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Der Tugendterror und unsere Antwort

antaiosschlange_285x255Vor wenigen Tagen erschien Thilo Sarrazins neues Buch Der neue Tugendterror. Die großen deutschen Leitmedien, ja selbst der vermeintlich konservative Spiegel-Autor Jan Fleischhauer reagierten so, wie man es von ihnen erwartete. Sie versuchten Sarrazins These, die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland würden von einer »linksliberalen Medienelite« willkürlich gezogen, mit hanebüchenen Gegenbeispielen lächerlich zu machen.

Schützenhilfe bekommen Sarrazin und seine Thesen nun von unerwarteter Seite. Denn der deutsche Ableger des US-amerikanischen Online-Versandhändlers Amazon.com nahm vergangenen Mittwoch zwölf Titel des Verlags Antaios unbegründet aus dem Programm. Betroffen von dieser Zensur sind alle Werke, die im Jahr 2013 bei Antaios erschienen sowie zwei Werke, die im Frühling 2014 als Neuerscheinungen angekündigt wurden.

Die linke Meinungsmacht

Mit großer Wahrscheinlichkeit lässt sich deshalb darauf schließen, dass es sich bei der Zensur durch Amazon nicht um einen Schritt aufgrund eigener inhaltlicher Bedenken handelt. Götz Kubitschek, Inhaber und Gründer des Verlags Antaios, vermutet hinter der Zensur den Druck linker Interessengruppen. Amazon selbst äußerte sich bisher nicht zu den Vorwürfen Kubitscheks. Für den Verlagsinhaber beginnt derzeit nicht nur ein Kampf um die Meinungsfreiheit in dieser Republik, sondern ebenfalls um die eigene berufliche Existenz.

Denn der Ausfall von Kunden, die über die Empfehlungsfunktion Amazons als »Zufallskäufer« auf die Bücher des Verlags stießen, könnten nun wegfallen. Laut Kubitschek seien jene »Zufallskäufer« jedoch essentiell wichtig für das Überleben des Verlags aus Schnellroda. Hinzu kommt außerdem, dass Amazon eine inoffizielle Monopolstellung im Buchsektor inne hat. Bücher, die also im Verkaufsportal des US-Riesen nicht vorkommen, werden von vielen Kunden schlichtweg nicht wahrgenommen. Es gibt sie nicht.

Rechts der Pausenclowns

Der Verlag Antaios versucht nun seit dieser Woche, das rechtskonservative Lager mobil zu machen. Etliche Beschwerden erreichten Amazon in den vergangenen Tagen. Ob durch Anrufe, per Post oder elektronischer Nachricht, viele Leser und Kunden machten ihrem Ärger Luft. Dass sich das amerikanische Milliardenunternehmen durch jene Art des Protests zu einem Umdenken bewegen lässt, scheint derzeit fast ausgeschlossen. Doch welchen Weg gilt es sonst zu beschreiten?

Eine Antwort auf diese Frage zu finden, obliegt nicht allein Kubitschek und seinem Verlag. Denn der Verlag Antaios könnte nur der erste Stein in einer Lawine sein, die alle konservativen Verlage, Publizisten, Online-Portale, Zeitungen und Magazine zu erfassen vermag. Die »Antaios-Affäre« geht also all jene an, die rechts von Fleischhauer-Pausenclown-Konservativen ihr Geld verdienen. Es geht weiterhin all jene an, die sich Meinungsfreiheit auf ihre Fahnen geschrieben haben. Es geht uns alle an.

Für Kubitschek gilt es jetzt, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Er muss versuchen, die konservative Verlagsbranche unter einen Hut zu bringen. Also ein Milieu zu etablieren, dass sich bewusst und mit guten Argumenten gemeinsam von Amazon abwendet. Gründe gibt es allemal, denn die Prozente, die sich Amazon besonders an Publikationen kleiner Verlage sichert, sind unverschämt. Aus einem scheinbar unlösbaren Dilemma eine nonkonforme Chance zu machen, das ist das Gebot der Zeit!

Rezensionen von Antaios-Büchern auf BlaueNarzisse.de:

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4 Kommentare zu “Der Tugendterror und unsere Antwort

  1. Charles Neuer

    Und wenn Sarrazin Eier hätte, würde er nun unverzüglich für Antaios das Wort ergreifen! Mir schwant allerdings, dass das nicht passieren wird….

  2. Future Man

    Ich denke schon, daß es Amazon beeindrucken wird, wenn einige Tausend sich mit Protesten dort bemerkbar machen.

    2500 Abonnenten der Sezesion und fast zehnmal soviele bei der JF: Jetzt ist die Zeit für eine Solidarisierung gekommen.

    Hierzu zählen auch Solidaritätsbuchkäufe bei Antaios.

    Das gleiche Schicksal hat vorher schon andere getroffen. So gibt es keine Bücher vom DS-Verlag, von Grabert oder Hohenrain bei Amazon.de.

    Zeigen wir, daß wir da sind und uns nicht alles bieten lassen!

  3. Libertärer

    Immer das Geschwafel von »Meinungsfreiheit« seitens der rechtskonservativen Jammerlappen. Vielleicht sollte man diesen Begriff mal definieren. Anhand des Gejammers scheinen Rechtskonservative »Meinungsfreiheit« so zu definieren: »Niemand darf mich kritisieren, jeder muss mit mir Verträge eingehen, niemand darf mich ablehnen etc.« Das hat exakt überhaupt nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Wie viel Meinungsfreiheit gewährt denn Antaios/Kubitschek nach dieser Defninition? Wo sind denn die linksextremen Autoren in Kubitscheks Verlagsprogramm oder in seinem Online-Shop? Meinungsfreiheit bdeutet, dass jemand mit Hilfe seines Eigentums und dem Eigentum, das ihm Dritte freiwillig hierzu zur Verfügung stellen, seine Ansichten verbreiten darf. Hier darf niemand – sei es ein staatlicher oder privater Akteur – mittels der Ausübung oder Androhung von Gewalt eingreifen.

  4. Kommentarabgeber

    Also ich muss leider sagen, dass ich auch verstehen kann, dass Sarrazin sich dazu nicht äußert. Er hat besseres zu tun, als sich jetzt noch mit so einem Kindergarten herum zu schlagen, der da wieder eröffnet wurde. Er musste es für jede einzelne Publikation der vergangenen Jahre und bekam ein Kritikniveau geboten, dem jegliche Vernunft abgeht. Das wäre zusätzliches Gift für ihn. Wobei eine Stellungnahme seinerseits wenigstens öffentlichkeistwirksame Kritik bewirken könnte, die Antaios entlastet.

    Ich denke man bekommt alles, was man will auch über andere Wege zu lesen, aber beschämend ist es für Amazon allemal. Denn auch wenn eine »etablierte« Kundschaft sich eher dem »öffentlichen« Meinungskanon beugt (und mehr bezahlt), so ist es doch eher ein Armutszeugnis für die Qualität des angebotenen Spektrums bei Amazon und seiner Plattform, dass derartige Handlungsweisen zum Vorschein kommen. Ich denke eine derartige Zensur kann und darf einfach nicht stattfinden. Und wenn in jedem einzelnen Buch nur Gülle á la »Ich bin übrigens auch Gurkenesser« stände, dann sollte es trotzdem erscheinen dürfen, weil man doch wenigstens die Möglichkeit der Information über den Inhalt haben sollte. Aber scheinbar gilt das heutzutage nicht mehr, sondern nur die »öffentliche Akzeptanz« und der Absatz. Furchtbar!

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