich muss Dir keine Scheine vorlegen und auch sonst nichts beweisen. Hast du Geschichte zuende studiert?

    Wie kommst du überhaupt auf diese Scheidung Naturwissenschaft-Geisteswissenschaft? Das ist doch der deutsche Wissensschaftsstand von vor 1930! Was ist die Erkenntnis, die dahinter steckt? Wodurch und warum zeichnet sich geisteswissenschaftliche Geschichte vorteilhaft aus gegenüber den naturwissenschaftlichen Versuchen?

    Ich habe auch jahrelang gelesen, das naturwissenschaftliche Verfahren in Geschichte und Soziologie sei ein Irrtum und führe, ausser zu Selbstverständlichkeiten, zu keinem Resultat. Nun gibt es aber Arbeiten, welche naturwissenschaftlich vorgehen, und dennoch zu bedeutsamen Resultaten geführt haben. Ich habe mir die Frage gestellt, wieso das so ist, und dann eine Antwort gefunden, die ich aber für mich behalte.

    Wenn ich streng auf Quellen verweise, dann muss ich über die Güte dieser Quellen bescheid wissen. Das quellenkritische Verfahren ist dem naturwissenschaftlichen Verfahren so unähnlich nicht. Hier wie da wird kausal zurückgeführt, und auch das komparative Verfahren ist doch sehr naturwissenschaftlich (siehe Graf Yorcks Kritik an der historischen Komparatistik sowie den »historischen Gestalten«, wiewohl Yorck dann selbst doch davon spricht!)

    Ja, wo es um Hermeneutik geht, um Interpretation, da kann es keine Naturwissenschaft geben. Bei einer Interpretation kann ich keine Quellen angeben, höchstens mich selbst als »Medium« bzw. »Autorität« aufstellen, d.h. mir man schon meine Interpretation glauben muss. Ich kann nur die Materialen vorweisen, mich auf andere gute Autoritäten stützen, meinen eigenen Erfahrungsschatz sowie logische Evidenz geltend machen, und könnte deswegen trotzdem kritisiert werden. Wer kritisieren will, hat immer etwas zu meckern.

    In Deutschland hat man sich über hundert Jahre lang zerfleischt, was denn nun besser, wissenschaftlicher, angemessener sei, die Kleinarbeit im Sinne des englisch-französischen Positivismus und Empirismus, oder aber Ganzheitlichkeit, Intuitionismus, »Einfühlen« usw. Der moderne Wissenschaftsbetrieb und die Massenunis haben zuerst den Akzent auf die Kleinarbeit und dann wieder auf die Materialhuberei verlegt, dann dem »Zeitgeist« oder der Sozialepistemologie wissenschaftliche Betätigung gewährt: hier die »Postmoderne«, da die soziopolitischen Studien – zu Konflikten und Miseren und Marginalien, die Genderstudien, die Mikrogeschichten… schöne Abrechnung des kapitalistischen und merkantilen Wissenschaftsbetriebs bei Pitirim Sorokin, Fads and Foibles in Modern Sociology and Related Sciences. Chicago 1956 .

    Kleinarbeit machen, wie ein fleissiges Eichhörnchen Daten, unabhängig von jeder Wesentlichkeit, sammeln und katalogisieren und Trivialitäten darstellen, das kann so ziemlich jeder. Kritisch wird´s, wenn es um die höheren Künste der Historik geht, das ist zu anspruchsvoll für viele Menschen.

    Paul Zanker, »Augustus und die Macht der Bilder«, ist ein ganz hervorragender Historiker. Er arbeitet gemÄss der deutschen Tradition der Geisteswissenschaften betont hermeneutisch. Ich kenne nun einen spanischen Althistoriker, der Zanker zur Last legt, er, Zanker, mache leichtfertige Äusserungen. Besagter Althistoriker ist so ein Quellenfetischist, Materialhuber und Kleingeist bezüglich der Daten.

    Auch hervorragend ist Schmitthenners Rekonstruktion von Cäsars Testament. Natürlich benützt Schmitthenner Quellen. Seine These – Cäsar hat gar nicht so sehr an Oktavian als Nachfolger gedacht; die »testamentarische Adoption« war ein ganz unübliches Verfahren und wurde von Oktavian bezüglich Cäsars Vermächtnis in ein für ihn, Okatavian, vorteilhaftes Licht gerückt; im Testament Cäsars gab es Raum für einen nachgeborenen Sohn der vor Oktavian den Vorrang gehabt hätte – ist aus den Quellen an sich nicht zu erschliessen.

    Machiavelli hat die römische Geschichte studiert und Rückschlüsse auf die ganz andere Gesellschaft und Mentalität seiner Zeit gezogen. Das hat Ranke an ihm kritisiert. Überhaupt hat Ranke gern die Karte des »historischen Individualitätsdenkens« gegen alle »rationalistische« Geschichtsschreibung (Gervinus z.B.) ausgespielt und damit die Irrationalität des historischen Geschehens behauptet. Wer sich streng an so etwas hält, der liefert nur Deskription so genau wie möglich. Zuletzt versandet so etwas im belanglosesten Positivismus. Die reine Individualität ist nicht verstehbar, vor allem nicht rational verstehbar, weswegen Ranke ein ästhetisches Komplement benötigte. Der Vorwurf gegenüber Ranke – und hier auch gegenüber Dir – lautet: die Voraussetzungen des historischen Individualitätsdenkens müssen ungeprüft hingenommen werden. »Historizität« wird als Gewähr für irgendetwas ausgegeben. Gerade bei der »Historischen Schule« aber hat das Individualitätsdenken keine rein methodische Aufgabe, sondern ist auch polemisch gegen den »revolutionären Rationalismus« gerichtet. Oder ist es Zufall, dass die Väter dieses »Historismus« sehr konservative, z.T. sogar kontrarevolutionäre Leute waren?

    Übrigens, schon seit Jahrzehnten versuchen die »neuen« Politikwissenschaften und die »neue« Soziologie (Charles Tilly) wieder historisch zu werden. Politikwissenschaftler (Mearsheimer) entdecken die griechischen Klassiker, z.B. Thukydides, wieder – wieder einmal – für sich, um Lehren für unsere Gegenwart aus ihnen zu ziehen. Dein Hinweis, dass die alten Griechen andere Mentalität und andere Werte als wir hatten, daher können wir keine Parallelen ziehen, lÄsst ausser acht, dass gewisse politische und ökonomische Entwicklungen unabhängig von Mentalitäten und Werten sind: »Kapitalismus« gab es schon im alten Athen, aber auch in Rom, nur keinen »spezifisch modernen Kapitalismus«. Gerade wenn man den »Peloponesischen Krieg« liesst, merkt man, dass die Athener uns erschreckend ähnlich waren, trotz der Unterschiede, und dass Machtpolitik immer Machtpolitik ist. »Die tyrannische Seele des Massenmenschen« hat der Autor übrigens von Plato, und auch Tocqueville hat das sehr wahrscheinlich von Plato übernommen (»Leute, die nicht fähig sind, sich selbst zu regieren…« usw.). Auch gibt es genuin menschliche und soziologische Konstanten.

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